Die Zollernalb-Kaserne war eine Kaserne der Garnison der Luftwaffe in Meßstetten im baden-württembergischen Zollernalbkreis. Der 56 Hektar umfassende Kasernenbereich war zuletzt Stationierungsort des Einsatzführungsbereichs 1 und weiterer, kleinerer Dienststellen.

Daseinszweck der Kaserne war der im Kalten Krieg errichtete Bunker Martin, der sowohl für die Luftwaffe als auch für die NATO einer der wichtigsten und besten gehärteten Gefechtsstände war. Herzstück des Bunkers war das Control and Reporting Centre (CRC) mit dem taktischen Rufzeichen „Sweet Apple“, welches 2013 geschlossen wurde, sowie verschiedene NATO-Kommandostellen, zuletzt bis 2008 das Combined Air Operations Center 4.

Die dazugehörigen Radar- und Funkstationen sind weiterhin in Dauerbetrieb und nunmehr dem Einsatzführungsbereich 2 in Erndtebrück zugeordnet.

Das ehemalige Kasernengelände wurde mit Wirkung zum 1. Januar 2024 an den Zweckverband Interkommunalen Industrie- und Gewerbepark Zollernalb (IIGP) verkauft und wird seither für die Nachnutzung vorbereitet.

Geschichte Vorgeschichte (bis 1960) Bereits vor und während des Zweiten Weltkriegs war der Weichenwang im Besitz der Wehrmacht. Dort befand sich ein Standort eines Funkmesstrupps des Luftnachrichtendienstes. Funkmessgeräte der Klassen Würzburg und Freya waren im Einsatz.

Zu Zeiten des Kalten Kriegs wurde die Garnison Meßstetten konzipiert. Aus geografischen Gesichtspunkten war die Lage als höchstgelegene Region auf der Schwäbischen Alb unverändert besonders günstig für den Bau einer Radar- und Funkstellung. Eine abgelegene Lage im rückwärtigen Raum prädestinierte zudem für die Dislozierung eines gehärteten Gefechtsstandes.

Ausbau durch die Bundeswehr (1960–1969) Nach der erfolgreichen Fertigstellung eines Prototyps auf dem Lechfeld entschied der damalige Inspekteur der Luftwaffe General Josef Kammhuber den Bau einer unterirdischen, viergeschossigen Luftwaffenkampfführungsanlage auf dem Truppenübungsplatz Heuberg. Ab Sommer 1961 wurde dort Tag und Nacht gearbeitet, gut abgeschirmt von der Außenwelt. Der Bunker erhielt nach seiner Lage auf Meßstetter Gebiet den Namen Martin. Er sollte einer Truppenstärke von mehreren Hundert im Spannungs- bzw. Verteidigungsfall ein 30-tägiges, von der Außenwelt unabhängiges Leben ermöglichen und war durch ausgeklügelte Maßnahmen nicht nur gegen atomare Strahlung, biologische und chemische Stoffe, sondern auch gegen Nahtreffer bestmöglich geschützt.

Von Februar bis Oktober 1962 wurde auf dem Weichenwang als höchste Erhebung Meßstettens ein neuer Turm für ein Radargerät gebaut. Am 23. Oktober 1962 trafen die ersten Soldaten als Vorauskommando aus Ulm in Meßstetten ein. Diese wurden in Block 13, dem bisher einzigen fertiggestellten Block, untergebracht.

Am 4. Juli 1963 nahm eine Abteilung von 450 Soldaten des am 24. Mai 1960 in der Boelcke-Kaserne in Ulm aufgestellten ersten Luftraumüberwachungsverbandes (I./Fernmelderegiment 31) die Kaserne und den Betrieb der Luftwaffenkampfführungsanlage mit Radar- und Funkgeräten auf.Mit Appell und Serenade verabschiedet. In: Südkurier vom 1. Oktober 2004.. In: Zollern-Alb-Kurier vom 30. September 2004. Nach Fertigstellung des Bunkers Martin im August 1964 nahm das Control and Reporting Center (CRC) dort seinen Dauereinsatzbetrieb auf.

1965 wurde die nahe gelegene Soldatensiedlung Bueloch fertiggestellt, welche 370 Familien beherbergen konnte. 1967 wurden das Soldatenheim außerhalb sowie das Unteroffizierheim innerhalb der Kaserne eröffnet.

Zum 1. Oktober 1968 wurde der Kommandostab der 1. Luftwaffendivision sowie der Gefechtsstand Tactical Operation Center (TOC) von Fürstenfeldbruck nach Meßstetten verlegt. Es führte die im Bereich 4ATAF stationierten Luftangriffsverbände der Luftwaffe. Ferner bestand über eine Verbindungsstelle eine stehende Zusammenarbeit mit dem Zivilschutz, hier dem Warnamt VIII in Rottenburg am Neckar.

