Hohenpeißenberg ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau. Der einstige Bergbauort liegt im Zentrum des Pfaffenwinkels. Landschaftlich geprägt ist der Ort durch den annähernd 1000 Meter hohen Hohen Peißenberg, dessen Gipfel sich ziemlich zentral im Ortsgebiet befindet und einen schönen Blick auf die Alpen bietet. Die Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt ist ein bekannter Pilgerort und beliebtes Ausflugsziel. Auf dem Berg befinden sich heute ein Sendeturm und ein meteorologisches Observatorium, das als die älteste Bergwetterstation der Welt gilt.
Geographie Lage Die Gemeinde liegt im bayerischen Oberland im Voralpenland. Es gibt nur die Gemarkung Hohenpeißenberg.
Höchster Punkt der Gemeinde ist der Gipfel des 988 Meter hohen Hohen Peißenbergs. Dieser wird wegen seiner überwältigenden Rundsicht auch der „Bayerische Rigi“ genannt. Er gilt als der schönste Panoramaberg Bayerns und ist ein beliebtes Ausflugsziel. Frühere Beinamen des Berges waren „mons doctus“ wegen der Gelehrsamkeit, aufgrund der dort durchgeführten meteorologischen Forschungen. Der Großteil der Einwohner wohnt auf der Südseite des Berges, ein weiterer kleinerer Teil ist auf der Westseite (Ortsteile: Hetten und Buchschorn), ein geringer Anteil der Einwohner ist auf der Nordseite und Ostseite.
Der Hauptort befindet sich am linken Ufer des Flusses Ammer. Diese fließt durch die Ammerschlucht unterhalb der Südseite des Ortes vorbei.
Gemeindeteile Die Gemeinde hat 17 Gemeindeteile.
Gemeinde-teil-schlüsselGemeindeteilTypGemeinde-zugehörigkeitzu Beginn derGemeinde-gebietsreform Bevöl-kerung27. Juni1961Bevöl-kerung27. Mai1970Bevöl-kerung25. Mai1987Ge-bäudeWoh-nungenKoor-dinaten002BärnhöhleEinödeHohenpeißenberg 11823003Bschorrwald DorfAmmerhöfe7058 004BuchschornDorfHohenpeißenberg 73 005Fuchshölle WeilerAmmerhöfe26141455006Hinterschwaig WeilerAmmerhöfe17171245001HohenpeißenbergPfarrdorfHohenpeißenberg 242330728531292007 Krönau WeilerHohenpeißenberg 1119 008Mitterschwaig EinödeAmmerhöfe13131223009Oberschwaig EinödeAmmerhöfe15151322010ObersedlhofWeilerHohenpeißenberg 539 011PröbstelsbergWeilerHohenpeißenberg 318 012SöldeiEinöde Hohenpeißenberg 458 013Steinfall DorfAmmerhöfe8570 014Unterbau SiedlungAmmerhöfe10074 015UntersedlhofWeilerHohenpeißenberg 5021 016Vorderschwaig WeilerAmmerhöfe452329811017WörthEinöde Ammerhöfe 6 5 6 2 3
Es gibt nur die Gemarkung Hohenpeißenberg.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind Peiting (westlich), Peißenberg (östlich), Wessobrunn (nördlich) und jenseits der Schnalz im Süden liegt Böbing.
Klima
Geschichte 1514 erbauten Anwohner auf dem Hohen Peißenberg eine Kapelle.Jakob Mois, Hohenpeißenberg. Das Wallfahrtheiligtum auf dem Berg, in: Bögle, Albrecht/Obermaier, Lorenz, Jakob Mois. Kleine Schriften, Rottenbuch 2007, Seiten 329–337, hier Seite 330. Aus der Schlosskapelle Schongau ließ ein herzoglicher Pfleger eine geschnitzte Muttergottesfigur dorthin bringen. Diese Figur gewann schnell den Ruf eines Gnadenbildes, eine Wallfahrt entwickelte sich. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde deswegen eine zweite Kirche (die Wallfahrtskirche) angebaut, wodurch die jetzige Doppelkirche entstand. Die Kapelle liegt westlich des Kirchturms, die Wallfahrtskirche selbst östlich davon. Das Ensemble verleiht dem Gipfel des Berges seine typische Silhouette.
