Die USS Oregon (BB-3/IX-22) war ein Schlachtschiff (Einheitslinienschiff) der United States Navy und gehörte der aus insgesamt drei Einheiten bestehenden Indiana-Klasse an. Benannt war die Oregon, die als drittes und letztes Schiff dieser Klasse in Dienst gestellt wurde, nach dem US-Bundesstaat Oregon. Zugleich war sie das dritte Schiff in der United States Navy, das diesen Namen erhielt, und das fünfte Schlachtschiff überhaupt, das die US-Marine in Auftrag gab. Die am 30. Juni 1890 bewilligte Oregon wurde am 19. November 1891 auf der Werft von Union Iron Works (später Bethlehem Steel) in San Francisco (Kalifornien) auf Kiel gelegt und lief am 26. Oktober 1893 von Stapel. Am 15. Juli 1896 wurde die Oregon unter dem Kommando von Captain Henry Lycurgus Howison in Dienst gestellt. Die Baukosten beliefen sich zu jener Zeit auf etwa 6,5 Millionen US-Dollar, was nach heutigem Wert etwa 150 Millionen US-Dollar entspräche.

Einsatzzeit Zum Zeitpunkt der Indienstnahme stellte die Oregon das wichtigste und stärkste Kriegsschiff der amerikanischen Marine im Pazifik dar.http://www.history.navy.mil/photos/pers-us/uspers-h/h-howisn.htm Bei den nachfolgenden Übungs- und Manövermissionen zeigte sich jedoch, dass die nicht vollständig ausbalancierten Rohre der Hauptartillerie und eine damit verbundene allgemeine Schlingeranfälligkeit den Anbau von Schlingerkielen notwendig machten. Die Oregon wurde deswegen im Winter 1897/98 für zwei Monate eingedockt. Die Umbauarbeiten waren am 16. Februar 1898 abgeschlossen.

Nur einen Tag zuvor, am 15. Februar 1898, war das amerikanische Linienschiff Maine im Hafen von Havanna nach einer bis heute nicht vollständig aufgeklärten Explosion gesunken. Da sich daraufhin die spanisch-amerikanischen Beziehungen drastisch verschlechterten und mit dem Ausbruch eines Krieges gerechnet werden musste, verlegte die Oregon nach San Francisco, wo zusätzliche Munition, Speisewasser und Kohlen übernommen wurden. Das Schiff sollte schnellstmöglich einsatzbereit gemacht und nach der amerikanischen Ostküste verlegt werden, um in die zu erwartenden Auseinandersetzungen dort und in der Karibik eingreifen zu können.

Am 17. März 1898 übernahm Captain Charles Edgar Clark das Kommando über die Oregon, da Captain Howison an einer Erkältung erkrankt war. Nach dem Verlegungsbefehl folgte das, was später als „The Journey of the Oregon“ in die Geschichte der amerikanischen Marine einging. 94 Besatzungsmitglieder, die man nicht zwingend für die Reise benötigte, wurden an Land geschickt.http://www.militarymuseum.org/Oregon2.html. Dies erlaubte, einen Teil des Speisewassers für die Kessel zu nutzen, die so vor übermäßigen Salzablagerungen, welche die Nutzung von salzigem Meerwasser mit sich gebracht hätte, bewahrt wurden. Diese Maßnahme zahlte sich später aus, da die Maschinenanlage und die Kessel nach der Reise um Südamerika herum in sehr gutem Zustand waren, was eine sofortige Einsatzbereitschaft des Schiffes ermöglichte.

„The Journey of the Oregon“ Am 19. März 1898 ging die Oregon, mit 1.400 Tonnen Kohlen, 500 Tonnen Munition und Verpflegung für sechs Monate an Bord, von San Francisco aus in See und erreichte am 4. April den Hafen Callao in Peru, wo Kohlen an Bord genommen wurden.Tucker: Encyclopedia. S. 451. Die tropischen Wetterbedingungen am Äquator ließen dabei die Temperaturen in den Maschinenräumen auf bis zu 65 Grad Celsius ansteigen.http://www.spanamwar.com/orevoyag.htm Bereits während des Anmarsches hatte es zudem einen Brand in einem Kohlebunker, der an einen Munitionsraum angrenzte, gegeben (vermutlich durch Selbstentzündung von Kohlenstaub), der aber glücklicherweise entdeckt und nach vier Stunden unter Kontrolle gebracht werden konnte. Am 7. April verließ das Linienschiff den Hafen von Callao wieder und nahm Kurs auf die Magellanstraße, deren Westausgang am 16. April erreicht wurde. Dort geriet die Oregon in einen schweren Sturm, der das schwerfällige Schiff, das gewöhnlich nur ein Freibord von etwa 3,2 m besaß, in der engen Fahrrinne in beträchtliche Gefahr brachte.Tucker: Encyclopedia. S. 452. Captain Clark sah sich gezwungen, in den Abendstunden nahe Tamar Island Anker zu werfen und den Sturm abzuwarten, da in der hereinbrechenden Dunkelheit und in den dichten Regenschauern die Untiefen und Riffe in der Straße nicht mehr auszumachen waren. Am nächsten Morgen besserte sich das Wetter und die Oregon konnte die Fahrt fortsetzen. Am 18. April wurden in Punta Arenas erneut Kohlen übernommen (rund 500 Tonnen).

