Neulingen ist eine Gemeinde im Enzkreis in Baden-Württemberg. Bretten, Knittlingen und Pforzheim sind die nächstgelegenen Städte. Der Ortsteil Bauschlott ist Namensgeber der Bauschlotter Platte, eines Karstgebietes.

Geographie Geographische Lage Neulingen liegt etwa 10 Kilometer nördlich der kreisfreien Stadt Pforzheim auf einer wasserarmen Karsthochfläche, der Bauschlotter Platte, nahe der Grenze zwischen den ehemaligen Ländern Baden und Württemberg.

Nachbargemeinden Stadt Pforzheim, Ispringen, Ölbronn-Dürrn, Königsbach-Stein, Bretten, Eisingen, Kieselbronn, Knittlingen

Gemeindegliederung Die Gemeinde Neulingen besteht aus den ehemaligen Gemeinden Bauschlott, Göbrichen und Nußbaum. Zu den ehemaligen Gemeinden Bauschlott und Nußbaum gehören jeweils nur die gleichnamigen Dörfer. Zur ehemaligen Gemeinde Göbrichen gehören das Dorf Göbrichen und das Gehöft Katharinentaler Hof. Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Göbrichen liegen die Wüstungen Nidlingen und Schellbach. Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Nußbaum liegt die Wüstung Weiher.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 569–571

Bauschlott bildet das Hauptzentrum mit Bürgermeisteramt und Gemeindeverwaltung.

Schutzgebiete

In Neulingen gibt es drei Naturschutzgebiete: Der Bauschlotter Schlosspark im Nordwesten von Bauschlott, die Bauschlotter Au östlich von Bauschlott und die Neulinger Dolinen südlich von Göbrichen. Letzteres ist eingebettet in das Landschaftsschutzgebiet Gengenbachtal und Dolinenlandschaft südlich Göbrichen, an das westlich das Landschaftsschutzgebiet Eisinger Gäulandschaft anschließt.Daten- und Kartendienst der LUBW

Geschichte Gemeinde Neulingen Am 1. Januar 1974 wurden die bis dato eigenständigen Gemeinden Bauschlott und Nußbaum in die Gemeinde Göbrichen eingegliedert. Diese erhielt den neuen Namen Neulingen.

Dieser wurde in Anlehnung an das alte Nidelingen (auch Nitlingen, Neidlingen, Neutlingen) ausgewählt. Diese Siedlung lag auf der Gemarkung Göbrichen in der Nähe des heutigen Naturschutzgebiets „Neulinger Dolinen“ südlich des Ortsteils Göbrichen (). Der Ort wurde in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts erstmals erwähnt; in seiner Blütezeit zwischen 1150 und 1250 war Nidelingen mit schätzungsweise 350 Einwohnern eines der größeren Dörfer der Region. 1367 soll Nidelingen bei einem Rachefeldzug des Schleglerbundes gegen den Grafen von Württemberg weitgehend zerstört worden sein. Anfang des 15. Jahrhunderts mindestens noch teilweise bewohnt, wurde das Dorf um 1450 aufgegeben.Regine Einfeld: Die Katharinentaler Senke – ein Spaziergang mit Ein- und Ausblicken. In: Der Enzkreis. , 14(2012) S. 21–39, hier S. 23.

Heute liegt das Zentrum der Gemeinde Neulingen bei 48°58'13" nördlicher Breite und 8°43'24" östlicher Länge (Position der Kirche im Ortsteil Bauschlott).

Zum 31. Dezember 2018 hatte die Gemeinde Neulingen 6729 Einwohner mit Erstwohnsitz.

Ortsteil Bauschlott links|70x70px|Bauschlott Bauschlott, mit 3270 Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2018), ist der größte der drei Ortsteile von Neulingen und wurde 1071 als „Buslat“ im Lorscher Codex erstmals erwähnt. Im Laufe der Jahrhunderte hatten die Klöster Hirsau, Gottesaue, Maulbronn und die Dominikanerinnen aus Pforzheim hier ihren Besitz. Von 1532 bis 1540 ließ Ritter Eglof von Wallstein ein Wasserschloss mit vier Türmen bauen. Auf dessen Fundamenten errichtete Friedrich Weinbrenner 1806 bis 1809 das heutige Schloss Bauschlott im Auftrag des badischen Großherzogs Carl Friedrich (das Schloss ist heute in Privatbesitz). In Bezug auf das Schloss nennt man die Bauschlotter auch „Grofen“ (Grafen).

