Die Volkacher Mainschleife (frühere Bezeichnung: Mainschleife) ist die größte Flussmäanderlandschaft in Bayern. Sie ist Teil des Maindreiecks. Die Mainschleife bildet eine eigene naturräumliche Einheit und wurde zum Landschaftsschutzgebiet und Geotop erklärt. Sie liegt im Regierungsbezirk Unterfranken zwischen Kitzingen und Schweinfurt nahe der namensgebenden Stadt Volkach und bildet das Herzstück des Weinanbaugebietes Franken, wo auch ein eigener Bereich nach ihr benannt wurde.
Geografische Lage und Geologie Geografische Lage Die Volkacher Mainschleife befindet sich im Osten des Naturraums Mainfränkischen Platten, wobei sie eine eigene Untereinheit innerhalb der Haupteinheit Mittleres Maintal bildet.Geographie Giersbeck: Karte 152 Würzburg, PDF-Datei, abgerufen am 10. Januar 2019. Sie ist umgeben von der sogenannten Gäufläche bei Kitzingen im Westen und dem Steigerwald im Osten. In einiger Entfernung schließen sich im Süden die Frankenberge an.Herrmann, Axel: Geologischer Aufbau und Oberflächenformen, S. 32 Der Main fließt von Norden her in das Maindreieck ein, das durch die Orte Schweinfurt (Beginn südlicher Schenkel), Marktbreit (Scheitel) und Gemünden am Main (Ende nördlicher Schenkel) gebildet wird.
Das Landschaftsschutzgebiet Volkacher Mainschleife erstreckt sich über die Gemarkungen von Wipfeld, Ober- und Untereisenheim im Landkreis Würzburg, Lindach und Stammheim im Landkreis Schweinfurt, sowie Astheim, Gaibach, Fahr, Escherndorf, Köhler, Volkach, Nordheim am Main, Sommerach, Neuses am Berg, Gerlachshausen und Schwarzenau im Landkreis Kitzingen.
Damit umfasst es Gebiete der Gemeinden Wipfeld, Eisenheim, Kolitzheim, Volkach, Nordheim am Main, Sommerach, Dettelbach und Schwarzach am Main. Eine eigenständige naturräumliche Einheit bildet die Mainschleife lediglich entlang des Flusses von Sommerach bis Fahr, Obereisenheim wird bereits dem Obereisenheim-Wipfelder Maintal zugeordnet.
Erdgeschichte und Geologie Das Gebiet, das heute von der Mainschleife eingenommen wird, war im Erdmittelalter, vor etwa 250 Millionen Jahren, vollständig von Meer bedeckt. Mit Beginn der Erdneuzeit, im Tertiär vor ungefähr 65 Millionen Jahren, hatte sich das Wasser bis zum Alpenvorland zurückgezogen. Die Mainschleife war freigelegt und von weichem Sedimentgestein bedeckt. Dies führte zu einer starken Abtragung der Gesteinsmassen und der Entstehung von Rumpfflächen.
Vor etwa 5 bis 7 Millionen Jahren bildeten sich aus diesen ausgedehnten Rumpfflächen breite, aber nicht sehr tiefe Täler. Im Mittelpliozän vor ungefähr 3 Millionen Jahren kam es zu langanhaltenden Hebungen der Flächen. Die bereits zuvor entstandenen Täler wurden tiefer und festigten so die Bildung der heutigen Haupttalsysteme am Main. Während des Pleistozäns, vor circa 2,6 Millionen Jahren, wurde der Obermain, der bis dahin in die Donau geflossen war, an das Mainsystem angeschlossen. Die Mainschleife in ihrer heutigen Form war entstanden.
Das Pleistozän und die Eintiefung der bereits vorhandenen Täler ist besonders bedeutsam für die geologische Zusammensetzung der Mainschleife. Ein sogenanntes Kastental im Oberen Muschelkalk entstand, während auf den höher gelegenen Rumpfflächen weiterhin Lettenkeupergestein erhalten blieb. Gleichzeitig bildeten sich durch die Einschneidung Hänge heraus, Gleithänge an den von der Erosion nicht betroffenen Innenseiten von Flussschlingen und Prallhänge an den erodierenden Außenseiten.Landesamt für Umwelt: Volkacher Mainschleife, PDF-Datei, abgerufen am 5. Februar 2016
Naturschutz Die gesamte Mainschleife wurde am 31. Januar 1969 als Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Schutzgebiet umfasst Gemarkungen auf den Gebieten der Gemeinden Wipfeld im Landkreis Schweinfurt, Volkach und Schwarzach am Main im Landkreis Kitzingen. Die Mainschleife ist im Netzwerk Natura 2000 eingetragen und Element des Maintals zwischen Schweinfurt und Dettelbach. Außerdem ist das gesamte Areal als Vogelschutzgebiet und Fauna-Flora-Habitat ausgewiesen.
