mini|Luftaufnahme von Seeshaupt mini|Luftaufnahme von Seeshaupt mit Kirche mini|Blick von Süden: Seeshaupt zwischen den Osterseen und dem Starnberger See Seeshaupt ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau am Südufer des Starnberger Sees.
Geographie Geographische Lage Die Gemeinde liegt in der Region Oberland am Südende des Starnberger Sees. Das Gemeindegebiet erstreckt sich vom Seeufer nach Süden zu den Osterseen, deren nördlicher Teil ab dem Stechsee, sowie der Frechensee im Gemeindegebiet liegen. Im Westen zieht sich das Gemeindegebiet auf den Höhenrücken zwischen Starnberger und Ammersee, diese Gebiete sind dem Eberfinger Drumlinfeld zuzurechnen.
Gemeindegliederung Es gibt die Gemarkungen Magnetsried und Seeshaupt.
Es gibt 18 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden sind (im Uhrzeigersinn im Norden beginnend): Bernried, Münsing, Iffeldorf, Antdorf, Eberfing, Weilheim und Wielenbach. Im Nordosten grenzt die Gemeinde an den Starnberger See.
Geschichte mini|Carl Spitzweg: Ankunft in Seeshaupt, um 1880 mini|Eberhard Emminger: Seeshaupt um 1840 Bis zur Gemeindegründung Seeshaupt wurde 740 als Seshoipit zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Der Name geht auf althochdeutsch sēo (‚See‘) und houbit (‚Haupt‘) zurück. Die Siedlung liegt am „Haupte“, also am Ende des Sees.
Bis zur Säkularisation im Jahre 1803 waren die Einwohner von Seeshaupt meist Abhängige der umgebenden Klöster: Polling, Bernried, Benediktbeuern, Beuerberg und Habach. Seeshaupt gehörte zum Rentamt München und zum Landgericht Weilheim des Kurfürstentums Bayern.
Am 31. März 1815 kam es im Dorf zu einem verheerenden Großbrand, dem 29 der damals bestehenden 42 Anwesen zum Opfer fielen. Auch der Dachstuhl der Kirche und der Glockenturm brannten aus, ein vollständiges Abbrennen konnte durch die Bernrieder Feuerwehr mit einer Feuerspritze verhindert werden. Der Wiederaufbau erfolgte noch im selben Jahr nach fortschrittlichen Plänen des königlich bayerischen Baubeamten Gustav Vorherr. Dabei wurde die geradlinige Anlegung von Straßen, Gärten und Gebäuden mit Prämien belohnt.Gemeindearchiv Seeshaupt: Der Dorfbrand von 1815. In: seeshaupt.de, März 2015. Abgerufen am 9. Oktober 2017 (PDF; 198 kB).
Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die Gemeinde Seeshaupt, die zum Landgericht Weilheim gehörte.
Zweiter Weltkrieg und Folgen Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges am 30. April 1945 kam im Ort ein Eisenbahn-Evakuierungstransport aus dem Dachauer KZ-Außenlagerkomplex Mühldorf mit 3000 Konzentrationslager-Häftlingen zum Stehen, die von US-Truppen befreit wurden. 92 von ihnen starben an den erlittenen Misshandlungen und wurden im Ort begraben. Am 30. April 1995, 50 Jahre später, wurde ein Mahnmal an der Bahnhofstraße errichtet. Jedes Jahr am 30. April findet dort eine Gedenkfeier statt.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 193.Der Film „Endstation Seeshaupt“ von Walter Steffen erzählt die Geschichte des Todeszugs. (Rezension muenchenblogger.de; April 2011). Die zunächst vor Ort begrabenen Toten wurden in den Jahren 1955 und 1956 nach Dachau umgebettet.
Eingemeindungen Am 1. April 1938 wurden aus der aufgelösten Gemeinde Arnried Gebietsteile mit den Gemeindeteilen Ellmann, Hohenberg, Kronleiten, Pollingsried und Wolfetsried eingegliedert. Bei der Gemeindegebietsreform wurde am 1. Mai 1978 die Gemeinde Magnetsried eingegliedert.
Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 2565 auf 3257 um 692 Einwohner bzw. um 27 %. Jahr 1840 1871 1900 1925 1939 1950 1961 1970 1987 EinwohnerKommunalstatistik von Rottenbuch, abgerufen am 5. November 2010 595 694 965 1.326 1.359 2.427 1.993 2.092 2545 Jahr 1991 1995 2000 2005 2010 2015 2017 Einwohner 2.621 2.605 2764 2.885 2.866 3.196 3.195
Religion Zur römisch-katholischen Pfarrei Seeshaupt gehören neben der Pfarrkirche St. Michael auch die Filialkirchen St. Margareta in Magnetsried, Mariä Himmelfahrt in Jenhausen und die ehemalige Wallfahrtskirche St. Maria in Sankt Heinrich. 2011 waren 51,3 % der Bevölkerung Seeshaupts römisch-katholisch und 19,0 % evangelisch-lutherisch. Die 1935 erbaute evangelische Kirche ist Teil der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Penzberg.