Ortsteil Göbrichen links|70x70px|Göbrichen Göbrichen mit 2231 Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2018) feierte 1992 sein 900-jähriges Bestehen. 1092 wurde es als Gebrichingen im Hirsauer Codex zum ersten Mal erwähnt. Nach einer wechselvollen Geschichte der Zugehörigkeit kam der Ort ab 1309 ganz zum Kloster Herrenalb. Die Kirche St. Ulrich entstand 1507. Markgraf Philipp von Baden warb das Gemarkungsgebiet den Mönchen ab, und seit 1527 gehörte Göbrichen ganz zur Markgrafschaft Baden-Durlach. Der Göbricher wird auch der „Hirsch“ genannt.

Ortsteil Nußbaum links|70x70px|Nußbaum Nußbaum mit seinen 1228 Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2018) ist der älteste der drei Ortsteile und als Muzboumen bereits im Jahre 883 im Lorscher Codex genannt; jedoch lassen die Reste einer größeren römischen Villa, die in der Nähe des heutigen Ortes gefunden wurden, auf eine wesentlich weiter zurückreichende Siedlungsgeschichte schließen. Eine im Jahr 1788 ebenfalls dort gefundene Herkules-Statuette wird im Landesmuseum Stuttgart aufbewahrt. Eine Kopie der Statuette ist seit Oktober 2011 im Heimatmuseum Nussbaum ausgestellt.

mini|Hercules, zu erkennen an der Keule und den aus dem Garten der Hesperiden gestohlenen Äpfeln. Lange wurde sein Fundort mit Neulingen-Nußbaum angegeben, dies wurde inzwischen aber berichtigt. mini|Figur des Hercules, vermutlich diente sie als Zierstück eines römischen Reisewagens. Lange wurde ihr Fundort mit Zazenhausen angegeben, dies konnte inzwischen aber durch Forschungen berichtigt werden. Nußbaum ist der korrekte Fundort. Nach der Reformation fiel der Ort an Württemberg und kam erst 1806 durch den Tausch- und Epurationsvertrag im Zuge der napoleonischen Grenzveränderungen zum Großherzogtum Baden.

Die evangelische Kirche St. Stephan besitzt einen Romanischen Turm, einen gotischen Chor und im Chorraum Fresken aus dem Jahr 1492 und aus dem 16. Jahrhundert.

Die Nußbaumer nennt man auch die Backkörb. Der Legende nach weilte Kaiser Karl der Große in Nußbaum schon zur Jagd, während noch alles von Wald umgeben war, und vermutlich noch niemand hier wohnte. Allmählich seien die Lebensmittelvorräte ausgegangen. Als der Monarch nach der Jagd fragte, ob denn noch etwas zum Essen da sei, zeigte ihm ein kleiner Junge eine Walnuss, die er seiner Majestät schenken wollte. Der Kaiser freute sich zwar sehr über diese nette Geste, doch meinte er, dass dies weder dem Schenkenden noch dem Beschenkten etwas nütze und ließ diese Nuss an Ort und Stelle in die Erde legen. Sein Wunsch war es, dass, so wie aus der Nuss ein Nussbaum wachsen werde, an dieser Stelle ein Dorf entstehen solle, das man später Nußbaum heißen werde. Fest steht auf jeden Fall, dass Nussbäume in Nußbaum eine lange Tradition haben. Denn in früheren Zeiten standen am Ortseingang von Göbrichen her, auf der rechten Seite, zahlreiche Nussbäume.

Politik Bürgermeister Bürgermeister der Gemeinde ist seit dem 6. Juli 2006 Michael Schmidt. Er wurde im April 2014 mit 93,8 % der Stimmen im Amt bestätigt. Am 8. Mai 2022 wurde er mit 86,8 Prozent der Stimmen für eine dritte Amtszeit wiedergewählt.

Gemeinderat In Neulingen wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. 2024 hat der Gemeinderat in Neulingen 15 Mitglieder, 2019 waren es 17. Er besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis.Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart

Partei Stimmen 2024 Sitze Ergebnis 2019 Freie Wählervereinigung 43,91 % 7 52,6 %, 9 Sitze CDU 27,72 % 4 24,7 %, 4 Sitze SPD 14,62 % 2 22,7 %, 4 Sitze LMU Neulingen 13,74 % 2 nicht angetreten

Gemeindeverwaltungsverband Neulingen Der Sitz des Verbandes befindet sich in Neulingen mit den Mitgliedsgemeinden Kieselbronn, Neulingen und Ölbronn-Dürrn.

Seit dem 1. Januar 2011 werden die technischen Dienste in den Gemeinden Neulingen und Ölbronn-Dürrn vom Zweckverband „Bauhof Neulingen – Ölbronn-Dürrn“ wahrgenommen. Verbandsvorsitzender ist Bürgermeister Michael Schmidt, Neulingen; sein Stellvertreter Bürgermeister Norbert Holme, Ölbronn-Dürrn.

