Die Wiking-Modellbau GmbH & Co. KG ist einer der ältesten und bekanntesten Hersteller von Kunststoff-Modellfahrzeugen – hauptsächlich im Maßstab 1:87, der Nenngröße H0 der Modelleisenbahnen. Seit 1984 gehört das Unternehmen zur Sieper-Gruppe.
Geschichte Bis 1945 Bereits 1932 begann Friedrich Karl Peltzer, der zu dieser Zeit Verleger der Zeitschrift Das Tier war, kleine Schiffsmodelle nach realen Vorbildern als sogenannte Wasserlinienmodelle aus Metall herzustellen. Das Besondere daran war, dass diese im gleichen Maßstab gehalten waren, so dass diese Modelle im realen Größenverhältnis zueinander eingesetzt werden konnten. Nach Erfolg damit ließ Peltzer das Unternehmen am 3. Dezember 1936 in das Handelsregister als am 1. Oktober 1936 begonnene offene Handelsgesellschaft Wiking Modellbau Peltzer & Peltzer eintragen.Rüdiger Walsdorff: Wiking – das Peltzer-Erbe, S. 349. Das zweite „Peltzer“ im Namen stand dabei für seine Frau Hedwig. Bereits 1934 gab es einen ersten Katalog mit Schiffsmodellen.Peter Schönfeldt: WIKING-Modelle, Hamburg 2007. Dieser Katalog war unter der Bezeichnung Wiking-Modellbau / H.Peltzer; Berlin-Lichterfelde, Dahlemer Straße 77 erschienen.Rüdiger Walsdorff: Wiking – die Peltzer-Ära, S. 8. Es gab damals eine enge Kooperation mit dem dänischen Hersteller Pilot, mit dessen Besitzer Henning Cortsen Peltzer, der ähnliche Interessen hatte, eng befreundet war.
Die aus gegossenem Metall hergestellten Wasserlinien-Schiffsmodelle waren im Maßstab 1:1250 bzw. 1:1275 gehalten. Darüber hinaus gab es Flugzeug-Modelle in 1:200, die erst aus Metall und ab 1939 aus Kunststoff hergestellt wurden. Parallel dazu wurden die Wehrmachtsmodelle, militärische Fahrzeuge und Figuren aus Metall im Maßstab 1:200, angeboten. Auf der Leipziger Herbstmesse 1938 wurden passend dazu erstmals zivile Fahrzeugmodelle im gleichen Maßstab vorgestellt.Rüdiger Walsdorff: Wiking – das Peltzer-Erbe, S. 494.
Durch die Schiffs- und Flugzeugmodelle wurde das Militär der wichtigste Kunde und Auftraggeber. Der während des Zweiten Weltkriegs als „kriegswichtig“Ulrich Biene: Der Modell-Mythos – WIKING, S. 9–17. eingestufte Betrieb produzierte in dieser Zeit fast ausschließlich für das Militär und beschäftigte auch Zwangsarbeiter. Um die große Nachfrage besonders nach Modellen für die Schiffs- und Flugzeug-Erkennung befriedigen zu können, wurde 1941 in Amsterdam die Zweigstelle Peltzer&Vogel WIKING Scheepsmodelling gegründet, in der die Endmontage dieser Modelle durchgeführt wurde. Der Stammsitz in Berlin-Lichterfelde wurde bei Luftangriffen zwar beschädigt, die Produktion konnte jedoch, auch wegen der Einstufung als kriegswichtiger Betrieb und damit verbundener Unterstützung durch offizielle Stellen, während des Krieges aufrechterhalten werden. 1941 wurde in Berlin-Lichterfelde, Unter den Eichen 101 die frühere Villa der Fürstenberg-Brauerei gekauftRüdiger Walsdorff: Wiking – die Peltzer-Ära, S. 11., die dann bis 1986 der Firmensitz war. Bereits seit 1935 war Wiking hier eingemietet und hatte sich schrittweise ausgebreitet, bis schließlich die gesamte Villa übernommen wurde. Durch die zunehmenden alliierten Luftangriffe auf Berlin, von denen auch das Unternehmensgebäude nicht verschont blieb, wurden ab 1943 schrittweise Formen und Maschinen aus Berlin ausgelagert, so wurde z. B. zwischenzeitlich unter anderem in Potsdam produziert. Nach der Kapitulation 1945 wurde die Produktion auf Weisung des Alliierten Kontrollrates vorübergehend eingestellt.
