Bild (bis in die 1970er-Jahre und umgangssprachlich weiterhin auch Bild-Zeitung) ist die größte täglich erscheinende Boulevardzeitung in Deutschland. Sie wird von der Axel Springer SE verlegt, die sich seit Ende April 2025 zu 95 Prozent im Besitz von Friede Springer und Mathias Döpfner befindet.

Die sogenannte harte Auflage (Einzelverkäufe zum regulären Preis und Abonnements ohne Bordexemplare, Lesezirkel oder stark rabattierte sonstige Verkäufe) beträgt Exemplare.Laut IVW

Der kommerzielle Erfolg der Zeitung begründete die Medienmarke Bild, unter welcher der Axel-Springer-Verlag einige Print-Ableger und das Nachrichtenportal Bild.de veröffentlicht. Das Portal liegt auf dem dritten Platz der Nachrichtenportale mit der größten Reichweite. Der Einstieg ins Bewegtbildgeschäft mit dem Sender Bild TV musste 2023 nach nur zwei Jahren beendet werden.

Die Berichterstattung der Bild ist seit Jahrzehnten Gegenstand zahlreicher öffentlicher Diskussionen und Kritik. Unter allen Zeitungen Deutschlands erhielt die Bild in den letzten Jahrzehnten mit Abstand die meisten Rügen aufgrund von Verstößen gegen den Pressekodex. Dem Blatt werden außerdem gezielte Kampagnen gegen Einzelpersonen und im Sinne politisch-ideologischer Interessen vorgeworfen.

Geschichte Die 1950er-Jahre mini|hochkant|links|Verleger Axel Springer (hier 1966) gab im Juni 1952 die erste Bild heraus

Chefredakteure der Bild Jahr Chefredakteur 1952 Rolf von Bargen 1952–1958 Rudolf Michael 1958–1960 Oskar Bezold 1960–1961 Karl-Heinz Hagen 1961–1971 Peter Boenisch 1971–1981 Günter Prinz 1981–1988 Horst Fust 1988–1989 Werner Rudi 1989–1990 Peter Bartels & Hans-Hermann Tiedje 1990–1992 Hans-Hermann Tiedje 1992–1997 Claus Larass 1998–2000 Udo Röbel 2001–2015 Kai Diekmann 2016–2018 Tanit Koch März 2018 – März 2021 Julian Reichelt März 2021 – Oktober 2021 Julian Reichelt & Alexandra Würzbach Oktober 2021 – März 2023 Johannes Boie März 2023 Marion Horn seit April 2023 Marion Horn & Robert Schneider

Die erste Ausgabe der Bild-Zeitung erschien am 24. Juni 1952 mit einer Gesamtauflage von 455.000 Exemplaren. Sie hatte vier Seiten und wurde gratis verteilt, danach kostete eine Zeitung 10 Pfennig. Inhaltlich gab es auf der Titel- und Rückseite ausschließlich aktuelle Fotos des Weltgeschehens im Großformat, dazu längere Bildunterschriften und drei Comic-Strips. Der Innenteil war gefüllt mit knappen Meldungen, Preisausschreiben, Horoskopen und Kurzgeschichten. Die erste Schlagzeile lautete: „Grenze bei Helmstedt wird gesichert!“

Das Vorbild des Herausgebers Axel Springer für Stil und Inhalt war die auflagenstarke Boulevardpresse in Großbritannien, die er während der britischen Besatzungszeit in Hamburg näher kennengelernt hatte. Springer sah in der Bild-Zeitung die „gedruckte Antwort auf das Fernsehen“. Zur Startmannschaft gehörten zehn Redakteure und zwei Sekretärinnen. Bild war ursprünglich eine Kaufzeitung, kann inzwischen jedoch auch abonniert werden.

Inhalt und Form der frühen Bild-Zeitung waren noch weit entfernt von der heutigen Ausgabe. Oft bestanden die Artikel nur aus einem Foto mit Bildunterschrift. Laut Springer sollte der vordere Teil politisch sein, während die Rückseite zumeist Klatschgeschichten über Prominente lieferte. Das Konzept war, eine schnell lesbare Zeitung zu schaffen, die gleichzeitig Leser an sich binden konnte.

Die Zeitung hieß zunächst 10-Pfennig-Bild-Zeitung oder auch Groschenblatt und wurde aus dem Bauchladen von Straßenhändlern verkauft, die einen weißen langen Regenmantel trugen, dazu eine weiße Mütze mit hochgezogener Front, auf der der Name der Zeitung stand. Bis Oktober 1952 war Rolf von Bargen verantwortlich für den Inhalt. Am 1. November 1952 wurde Rudolf Michael Chefredakteur. Am 11. Dezember 1952 erschien die erste Anzeige in der Bild-Zeitung, Werbung für Chlorodont-Zahnpasta.