Politik Bürgermeister ZeitraumParteiBürgermeisterGemeindearchiv Seeshaupt: . In: seeshaupt.de, März 2016. Abgerufen am 9. Oktober 2017 (PDF; 900 kB).BerufAnmerkung3. Januar 1906 – 17. August 1906Jakob EgoldLandwirt28. August 1906 – 14. Juni 1919Josef SchallenkammerSattlermeister20. Juni 1919 – 1. März 1933Anton LidlSägewerksbetreiber3. Mai 1933 – 14. Februar 1937Karl KiesmüllerLehrer5. März 1937 – 20. Februar 1939Thomas SchwaighoferMetzger20. Februar 1939 – 1. Oktober 1942Hans MeuselÖkonomierat und Gutsverwalter von Seeseiten30. Oktober 1942 – 1. Mai 1945Otto HausmannZahnarztabgesetzt von amerikanischen Streitkräften1. Mai 1945 – 8. Mai 1945Alois ReilBäckermeistervon den Amerikanern als „Ortsverwalter“ eingesetzt9. Mai 1945 – 30. Juni 1948Josef KonradMeteorologeanschließend Landrat des Landkreises Weilheim in Oberbayern8. August 1948 – 2. Februar 1963Josef DommaschkLand- und Gastwirt28. April 1963 – 9. Januar 1965Hans KirnerFischer1. April 1965 – 20. April 1970Wilhelm DemmelGärtner und Baumschulenbesitzer19. Juli 1970 – 30. März 1977Andreas SeitzMalermeister5. Juni 1977 – 30. April 1990CSURichard GleichGutsverwalter in Seeseiten1. Mai 1990 – 27. August 1993CSURichard KöglBankdirektor8. November 1993 – 30. April 2002CSUHans HirschSteuerberater1. Mai 2002 – 2008SPDHans KirnerRealschullehrerAb 9. Oktober 2007 wegen Rücktritts beurlaubt2007–2008PfWFritz StufferHeizungssanitärmeisterLeiter der Amtsgeschäfte2008 – 30. April 2020PfW/PfBMichael BernwieserOP-Pflegerseit 1. Mai 2020CSUFriedrich EgoldDipl.-Ing. (FH) Versorgungstechnik
Zweiter Bürgermeister ist Bernd Habich (PfB), dritter Armin Mell (FDP).
Gemeinderat
+ Ergebnisse der Gemeinderatswahlen Partei/ListeWahl 2026Wahl 2020Wahl 2014Wahl 2008Wahl 2002Wahl 1996 Stimmenanteil Sitze Stimmenanteil Sitze Stimmenanteil Sitze Stimmenanteil Sitze Stimmenanteil Sitze Stimmenanteil Sitze CSU33,1 % 525,9 % 428,2 % 533,4 % 533,2 % 541,1 % 6 SPD4,7 % 14,5 % 113,9 % 228,3 % 426,8 % 419,2 % 2 Parteifreie Bürger Seeshaupt/Magnetsried (PfB)(bis 2008 als Parteifreie Wähler (PFW))21,5 % 432,1 % 533,5 % 538,3 % 527,6 % 425,9 % 4 FDP9,0 % 111,0 % 26,9 % 1– –12,3 % 113,9 % 2 Grüne Alternative Seeshaupt (GrAS)21,5 % 425,2 % 417,5 % 3– –– –– – Alternative für Deutschland (AfD)5,6 % 1– –– –– –– –– – Gesamt100 % 16100 % 16100 % 16100 % 14100 % 14100 % 14 Wahlbeteiligung 75,8 % 71,1 % 74,1 % 72,5 % 70,5 %
Gemeindefinanzen + Gemeindefinanzen in 1000 EuroMerkmal199920092013Bruttoausgaben83045843Gemeindesteuereinnahmen190325843197Gewerbesteuerumlage408142248Steuereinnahmekraft28183576Steuerkraftmesszahl25662949Gemeindeschlüsselzuweisungen00Verschuldung26410Verschuldung je Einwohner0,0920,003Planmäßig geleisteter Schuldendienst1814Finanzkraft13011298
Wappen
Partnergemeinden Krzyżanowice, Schlesien, Polen, seit 1998Krzyżanowice (Kreuzenort) auf seeshaupt.de, abgerufen am 20. August 2022 Saint-Trojan-les-Bains, Département Charente-Maritime, Frankreich, seit 1981St. Trojan-les-bains auf seeshaupt.de, abgerufen am 20. August 2022
Klima 300px|Niederschlag in Seeshaupt im Vergleich zum deutschen Mittelwert
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Seegerichtssäule Pfarrkirche St. Michael Anna-Kapelle mit Fresken im Turm aus der Romanik, heutiger Altarraum erbaut 1482, Erweiterung 1909 (mit historischer Weigle-OrgelDie historische Weigle-Orgel.) Seegerichtssäule am Dampfersteg Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Seeshaupt und Liste der Bodendenkmäler in Seeshaupt
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es 2013 insgesamt 892. Im verarbeitenden Gewerbe (sowie Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden) gab es keine, im Bauhauptgewerbe 2014 vier Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 2010 38 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 1159 Hektar. Davon waren 112 Hektar Ackerland und 1047 Hektar Dauergrünland.