In Punta Arenas schloss sich das amerikanische Kanonenboot USS Marietta, das an die Oregon zusätzliche Kohlen abgab, der Reise des Linienschiffes an. Beide Schiffe setzten die nun gemeinsame Fahrt am 21. April fort. Gegen widrige Winde und stürmisches Wetter ankämpfend, erreichten beide Kriegsschiffe am 30. April Rio de Janeiro. In Rio de Janeiro bunkerten beide Schiffe erneut Kohlen (etwa 1.000 Tonnen), da aber mittlerweile (am 23. April 1898) der Spanisch-Amerikanische Krieg ausgebrochen war, wurden die US-Schiffe von brasilianischen Soldaten, die sich an Bord der Kohleschiffe befanden, und von vor dem Hafen liegenden Kriegsschiffen streng überwacht. Am 4. Mai liefen die Oregon und die Marietta aus Rio de Janeiro aus und erreichten nach einem kurzen Aufenthalt in Bahia am 8./9. Mai schließlich am 18. Mai das britisch kontrollierte Bridgetown auf Barbados. Entsprechend den Neutralitätsverpflichtungen wurde den Schiffen jedoch nur eine Aufenthaltszeit von 24 Stunden zugestanden. In Rekordzeit wurden genügend Kohlen ergänzt, um einen amerikanisch kontrollierten Stützpunkt erreichen zu können. Noch in der Nacht des 18./19. Mai lichteten die Oregon und die Marietta die Anker und verließen mit abgedunkelten Lichtern den Hafen. mini|hochkant|Die Oregon während des Marsches auf hoher See

Am 24. Mai 1898 schließlich erreichten die Oregon und das sie begleitende Kanonenboot das Jupiter Inlet an der Ostküste von Florida und gingen zwei Tage später vor Key West vor Anker. Insgesamt hatte die Oregon, die bei ihrer Ankunft nur noch etwa 180 Tonnen Kohle in ihren Bunkern hatte, in 66 Tagen (davon 54 Tage auf See) 14.700 Seemeilen zurückgelegt. Trotz der Belastungen durch die Reise konnte das Schiff aber sofort gefechtsklar gemeldet werden und befanden sich die Maschinen in sehr gutem Zustand. Die Durchschnittsgeschwindigkeit, gemessen an den Seetagen, hatte während der Reise bei etwa 11,5 kn gelegen (in einem Fall konnte über einen Zeitraum von zehn Stunden sogar eine Geschwindigkeit von 15,8 kn gehalten werden), wobei berücksichtigt werden muss, dass alleine die Sturmperioden entlang der Ostküste Südamerikas sowie die Passage durch die Magellanstraße selten eine höhere Geschwindigkeit als etwa 6 bis 7 kn ermöglicht haben. Kein anderes Linienschiff weltweit hat jemals eine ähnliche Marschleistung bewältigt.http://www.navsource.org/archives/01/03a.htm

Spanisch-Amerikanischer Krieg Unmittelbar nach ihrer Ankunft wurde die Oregon sofort in Richtung Santiago de Cuba detachiert, wo sie am 31. Mai eintraf. Gemeinsam mit ihrem Schwesterschiff Indiana, zwei weiteren Linienschiffen sowie den Panzerkreuzern Brooklyn und New York beteiligte sich das Schiff an der Blockade des dort im Hafen liegenden spanischen 1. Geschwaders von Admiral Pascual Cervera, das aus den Panzerkreuzern Infanta Maria Teresa, Vizcaya, Cristóbal Colón und Almirante Oquendo sowie zwei Torpedobooten bestand. Den Oberbefehl über das US-Geschwader hatte Konteradmiral William Thomas Sampson. Bis Anfang Juli kam es aber nur zu sporadischen Schusswechseln zwischen beiden Geschwadern.

