Jachenau ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.
Nach der Gemeindegebietsreform 1975 ist Jachenau mit 787 Einwohnern der Bevölkerungszahl nach die kleinste Einheitsgemeinde, d. h. Gemeinde mit eigener Verwaltung, in Bayern. Jachenau ist seit 1975 ein staatlich anerkannter Erholungsort, der sich als „Jachenau das Sonnental“ dem „sanften Tourismus“ verpflichtet fühlt.
Geographie mini|links|Der Gemeindeteil Dorf der Jachenau am frühen Morgen vor dem Herzogstand Lage Jachenau liegt 80 km südlich von München, zwischen Bad Tölz und Garmisch-Partenkirchen, in den Bayerischen Voralpen auf der Südseite der Benediktenwand (1801 m) und nahe am Walchensee. Das Gemeindegebiet liegt auf einer Höhe zwischen 712 m bei Fleckhaus und 1800 m auf der Benediktenwand. Von den 128,66 km² Gemeindefläche sind 106,97 km², also ca. 83,1 %, waldbedeckt., Ausgabe 2022, Seite 13, Flächenerhebungen zum 31. Dezember 2021. Damit gehört die Jachenau zu den waldreichsten Gemeinden Deutschlands.
Als „die Jachenau“ wird auch das 15 km lange, Wald- und Wiesental der Jachen unterhalb des Sagrinnenköpfl bezeichnet, das sich von West nach Ost erstreckt und in dem die Gemeinde Jachenau liegt.
Bis zur Säkularisation in Bayern im Jahr 1803 gehörte die Jachenau zum Klostergericht Benediktbeuern. Danach wechselte sie in die Verantwortung des Landgerichts (Bezirksamts, Landratsamts) Tölz und wurde so zunehmend dem Isarwinkel zugeordnet. Der Tölzer Kurier berichtet heute über die Jachenau unter der Rubrik „Isarwinkel“.
Nachbargemeinde
Gemeindegliederung mini|Der Gemeindeteil Berg der Jachenau – das alte „Nazareth sup monte“ mini|Das Jachental von Ost nach West, in der Mitte der Gemeindeteil Höfen mini|Bruchteilhausnummer mit zusätzlichem Buchstaben an einem Doppelhaus für Forstbedienstete
Die Gemeinde Jachenau, über sieben Jahrhunderte bis zur einsetzenden Bautätigkeit nach dem II. Weltkrieg eine typische Streusiedlung, hat 28 Gemeindeteile, davon sind 27 bewohnt,Jost Gudelius: Die Jachenau. Jachenau 2008. gelistet in alphabetischer Reihenfolge und mit den 1808 zugeteilten Hausnummern der damals existierenden 60 Anwesen. Später entstandene Häuser erhielten eine Hausnummer, die sich aus der Nummer des ursprünglichen Anwesens und einer Bruchteilsnummer zusammensetzt, die anzeigt, ob es das zweite, dritte oder usw. Anwesen auf dem Grund der ursprünglichen Hausnummer ist; z. B. ist das vierte Haus auf dem Grund der alten Hausnummer 7. Allerdings liegt hier eine weitere Besonderheit vor: besteht in der Realität aus einem Doppelhaus und einem Einfamilienhaus, die jeweils noch mit den Buchstaben a, b und c unterschieden werden. Bei den neueren Gemeindeteilen Rechen und Setzplatz existierten bis 2005 nur Bruchteilhausnummern wie z. B. ; damals wurden wegen der „allgemeinen Verwirrung“ in diesen beiden Gemeindeteilen die Bruchteilhausnummern durch normale Hausnummern „Rechen 1 bis 18“ und „Setzplatz 1 bis 34“ ersetzt. Das Gleiche gilt für Obernach, Friedeln und Bäcker, wo seit 2016 die Bruchteilhausnummern durch ganze Zahlen ersetzt wurden. Als Grenze zwischen den Gemeindeteilen Friedeln und Bäcker wurde die Staatsstraße 2072 festgelegt, Friedeln nördlich, Bäcker südlich der Straße. Damit gehört der „Bäck“ nicht mehr zu dem Gemeindeteil, dem er einst seinen Namen „Beim Bäck“, heute verhochdeutscht „Bäcker“, gab.
Da es in Jachenau keine Straßennamen gibt – mit Ausnahme der im September 2026 neu festgelegten Straße "Leitle"Tölzer Kurier, Lieber neuer Straßenname als Bruchteilhausnummer vom 3. September 2026, werden die Namen der Gemeindeteile postalisch wie Straßennamen genutzt.
Die Weiler Letten und Leger liegen ebenfalls noch im Jachental, gehören aber zur Gemeinde Lenggries.
Die „Schattenhöfe“ mini|Der Luitpolderhof in Jachenau – einer der „Schattenhöfe“ Aufgrund seiner West-Ost-Ausrichtung hat das 15 km lange Jachental zwischen den Gemeindeteilen Mühle im Westen und Fleckhaus im Osten im Sommer vom frühen Morgen bis zum späten Abend durchgehend Sonne. Deshalb bezeichnet sich auch heute die Jachenau als „Sonnental“.
Doch wird das Tal auf beiden Seiten durch Bergrücken begrenzt, die im Norden mit der Benediktenwand bis an 1800 m reichen und im Süden zwischen Staffel und Wilfetsberg bei 1500 m und 1400 m Höhe liegen. Im Winterhalbjahr befinden sich daher die am südlichen Talrand gelegenen Höfe über mehrere Wochen im Schatten. Dies hat zum Ausdruck „Schattenhöfe“ geführt.