Tourismus Im Jahr 2014 verzeichnete Seeshaupt 40.004 Übernachtungen, davon 2802 von ausländischen Gästen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von Gästen aus dem Inland betrug 2,7 Tage, die von Ausländern 2,4 Tage.
Verkehr Straßenverkehr Seeshaupt liegt an der Staatsstraße 2064 Weilheim–Seeshaupt–Königsdorf–Bad Tölz mit Anschluss an die Bundesautobahn 95 (Ausfahrt Penzberg/Iffeldorf) sowie an der Staatsstraße 2063 Starnberg–Tutzing–Seeshaupt–Penzberg.
Bahnverkehr Seeshaupt hat einen seit dem Umbau 2014 barrierefreien Bahnhof an der eingleisigen Bahnstrecke Tutzing–Kochel, der Kochelseebahn, die in der Hauptverkehrszeit nach München verlängert wird. Der Bahnhof kann als Kreuzungsbahnhof genutzt werden.
Busverkehr Es halten folgende Regionalbuslinien des Oberbayernbus und des MVV in Seeshaupt: LinieVerlaufTutzing – Bernried – Seeshaupt – Iffeldorf – PenzbergWeilheim – Seeshaupt – Iffeldorf – PenzbergSeeshaupt – Ambach – Münsing – Wolfratshausen
Schiffsverkehr Seeshaupt wird in der Sommersaison von den Schiffen der Bayerischen Seenschifffahrt auf dem Starnberger See angelaufen und dadurch mit Bernried, Ambach, Tutzing, Ammerland, Possenhofen, Leoni, Berg und Starnberg verbunden.
Bildung Es gibt folgende Einrichtungen (Stand 2014): zwei Kindergärten mit 15 tätigen Personen, 119 Kindergartenplätzen und 94 Kindern Grundschule Seeshaupt mit acht Lehrern und 98 Schülern in fünf Klassen Außenstelle der Volkshochschule Penzberg Musikschule der Stadt Penzberg
Persönlichkeiten Franz Xaver Oetzinger (1888–?), Landrat im Landkreis Viechtach Luise Willer (1888–1970), Opernsängerin und Gesangspädagogin Anton Dörfler (1890–1981), Schriftsteller Ernst Geitlinger (1895–1972), Maler Franz Josef Konrad (1897–1962), Bürgermeister von Seeshaupt und Landrat von Weilheim Hanns Schertel von Burtenbach (1902–1985), Erfinder, Tragflügelboot-Pionier JoKarl Huber (1902–1996), Künstler Jo Mihaly (1902–1989), Tänzerin, Schauspielerin, Dichterin und Autorin Karl Walther (1905–1981), Maler Kristina Söderbaum (1912–2001), Schauspielerin, wurde auf dem Friedhof in Seeshaupt beigesetzt Walter Dörfler (1922–2000), Bühnenbildner Eva Dehm-Hasselwander (1923–2015), Pädagogin und Kinderbuch-Autorin Peter Schamoni (1934–2011), Regisseur Fred Williams (* 1938), Schauspieler Christian Hartl (* 1964), römisch-katholischer Geistlicher Thomas Dörfler (* 1966), Bühnenbildner und Maler Konrad Bestle (* 1984), seit 2024 Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Seeshaupt
Literatur
Weblinks
Offizielle Homepage Homepage der Pfarrgemeinde St. Michael mit Details zu den Kirchenbauten (PDF; 1,24 MB)
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Weilheim-Schongau Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Ersterwähnung 740 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)