Vom Bayerischen Landesamt für Umwelt wird die Mainschleife als Geotop Nummer 675R004 geführt. Es umfasst eine Länge von 5 Kilometern, eine Breite von 1 Kilometer und eine Höhe von 80 Metern. Allgemeingeologisch gilt die Mainschleife in der Begründung des Landesamtes als bedeutend, ihr geowissenschaftlicher Wert wird mit wertvoll, der zweithöchsten Kategorie, beschrieben. Den Mittelpunkt des Geotops bildet der Vogelsberg.Landesamt für Umwelt: Geotoprecherche, abgerufen am 5. Februar 2016
Besonderen Schutz genießen die acht Naturschutzgebiete an der Mainschleife. An drei Stellen auf dem Gebiet der Gemeinde Volkach stehen die noch erhaltenen Sandgrasheiden mit ihren schützenswerten Pflanzen- und Tierarten unter Schutz. Weitere drei Gebiete haben das charakteristische Mainufer als Schutzgegenstand. Besonderheiten bilden die Schutzgebiete Mainhang an der Vogelsburg und Wald an der Hallburg, beide mit typischen Hangwäldern am Main.
Liste der Schutzgebiete
NameBund Naturschutz Volkach: Kurzinformationen über die Naturschutzgebiete, abgerufen am 5. Februar 2016 Einrichtungsjahr Fläche in Hektar Schutzgegenstand Bild Alter Main bei Volkach 1989 63,086 Ursprüngliche Erhaltung des Mains als Fließgewässer 70px|Alter Main bei Volkach Astheimer Dürringswasen 1977 11,308 Reliktstandort der Sandgrasheide mit seltenen Moosen, Blütenpflanzen, Pilzen und Flechten 70px|Astheimer Dürringswasen Mainaue zwischen Sommerach und Köhler 1995 93,194 Erhaltung des Standortmosaiks Aue 70px|Mainaue zwischen Sommerach und Köhler Mainhang an der Vogelsburg 1993 53,067 Schutz des nördlichen Prallhangs mit Hangwald, Halbtrockenrasen und Verbuschungsflächen 70px|Mainhang an der Vogelsburg Rechtes Mainufer bei Sommerach 1990 19,499 Schutz der Auwälder um den Main 70px|Rechtes Mainufer bei Sommerach Sandfluren bei Volkach, Schwarzach am Main und Sommerach 1989 104,8 Erhalt der Sandgrasheide und Sandmagerrasen 70px|Sandfluren bei Volkach, Schwarzach am Main und Sommerach Sandgrasheiden am Elgersheimer Hof 1999 3,464 Reliktstandort der Sandgrasheide mit seltenen Moosen, Blütenpflanzen, Pilzen und Flechten 70px|Sandgrasheiden am Elgersheimer Hof Wald an der Hallburg 1991 9,431 Erhalt der für das mittlere Maintal typischen Art des Hangwaldes 70px|Wald an der Hallburg
Weinbau Die Mainschleife bildet das Herzstück des Weinbaus im fränkischen Anbaugebiet. Diese Stellung wurde mit der Einführung des Bereichs Volkacher Mainschleife im Jahr 2017 unterstrichen, durch den man die alte Einteilung in den Bereich Maindreieck ersetzte. Der neue Bereich zieht sich am östlichen Maindreieck entlang des Flusses bis nach Schweinfurt im Norden sowie Mainstockheim im Süden und umfasst damit weit mehr Gebiete als die eigentliche Mainschleife. Er ist der größte aller Bereiche des Anbaugebietes Franken.
Die Mainschleife war bereits seit dem Frühmittelalter eines der Zentren für den Anbau von Weinreben. Insbesondere die Lagen um Escherndorf, Nordheim und Sommerach mit ihrem speziellen Kleinklima bzw. den Steillagen waren bereits im Mittelalter begehrte Weinorte, deren Dorfherren den Anbau nach Kräften förderten. Entsprechend höher besteuert wurden die Dörfer als ihre Nachbarn und litten deshalb auch mehr unter Ernteausfällen. mini|hochkant|Weinbaulandschaft zwischen Köhler, Escherndorf und Nordheim, im Hintergrund die Vogelsburg (August 2014) mini|Weinberge am Main zwischen Volkach und Fahr (Oktober 2018) Mit der Auflösung der geistlichen Dorfherrschaften durch die Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann ein umfassender Niedergang des Weinbaus. Das jahrhundertealte Wissen der Obrigkeit über den Anbau des Weines ging verloren. Zusätzlich begannen ab der Mitte des Jahrhunderts importierte Schädlinge wie die Reblaus große Teile der Ernte zu vernichten. Mit dem Aufbringen von Dünger und der Gründung von Genossenschaften zur Bündelung des Fachwissens und der Finanzen konnte der Niedergang bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts gestoppt werden.Pfrang, Franz: Die Geschichte des Weinbaus an der Mainschleife. S. 25 f.