Zeit der Augustinerchorherren Augustinerchorherren des Klosters Rottenbuch betreuten die Wallfahrt auf den Berg seit 1604 bis zur Säkularisation (Enteignung der Klöster) 1803. Von 1615 bis 1619 ließ Propst Georg Siesmair eine neue Wallfahrtskirche erbauen, weil die alte zu klein geworden war. Während des spanischen Erbfolgekrieges musste das Gnadenbild nach München fliehen und kehrte 1705 auf den Hohenpeißenberg zurück.Jakob Mois: Hohenpeißenberg. Das Wallfahrtheiligtum auf dem Berg, in: Albrecht Bögle, Lorenz Obermaier: Jakob Mois. Kleine Schriften, Rottenbuch 2007, Seiten 329–337, hier Seite 331. In der Folge wurden neue Altäre erbaut und die Wallfahrtskirche im Rokoko-Stil ausgeschmückt. Das große Deckenfresko von Matthäus Günther in der Gnadenkapelle auf dem Berg stellt die Übergabe der Wallfahrtsstätte an das Kloster Rottenbuch dar. Die Augustiner führten auch erste meteorologische Beobachtungen durch. Seit 1781 bestehen praktisch ununterbrochene meteorologische Beobachtungsreihen, wodurch sie zur ältesten Bergwetterstation der Welt wurde. Nach der Säkularisation führten zunächst der Pfarrer und der Schullehrer die Messungen und Aufzeichnungen fort, und nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm der Deutsche Wetterdienst die Wetterbeobachtungen. Die Mönche betrieben auch eine Schule auf dem Berg, die Volksschule wurde durch den Augustiner-Chorherrn Primus Koch (1752–1812) gegründet.Hubert Assum, Leopold Mühlegger, Max Biller: Schulgeschichte. In: Max Biller: Hohenpeißenberger Heimat-Lexikon, Seite 468 Im April 1802 begann der Unterricht.
Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde. Zuvor gehörte das Ortsgebiet zu Peiting. Hohenpeißenberg gehörte zum Rentamt München und zum Landgericht Schongau des Kurfürstentums Bayern.
Der erste Bauabschnitt des alten, ehemaligen Schulgebäudes auf dem Berg wurde – nach der Zeit der Mönche – von 1882 bis 1883 gebaut.Hubert Assum, Leopold Mühlegger, Max Biller: Schulgeschichte. In: Max Biller: Hohenpeißenberger Heimat-Lexikon, Seite 471
Bergbau Nachdem bereits im 16. Jahrhundert Anwohner die lokalen Pechkohlenvorkommen entdeckten, gab es zunächst vereinzelt Bergbauaktivitäten in geringerem Umfang. Am 8. Mai 1837 begann der staatliche Bergbau mit dem Anschlag des Hauptstollens im Ortsteil Brandach. Es gibt bzw. gab im Ortsgebiet einige alte Stollen, im Hauptstollen gibt es inzwischen mehrmals im Jahr Führungen. Ab 1. Juli 1889 wurden die Unterbauschächte abgeteuft.Max Biller, Ludwig Stippel: Bergbau und Bergbau-Museum am Hohen Peißenberg, 3., erweiterte Auflage von 2006, Seite 28 Um Kohle vom Unterbauschacht zum Tiefstollen in Peißenberg transportieren zu können, gab es von 1898 bis 1928 eine 3,6 km lange Seilbahn. Von 1937 bis 1939 wurde der Wetterschacht am Bahnhof in Hohenpeißenberg abgeteuft, er war ab Mitte Oktober 1960 mit 1150 Meter Teufe tiefster Schacht Bayerns.Werksinformation für die Belegschaft des Kohlenbergwerks Peißenberg, Nummer 1, Januar 1961, Seite 6Max Biller, Ludwig Stippel: Bergbau und Bergbau-Museum am Hohen Peißenberg, 3., erweiterte Auflage von 2006, Seite 33 Es gab außerdem einen Wetterschacht im Klausen. Den Abbau in der Peißenberger Mulde stellte die BHS 1968 zunächst in Peiting und dann 1971 in Peißenberg ein. Die Schließung des Peißenberger Bergwerks bedeutete das Ende des Kohlenabbaus am Hohen Peißenberg.
Bis 1972 verlief durch das jetzige Ortsgebiet die Landkreisgrenze der ehemaligen Landkreise Schongau und Weilheim. Jetzt liegt der Ort im Zentrum des neuen Landkreises Weilheim-Schongau.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Januar 1978 Gebietsteile der aufgelösten Gemeinde Ammerhöfe eingegliedert. Östliche Gemeindeteile waren zuvor Ammerhöfer Gebiet.
Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 3265 auf 3855 um 590 Einwohner bzw. um 18,1 %. Jahr 1840 1871 1900 1925 1939 1950 1961 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2010 2015 EinwohnerzahlKommunalstatistik von Hohenpeißenberg, abgerufen am 15. Januar 2013 374 646 1077 2103 2357 3575 3254 2986 3231 3617 3935 3984 3977 3813 3769
Religion Der Großteil der Bevölkerung ist katholisch; bei der letzten Volkszählung im Jahr 1987 waren 85,1 Prozent römisch-katholisch und 10,7 Prozent evangelisch. Die ehemals eigenständige katholische Pfarrei wurde wegen des Priestermangels vor ein paar Jahren mit der Peitinger Pfarrei vereinigt. Inzwischen gibt es wieder einen Priester, der im Ort wohnt.
