mini|Stonehenge (Tritlith und weitere Quader des Monuments im Juli 2008)
Stonehenge []Eintrag „Stonehenge“ im Duden. ist ein Megalith-Bauwerk der Jungsteinzeit nahe des Flusses Avon bei Amesbury in Wiltshire, Südwestengland. Es wurde ab wenigstens 3000 v. Chr. in mehreren nach und nach aufeinander folgenden Versionen errichtet. Die Anlage wurde mindestens bis in die Bronzezeit weiter genutzt und danach aufgegeben, wohl vor 1400 v. Chr. Seither wurde sie stark beschädigt.
Die wohl anspruchsvollste Bauphase, Stonehenge 3, mit ihren an Kolonnaden gemahnenden monumentalen Steinkreisen mit Aufliegern fand etwa zeitgleich mit der Errichtung der Cheopspyramide in Ägypten statt, und der in Stonehenge verwendete Blaustein ist als Basalt etwa so hart wie der in Ägypten verwendete Granit. Umfangreiche Bautätigkeiten über mehrere Jahrhunderte und nicht zuletzt der Transport der bluestones, vom Ort ihrer Gewinnung im heutigen Wales über 250 Kilometer zur Baustelle deuten auf großräumige organisatorische Strukturen in den Haupt-Bauzeiten, über die nichts Näheres bekannt ist. Ein entscheidender Aspekt bei der Einordnung von Stonehenge in die Geschichte der Britischen Inseln liegt in deren Siedlungsgeschichte: Bald nach der Fertigstellung von Stonehenge 3 III begann die indoeuropäische Invasion der Inseln, in deren Verlauf die Träger der „Stonehenge-Kultur“ zu einer Randgruppe von nur noch 10 % der Bevölkerung wurden.Warwick Classics Network: Bronze Age BritainBild der Wissenschaft: Wie sich die Glockenbecherkultur ausbreitete Auch die Kelten waren schon ein Teil dieser Invasion.
Ab 1918 ging das Monument in den Besitz des Staates über; verwaltet und touristisch erschlossen wird es vom English Heritage, seine Umgebung vom National Trust. Die UNESCO erklärte die Stonehenge, Avebury and Associated Sites im Jahr 1986 zum Weltkulturerbe. 2019 wurde Stonehenge von rund 1,6 Mio. Personen besucht; 2024 betrug die Besucherzahl ca. 1,36 Mio.
Spekulationen und Konsens Über den Anlass und letztlichen Zweck dieses aufwendig konzipierten Monuments existieren verschiedene, sich teils ergänzende, auch sich widersprechende Hypothesen. Sie reichen von der Annahme einer Stätte für Begräbnisse und andere religiöse Kulte bis zu der eines astronomischen Observatoriums mit Kalenderfunktionen (u. a. für die Saatzeiten).
Alle Hypothesen, auch die eher rein spekulativen, stimmen in einem Punkt überein: Die Hufeisen und die ihren Öffnungen senkrecht vorangestellten Steine sind exakt auf den damaligen Sonnenaufgang am Tag der Sommersonnenwende ausgerichtet. Wegen der gebrochenen Symmetrie in diesen – von oben betrachtet – Hufeisen-ähnlichen Bögen unterscheidet sich Stonehenge deutlich von jenen Monumenten, die lediglich aus Steinkreisen bestehen.
Auffälligkeiten Die jüngste Version der Anlage besteht aus einem ringförmigen Erdwall, in dessen Innerem sich verschiedene, um den Mittelpunkt gruppierte Formationen aus bearbeiteten Steinen befinden. Ihrer Größe wegen nennt man sie Megalithen. Die auffälligsten unter ihnen sind der große Kreis aus ehemals 30 stehenden Quadern, die an ihrer Oberseite einen geschlossenen Ring aus 30 Decksteinen trugen, und das große „Hufeisen“ aus ursprünglich zehn solcher Säulen, die man durch je einen aufgelegten Deckstein zu fünf Paaren miteinander verband, die sogenannten Trilithen. Jeweils innerhalb dieses Hufeisens und Kreises standen zwei der Form nach ähnliche Figuren: beide aus viel kleineren und ehedem doppelt so vielen, aber nicht durch Decksteine miteinander verbundene Menhire. Diese vier Formationen werden durch den „Altar“ nahe der Mitte der Anlage, den sogenannten „Opferstein“ innerhalb und den „Heelstone“ ein gutes Stück außerhalb des nordöstlichen Ausgangs ergänzt (die Namen entstammen der Phantasie früherer Betrachter, die Funktion der Steine ist unbekannt). Außerdem wurden drei konzentrische Lochkreise innerhalb des Ringwalls angelegt und im größten davon vier Menhire zu einem Rechteck angeordnet, dessen kurze Seiten parallel zur Längsachse des Monuments liegen. In der direkten Umgebung liegen weitere prähistorische Monumente, so zwei grob rechteckige, als Cursus bezeichnete Erdwerke, die älter sind als Stonehenge, und zahlreiche frühbronzezeitliche Hügelgräber. Der sogenannte Prozessionsweg verband Stonehenge über die nordöstliche Öffnung im umgebenden Graben und Erdwall mit dem Fluss Avon.