1945–1981 Nach dem Zweiten Weltkrieg musste sich Wiking neu orientieren, das Militär als Hauptkunde fehlte, Kriegsschiffe und Militärmodelle waren unverkäuflich. Aufgrund der unsicheren Lage in Berlin wurde ein Teil der Produktion nach Buer bei Osnabrück ausgelagert, wohin Peltzer mit seiner Frau zu Bekannten geflohen war. Peltzer experimentierte mit verschiedenen Produkten und Materialien, u. a. mit Tieren aus Ton, während in Berlin bereits im Spätsommer 1945 verschiedene Artikel produziert wurdenRüdiger Walsdorff: Wiking – die Peltzer-Ära, S. 27, darunter Kämme und Knöpfe aus Kunststoff. Ferner wurde die Berliner Luftbrücke 1948/1949 mit einer kleinen Serie von fünf Flugzeug- und zwei Fahrzeugmodellen im Maßstab 1:400 begleitet. In Buer entstanden, im Maßstab 1:100, kurzzeitig die Arche Noah mit Figuren und passenden Tieren, sowie weiterhin in kleinem Umfang Schiffsmodelle aus Metall, bevor dies zu Gunsten der neuen Verkehrsmodelle im Maßstab 1:100 ab 1948 zurückgestellt wurde. Wie bereits zu Beginn der Firmengeschichte, gab es nach dem Krieg erneut eine Zusammenarbeit mit der dänischen Firma Pilot. Unter anderem wurden Spritzgussformen von Fahrzeugen an Pilot weitergegeben und gemeinsam Modelle entwickelt.
Im Jahr 1952 wurde eine neue Zweigstelle in Kiel eröffnet und 1953 die Produktion in Buer eingestellt.Ulrich Biene: Wiking · Kleine Autos, große Liebe. Delius-Klasing-Verlag, Bielefeld 2009, ISBN 978-3-7688-2595-5; S. 34 In Kiel wurden hauptsächlich Modelle im Maßstab 1:40 gefertigt.
Ab 1948 wurden Fahrzeugmodelle und Zubehör wie Ladegut, Garagen, Tankstellen, Personen, Verkehrsschilder und Straßenleuchten zunächst im Maßstab 1:100, später im „angenäherten H0-Maßstab“ (Lkw in 1:90) aus Kunststoff produziert und an den Spielwarenhandel geliefert. Bereits vorher wurden erste Automodelle für den Export angeboten.Rüdiger Walsdorff: Wiking – das Peltzer-Erbe, S. 437 Es gab auch Spielpläne, auf denen die Kinder ihre „Stadt“ aufbauen konnten. Auf diese Serie der „Verkehrsmodelle“ gehen die heutigen 1:87-Modelle zurück.
Die Wasserlinien-Schiffsmodelle produzierte man von 1947 an wieder, ab 1959/1960 zum Teil auch modifiziert als Veteranenserie. 1975 wurde diese Produktlinie eingestellt.
In den 1960er-Jahren wurde nochmals versucht, Flugzeugmodelle im Maßstab 1:200 (die sogenannte „Silberserie“) zu verkaufen, jedoch ohne wirtschaftlichen Erfolg.
In den 1950er- und 1960er-Jahren produzierte die Firma Wiking Kunststoffmodelle von Pkw, Lieferwagen, Lkw, Traktoren, Baggern und Gabelstaplern auch in größeren Maßstäben (1:40–1:50) für die Hersteller der Originalfahrzeuge (z. B. Volkswagen, Magirus-Deutz, Hanomag). Sie wurden nicht über den Spielwarenhandel vertrieben, sondern dienten als Werbeartikel dieser Firmen. In den 1990er-Jahren wurden diese Modelle teilweise wieder aufgelegt. 1969 wurden erstmals auch – damals noch sehr einfache – Fahrzeugmodelle im Maßstab 1:160/Nenngröße N vorgestellt.
Der Firmengründer und -inhaber Peltzer starb im November 1981 im Alter von 78 Jahren.
1982 bis heute Da kein Testament oder entsprechende Regelungen vorlagen, war die Zukunft der Firma zunächst unklar. Klaus-Dieter Hinkelmann übernahm die Geschäftsführung, bis Wiking 1984 von der Erbengemeinschaft nach einem Bieterverfahren schließlich an die Sieper-Gruppe verkauft wurde. Die Zweigstelle in Kiel wurde bereits 1982 geschlossen. 1986 fand der Umzug vom alten Stammhaus in Berlin-Lichterfelde, Unter den Eichen 101, zur Industriestraße 1–3 in Berlin-Tempelhof statt. Begonnen hatte Wiking in der Dahlemer Straße. Seit 1995 werden Modelle in Zlotoryja (Polen) montiertUlrich Biene: Der Modell-Mythos – WIKING, S. 37, 1999 kam als Fertigungsstätte China hinzu. Die Berliner Produktionsstätte wurde zum Jahreswechsel 2008/2009 geschlossen und die Produktion (neben Polen) zu den Siku-Werken nach Lüdenscheid verlegt. Das Produktspektrum besteht aktuell aus klassischen und modernen Fahrzeugmodellen in den Maßstäben 1:87 sowie 1:160. Des Weiteren gibt es einzelne ferngesteuerte Modelle (WikingControl87) sowie Metallmodelle im Maßstab 1:32.
mini|hochkant=1.4|Gedenktafel am Haus Unter den Eichen 101 in Berlin-Lichterfelde
Ab August 2010 war an dem Stammhaus „Unter den Eichen 101“ eine Gedenktafel angebracht, die von einer Initiative bekannter Sammler gespendet worden war. An dem Festakt zur Enthüllung der Tafel nahmen neben Sammlern und Fans der Marke auch einige ehemalige Mitarbeiter teil, die noch in der alten Villa ihren Arbeitsplatz hatten.Steglitz-Zehlendorf: Wiking-Gedenktafel erinnert an Industriegeschichte. In: Berliner Morgenpost, 10. August 2010 Mittlerweile wurde die Gedenktafel jedoch wieder entfernt.
