Oberdachstetten, die evangelisch-lutherische Pfarrkirche Sankt Bartholomäus|mini|300px

Oberdachstetten (fränkisch: DochstettenE. Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach, S. 145. Dort folgendermaßen transkribiert: „dōchschdedn“.) ist eine Gemeinde im Landkreis Ansbach in Mittelfranken und zählt zur Metropolregion Nürnberg.

Geografie Geografische Lage Oberdachstetten liegt am nördlichen Rand des Landkreises Ansbach an der Fränkischen Rezat. Im Gemeindegebiet gibt es Anhöhen bis , die zur Frankenhöhe zählen.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Illesheim, Obernzenn, Flachslanden, Lehrberg, Colmberg und Marktbergel.

Gemeindegliederung Es gibt zehn Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Die Gemeinde ist in den Gemarkungen Anfelden, Mitteldachstetten und Oberdachstetten aufgeteilt. Die Gemarkung Oberdachstetten hat eine Fläche von 8,749 km² und besteht aus 1327 Flurstücken, die eine durchschnittliche Fläche von 6592,85 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Lerchenbergshof und Lerchenbergsmühle.

Klima

In Oberdachstetten beträgt die durchschnittliche Niederschlagsmenge im Jahr 643 mm.

Geschichte Der Ort wurde 1103 als „de Dagsteten“ erstmals namentlich erwähnt. Grundwort ist mhd. „stete“ (= Stätte, Platz) und Bestimmungswort der Personenname „Dago, Taggo“.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 166.E. Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach, S. 146 f. geht davon aus, dass sich der Ortsname von Tageding ableitet, d. h., dass es sich um einen Ort handelte, an dem Gerichtsverhandlungen abgehalten wurden. 1317 erscheint der Ortsname mit dem Präfix „Ober-“, offensichtlich zur Unterscheidung benachbarter Siedlungen gleichen Namens.E. Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach, S. 145f.

Oberdachstetten war im Mittelalter ein freies Reichsdorf mit eigener Gerichtsbarkeit, darauf weisen im Wappen der Reichsadler und die Schwurhand hin.Erhard Nietzschmann: Die Freien auf dem Lande. Ehemalige deutsche Reichsdörfer und ihre Wappen. Melchior, Wolfenbüttel 2013, ISBN 978-3-944289-16-8, S. 22.

Im 16-Punkte-Bericht des Oberamtes Colmberg aus dem Jahr 1608 wurden für Oberdachstetten 7 Mannschaften angegeben, die das Kastenamt Colmberg als Grundherrn hatten. Weitere Grundherren waren das Vogtamt Birkenfels, das Vogtamt Flachslanden und die Herren von Seckendorff-Aberdar zu Obernzenn. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Hofkastenamt Ansbach aus.Staatsarchiv Nürnberg, Rentamt Colmberg 47, 302. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 711.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg siedelten sich hier Exulanten aus Oberösterreich an, die ihre Heimat aus Glaubensgründen verlassen mussten.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bildete Oberdachstetten mit Lerchenbergshof und -mühle eine Realgemeinde bestehend aus 63 Anwesen. Das Hochgericht übte weiterhin das Hofkastenamt Ansbach aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Vogtamt Birkenfels. Grundherren waren das Fürstentum Ansbach (54 Anwesen) Vogtamt Birkenfels (43 Anwesen: 5 Höfe, 1 Halbhof mit Tafernwirtschaft, 19 Köblergüter, 3 Köblergüter mit Backrecht, 1 Köblergut mit Ölmühle, 2 Köblergüter mit Schmiedrecht, 2 Söldengüter, 1 Söldengut mit Badrecht, 3 Söldengütlein, 5 Leerhäuser, 1 Tafernwirtschaft), Vogtamt Flachslanden (2 Köblergüter), Kastenamt Colmberg (9 Anwesen: 3 Halbhöfe, 5 Köblergüter, 1 Leerhaus), Deutscher Orden (Obervogteiamt Virnsberg: 1 Hof, 1 Mühle, 1 Köblergut), Rittergut Obernzenn (Seckendorff-Aberdar: 3 Köblergüter; Seckendorff-Gutend: 1 Hof, 1 Köblergut, 1 Söldengut). Neben diesen Anwesen gab es noch herrschaftliche Gebäude (Forsthaus), kirchliche Gebäude (Kirche, Pfarrhaus) und kommunale Gebäude (Schulhaus, Schäferhaus, Hirtenhaus, Brechhaus).M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 894. Es gab 66 Untertansfamilien, von denen 58 ansbachisch waren.J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken, Bd. 4, Sp. 158.

Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Ansbach.

Im Jahre 1806 kam Oberdachstetten an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1808 der Steuerdistrikt Oberdachstetten gebildet, zu dem Anfelden, Ermetzhof, Lerchenbergshof und Lerchenbergsmühle gehörten. Die Ruralgemeinde Oberdachstetten entstand 1810Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3863: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Leutershausen 1810. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 964. und war deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Leutershausen zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Colmberg. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) wurden drei Ruralgemeinden gebildet: Ruralgemeinde Anfelden; Ruralgemeinde Ermetzhof; Ruralgemeinde Oberdachstetten mit Lerchenbergshof und Lerchenbergsmühle. In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstanden in Oberdachstetten von 1820 bis 1848 drei Anwesen dem Patrimonialgericht Obernzenn (Seckendorff-Aberdar) und drei Anwesen dem PG Obernzenn (Seckendorff-Gutend).M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 1004. Ab 1862 gehörte Oberdachstetten zum Bezirksamt Ansbach (1939 in Landkreis Ansbach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Leutershausen, seit 1880 ist das Amtsgericht Ansbach zuständig. Die Finanzverwaltung ging 1880 auf das Rentamt Ansbach über (1919 in Finanzamt Ansbach umbenannt).M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 1004. Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 8,786 km².

1860 brachte der Bau der Eisenbahn einen Strukturwandel und neue Arbeitsplätze. Der Einzugsbereich von Oberdachstetten wuchs weit in das Umland hinein. Erstmals war es möglich, auch auswärts einen Arbeitsplatz aufzusuchen. Ein Steinbruch bei Oberdachstetten florierte bis 1930. Oberdachstetten war namensgebend für die ab 1936 in dem Wald zwischen Oberdachstetten und Marktbergel, allerdings bereits auf dem Gemeindegebiet von Marktbergel liegende Lufthauptmunitionsanstalt Oberdachstetten. Ab 1945 galt es über 300 Flüchtlinge und Heimatvertriebene aufzunehmen. Eingezwängt zwischen Bahnlinie und Bundesstraße hatte Oberdachstetten über Jahre hinweg wenig Entwicklungsmöglichkeiten. Nach erheblichen Investitionen in die Infrastruktur war in den letzten 15 Jahren eine weiträumige Erschließung von Baugelände möglich. Innerhalb der letzten Jahre wurden 150 neue Wohnhäuser gebaut und die Einwohnerzahl erhöhte sich fast um die Hälfte.

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Januar 1972 die Gemeinde Mitteldachstetten und am 1. Juli 1972 die Gemeinde Anfelden eingegliedert.

Verwaltungsgemeinschaft Von 1978 bis 2001 bildete die Gemeinde mit der Nachbargemeinde Flachslanden die Verwaltungsgemeinschaft Flachslanden, die zum 1. Januar 2002 aufgelöst wurde.Sechstes Gesetz zur Änderung der Gliederung von Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften vom 23. November 2001 (GVBl S. 738) Beide Gemeinden haben seither eigene Verwaltungen.

Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 1220 auf 1618 um 398 Einwohner bzw. um 32,6 %.

Gemeinde Oberdachstetten Jahr 1818 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 1995 2005 2015Einwohner 420 676 503 534 637 659 657 726 712 636 696 718 725 692 661 694 712 840 1203 1172 1056 1158 1249 1448 1719 1585HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 2015 als Wohngebäude. 99 85 120 129 127 137 144 167 185 362 521Quelle Für die Gemeinde Oberdachstetten zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Lerchenbergshof (S. 54), Lerchenbergsmühle (S. 54).