Für das Landschaftsbild an der Mainschleife ist allerdings die Flurbereinigung ebenso bedeutsam. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg begannen weinbautreibende Gemeinden die durch die Realteilung viel zu kleinen Rebflächen zusammenzulegen. Dadurch verschwanden die prägenden Weinbergshäuschen und die Hecken zwischen den einzelnen Rebflächen und machten einer Monokultur von Reben Platz. Die Flurbereinigung erlebte in den 1970er Jahren einen Höhepunkt, als auch die kleinen Einzellagen der Gemeinden zu Einheitslagen zusammengefasst wurden, um die Vermarktbarkeit der Weine zu erhöhen. Diese Vereinheitlichung führte zu einer neuen Blüte des Weinbaus.Feuerbach, Ute: Der Wein. S. 293.
Heute wird die Volkacher Mainschleife nicht nur landschaftlich vom Wein geprägt. In den Orten, die seit Jahrhunderten Weinbau betreiben, hat sich eine Weinkultur entwickelt, die ihren sinnfälligsten Ausdruck in der Ausrichtung sogenannter Wein- bzw. Winzerfeste findet. Volkach als Zentrum des fränkischen Weinbaus richtet seit 1949 das Fränkische Weinfest aus, das sich zum größten Weinfest des Anbaugebietes entwickelte. Sogar in Schweinfurt mit einer Rebfläche von nur 3,54 ha (2017) existiert ein Weinfest.
Der Bereich Volkacher Mainschleife wird heute in drei Großlagen untergliedert. Zusätzlich existieren mehrere, kleinere Lagen, die später entstanden und deshalb großlagenfrei sind. Als kleinste Großlage gilt der Sommeracher Engelsberg, dessen Lagen sich weitgehend auf das Gemeindegebiet Sommerachs beschränken. Der Dettelbacher Honigberg umfasst Lagen in den Gemeinden Dettelbach und Mainstockheim. Größte Großlage ist allerdings mit weitem Abstand der Volkacher Kirchberg. Er versammelt auch die bekanntesten und größten Einzellagen Frankens wie das Nordheimer Vögelein mit 230 ha (2018).
GroßlageRegierung von Unterfranken: , PDF-Datei S. 9, abgerufen am 9. Mai 2019. Gemarkung(en)(Gemeinde) GeologieBauer, Hans: Landkreis Kitzingen. S. 190 f. Geokoordinate(Zentrum der Großlage) Anmerkungen Engelsberg Gerlachshausen (Schwarzach am Main), Hallburg (Volkach), Sommerach Oberer Muschelkalk, Lettenkeuper, Flugsand, Flusssand Einzelne Weinlagen: Engelsberg, Katzenkopf, Rosenberg Honigberg Bibergau (Dettelbach), Brück (Dettelbach), Dettelbach, Mainstockheim, Schnepfenbach (Dettelbach) Oberer Muschelkalk, Lettenkeuper Einzelne Weinlagen: Berg-Rondell, Honigberg, Sonnenleite Kirchberg Astheim (Volkach), Escherndorf (Volkach), Fahr (Volkach), Frankenwinheim, Gaibach (Volkach), Hallburg (Volkach), Hergolshausen (Waigolshausen), Köhler (Volkach), Krautheim (Volkach), Lindach (Kolitzheim), Neuses am Berg (Dettelbach), Neusetz (Dettelbach), Nordheim am Main, Obereisenheim (Eisenheim), Obervolkach (Volkach), Rimbach (Volkach), Schwanfeld, Schwarzenau (Schwarzach am Main), Sommerach, Stammheim (Kolitzheim), Theilheim (Waigolshausen), Untereisenheim (Eisenheim), Volkach (Volkach), Wipfeld, Zeilitzheim (Kolitzheim) Oberer Muschelkalk, Lettenkeuper, Flugsand, Flusssand Einzelne Weinlagen (Auswahl): Glatzen, Lump, Ratsherr, Vögelein großlagenfrei Bergtheim, Gaibach (Volkach), Hallburg (Volkach), Mainberg (Schonungen), Schweinfurt, Vogelsburg (Volkach) Oberer Muschelkalk, Lettenkeuper verschiedene Einzelne Weinlagen: Harfenspiel, Mainleite, Peterstirn, Pforte, Schlossberg (Mainberg), Schlossberg (Hallburg), Schlosspark
Geschichte Die Volkacher Mainschleife wird vom Weinbau an den steilen Hängen des Flusses geprägt. Diese jahrtausendalte Nutzung durch den Menschen hat die Gestalt der Landschaft verändert. Um das Jahr 900 tauchte die Weinrebe vermutlich das erste Mal an der Mainschleife auf. Zunächst beschränkte man sich auf den Anbau auf ebenen Flächen, da die Hänge zu steil für die damaligen landwirtschaftlichen Methoden waren. Erst im Laufe des Mittelalters wurden auch sie erschlossen.Pfrang, Franz: Die Geschichte des Weinbaus an der Mainschleife, S. 23 f → siehe auch: Geschichte des Weinbaus in Franken