mini|360px|Alte Ansicht von St. Andrä (Kupferstich von Matthäus Merian) mit Pfarrkirche von St. Andrä, Lorettokirche (Nr. 4, links im Bild), Bischofsresidenz (1, links neben der Pfarrkirche) und Rathaus (10) St. Andrä, auch St. Andrä im Lavanttal (slowenisch: Šentandraž), ist eine Stadtgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Wolfsberg, Kärnten. Nachbargemeinden sind Wolfsberg, St. Paul und Sankt Georgen.
Geographie Das Gemeindegebiet umfasst einen Teil des Unteren Lavanttales, wo der Großteil der Bevölkerung wohnt, sowie den sanft ansteigenden und mit Streusiedlungen übersäten Osthang der Saualpe und den steilen und kaum besiedelten Westhang der Koralpe. Die Stadt St. Andrä liegt auf einem Hügel rund 30 m über dem Talboden.
Gemeindegliederung Entwicklung der Gemeinde St. Andrä Im Jahre 1850 wurden die österreichischen Gemeinden nach dem Muster des „stabilen Katasters von 1817“ geschaffen. In den Jahren von 1850 bis 1875 kamen die selbstständigen Gemeinden Fischering, Gemmersdorf und Eitweg zur Gemeinde St. Andrä. 1881 wurden diese aber wieder – nun als zwei Gemeinden Eitweg und Fischering – von St. Andrä getrennt. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Gemeinde Pölling auf die Gemeinden St. Andrä, St. Marein und Fischering aufgeteilt. Im Jahre 1973 gab es eine große Gemeindereform, durch die die Gemeinde St. Andrä aufgelöst wurde. An ihrer Stelle wurde die Großgemeinde St. Andrä gegründet, die viele der ehemaligen Nachbargemeinden umfasst. Die heutigen Katastralgemeinden sind mit den ehemals selbstständigen Gemeinden nicht identisch. Insgesamt gibt es in der Gemeinde 21 Katastralgemeinden mit 64 Ortschaften:
St. Andrä, Eitweg, Fischering, Gemmersdorf, Goding, Jakling, Kleinrojach, Kollegg, Mosern, Oberaigen, Pölling, Schönweg, Teichbauer, Dachberg, Eisdorf, Framrach, Langegg, Lindhof, Paierdorf, Winkling, Lamm.
Großgemeinde St. Andränach der Gemeindegroßreform 1973 Ehem. Gemeinde Fläche in ha St. Andrä 726 Fischering 1575 Maria Rojach 1505 Eitweg 2510 Schönweg 920 Pustritz (Teil) 1355 Granitztal (kl. Teil) 832 St. Paul (kl. Teil) 692 St. Stefan (kl. Teil) 137 St. Marein (kl. Teil) 793 St. Georgen 312
Ortschaften mit ihren Einwohnerzahlen (Stand: ):
Nachbargemeinden
Geologie Die Gemeinde St. Andrä liegt in unterschiedlichen geologischen Zonen. Im Talboden herrschen vor allem Schotter und andere Flussablagerungen vor. Auch Molasse kommen häufig vor. Auf den Berghängen der Sau- und Koralpe ist meistens Gneis vorzufinden. Auf der Saualpenseite gibt es auch große Gebiete, in denen Glimmerschiefer und Quarz-Phyllite vorherrschen. Auch Zonen mit Marmor wurden auf der Koralpe gefunden; Reste eines römerzeitlichen Marmor-Steinbruchs finden sich im „Kalten Winkel“ nahe der Ortschaft Ragglbach. Zudem gibt es auf dem Dachberg reiche Lehmvorkommen, die schon im Mittelalter abgebaut wurden.
Berge Die Gemeinde St. Andrä hat eine maximale Höhe von . Sie erstreckt sich im Westen auf die Saualpe und östlich auf die Koralpe (Großer Speikkogel). Zwischen diesen Bergen breitet sich eine große Talsohle aus. Dort gibt es nur wenige kleinere Erhebungen wie den Dachberg, der eine Höhe von 522 m hat, und die Ortschaft Zellbach auf zirka 600 m Höhe. Die gleichnamigen Ortschaften am Dachberg und in Zellbach sind Streusiedlungen und haben somit keinen Ortskern. Auf der Koralpe und auf der Saualpe gibt es sowohl Streusiedlungen als auch Siedlungen mit einem festen Ortskern, meist um die Pfarrkirche. Zu den Streusiedlungen auf der Saualpenseite gehören Kienberg und Kollegg. Die Ortschaften mit Ortskern sind dort Pölling, Schönweg und Lamm. Auf der Koralpenseite gibt es nur die Streusiedlung Goding.