Ort Oberdachstetten Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2015 2019Einwohner 400 660 534 638 699 704 676 1120 1041 1147 843 1220 1273Häuser 97 83 126 133 140 157 181 252 Quelle

Religion mini|Ev. Kirche, Berglein-Dörflein mini|Ev. Kirche, Mitteldachstetten 77 % der Bevölkerung sind evangelisch-lutherisch, 12 % katholisch.Zensusdatenbank Die Lutheraner gehören zu den Kirchengemeinden Oberdachstetten (St. Bartholomäus), Berglein-Dörflein (St. Kilian und Kunigunde) und Mitteldachstetten in der Pfarrei Oberdachstetten, Dekanat Leutershausen, der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern.

Die Katholiken sind der Pfarrei St. Dionysius in Virnsberg zugeordnet, mit Ausnahme der Ortschaft Anfelden, die der Pfarrei St. Johannis in Rothenburg ob der Tauber zugeordnet ist. Beide Pfarreien gehören zum Dekanat Ansbach des Erzbistums Bamberg.

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat hat zwölf Mitglieder zuzüglich des Ersten Bürgermeisters. SPD CSU WG Eintracht Mitteldachstetten Gesamt 2002 3 7 2 12 Sitze 2008Wahlleiter der Gemeinde Oberdachstetten: Bekanntmachung des Ergebnisses der Wahl des Gemeinderats am 2. März 2008 3 7 2 12 Sitze 2014Wahlleiter der Gemeinde Oberdachstetten: Bekanntmachung des Ergebnisses der Wahl des Gemeinderats am 16. März 2014 3 7 2 12 Sitze2020 3 7 2 12 Sitze

Bürgermeister Die Bürgermeister ab 1900, soweit diese bekannt sind: 1906 Johann Siller 1940 Friedrich Eder 1945 Johann Henninger 1961 Georg Assum 1984 Hans Assum, † 13. Januar 2012 2012 Fritz Moßmeyer (CSU/Bürgerblock/Freie Wählergemeinschaft) 2014 Martin Assum (CSU) Martin Assum wurde am 15. März 2020 mit 79,9 % der Stimmen wiedergewählt.

Wappen und Flagge Wappen

Flagge Die Gemeindeflagge ist rot-weiß.

Raumordnung Die Gemeinde Oberdachstetten ist Mitglied der 2004 gegründeten Kommunalen Allianz NorA. Die Allianz hat ein gemeinsames Integriertes ländliches Entwicklungskonzept. NorA bildet mit den benachbarten Allianzen Aurach-Zenn und Kernfranken die Lokale Aktionsgruppe Rangau. Diese wird durch das LEADER-Programm 2023–2027 gefördert.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Zu den Sehenswürdigkeiten der Gemeinde zählen die St.-Bartholomäus-Kirche und die Kirchen in Mitteldachstetten und Berglein.

Die St.-Bartholomäus-Kirche wurde in der Zeit 1837 bis 1844 im Stile des Münchener Klassizismus errichtet. Das Geläut besteht aus vier Glocken, wobei die älteste im Jahr 1616 in Nürnberg, die große Glocke 1791 in Ansbach und die kleine Glocke 1926 in Rothenburg gegossen wurde. Im Jahr 1961 wurde die vierte Glocke gestiftet.

Bei den Kirchen in Berglein und Mitteldachstetten handelt es sich um Wehrkirchen.

Die Kirche in Berglein ist den Kirchheiligen Kilian und Kunigunde gewidmet. Der Chorturm (mit anschließender Sakristei) enthält mittelalterliche Mauerreste.

Die Kirche in Mitteldachstetten ist dem Kirchheiligen Jakob gewidmet. Sie wurde erstmals im Jahr 1122 urkundlich erwähnt. Der Chorturm wurde Ende des 14. Jahrhunderts errichtet und hat Schießscharten. Der Saalbau stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.