Personeller Aufwuchs (1970–1979) Durch die zweite Luftwaffenstruktur wurde die Personalstärke von 1400 Soldaten (1973) auf über 1800 Soldaten (1978) aufgestockt. Dadurch notwendig wurden weitere Ausbaumaßnahmen wie der Bau eines Unteroffizierheims 1971 und die Fertigstellung der neuen Sporthalle 1973. Seit 9. April 1974 trug die Zollernalb-Kaserne ihren Namen. Zuvor hieß die Kaserne lediglich Truppenunterkunft Geißbühl.

Zum 1. Januar 1976 wurde der Geißbühl und damit die Zollernalb-Kaserne im Rahmen eines Gebietstausches der Stadt Meßstetten zugewiesen. Zuvor lag das Kasernengelände auf der Gemarkung von Lautlingen.

Ab 1. Oktober 1977 gab es in Meßstetten eine eigene Standortverwaltung (StOV), nachdem der Luftwaffenbereich aus der StOV Stetten am kalten Markt ausgegliedert wurde.

Weiterer Aufschwung (1980–1989) 1982 wurde eine Leitstelle des Such- und Rettungsdienstes (SAR), welcher der 1. Luftwaffendivision unterstellt war, in Meßstetten eingerichtet. Auch die NATO baute ihre Präsenz aus und richtete 1985 das Allied Tactical Operations Center 4 (ATOC 4, zuständig für offensive Luftoperationen) und 1988 das Sector Operations Center 4 (SOC 4, zuständig für defensive Luftoperationen) ein. Beide NATO-Gefechtsstände waren Teil des Bunkers Martin.

Zudem wurden zahlreiche technische Verbesserungen an der Infrastruktur vorgenommen: Das seit 1962 betriebene Großraumradar AN/FPS-7E wurde abgebaut und durch das modernere, phasengesteuerte Hughes Air Defense Radar (HADR) ersetzt. Durch die Modernisierungen waren an den Standorten Meßstetten, Freising und Lauda nur noch zwei statt der bisher drei Radoms notwendig. In den süddeutschen CRC (4ATAF) wurde das Gefechtsführungssystem 412L abgelöst durch das modernere GEADGE (German Air Defence Ground Environment).

Die neue Luftwaffenstruktur zum 1. Oktober 1989 führte zu zahlreichen Umorganisationen und Umbenennungen, die im Grundsatz eine Aufwertung bedeuteten (Kommando- statt Regimentsebene): +Umbenennungen im Rahmen der Luftwaffenstruktur 3 zum 1.10.1989Dienststellenbezeichnung (alt)Dienststellenbezeichnung (neu)Fernmelderegiment 31Radarführungskommando 2I./Fernmelderegiment 31Radarführungsabteilung 22Stab/StKp I./Fernmelderegiment 31Stab/StKp Radarführungsabteilung 221./Fernmelderegiment 31Radarführungskompanie 2212./Fernmelderegiment 31Technische Kompanie 222II./Fernmelderegiment 31Radarführungsabteilung 24 FreisingI./Fernmelderegiment 32Radarführungsabteilung 21 BirkenfeldII./Fernmelderegiment 32Radarführungsabteilung 23 Lauda6./Fernmelderegiment 31Abgesetzter Technischer Zug 243 Großer Arber6./Fernmelderegiment 31Abgesetzter Technischer Zug 233 Wasserkuppe8./Fernmelderegiment 32Abgesetzter Technischer Zug 234 DöbrabergLuftwaffensanitätsstaffel I./Fernmelderegiment 31Luftwaffensanitätsstaffel Radarführungsabteilung 22

Nach Ende des Kalten Krieges (1990–1999) Die Bedeutung des Standortes wuchs weiter: Im Juli 1990 wurde eine eigene Systemsteuerungszentrale (SSZ) und Coordination and Scheduling Agency (COSA) als zentrale Koordinationsstelle für Übungsflugbetrieb und Wartungsmanagement im Bunker Martin eingerichtet.

Im September 1991 wurde die Flak-Batterie 331 aufgelöst, da diese durch die geänderte Bedrohungslage nicht mehr unmittelbar notwendig war. 1993 wurden das ATOC 4 und das SOC 4 zum Interim Combined Air Operations Center 4 (ICAOC 4), später Combined Air Operations Center 4 (CAOC 4, zuständig somit für defensive und offensive Luftoperationen) zusammengelegt. Zudem wurde die Aufstellung des Luftwaffenkommandos Süd (LwKdo Süd) als Dreisternekommando am Standort Meßstetten beschlossen. Der deutsche kommandierende General des LwKdo Süd war zugleich Commander CAOC 4. Zahlreiche weitere alliierte (vor allem britische und tschechische) Offiziere mit ihren Familien fanden sich am Standort ein.

Zum 3. März 1994 wurde die StOV Meßstetten zugunsten der StOV Stetten am kalten Markt aufgelöst. Zum 5. Juli 1994 wurde die Radarführungsabteilung 34 in Holzdorf samt CRC Schönewalde dem Radarführungsregiment 2 in Meßstetten unterstellt.