Unter Chefredakteur Rudolf Michael druckte die Bild-Zeitung weniger Bilder und mehr Text, der verbale Blickfang, die Schlagzeile, wurde eingeführt. Inhaltlich bot die Bild-Zeitung weiterhin sogenannte Human-Interest-Themen und wenig Politik. Nachdem die Auflage bis Ende 1952 auf 200.000 Exemplare täglich gefallen war und der Bild-Zeitung schon das finanzielle Aus drohte, stieg die Auflage bis März 1953 stark an und übersprang die Eine-Million-Marke. Am 11. April 1953 erschien erstmals die Regionalausgabe Bild Hamburg.

Von 1955 bis 1970 hatte Bild ein Maskottchen. Lilli, ein blondes, langbeiniges Mädchen aus der Feder des Karikaturisten Reinhard Beuthin, für die 1955 eine Puppe kreiert wurde. Die 30 Zentimeter große Bild-Lilli war Vorbild für die amerikanische Barbie-Puppe. Lilli wurde in Deutschland so populär, dass 1958 ein Film über sie gedreht wurde Lilli – ein Mädchen aus der Großstadt. Die Hauptrolle wurde in einem Wettbewerb in der Bild-Zeitung besetzt. Die Gewinnerin war die dänische Schauspielerin Ann Smyrner. 1956 lag die Auflage bei 2,5 Millionen Exemplaren. Die Bild am Sonntag, der erste Bild-Ableger, erschien. Im Oktober 1957 wurde die Regionalausgabe Bild-Berlin eingeführt. Am 25. Mai 1959 legte Axel Springer den Grundstein für das Verlags- und Druckereigebäude in der Kochstraße in Berlin. Als Rudolf Michael 1958 die Chefredaktion aus Altersgründen niederlegte, betrug die verkaufte Auflage über 3 Millionen Exemplare. Bild war die auflagenstärkste Tageszeitung Europas geworden.

Die 1960er-Jahre mini|hochkant|Von 1961 bis 1971 war Peter Boenisch (hier 1983) Bild-Chefredakteur mini|hochkant|Bild-Titelseite vom 17. August 1961. Nach dem Mauerbau erschien das Blatt mehrere Wochen lang mit Stacheldraht als Umrandung der ersten Seite In den 1960er-Jahren spiegelte die Bild-Zeitung die Atmosphäre der Wirtschaftswunderzeit wider. Axel Springer verteidigte sein Konzept, „die Masse, nicht der Intellektuelle“ sei seine Zielgruppe. Unter dem konservativen Chefredakteur Karl-Heinz Hagen wurde Politik wichtiger. Die Zeitung vertrat einen strikten Antikommunismus und trat vehement gegen die Deutsche Teilung ein. Unter dem im Vergleich zu Hagen liberaleren und damals erst 34-jährigen Chefredakteur Peter Boenisch kam es ab 1962 zu einer ruckartigen Kursveränderung. Politik trat stark in den Hintergrund und leichtere Themen wie Filmstars, Prominente und Sport wurden wichtiger. Im Januar 1962 entstammten 26 Seite-1-Schlagzeilen diesen Bereichen und nur zwei der Politik. Wenn politisch berichtet wurde, dann rückten die Innenpolitik und die deutsch-deutschen Beziehungen in den Mittelpunkt. Die Bild-Zeitung beteiligte sich an der Ansteckeraktion „Macht das Tor auf“ und berichtete ausführlich über die Fluchtbewegung aus der DDR. Nach dem Mauerbau am 13. August 1961 lautete eine Schlagzeile: „Der Osten handelt – was tut der Westen? Der Westen tut NICHTS!“ Zur Zeit des Mauerbaus 1961 machte die Bild-Zeitung wochenlang mit der Grafik eines Stacheldrahts als Umrandung der Titelseite auf.

mini|Bild-Schlagzeile „Welcome to Berlin, Friends!“ (1962)