Überblick Neuere Forschungen haben weitere Hinterlassenschaften der gleichen Kultur zutage gebracht, insbesondere in dem kaum drei Kilometer entfernten Durrington Walls. Hier wurde eine Kreisgrabenanlage mit außenliegendem Aushubwall von etwa 480 Meter Durchmesser entdeckt, deren Nutzung offensichtlich eine Entwicklung durchlief: Knochen einer großen Anzahl von Schlachttieren, davon 90 Schweine, die überwiegend im Alter von neun Monaten geschlachtet worden waren und aus verschiedenen Regionen Südenglands stammten, lassen auf Durington Walls als Lagerplatz für große Festlichkeiten in Herbst oder Winter schließen.Piers D. Mitchell , Evilena Anastasiou , Helen L. Whelton , Ian D. Bull, Mike Parker Pearson and Lisa-Marie Shillito: Intestinal parasites in the Neolithic population who built Stonehenge (Durrington Walls, 2500 BCE) Ein Dorf innerhalb des Kreises habe nur 10 bis 12 Jahre bestanden. Pfostenlöcher von Häusern wurden jedoch vor den Eingängen der Ringanlage gefunden.Mike Parker Pearson, Joshua Pollard, Colin Richards, Julian Thomas, Chris Tilley, Kate Welham: Stonehenge for the Ancestors. Part II: synthesis. Sidestone Press, Leiden 2022. ISBN 978-90-8890-706-7, vgl. chapter 3.3.1 A domain of the living around the Durrington Walls settlement?, S. 93–95. Demnach wären beide Anlagen aufeinander bezogen und gleichzeitig genutzt worden. Möglicherweise wohnten die Erbauer von Stonehenge hier zeitweise.Mike Parker Pearson (2023): Stonehenge – The Litle ‘Big Other’. Journal of Urban Archaeology 7: 147-168. doi:10.1484/J.JUA.5.133454 Begleitend wurden außerhalb davon die Löcher einer monumentalen etwa kreisförmigen Holzpfosten-Anlage gefunden, mit etwa 300 Pfosten mit Pfostenhöhen von evtl. 5 Metern. Die hölzerne Anlage ist, nach Hindwell in Wales, die zweitgröße bekannte. Diese Henge-Anlage wurde erst errichtet, nachdem die Siedlung aufgegeben worden war, und nie vollendet. Vor ihrer Fertigstellung wurden die Holzpfeiler wieder entfernt und die Pfostenlöcher sorgfältig verschlossen.https://archaeology.co.uk/articles/features/rethinking-durrington-walls-a-long-lost-monument-revealed.htm
Südlich nahe benachbart dieses großen Rings liegt die kleinere Kultstätte Woodhenge, ebenfalls mit Holzpfosten, und wo der Prozessionsweg an den Avon stößt, der kleine Steinring Bluehenge.
Name und Klassifizierung des Monuments alt=|mini|Heutiger Zustand:13 – die ältesten Löcher aus Phase 2;11 u. 12 – die nie genutzten Löcher aus Phase 3 VI
Der Name Stonehenge ist schon im Altenglischen als Stanenges oder Stanheng belegt. Während der erste Namensbestandteil das altenglische Wort stān „Stein“ ist, herrscht über das zweite Element Unklarheit. Es könnte sich um hencg „Angel, Scharnier“ handeln, eine mechanische Konstruktion, zumindest deren Geometrie eine Ähnlichkeit hat mit den Zapfen-Zapfloch-Verbindungen, durch die die Decksteine an den tragenden Sarsen befestigt oder sozusagen eingehängt sind. Diese Art Verbindung ist nicht völlig starr, im Falle von Erschütterungen durch Erdbeben sind kleine Drehbewegungen möglich. Die substantivische Ableitung von dem Verb hen(c)en: „hängen“, würde hingegen auf den „Galgen“ hinweisen. Auch hier besteht eine Ähnlichkeit, denn die Galgen im mittelalterlichen England besaßen zwei Standbeine – wie die Trilithen. Der Deutung als „(in der Luft) hängende Steine“So auch die Encyclopedia Britannica. fehlt laut Christopher Chippindale die semantische Konsistenz.Christopher Chippindale: Stonehenge Complete. Dritte überarbeitete Ausgabe, Thames & Hudson, London 2004, ISBN 978-0-500-28467-4. Andererseits hingen auch die von antiken Schriftstellern gepriesenen Hängenden Gärten der Semiramis in Babylon nicht wirklich, sondern waren von Säulen gestützte Terrassen oder Balkons.