Am 27. Juni 2012 wurde die neue SIKU // WIKING Modellwelt an der Schlittenbacher Straße 56a in Lüdenscheid offiziell eröffnet. Einen Tag zuvor fand die inoffizielle Eröffnung mit geladenen Gästen statt. Auf ca. 500 m² wurden bis 2024 über 3500 Ausstellungsstücke gezeigt. Führungen wurden auch angeboten.Website der SIKU // WIKING Modellwelt (PDF-Datei; 2,4 MB)Fotos von der Eröffnung der SIKU // WIKING ModellweltSiku / Wiking-Modellwelt jetzt offiziell eröffnet. In: Lüdenscheider Nachrichten
Produkte Verkehrsmodelle mini|hochkant=1.1|Drahtachsermodelle und Zubehör, um 1949 Die Art der seit 1947 produzierten Modelle durchlief im Laufe der Zeit eine Weiterentwicklung sowohl im Sortiment als auch in der Umsetzung.
Die ersten Modelle bestanden meist aus nur einem recht dickwandigen Formteil und waren von unten hohl. Die Fenster waren nur graviert, nicht aber durchbrochen, woraus die Bezeichnung als „unverglaste Modelle“ stammt, die diese Zeit heute prägt. Die Modelle waren in etwa im Maßstab 1:100 gehalten. Die Achsen bestanden aus Draht mit flachgekniffenen Enden; sie wurden heiß in den Kunststoff gequetscht und sind nicht beweglich, lediglich die schmalen Kunststoffräder rollten auf den Achsen. Diese frühen Versionen werden von Sammlern auch „Knips-/Draht-/Quetschachser“ genannt. 1952 bekamen die Modelle eine Bodenplatte und mitrollende Achsen mit fest darauf aufgesteckten Rädern (Maßstab ca. 1:90), genannt „Rollachser“. Mit der Zeit wurde auch die Materialstärke des Kunststoffs reduziert, die Gravuren feiner.
Parallel zu den Modellfahrzeugen bot Wiking passendes Zubehör an. Dazu gehörten Häuser, Figuren, Bäume, Verkehrszeichen, Straßenpläne und verschiedenes anderes Zubehör. Dadurch konnten verschiedenste Straßenszenen nachgestellt werden. Wiking bot ein Komplettprogramm zur Nachbildung des Straßenverkehrs und setzte dabei einen Schwerpunkt auf Verkehrserziehung durch die Polizei und Fahrschulen. mini|hochkant=1.1|VW 1303, Modell erschienen um 1975 mini|hochkant=1.1|Tatra 87, Modell erschienen 1977 Eine große Änderung gab es 1957, als die Modelle erstmals mit Fenstereinsätzen aus, anfangs getöntem, transparentem Kunststoff versehen wurden. Vier Jahre zuvor waren die Fenster bei einem Modell bereits durchbrochen dargestellt worden. Klare Verglasungen wurden erst eingesetzt, nachdem Modelle ab 1966 Inneneinrichtungen erhielten. In der Folge wurde der Maßstab der Pkw, Lieferwagen und Busse (Büssing Senator, Mercedes-Benz O 302) auf etwa 1:87 umgestellt, die Lkw und Doppeldeckerbusse blieben beim Maßstab 1:90. Wiking schrieb in dieser Zeit vom „angenäherten H0-Maßstab“. Die Modelle wurden zunehmend detaillierter, waren jedoch weiterhin als Spielzeug bzw. zur Verkehrserziehung gedacht. Das in der Ära der „Unverglasten“ noch umfangreiche Zubehörsortiment wurde während dieser Zeit nach und nach reduziert. mini|Wiking Straßenbahnmodell 1:100, Neuauflage mit verglasten Fenstern In den 1970er Jahren änderten sich die Rahmenbedingungen. Zunächst waren die Modelle dieser Zeit durch Vereinfachungen geprägt. Bedruckungen wurden auf ein Minimum reduziert, die eingesetzten Lenkräder durch integrierte Stilisierungen ersetzt und die Figuren in fast allen offenen Fahrzeugen entfielen ganz. 1978 bekam der bisherige Quasi-Monopolist durch die Firma Herpa erstmals einen starken und später sogar größeren Mitbewerber, der sofort auf den exakten Maßstab 1:87 setzte und die Modelle noch detaillierter, z. B. mit Außenspiegeln umsetzte.