mini|Friedrich Förner (Ölbild im Besitz des Priesterseminars Bamberg) Friedrich Förner (auch Friderich und Forner oder Fornerus, * um 1568 in Weismain; † 5. Dezember 1630 in Bamberg) war Generalvikar und Weihbischof in Bamberg. Er galt als „die Seele der Gegenreformation“ und war zugleich ein unerbittlicher Hexenverfolger im Hochstift Bamberg. Christianus Erdtmannus ist ein Pseudonym für Friedrich Förner.

Leben

Herkunft und Ausbildung

mini|alt=Stadtkarte Bamberg von 1617|Bamberg in Förners Zeit. Ausschnitt aus einem kolorierten Nachstich des „Zweidlerplans“ von 1602. A = Dom, C = St. Stephan, F = (Alt) St. Martin, G = Obere Pfarre, N = Seminarium ErnestinumFörners Vater hieß Ambrosius, über seine Tätigkeit in Weismain ist nichts bekannt. Von der Mutter kennt man nicht einmal den Namen. Da die Pfarrbücher Weismains nicht ins 16. Jahrhundert zurückreichen, ist auch Förners Geburtsdatum ungewiss. In einer seiner Schriften gibt Förner selbst einen Hinweis auf die Zeit um 1570; sein Biograf Lothar Bauer vermutet das Jahr 1568, da dies am besten zu einer zeitgenössischen Altersangabe passt. Förners Vater war ursprünglich Lutheraner gewesen, konvertierte jedoch zum Katholizismus.

Förner hatte sechs Geschwister, drei Brüder und drei Schwestern. Zwei seiner Brüder, Johann und Andreas, studierten ebenfalls Theologie in Rom und wurden Priester. Johann († 1638) folgte 1614 Friedrich Förner als Pfarrverweser an der Oberen Pfarre in Bamberg und wurde schließlich Theologieprofessor in Ingolstadt, Andreas († 1629) ist als Autor von polemischen Traktaten gegen Lutheraner und Calvinisten bekannt geworden. Moritz († 1629 oder 1630) hingegen heiratete und lebte zeitweise in Bamberg. Alle drei Schwestern heirateten: Barbara († 1604) hatte eine Tochter, die als Nonne in das Dominikanerinnenkloster Heilig Grab zu Bamberg eintrat. Margarethe zog mit ihrem Ehemann nach Eggolsheim, Anna bekam „villfaltige Kinderlein“ und wurde deshalb in Förners Testament besonders bedacht. Von den Geschwistern sind ebenfalls keine Geburtsdaten und nur zum Teil Todesdaten bekannt.Lothar Bauer: Die Bamberger Weihbischöfe Johann Schöner und Friedrich Förner. Beiträge zur Gegenreformation in Bamberg. Bamberg 1964, S. 361–365; Zitat: S. 364, Wiedergabe einer Passage aus Förners Testament.

Förner besuchte das Kollegiatstift in ForchheimDieter J. Weiß: Das exemte Bistum Bamberg 3: Die Bischofsreihe von 1522 bis 1693, S. 605. und nahm 1588 ein Philosophiestudium an der eben wiedergegründeten Universität Würzburg auf, wo er den Magistergrad erwarb. 1591 schrieb er dem neugewählten Bischof von Bamberg, Neidhardt von Thüngen, der 1584 Rector magnificus der Universität gewesen war, er wolle sich nun der Theologie zuwenden. Er wurde am Bamberger Priesterseminar, dem Seminarium Ernestinum, aufgenommen und erhielt im Lauf seines dortigen Studiums die niederen Weihen, 1593 auch die Weihen zum Subdiakon und Diakon.Lothar Bauer: Friedrich Förner (1568–1630). In: Gesellschaft für Fränkische Geschichte (Hrsg.): Fränkische Lebensbilder, Nr. 1 (1967), S. 182–209, hier: S. 183. In diesem Jahr entsandte ihn Bischof Neidhardt zur weiteren Ausbildung an das Collegium Germanicum in Rom. Dort blieb er fünf Jahre lang. 1596 wurde er zum Priester geweiht und 1598 erwarb er den Grad eines Licentiaten der Theologie, kurz darauf auch den Doktorgrad an der Universität Perugia.Lothar Bauer: Die Bamberger Weihbischöfe Johann Schöner und Friedrich Förner. Beiträge zur Gegenreformation in Bamberg. Bamberg 1964, S. 365–367.