Flüsse mini|Koralpe Der Hauptfluss des Lavanttales und damit auch der Gemeinde St. Andrä ist die Lavant. Die Lavant wurde im 20. Jahrhundert ausgiebig reguliert, so dass sie heute ein relativ gerade verlaufender Fluss ist. In regelmäßigen Abständen wurden in die Lavant zur besseren Kontrolle der Wasserführung Staustufen eingebaut, die man öffnen und schließen kann. Vor dieser Regulierung verlief die Lavant in großen Bögen, und die ganze Gegend war ein Sumpfgebiet. Die Lavant wird im Gemeindegebiet von St. Andrä durch zahlreiche kleinere Flüsse und Bäche gespeist. Diese entspringen entweder im Westen auf der Saualpe (Reisberger Bach, Woisbach, Pöllinger Bach, Lammerbach, Pustritzerbach), oder im Osten auf der Koralpe (Reidebenerbach, Werdenbach (bei der Mündung: Jaklinger Bach), Hahntrattenbach, Rojacher Bach und Ragglbach).
Klima
Geschichte Mittelalter mini|Stadtmauerreste entlang des Tränkweges mini|Dom- und Stadtpfarrkirche St. Andrä Im Jahre 860 wird der Name „curtis ad Labantam“ (Hof an der Lavant) in einer Urkunde über die Besitzungen des Salzburger Erzbistums das erste Mal genannt. Dieser Hof war zu jener Zeit die Hauptortschaft des Lavanttales, wobei St. Andrä unter der weltlichen und geistlichen Herrschaft der Salzburger Erzbischöfe stand. Verwaltet wurde St. Andrä jedoch von einem Vizedom, dessen Sitz in Friesach lag. Die erste urkundliche Erwähnung der Pfarrkirche St. Andrä stammt aus dem Jahre 890.
In einer Urkunde des 12. Jahrhunderts erfährt man zum ersten Mal etwas über die anderen Ortschaften in der Umgebung von St. Andrä: Peirdorff (Paierdorf), Ober- und Niedergemondesdorff (Gemmersdorf), Meyingolosdorff (Magersdorf), Isachsdorff (Aggsdorf), Vramerich (Framrach), Itewic (Eitweg), Pirkelinger (Pirk), Sigmuntingen (Siebending) und Wimpozingen (Wimpassing). 1212 gründete Bischof Eberhard II. ein Augustiner-Chorherren-Stift. Der Propst des Stiftes war zugleich Erzdiakon und später zudem Stellvertreter des Bischofs von Lavant. Im Jahre 1228 gründete Bischof Eberhard II. auch das Bistum Lavant bei der Andreaskirche in St. Andrä. Die Andreaskirche wurde zur Bischofskirche erhoben. Ab 1318 trugen die Bischöfe von Lavant den Titel „Fürstbischof“.
In einer Urkunde des Jahres 1234 scheint die Ortschaft St. Andrä erstmals als Markt auf. 1289 wird der Ort als „civitas Lauentina“ (Stadt) erwähnt. Noch bis ins 13. Jahrhundert hatte St. Andrä den Namen „Lavant“. Danach wurde zunehmend die Andreaskirche das Zentrum von St. Andrä und somit wurde der Name zu St. Andrä geändert. 1339 erlaubte Herzog Albrecht II. die Befestigung der Stadt durch einen Graben und eine Stadtmauer, von der heute noch Teile zu sehen sind. Mehrmals wüteten Pestepidemien in St. Andrä, die zahlreiche Todesopfer forderten. 1417 wurde die Stadt durch die Türken belagert, und im Jahre 1480 nahmen die Truppen des Kaisers Friedrich III. St. Andrä ein, da der Kaiser im Streit mit dem Erzbischof von Salzburg lag. Im selben Jahr eroberten die Türken die Stadt noch einmal. Durch einen Überraschungsangriff des Wolfsberger Vizedoms Georg von Schaumburg konnten diese wieder vertrieben werden.
Neuzeit Um das Jahr 1570 herrschte in St. Andrä die Pest. Deswegen mussten die Gottesdienste in diesem Jahr im Freien abgehalten werden. Im 17. Jahrhundert wurde der frühere „Bischofshof“ zur ständigen Residenz des Bischofs ausgebaut. 1647 folgte die Errichtung der heutigen Wallfahrtskirche Maria Loreto. Das Kloster „Jungfrauen Kloster S. Dominici“ wurde 1673 gegründet. Eine Trivialschule erhielt die Stadt im Jahre 1775. Infolge der Napoleonischen Kriege verlor der Erzbischof von Salzburg 1803 auch seine Besitzungen von St. Andrä. St. Andrä wurde in den österreichischen Staat eingegliedert. 1809 erreichten französische Soldaten die Stadt und plünderten sie aus. Das Augustiner-Chorherrstift war bereits 1808 wegen Verschuldung aufgelöst worden. Nachdem bereits 1727 ein Großbrand St. Andrä verwüstet hatte, kam es auch 1821 und 1886 zu heftigen Feuersbrünsten in der Stadt.