Die Seeschlacht vor Santiago de Cuba

In den Morgenstunden des 3. Juli 1898 brach die spanische Flotte aus dem Hafen aus. Im Verlauf des über vier Stunden dauernden Kampfes wurden alle spanischen Schiffe versenkt oder mussten sich schwer beschädigt am Ufer auf Grund setzen. Die Oregon, zu Beginn der Schlacht etwa zwei Seemeilen südöstlich der Hafenausfahrt stehend, konnte als einziges amerikanisches Linienschiff sofort die Verfolgung der fliehenden spanischen Schiffe aufnehmen, da sie als einziges Schiff genügend Dampfdruck aufgebaut hatte. Im Verlauf der Schlacht übertraf die Oregon, die zeitweilig die Führung des US-Geschwaders übernahm, ferner nicht nur die Höchstgeschwindigkeit aller spanischen Schiffe, sondern zeitweise auch die des unter Maschinenproblemen leidenden Panzerkreuzers Brooklyn. Der Umstand, dass das Schiff allgemein ein niedriges Freibord hatte und zudem bei hohen Geschwindigkeiten eine breite Bugwelle vor sich herschob, veranlasste einen Offizier an Bord des Linienschiffes Iowa während der Schlacht zu der Aussage: „There goes Oregon, like a bulldog with a great white bone in her teeth!“.http://ussoregon.tripod.com/Santiago.html Diese Formulierung brachte der Oregon nach der Schlacht ihren späteren Spitznamen „Bulldog of the Navy“ ein.

Nach einer mehrstündigen Verfolgung gelang es den Kanonieren der Oregon (über eine Distanz von rund 8.700 m) etwa gegen 13:00 Uhr, mit ihren schweren 330-mm-Geschützen mehrere Nahtreffer bei der Cristóbal Colón, dem letzten noch einsatzfähigen Schiff von Admiral Cerveras Geschwader, zu erzielen. Die enormen Wassersäulen bestärkten den spanischen Kommandanten in seinem Vorhaben, das Schiff am Ufer aufzusetzen und den sinnlos gewordenen Kampf einzustellen. Die Cristóbal Colón lief etwa 50 Seemeilen westlich von Santiago de Cuba auf den Strand, womit die Schlacht ihr Ende fand. Auf der Oregon kam es allerdings infolge dieser Weitschüsse, die eine Rohrerhöhung von rund zehn Grad notwendig gemacht hatten, zu Beschädigungen an den Rohraufhängungenhttp://www.navweaps.com/Weapons/WNUS_13-35_mk1.htm, so dass eine eventuelle Weiterführung des Gefechtes nur unter der Gefahr, weitergehende und schwerere Schäden an der Hauptartillerie zu riskieren, möglich gewesen wäre. Insgesamt waren die Schießergebnisse der Oregon, die selbst drei 140-mm-Treffer erhalten hatte, sehr schlecht gewesen. Von insgesamt 198 abgefeuerten schweren, halbschweren und 152-mm-Granaten hatten vermutlich nur zwei 203-mm-Granaten direkt ein Ziel getroffen. Insgesamt lag die Trefferquote der US-Schiffe im Durchschnitt bei nur rund 1,3 Prozent.Tucker: Encyclopedia. S. 426.

Dienstzeit von 1898 bis 1906 Nach der Schlacht bei Santiago de Cuba und dem Ende des Spanisch-Amerikanischen Krieges am 17. Juli 1898 verlegte die Oregon nach New York und wurde dort bis Oktober 1898 einer Grundüberholung unterzogen. Nachdem mit Captain Albert Smith Barker am 6. August 1898 ein neuer Kommandant an Bord gekommen war, wurde das Schiff nach den Philippinen detachiert, da dort mittlerweile ein Aufstand der philippinischen Unabhängigkeitsbewegung gegen die US-Vorherrschaft begonnen hatte. Die Oregon marschierte dabei, gemeinsam mit dem Linienschiff Iowa, dem Versorgungsschiff Celtic und dem Kohlentransporter Scindia, die gleiche Route um Südamerika herum zurück, die sie nur knapp zehn Monate zuvor bewältigt hatte, wenngleich auch nicht unter dem gleichen Zeitdruck. Am 18. März 1899 traf die Oregon vor Manila ein und bezog dort eine Blockadestellung. Im Verlauf des folgenden Jahres patrouillierte das Schiff in der Manilabucht und im Golf von Lingayen. In enger Zusammenarbeit mit der United States Army unterstützte das Schiff dabei im Dezember 1899 die Eroberung von Vigan durch die Amerikaner. mini|hochkant|Heckansicht der Oregon im Dock (New York, September 1898)