Erste Aktivitäten in Bamberg mini|Besitzeintrag Förners auf dem Spiegel eines Buchs aus seiner Bibliothek, heute in der Staatsbibliothek Bamberg Nach seiner Rückkehr nach Bamberg erwies sich Förner schnell als radikaler Verfechter der Gegenreformation. Er machte sich noch 1598 gemeinsam mit Johann Kostenreutter im Auftrag des Bischofs an eine Visitation der Bamberger Diözese und berichtete Neidhardt über lutherische Prediger in der Nähe von Weismain, die er für höchst gefährlich hielt. Insbesondere die Bewohner von Altenkunstadt wollten ihm zufolge nicht zum Katholizismus konvertieren und konnten auch durch Geldstrafen nicht dazu bewegt werden. Der Weismainer Kastner Moritz Neydecker besetzte daraufhin um Mitternacht mit einer großen Gruppe „wehrhafter Bürger“ aus anderen Gemeinden den Ort und nahm die Einwohner gefangen. Förner selbst nutzte diese Situation aus, um die Altenkunstädter zur Beichte und Kommunion nach katholischer Lehre zu zwingen, wie er in einem Brief an den Bischof berichtete. Dieses gewaltsame Vorgehen ging selbst dem der Gegenreformation zugeneigten Neidhardt zu weit, und er befahl den Abbruch der Aktion und die Freilassung der Gefangenen.Lothar Bauer: Die Bamberger Weihbischöfe Johann Schöner und Friedrich Förner. Beiträge zur Gegenreformation in Bamberg. Bamberg 1964, S. 368–369. Bauer stützt sich auf Berichte der Visitatoren und Briefe Förners und Kostenreutters an Neidhardt, die im Staatsarchiv Bamberg erhalten sind.

Am 26. Dezember 1598 starb Förners Gönner, der Bischof Neidhardt von Thüngen, der Förner sofort nach dessen Rückkehr aus Rom in den „engsten Kreis seiner geistlichen Berater“ berufen und ihm auch ein Kanonikat zu St. Stephan verschafft hatte. Förner spendete ihm die Letzte Ölung und hielt die Leichenpredigten, die er 25 Jahre später drucken ließ. Der Nachfolger Neidhardts, Johann Philipp von Gebsattel, hielt wenig von den gegenreformatorischen Aktivitäten und zeichnete sich eher durch religiöse Toleranz aus. Dies scheint zu einem Bruch in der bis dahin steilen Karriere Förners geführt zu haben.Lothar Bauer: Die Bamberger Weihbischöfe Johann Schöner und Friedrich Förner. Beiträge zur Gegenreformation in Bamberg. Bamberg 1964, S. 369–370; Zitat: S. 370.

Im Jahr 1599 wurde Förner Pfarrverweser zu Unserer Lieben Frau, also an der als „Obere Pfarre“ bekannten Bamberger Kirche, wo er bis 1613 blieb. 1603 wurde er zum Domprediger ernannt.Lothar Bauer: Die Bamberger Weihbischöfe Johann Schöner und Friedrich Förner. Beiträge zur Gegenreformation in Bamberg. Bamberg 1964, S. 370–371. Die Prädikatur war mit einer Pfründe verbunden. Da Gebsattel, nach Lothar Bauers Urteil, Förner „kein offizielles Mitspracherecht in Angelegenheiten des Hochstifts einräumen“ wollte,Lothar Bauer: Die Bamberger Weihbischöfe Johann Schöner und Friedrich Förner. Beiträge zur Gegenreformation in Bamberg. Bamberg 1964, S. 371 pflegte Förner zunächst seine Beziehungen zu denjenigen katholischen Fürsten, die für Gegenreformation und Rekatholisierung eintraten, insbesondere dem Würzburger Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn und dem Herzog von Bayern Maximilian, der ihn 1604 auch in seinen Rat aufnahm.Lothar Bauer: Die Bamberger Weihbischöfe Johann Schöner und Friedrich Förner. Beiträge zur Gegenreformation in Bamberg. Bamberg 1964, S. 397. 1608 ernannte ihn sogar der Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Rudolf II. zu seinem Rat,Dieter J. Weiß: Das exemte Bistum Bamberg 3: Die Bischofsreihe von 1522 bis 1693. Berlin/New York 2000, S. 606. wohl auf Vorschlag Maximilians.Lothar Bauer: Die Bamberger Weihbischöfe Johann Schöner und Friedrich Förner. Beiträge zur Gegenreformation in Bamberg. Bamberg 1964, S. 397.