1859 endete die Geschichte von St. Andrä als Bischofssitz. Der Sitz des Bistums Lavant wurde unter Bischof Martin Slomšek nach Marburg an der Drau verlegt. Der Kärntner Anteil an der Diözese wurde der Diözese Gurk zugeschlagen. Die Bischofsresidenz bekam der Jesuitenorden geschenkt.
1865 brannte ein großer Teil von Jakling (14 Häuser). 1872 wurde die Freiwillige Feuerwehr St. Andrä gegründet. 1873 erhielt St. Andrä eine erste, hölzerne Wasserversorgung. 1874 kam es zu einer Überschwemmungskatastrophe an der Lavant und den anderen Flüssen in der Gemeinde. Beide Brücken über den Mühlbach wurden vom Fluss weggerissen.
20. Jahrhundert In den Jahren 1914 bis 1918 wurden zahlreiche Kirchenglocken aus St. Andrä für den Krieg eingeschmolzen. 1934 kam es während des Juliputsches zu heftigen Gefechten zwischen den Nationalsozialisten und dem Bundesheer. 1940 wurden die Jesuiten von den Nationalsozialisten aus der ehemaligen Bischofsresidenz vertrieben. 1945 quartierten sich dort die Engländer ein. Heute ist die ehemalige Bischofsresidenz ein Altersheim. 1972 bekam die Freiwillige Feuerwehr St. Andrä ein neues Feuerwehrhaus, das 2007 erweitert wurde.
1973 wurden die Gemeinden Eitweg, Fischering, Maria Rojach, Schönweg und St. Andrä zur Großgemeinde St. Andrä zusammengelegt.
Im österreichischen Energieplan des Jahres 1976 war in St. Andrä eines von drei Kernkraftwerken in Österreich vorgesehen.Zwentendorf-Besichtigung: Eine Reise ins Atomzeitalter. auf: Die Presse.com. 29. Mai 2010. Aufgrund der Proteste gegen das KKW Zwentendorf wurde dieses aber nie in Betrieb genommen und die Pläne für ein Kernkraftwerk im Lavanttal verworfen.
Bevölkerung Bevölkerungsstruktur Laut Volkszählung 2011 hatte die Stadtgemeinde St. Andrä 10.332 Einwohner. Die Verteilung zwischen der weiblichen und der männlichen Bevölkerung war mit 49,9 % Männern und 50,1 % Frauen nahezu ausgewogen. 14,6 % der Einwohner waren unter 15 Jahre, 18,9 % über 65 Jahre. Ausländer gab es auf dem Gemeindegebiet kaum, 97,6 % der Bevölkerung waren österreichische Staatsbürger.
Bevölkerungsentwicklung
Von 1869 an stieg die Einwohnerzahl St. Andräs von 6.515 Einwohnern bis 2001 auf 10.719 Einwohner an. Die Wanderbilanz von −1 % wurde in den Jahren 1991 bis 2001 durch die Geburtenbilanz von 2,3 % wettgemacht. Bis zum Jahr 2018 sank die Einwohnerzahl auf 9.957 Einwohner.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Wallfahrtskirche Maria Loreto mini|Pfarrkirche Pölling mini|Ehemalige Residenz der Salzburger Fürstbischöfe (heute „Haus Elisabeth“)
Stadtbefestigung St. Andrä: Das Alte Stadttor (Tränktor) und Stadtmauerreste am ehemaligen Spital, an der Rückseite des Hauses Elisabeth und entlang des Tränkweges sind eindrucksvolle Zeugen der Vergangenheit. Schloss Kollegg Schloss Mosern Die Dom- und Stadtpfarrkirche St. Andrä hat einen gotischen Baustil. Als ehemalige Kathedrale des Bistums Lavant ist sie die Grabstätte vieler Bischöfe von Lavant. Erstmals erwähnt wurde sie 890 in einer Urkunde des Kaisers Arnulf als ad Lavantam ecclesiam sancti Andreae. Im 17. und 19. Jahrhundert wurden mehrere Bauveränderungen durchgeführt, wie zum Beispiel das Erhöhen der Mauern und das Hinzufügen des Kreuzgewölbes. Auch der Nordturm wurde erst später im Stil des älteren Turms hinzugefügt. Katholische Filialkirche Siebending Hll. Sebastian und Rochus Katholische Filialkirche Fischering hl. Martin Katholische Filialkirche St. Jakob bei Framrach Katholische Filialkirche Jakling Hll. Johannes und Paulus