mini|Gotischer Chorturm mini|Fragment eines Tympanons mit Radkreuz Die evangelische Pfarrkirche St. Peter und Paul in Oberderdingen, einer Stadt im Landkreis Karlsruhe in Baden-Württemberg, steht im ehemaligen Dorf Unterderdingen. Die Verbundkirchengemeinde Oberderdingen-Großvillars gehört zum Kirchenbezirk Mühlacker der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Die Kirche ist ein gotischer Bau aus dem 13. oder 14. Jahrhundert, der im 18. Jahrhundert im Stil des Barock umgestaltet wurde. Im Chor sind Wandmalereien aus dem späten 14. Jahrhundert erhalten.
Geschichte Der Bau der Kirche von Unterderdingen wird aufgrund von Übereinstimmungen mit den Steinmetzarbeiten des Glockenturms im Amthof von Oberderdingen in das 13. oder 14. Jahrhundert datiert. Ober- und Unterderdingen kamen 1247 zum Kloster Herrenalb. Mit Herrenalb wurden sie 1344 Teil Württembergs. Zum ersten Mal ist die Kirche mit dem Patrozinium der Apostel Petrus und Paulus in einer Urkunde aus dem Jahr 1601 erwähnt. Im 18. Jahrhundert war der Kirchturm baufällig geworden und musste renoviert werden. Im Jahr 1769 wurde dabei das Kirchenschiff vergrößert und barock ausgestaltet. 1929 entdeckte man im Chor Wandmalereien aus der Zeit um 1380, die freigelegt und restauriert wurden.Katalog der Wandmalereien in den Kirchen und Kapellen Baden-Württemberg’s von der ottonischen Zeit bis zur Renaissance, von Dipl.-Ing. Klaus Klünder und Christa Regina Klünder Im Jahre 1971 wurde die Kirche unter Leitung von Architekt Walter Schink einer umfassenden Renovierung unterzogen.
Architektur Außenbau Der gotische Chorturm ist der älteste erhaltene Bauteil der Kirche. Er ist aus Sandsteinquadern errichtet. Das schmale Spitzbogenfenster an der Südwand stammt noch aus der Entstehungszeit des Turms, das größere Fenster an der Ostwand wurde um 1480 durchgebrochen.
Innenraum mini|Innenraum mit Holzempore Das 1769 vergrößerte Langhaus mit flacher Holzdecke ist auf drei Seiten von einer hölzernen Empore umgeben. Im Osten schließt sich ein kleiner mit einem Kreuzrippengewölbe gedeckter spätromanischer Turmchor an. Die Gewölberippen ruhen auf Blattkonsolen. Der Schlussstein ist mit einem Relief eines Lamm Gottes verziert.
Ausstattung Wandmalereien: Die Wandmalereien im Chor von St. Peter und Paul zählen neben denen der Pfarrkirche Unsere Liebe Frau in Eppingen zu den wenigen erhaltenen gotischen Wandmalereien im Kraichgau.
Auf der Nordwand werden die Verkündigung Mariens durch den Erzengel Gabriel, die Heimsuchung Mariens und die Geburt Christi dargestellt. Ungewöhnlich an der Szene der Begegnung Marias und der heiligen Elisabeth ist die Darstellung des Jesuskindes im Mutterleib. Die Südwand ist König Herodes und der Tötung der Unschuldigen Kinder, der Flucht nach Ägypten und Maria gewidmet, die an einem Spinnrocken sitzt. Auf den unteren Szenen sind die Kreuzigung Christi und seine Grablegung dargestellt.
In den Laibungen des Südfensters sind Heilige zu sehen. In der Mitte oben symbolisieren ein Pelikan, der seine Jungen nährt, und ein Phönix im Feuer den Opfertod Jesu und seine Auferstehung. Die östliche Fensternische ist in sieben Felder gegliedert, in denen jeweils zwei Heilige vereint sind. Das obere, mittlere Feld ist dem segnenden Christus vorbehalten. Wahrscheinlich setzte sich das Leben Christi über die östlichen Stirnwand und die halbrunde Fensterapside fort, wurde aber in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts mit Ranken- und Würfelornamenten übermalt.
Kanzel: Die Kanzel aus dem 18. Jahrhundert stand ursprünglich vor der südlichen Chorbogenwand, heute nördlich des Chorbogens.Ulrich Zimmermann: Die Predigtkirche und die Querkirche. Protestantischer Kirchenbau in Württemberg. Eine Studie zur Geschichte und Theologie des Kirchenraums und zur Entstehung zweier Kirchenbautypen. Ubstadt 2025, S. 134, 253, 305 – ISBN 978-3-95505-592-9. Der Schalldeckel der Kanzel trägt die Inschrift: „Selig sind die, die Gottes Wort hören und bewahren“. Auf der Unterseite ist eine Taube, Symbol des Heiligen Geistes, dargestellt.
Epitaphe: Vor der Nordwand des Chores stehen zwei Steinepitaphien. Das linke ist dem 1579 verstorbenen Sohn des Amtmannes Sebastian Dreher, des Erbauers der Laurentiuskirche in Oberderdingen, gewidmet, der neben einem Kreuz kniend dargestellt ist. Das rechte gedenkt der Gemahlin des Amtmannes, die mit ihren Kindern unter einem Kreuz kniet. Eine Grabplatte mit dem Relief eines Abendmahlkelches erinnert an einen Geistlichen, der 1411 gestorben ist.
Orgel: Auch der Orgelprospekt stammet noch aus dem 18. Jahrhundert.
Literatur Heinz Rall, Ulrich Gräf: Historische Kirchen im Zabergäu und Umgebung. (Hrsg.) Zabergäuverein und Verein für Kirche und Kunst, Besigheim 2003, S. 74 f. Tobias Schöneweis: Amthof und Ev. Kirche St. Peter und Paul Oberderdingen (= Kleiner Kunstführer Nr. 2667). Verlag Schnell und Steiner, Regensburg 2008, ISBN 978-3-7954-6690-9.
Einzelnachweise
Weblinks
Website der Verbundkirchengemeinde Oberderdingen-Großvillars
Kategorie:Kulturdenkmal in Oberderdingen Peter und Paul Oberderdingen Oberderdingen Oberderdingen Oberdingen Oberdingen Oberdingen Kategorie:Kirchengebäude in Europa Oberderdingen