mini|260px|Die Post Street 1942. Foto: Dorothea Lange
Bop City (auch Jimbo’s Bop City) war ein Jazzclub in San Francisco, der von 1950 bis 1965 bestand. Er galt vor allem durch die Auftritte von Künstlern wie Billie Holiday, Louis Armstrong, Chet Baker oder Charlie Parker als einer der berühmtesten Jazzclubs seiner Zeit.Don Alberts: The Rushing bei Google Books
Geschichte des Clubs Der Jazzclub Bop City war in den 1950er Jahren einer der bekanntesten Veranstaltungsorte für Jazzmusik in San Francisco. Er befand sich in der 1690 Post Street im Fillmore/Western Addition-Viertel zwischen Laguna St. und Buchanan Street, einem nach der Internierung japanischstämmiger Amerikaner während des Zweiten Weltkriegs stark afroamerikanisch geprägten Viertel.
mini|links|hochkant|Sarah Vaughan, ca. 1946.Foto: Gottlieb
Während der moderne Jazz – ob in Form des Swings oder des Bebop – in der Central Avenue von Los Angeles populär war, galt San Francisco in dieser Zeit als Hort des traditionellen Jazz; in den 1940er und noch zu Anfang der 1950er Jahre war die Szene der Bay Area von Dixieland-Revivalbands wie Lu Watters’ Yerba Buena Jazz Band dominiert.Dirk Sutro: Jazz für Dummies Ende der 1940er Jahre entstanden jedoch im Tenderloin und im North-Beach-Viertel neue Clubs, mit der sich die Musikszene der Stadt veränderte.Carol P. Chamberland: The House That Bop Build
Das Bop City ging aus dem kurzlebigen, von Slim Gaillard betriebenen Club Vout City hervor. Gaillard zog nach Los Angeles und überließ Charles Sullivan, einem afroamerikanischen Unternehmer, den Veranstaltungsort. Sullivan erwarb das Gebäude und vermietete es an John „Jimbo“ Edwards (1913–2000),Carol Chamberland: Jimbo Edwards – In Remembrance der zunächst nur ein Café namens Jimbo’s Waffle Shop eröffnen wollte. Auf Drängen von Musikern entstand in einem größeren Hinterraum ein Veranstaltungsraum mit Bühne, der bald als Bop City in der Stadt populär wurde; der Name wurde nach der Schließung eines gleichnamigen Clubs in New York übernommen. Der Club in San Francisco eröffnete Ende März 1949 mit einem Konzert des Dizzy-Gillespie-Orchesters und Sarah Vaughan.Billboard Apr 2, 1949. Bop City war vor allem bekannt für seine nächtlichen Jamsessions und Partys, denn der Club öffnete erst um 2.00 Uhr morgens, wenn alle anderen Restaurants und Clubs geschlossen hatten (und hatte bis 6.00 Uhr morgens geöffnet).
Pony Poindexter beschrieb die Szene:
Hier konzertierten u. a. Duke Ellington, Ben Webster, Billy Eckstine, Miles Davis, Count Basie, Billie Holiday, Dinah Washington, John Coltrane (im Oktober 1950Lewis Porter: John Coltrane: his life and music) und Dewey Redman.Alan B. Govenar: Texas blues: the rise of a contemporary sound Der Saxophonist John Handy, der später bei Charles Mingus spielte, begann hier seine Karriere als Hausmusiker und jammte mit Benny Bailey, Kenny Dorham und Paul Gonsalves.Music of the Fillmore – SceneTexas Monthly Jul 1983 – Jazz in Camouflage – John Handy-Porträt von Doug Ramsey Weitere Hausmusiker waren der Bassist Terry Hilliard und Teddy Edwards.Playing On the Streets to a Different Tune – The Forgotten Street (Mai 2011) Zu den ersten Musikern, die im Bop City spielten, gehörten Jimmy Heath, Milt Jackson, Roy Porter, Howard Jeffries, Sonny Criss und Hampton Hawes.Roy Porter, David Keller: There and BackJimmy Heath, Joseph McLaren: I walked with giants: the autobiography of Jimmy Heath
Das Bop City war auch der Ort, in dem das einzige Zusammentreffen von Charlie Parker und Louis Armstrong stattfand; der Trompeter war nach einem eigenen Konzert in den Club gekommen, in dem gerade Parker spielte.Rand Richards: Historic Walks in San Francisco: 18 Trails Through the City's Past Zu den Besuchern gehörten auch der junge Clint Eastwood sowie Prominente und Hollywood-Stars wie Joe Louis, Marilyn Monroe, Kim Novak und Sammy Davis junior.Joel Selvin: The Chronicle's Bay Area Musical History Tour (2009) in SFGateThe Fillmore Museum
mini|hochkant|Art Tatum, Vogue Room, NYC, 1948.Fotografie von William P. Gottlieb
Das Bop City zog auch Schriftsteller wie Jack Kerouac und Künstler an; der Maler und Filmemacher Harry Smith (* 1923) bemalte die Wände mit abstrakten Motiven und schuf eine Lightshow, die zur Musik von Dizzy Gillespie und Thelonious Monk lief.Paul J. Karlstrom, Archives of American Art, Smithsonian Institution, Fine Arts Museums of San Francisco: On the edge of America: California modernist art, 1900–1950 Zwar kostete der Eintritt nur einen Dollar und Musiker kamen kostenlos hinein, doch Jimbo Edwards entschied stets selbst, wen er hineinließ und wen nicht:
Die Sängerin Mary Stallings kommentierte die Atmosphäre aus der afroamerikanischen Perspektive:
1965 musste Jimbo Edwards den Club schließen, kurz nachdem auch weitere bekannte Jazzclubs wie das Black Hawk und das Say When ihre Aktivitäten eingestellt hatten. Das viktorianische Gebäude, in dem sich Jimbo’s Waffle Shop befand, wurde im Zuge der Sanierungsarbeiten in dem Stadtviertel Mitte der 1970er Jahre zwei Häuserblocks weiter in die 1712 Fillmore Street verschoben;Reflecting on the Past, Embracing the Future Heritage News 39 (3) (PDF; 9,9 MB) sowie ebendort Landmark Designation Work Program der Hinterraum, in dem der Club Bop City war, fiel jedoch dem Abriss zum Opfer.Rand Richards: Historic Walks in San Francisco: 18 Trails Through the City's Past in Google Books John „Jimbo“ Edwards starb im April 2000 im Alter von 87 Jahren.Nachruf
Carol P. Chamberland drehte 1998 den Dokumentarfilm The Legend of Bop City, in dem Dick Berk, Jimbo Edwards und Teddy Edwards mitwirkten.
Weblinks Robert Tate & Nina J. Hodgson: Jimbo Edwards at Bop City Carol P. Chamberland: The House That Bop Build Erinnerungen an das Bob City von Si Perkoff
Einzelnachweise
Kategorie:Veranstaltungsort (Jazz) Kategorie:Musik (San Francisco) Kategorie:Veranstaltungsstätte in Kalifornien Kategorie:Spielstätte für Musik in den Vereinigten Staaten