Wappen Das Gesamtwappen der Gemeinde wird in dieser Form seit 1974 geführt. Es ist eine Zusammenfassung der Ortswappen von Bauschlott, Göbrichen und Nußbaum: In Rot ein mit zwei schwarzen Rauten belegter goldener Schrägbalken, darüber ein goldener Großbuchstabe „G“, darunter ein goldener Sester.

Trotz des gemeinsamen Gemeindewappens ist der Stolz auf das eigene Ortswappen ungebrochen, und so wird heute noch an den Ortseingängen auf der Begrüßungstafel zu dem Gemeindewappen auch das Ortswappen und das Kreiswappen genutzt.

Partnerschaften Neulingen ist Gemeinde Europas und hält partnerschaftliche Beziehungen zu: Rubiera in der Provinz Reggio Emilia in Italien Győrújbarát in Ungarn Le Poiré-sur-Vie in Frankreich

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Autobahn- und Bundesstraßenanbindung Bundesautobahn 8 Pforzheim-Nord ist ca. 7 km entfernt. Bundesautobahn 5 Bruchsal ist ca. 27 km entfernt. Durch Bauschlott führt die Bundesstraße 294. Über die Landesstraßen 571 und 611 besteht Anbindung an die Bundesstraßen 35 und 293.

Bahn- und Busanbindung Bahnanschluss im benachbarten Ort Ölbronn an die Strecke Mühlacker ↔ Bruchsal. Busanbindung in Richtung Pforzheim und Richtung Bretten Schulbusanbindung Neulingen (alle Teilortschaften) ↔ Königsbach-Stein

Radverkehr Durch Neulingen führen zwei Landes-Radfernwege: Der Heidelberg-Schwarzwald-Bodensee-Radweg führt von Heidelberg nach Radolfzell. Er verläuft von Bretten kommend durch Bauschlott und Göbrichen und führt weiter nach Pforzheim. Der Stromberg-Murrtal-Radweg führt von Karlsruhe nach Gaildorf und verbindet damit den Rheinradweg mit dem Kocher-Jagst-Radweg. Er verläuft von Königsbach-Stein kommend durch Göbrichen und Bauschlott und führt weiter an Kleinvillars (Stadt Knittlingen) vorbei nach Maulbronn.

Medien Einmal wöchentlich (Donnerstag) erscheinendes „Amtsblatt Neulingen“.

Öffentliche Einrichtungen Jugendraum in der Alten Schule von Bauschlott zur Freizeitnutzung der Neulinger Jugend. Um die Nutzung auch der Jugend der anderen Ortsteile von Neulingen zu ermöglichen, ist eine verbilligte Busfahrt mit den Kommunalen Verkehrsbetrieben geschaffen worden.

Gewerbe Die Ortsteile Bauschlott und Göbrichen besitzen größere Gewerbe- und Industriegebiete.

In Bauschlott Allmendäcker und Obere Klinge

In Göbrichen Wolfsbaum

Wichtige Gewerbezweige in der Gemeinde: Präzisions-, Kunststoff- und Metallverarbeitendes Gewerbe Handelsgewerbe Bau- und Handwerksgewerbe

Bauwerke und Sehenswürdigkeiten Das Schloss Bauschlott geht auf ein ehemaliges Wasserschloss aus dem 16. Jahrhundert zurück und wurde in seiner heutigen Gestalt um 1800 von Friedrich Weinbrenner erbaut. Das Schloss war ursprünglich Sitz der Ortsherrschaft gewesen, war ab 1726 im Besitz der Markgrafen und Großherzöge von Baden und kam 1961 in Privatbesitz. Es war danach bis 2004 Wirkungsort der Künstlergilde Buslat und ist heute Sitz des J. S. Klotz Verlagshauses. Die Evangelische Kirche in Bauschlott wurde 1838 vom badischen Oberbaudirektor Heinrich Hübsch im Stil der Neoromanik erbaut. Sie ersetzte ein in der Nachbarschaft befindliches und nach Fertigstellung der neuen Kirche abgerissenes älteres Kirchlein auf dem alten Bauschlotter Friedhof. Die evangelische Kirche St. Ulrich in Göbrichen wurde von 1507 bis 1510 als Wehrkirche mit Wehrmauer erbaut. Sie ist nach Bischof Ulrich I. benannt. Die evangelische Kirche St. Stephan in Nußbaum wurde erstmals 1388 erwähnt, als ihr Langhaus verbreitert wurde. Der damals erneuerte östliche Langhausteil gilt als ältestes Bauwerk der Gemeinde Neulingen. Richtfunkturm in Stahlfachwerkbauweise in Göbrichen (Geographische Koordinaten: 48°57′12″ nördliche Breite, 8°42′37″ östliche Länge, Höhe: 76 Meter, Baujahr: 1998) Funkturm in Stahlfachwerkbauweise in Bauschlott (Geographische Koordinaten: 48°57′55″ nördliche Breite, 8°42′51″ östliche Länge)