Der Konflikt mit Johann Schöner

mini|Die Curia Libhardi in ihrer heutigen Gestalt, durch Umbauten im 18. und 19. Jahrhundert stark verändert und erweitert Der politische Konflikt zwischen dieser „bayerisch-würzburgischen Partei“, als deren Vertrauensmann Förner in Bamberg galt,Dieter J. Weiß: Das exemte Bistum Bamberg 3: Die Bischofsreihe von 1522 bis 1693. Berlin/New York 2000, S. 606. und Gebsattel brach offen aus, als der Bamberger Weihbischof Johann Ertlin im Frühjahr 1607 starb. Das Bamberger Domkapitel wählte auf Vorschlag Gebsattels als Ertlins Nachfolger Gebsattels Generalvikar Johann Schöner, einen Theologen im gleichen Alter wie Förner, der ebenfalls am Collegium Germanicum in Rom studiert hatte. Es schloss sich eine heftige Auseinandersetzung zwischen Schöner und Förner an, die von beiden Seiten mit allen Mitteln geführt wurde, unter anderem schriftlichen Denunziationen in Rom, Überwachung der Post sowie Beschuldigungen finanzieller Unregelmäßigkeiten und des Konkubinats. Die Ernennung Schöners als Bischof durch Papst Paul V. ließ daher auf sich warten und erfolgte erst am 28. Juli 1608.Lothar Bauer: Die Bamberger Weihbischöfe Johann Schöner und Friedrich Förner. Beiträge zur Gegenreformation in Bamberg. Bamberg 1964, S. 372–393. Am 11. Januar 1609 erhielt Schöner die Bischofsweihe. Damit waren die Auseinandersetzungen aber nicht beendet, da es bereits Versuche gab, in Rom eine Absetzung Gebsattels „wegen seines schändlichen Lebenswandels und seiner Lahmheit im Glauben“ zu erwirken, unter anderem betrieben durch den Würzburger Fürstbischof und den bayerischen Herzog.Lothar Bauer: Die Bamberger Weihbischöfe Johann Schöner und Friedrich Förner. Beiträge zur Gegenreformation in Bamberg. Bamberg 1964, S. 402f. Bauer zitiert einen Brief des Kardinals Robert Bellarmin an Maximilian. Lateinischer Wortlaut: „propter turpitudinem vitae et in fide claudicationem“. Dies erübrigte sich am 26. Juni 1609, als Gebsattel starb, während Schöner noch auf der Rückreise von einer Romfahrt war.Lothar Bauer: Die Bamberger Weihbischöfe Johann Schöner und Friedrich Förner. Beiträge zur Gegenreformation in Bamberg. Bamberg 1964, S. 398–407.

Innerhalb eines Monats wurde Johann Gottfried I. von Aschhausen, ein prominenter Vertreter der bayerisch-würzburgischen Partei, in Bamberg zum neuen Diözesanbischof und Fürstbischof gewählt. Er entsandte Förner nach Rom, um die päpstliche Bestätigung zu erhalten und stellvertretend für ihn den Ad-limina-Besuch vorzunehmen, was noch im Jahr 1609 gelang. Aschhausen ernannte Förner umgehend zu seinem Generalvikar und entsandte ihn 1610 auch, gemeinsam mit dem Dompropst Johann Christoph Neustetter, zu den Verhandlungen über den Beitritt des Hochstifts Bamberg zur Katholischen Liga, die sie erfolgreich führten. Zudem strebte Aschhausen auch danach, Schöner als Weihbischof durch Förner zu ersetzen. Dafür war er auf die römische Kurie angewiesen, die jedoch auf Vermittlung zwischen Aschhausen und Schöner setzte. Es kam schließlich im Frühjahr 1612 zu einer Einigung: Schöner, der bereits Ende 1609 eine weitere Romreise unternommen hatte und von dort nicht nach Bamberg zurückgekehrt war, sondern sich zunächst in Augsburg und dann in Nürnberg aufhielt, sollte seine Bischofswürde behalten, aber auf das Weihbischofsamt in Bamberg verzichten und dafür finanziell entschädigt werden.Lothar Bauer: Die Bamberger Weihbischöfe Johann Schöner und Friedrich Förner. Beiträge zur Gegenreformation in Bamberg. Bamberg 1964, S. 407–437.