Zwischen 1998 und 2000 wurde der Bunker Martin umfassend und zukunftsfähig saniert.

Konsolidierung (2000–2008) Von einer umfassenden Streitkräftereform und Änderungen im Rahmen der vierten Luftwaffenstruktur blieb Meßstetten dieses Mal nicht ganz verschont, obwohl die hohe Bedeutung des Standortes vor allem durch das Alleinstellungsmerkmal Bunker Martin, d. h. durch das CAOC 4 der NATO, die Radarführungsabteilung 22 sowie SSZ und COSA Süd bewahrt werden konnte. Bestandssichernd wirkte ab 2003 die 6. Kompanie des Jägerbataillons 292, mit der erstmals eine Heereseinheit dauerhaft in der Zollernalb-Kaserne stationiert war. Zudem wurde ab 2004 ein Ausbildungsbetrieb, die Zivilberufliche Aus- und Weiterbildung (ZAW) eingerichtet.

In den Jahren 2003 und 2004 wurde das Gefechtsführungssystem des CRC von GEADGE auf GIADS umgerüstet, zwischenzeitlich wurde mit ARKONA gearbeitet. Bereits im April 2005 wurde auf GIADS II gewechselt.

Die Zusammenarbeit mit dem Zivilschutz, nunmehr über ein Verbindungselement des 2004 gegründeten BBK, war weiter fest etabliert.

Mit der Luftwaffenstruktur 5 wurde das Radarführungsregiment 2 am 30. September 2004 aufgelöst. Zeitgleich erfolgte die Aufstellung des regimentsäquivalenten Einsatzführungsbereiches 1 als Nachfolgeorganisation.

Am 30. Juni 2008 wurde das CAOC 4 in Meßstetten zugunsten des CAOC 2 in Uedem ersatzlos aufgelöst und Meßstetten verlor damit den Status als NATO-Standort. Überlegungen, im Bunker Martin einen Ausweichgefechtsstand für das CAOC 2 vorzuhalten, wurden aufgrund budgetärer Zwänge nicht weiter verfolgt. Die Aufgabe des Standortältesten Meßstetten, der bis dahin im Generalsrang war, ging auf den Kommandeur Einsatzführungsbereich 1 über (Oberstleutnant).

Letzte Jahre bis zum vorläufigen Ende (2010–2014) Infolge der Neuausrichtung der Bundeswehr 2011 und der damit einhergehenden starken Reduzierungen, d. h. vor allem Einsparungen, wurde am 26. Oktober 2011 das Stationierungskonzept durch Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) vorgestellt, das für den Standort Meßstetten eine signifikante Reduzierung von 840 Dienstposten auf die Zielgröße von 20 bedeutete. Dies implizierte vor allem die Schließung des Bunkers Martin und in Folge der Kaserne, somit auch die ersatzlose Auflösung des Einsatzführungsbereiches 1.

Am 1. Oktober 2013 wurde der Betrieb des CRC Sweet Apple eingestellt, der Einsatzführungsbereich 1 im Rahmen eines Appells vor zahlreichen Ehrengästen aufgelöst. Vom Standort Meßstetten, der in seiner Hochbetriebszeit bis zu 2000 Soldaten und zivile Mitarbeiter beschäftigte, blieben vom 1. Januar 2014 an auf dem Papier nur noch 20 Dienstposten übrig.Bundeswehr holt in Meßstetten die Flagge ein. In: Südkurier vom 2. Oktober 2013 Die letzten Soldaten verließen die Zollernalb-Kaserne am 30. Juni 2014. Zum Jahreswechsel 2012/13 war bereits das Soldatenheim Berghaus Geißbühl nach 45 Jahren geschlossen worden.

Lediglich die Radarstation auf dem Weichenwang und die angeschlossenen Funkstellungen blieben als Abgesetzter Technischer Zug 249 des Einsatzführungsbereichs 2 erhalten.. In: Südwest Presse vom 29. Oktober 2011

Die vereinigte Offizier- und Unteroffizierheimgesellschaft Geißbühl e. V. wird unter dem Vereinsnamen „Albcasino“ bruchfrei weiter geführt; das Vereinsheim befindet sich zur Zeit gegenüber der alten Kaserne. +Letzte Einheiten in der Zollernalb-KaserneEinheitTeilstreitkraftAbzug/AußerdienststellungEinsatzführungsbereich 1Luftwaffe2013Sektor für Informationstechnik 1 (Teile)Luftwaffe20136./Jägerbataillon 292Heer2014Arztgruppe des Standortes MeßstettenZentraler Sanitätsdienst2014

Schwebezustand (2014–2024) mini|Ehemaliges Stabsgebäude und Wetterstation, davor der Spielplatz vom Ankunftszentrum Ukraine