Der zweite Bestandteil des Namens, Henge, wird heute als archäologischer Fachbegriff für jene Klasse jungsteinzeitlicher Bauwerke verwendet, die aus einer ringförmig erhöhten Einfriedung mit einem an der Innenseite entlangführenden Graben bestehen. Stonehenge selbst ist nach der derzeitigen Terminologie ein so genanntes atypisches Henge, da der Graben den Ringwall umgibt und ihm schließlich ein zweiter Ringwall angefügt wurde.
Gliederung der Bauphasen Der Komplex wurde mehrfach verändert bzw. in mehreren Phasen errichtet. Die Setzung der ersten Steinkonstruktionen erstreckte sich über einen Zeitraum von etwa 2000 Jahren bis maximal 1400 v. Chr. Nachweislich wurde das Gelände aber schon lange vor der Errichtung des Monumentes als Kultstätte genutzt. Drei große mutmaßliche Pfostenlöcher, die sich nahe dem heutigen Besucher-Parkplatz befinden, datieren aus der Mittelsteinzeit (um 8000 v. Chr). In ihrem Umkreis fand man in Bodenproben die Reste von Feuerbestattungen, die auf die Zeit zwischen 3030 und 2340 v. Chr. datiert wurden.Stonehenge – schon vor 5000 Jahren eine Begräbnisstätte? Steinkreis erst später errichtet. Auf: nzz.ch, 29. Mai 2008, abgerufen am 11. September 2014. Neueste Forschungen legen nahe, dass der Ort, an dem heute die Reste des Monuments zu betrachten sind, bereits vor 11.000 Jahren eine rituelle Bedeutung für die Menschen hatte.C. Gaffney, Vince Gaffney, W. Neubauer et al.: The Stonehenge Hidden Landscapes Project. In: Archaeological Prospection. Band 19, Nr. 2, April–Juni 2012, S. 147–155.Ludwig Boltzmann Institute: The „Stonehenge Hidden Landscape Project“ – Results Auf: lbi-archpro.org von 2014, zuletzt abgerufen am 11. September 2014. Die jüngsten Spuren ritueller Aktivitäten sind Relikte anderer Kulturen und stammen etwa aus dem 7. Jahrhundert n. Chr.; als nicht-sprachliches Artefakt ist hier das Grab eines enthaupteten Angelsachsen zu erwähnen.
Der Weg von der einfachsten bis hin zur komplexesten, letztgültig gebliebenen Ausführungsform dieser Anlage wird gegenwärtig in drei Hauptabschnitte untergliedert:Timothy Darvill, Peter Marshall et al.: Stonehenge remodelled. In: Antiquity. Band 86, Nr. 334, Dezember 2012, S. 1021–1040, hier S. 1026.
Der Beginn der ersten Phase wird mittels Radiokarbonmethode auf etwa 3100–2900 v. Chr. datiert und dauerte bis ca. 2900–2600 v. Chr. an (evtl. bis 2100 v. Chr.). Er beinhaltet die Aufschüttung eines kreisrunden Erdwalls (mit umgebenden Graben), der u. U. zum Schutz eines offenen Platzes diente, auf dem man die Verstorbenen zur raschen Verwesung abgelegt hat – einem sog. Causeawayed Camp. Möglicherweise wurde während dieser Epoche auch der am Innenrand des Walls befindliche Kreis der Aubrey-Löcher angelegt, von denen viele als Gräber Verwendung fanden (vgl. Kap. Stonehenge 1). Die zweite Bauphase endete einigen Datierungsoptionen zufolge spätestens um 2000 v. Chr. und könnte gekennzeichnet sein von der Errichtung verschiedener Formationen aus bearbeiteten Baumstämmen. Einige Forscher rechnen auch die Aubrey-Löcher eher dieser 2. Phase zu (die Datenlage ist unsicher, ein Konsens lässt sich derzeit nicht erzielen). Phase drei: Zur erstmaligen Herstellung einer steinernen Konstruktion kam es eventuell ab etwa 2400 v. Chr. Diese Phase wird nochmals in sechs Zeiträume untergliedert.
Mögliche kulturelle Hintergründe alternativtext=Stonehenge_World_Heritage_Site_map_2|mini|Stonehenge und Details in der näheren Umgebung: der Prozessionsweg (The Avenue), die beiden Rennbahnen (Cursus) und einige größere Hügelgräber