Die wachsende Marktmacht des Verlages beunruhigte Ende der 1960er-Jahre viele Beobachter. 1964 erörterte das Wirtschaftsmagazin Capital die Marktanteile des Springer-Konzerns in einem detaillierten Bericht unter dem Gesichtspunkt der Pressekonzentration. Ab Mai 1966 wurden diese Erscheinungen in der westdeutschen Medienpolitik zu einem zentralen Thema und stießen im darauf folgenden Frühjahr auch in den öffentlich-rechtlichen Rundfunkmedien auf größere Resonanz. Verschiedene westdeutsche Verleger unter maßgeblicher Federführung von Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein beurteilten den Springer-Konzern in der Öffentlichkeit als eine bedrohliche publizistische Monopolmacht, was in einer Dissertation zum Thema von Melchert kritisch als strategische „Anti-Springer-Kampagne“ bezeichnet wird. Medien in der DDR verwendeten die Kritik im Kalten Krieg, um ein Meinungsmonopol der Bild-Zeitung in Westdeutschland abzuzeichnen.Florian Kain: Das Privatfernsehen, der Axel-Springer-Verlag und die deutsche Presse: die medienpolitische Debatte in den sechziger Jahren. Münster / Hamburg 2003.Melchert Florian: Meinungsfreiheit in Gefahr? Die medienpolitische Debatte in der Bundesrepublik vom Fernsehstreit bis zur Anti-Springer-Kampagne (1961–1969). Bochum, Univ., Diss., 2003.

Von der Bundesregierung wurde als Reaktion auf die Diskussion eine Pressekommission unter dem Vorsitz des Präsidenten des Bundeskartellamts eingesetzt, um die Konzentration zu untersuchen. Die Kommission kam zu dem Urteil, dass durch den expansiven Springer-Konzern die Pressevielfalt und Pressefreiheit bedroht seien.„Die Pressefreiheit ist bedroht“. In: Die Zeit, Nr. 22/1968, 31. Mai 1968, abgerufen am 17. Januar 2012. Zu diesem Zeitpunkt gehörten zum Springer-Konzern (Jahresumsatz knapp eine Milliarde Mark) 19 Zeitungen und Zeitschriften mit einer Gesamtauflage von 17,5 Millionen. Als Hauptgefährdung wurde dabei die Machtstellung weniger im Zeitschriftenbereich, jedoch im Zeitungssektor gesehen. Der Axel-Springer-Verlag stieß nach dem Urteil 1968 fünf seiner Zeitschriften ab.

1964 gelang es der Bild-Zeitung erstmals, direkt Einfluss auf ein bereits beschlossenes Bundesgesetz zu nehmen. Im Juli 1964 gab Postminister Richard Stücklen eine Erhöhung der Fernsprechgebühren bekannt. Die Zeitung berichtete: „Alles lassen wir uns nicht gefallen!“ und „Holt den Bundestag aus dem Urlaub!“ In der extra einberufenen Sitzung des Parlaments während der Sommerpause wurde die Preiserhöhung teilweise zurückgenommen. Museumsmagazin, 2002.

1965 stieg der Preis der Bild-Zeitung von 10 auf 15 Pfennig. Um dies besser durchsetzen zu können, hatte Springer vergeblich von Ludwig Erhard die Herausgabe eines 15-Pfennig-Geldstückes gefordert. Die 13-jährige Geschichte als Groschenblatt war damit beendet.

Seit Ende 1966 häuften sich die kritischen Kommentare der Bild-Zeitung gegenüber der protestierenden Studentenschaft. Diese zunehmend verbal-aggressiven Anfeindungen führten bei den Studenten zu einer stark emotionalen Unterfütterung ihrer Verurteilung des vermeintlichen Meinungsführers Springer. Gleichzeitig erhielt Springer während dieser Jahre immer wieder die Zustimmung von Politikern.So hatte beispielsweise die SPD anlässlich des 55. Geburtstages des Verlegers in einem öffentlichen Telegramm in der Welt seine „verlegerische Arbeit“ gewürdigt und ihm gedankt, dass er „Initiativen zur Förderung des Ansehens und der Interessen des deutschen Volkes im In- und Ausland“ entwickelt habe. Im Juni 1967 wurde Axel Springer von Bundespräsident Heinrich Lübke im Beisein des Regierenden Bürgermeisters von Berlin Albertz für ‚besondere Verdienste um Staat und Volk‘ mit dem ‚Großen Verdienstkreuz mit Stern‘ ausgezeichnet. Aus: Bernd Jansen, Arno Klönne (Hrsg.): Imperium Springer: Macht und Manipulation. Pahl-Rugenstein, Köln 1968.

mini|Pflasterstein mit „enteignet Springer“-Slogan (1969)

Für die APO wurde die Bild-Zeitung und der Springer-Verlag zum Feindbild. Die Kampagne „Enteignet Springer!“ wurde initiiert und offen die Zerschlagung des Konzerns verlangt. (PDF; 4,7 MB) 2006. Am 6. Oktober 1967 kam es zu einer Vereinbarung zu einer gemeinsamen APO-Kampagne gegen Springer zwischen Vertretern verschiedener Studentenverbände (LSD, SHB, SDS), den ASten verschiedener Universitäten, der Kampagne für Abrüstung (KfA) des Republikanischen Clubs (RC) und des Publikationsorgans Berliner Extra-Dienst. (PDF; 4,7 MB)