Dialekt Im Ort wird nicht überall gleichermaßen ein typisches Bairisch wie in weiten Teilen Ober- und Niederbayerns gesprochen, insbesondere auf der Nordseite des Berges ist noch eine leichte Einfärbung des Lechrainer Dialekts bemerkbar, welcher bairische und alemannische Sprachelemente verbindet und charakteristisch für das Gebiet des sogenannten Lechrains ist. Im westlich gelegenen, historisch zusammengehörenden Nachbarort Peiting wird der Einfluss des alemannischen Dialekts schon deutlicher. Historisch geht dies auf die Zeit nach dem Rückzug der Römer zurück, da durch diesen ein Übergangsgebiet zwischen Alemannen und Bajuwaren entstand.
Politik Bürgermeister mini|Rathaus + Erster Bürgermeistervgl. Hubert Assum, Max Biller: Bürgermeister. In: Max Biller: Hohenpeißenberger Heimat-Lexikon, Seite 164 bis 166 Amtszeit Bürgermeister Partei Anmerkungen 1948–1960 Konrad Heiß SPD Konrad Heiß war der erste gewählte Bürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg in der damals noch voll vom Bergbau geprägten Ortschaft. Er war zwei Wahlperioden lang Bürgermeister in Hohenpeißenberg und trat aus Altersgründen nicht mehr an. 1960–1978 Ludwig Regau SPD 1978–2008 Karl Graf CSU seit 2008 Thomas Dorsch Parteilos Thomas Dorsch (* 1971) war bereits seit 1989 in verschiedenen Verwaltungsbereichen in der Gemeindeverwaltung beruflich tätig. Seit 2004 war er Gemeindekämmerer und seit 2005 übernahm er zusätzliche Aufgaben des Geschäftsleiters. Er war auch schon seit vielen Jahren für die katholische Pfarrgemeinde ehrenamtlich tätig.Wahlprospekt des Bürgermeisterkandidaten Thomas Dorsch für die Kommunalwahl vom 2. März 2008
Gemeinderat
+ Ergebnisse der Gemeinderatswahlen Partei/Liste20262020 2014Ergebnis der Kommunalwahl 2014, abgerufen am 18. März 2014.Weilheimer Tagblatt vom 18. März 2014, Lokalteil S. 8 2008 (PDF; 58 kB), abgerufen am 15. Oktober 2010 2002Ergebnis der Kommunalwahl 2002, abgerufen am 22. Oktober 2010%Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze CSU47,18 49,6 8 51,3 8 43,6 7 49,4 8 SPD14,62 17,3 3 18,5 3 17,3 3 30,6 5 Freie Wähler24,34 22,3 3 19,2 3 21,3 3 20,0 3 Aufwind e. V.13,92 10,8 2 11 2 17,8 3 – – Gesamt10016 100 16 100 16 100 16 100 16 Wahlbeteiligung71,1 %64,47 % 60,9 % 75,5 % 72,2 %
Gemeindesteuern Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 2011 2.585.000 €, davon betrugen die Gewerbesteuereinnahmen (netto) 688.000 €.
Wappen
Wirtschaft und Infrastruktur Öffentliche Einrichtungen Primus-Koch-Volksschule Hohenpeißenberg (Grundschule), das neue Schulgebäude wird seit dem Schuljahr 1969/70 genutzt Kindergärten: Katholischer Kindergarten bei der Pfarrkirche, seit 1974 Kindergarten am Schächen, seit 2024 Gemeindlicher Kindergarten im Gemeindeteil Hetten, seit 1993 „Haus der Vereine“ im Hetten, seit 1990 Katholische öffentliche Bücherei im Pfarrhof
Freizeit- und Sportanlagen Turnhalle auf dem Schulgelände Zwei Fußballplätze: Fußballplatz mit Bolzplatz beim Vereinsheim des TSV Hohenpeißenberg Fußballplatz bei der Rigi-Alm Tennisplätze bei der Rigi-Alm Badeweiher im Gemeindeteil Hetten, seit etwa 2014 Eishockey: Von 1954 bis 1978 gab es beim TSV Hohenpeißenbergtsv-hohenpeissenberg.de auch eine erfolgreiche Eishockeyabteilung, die am Spielbetrieb des BEV teilnahm. Die größten Erfolge waren die Bayerische Landesliga-Meisterschaft 1976 und der damit verbundene Aufstieg in die Bayernliga. In der Zeit davor spielte die Mannschaft des TSV bis 1968 einige Jahre in der viertklassigen BLL. Quelle: rodi-db.derodi-db.de, Ligenzugehörigkeit TSV Hohenpeißenberg
Verkehr Straßenverkehr