Schon zu den ersten Höfen, die im 12. Jahrhundert im Jachental rodeten und siedelten, gehörte der heutige „Luitpolder“ Hof (bis ca. 1500 der „Krinner“). Dieser Hof, der zweitgrößte Hof in Jachenau, liegt wie eine ganze Reihe von weiteren Höfen und Sölden zwischen den Gemeindeteilen Niggeln und Mühle so dicht unter dem südlichen Bergrücken, dass er im Winter bei tiefstehender Sonne über einen Zeitraum von fast zwei Monaten (25. November bis 17. Januar) keinen Sonnenstrahl erwischt. Dieses Phänomen trifft besonders den „Lainer“ und den „Luitpolder“. Das sind aber im Sommer während der Wachstumsperiode die Höfe, die täglich am längsten die Sonne genießen.
Man kann also davon ausgehen, dass die damaligen Siedler am Ende des 12. Jahrhunderts genau wussten, worauf sie sich bei der Ortswahl ihres Anwesens einließen.
Geologie mini|Kuhtrittmuschel auf dem Fundamentstein einer alten Almhütte an der Lainlalm Die geologischen Schichten der Jachenau gehören alle zur Lechtaldecke, der mittleren „Decke“ der Nördlichen Kalkalpen. Geologische Besonderheit des Raumes um die Jachenau ist die großangelegte Muldenstruktur des Bayerischen Synklinoriums mit Ost-West-verlaufenden Achsen der Mulden und Sättel. Sie ist die Ursache für das Walchensee-Becken und den relativ weiten Talkessel beim Ortskern in Jachenau. Die nordalpinen Gesteine sind fast ausschließlich marine Sedimente, deren Ablagerung in der Triaszeit vor ca. 250 Mio. Jahren in dem weltumspannenden Tethys-Meer auf dem sich absenkenden Schelf des großen Kontinents Pangäa begann. Dieser Vorgang schuf mehrere 1000 m mächtige Gesteinspakete, die in der Jachenau unter anderen als Wettersteinkalk (an der Benediktenwand), als Raibler Schichten (westlich und östlich der Lainlalm), als Hauptdolomit (Gipfel des Hirschhörnl), als Plattenkalk (u. a. Rautberg, Staffel, Hoher Zwiesler, Jochberg, Brunnenkopf, Brandkopf), als Kössener Schichten (an den Steilufern der Großen Laine) und als Rhätolias-Riffkalk (Axelstein) auftreten.Kurt Kment: Geologie der Jachenau. In: Jost Gudelius: Die Jachenau. Jachenau 2008, S. 336–346
Megalodonten, im Volksmund auch „Kuhtrittmuscheln“ genannt, finden sich als ca. 200 Mio. Jahre alte Zeugen der Erdgeschichte in der Gegend um Jachenau im Rhätolias-Riffkalk auf der Südseite des Axelstein nördlich der Ortschaft sowie an einer Felskugel am östlichen Eingang zur Rappinklamm. Vom Axelstein oder aus der Rappinklamm können die Steine sein, die an der nahegelegenen Lainlalm als Fundamentsteine von Almhütten Verwendung fanden und mit den versteinerten Muscheln als Abwehrzauber dem Schutz von Mensch und Tier dienen sollten.
Während der Würm-Kaltzeit teilte sich der vom Seefelder Sattel kommende Seitenarm des Inn-Gletschers bei Wallgau in den Isar-Gletscher und den Walchensee-Gletscher. Beim Walchensee zweigte zwischen Jochberg und Rautbergkopf nach Osten ein weiterer Arm ab, der zur Jachenau strömte. Aus dem Raum zwischen Rautbergkopf und Staffel (Luitpolder- und Lainer-Alm) floss ein anderer Zeig des Isar-Gletschers von Süden kommend nach Norden. Beide Teilgletscher vereinigten sich in der Jachenau zu einem Talgletscher, dem Jachen-Gletscher, der nach Osten floss.Alexander Lutyj-Lutenko: Bau und Strukturen der Lechtal-Decke im Gebiet der Jachenau, Geologica Bavarica, München 1951, S. 24.
Fauna und Flora mini|Gelber Frauenschuh in den Bergen der Jachenau Eine Besonderheit der Jachenau ist die sich seit 1959 entwickelnde Steinbock-Kolonie an der Benediktenwand, die inzwischen auf mehr als 100 Tiere angewachsen ist. Nicht regelmäßig, aber immer wieder brütet auf Jachenauer Flur ein Adlerpärchen. Eine weitere Besonderheit ist der Kirchturm als Schlafplatz der Kleinen Hufeisennasen. Im Jahr 2002 wurden 34 ausgewachsene Exemplare gezählt. Unter den Blumen sind das Bergaurikel, der Stängellose Enzian, die Bewimperte Alpenrose, der Frauenschuh, die Türkenbundlilie, der sehr kleine Herbst-Drehwurz und der noch kleinere und unscheinbare Rundblättrige und auch der Langblättrige Sonnentau zu erwähnen.
Etymologie In den ältesten Urkunden von 1192BHStA, KL Benediktbeuern 39, Bl.40 und 1294BHStA, KL Benediktbeuern 32 wird die neue Ansiedlung in dem Tal ostwärts des Walchensees als „Nazareth“ benannt. Das Jachental war ähnlich dem Großen Ahornboden im Karwendel damals mit einem Ahornwald bedeckt. Den Benediktinermönchen des Klosters Benediktbeuern fiel es nicht schwer, aus „in acereto“ = im Ahorngehölz, im Ahornboden den Ortsnamen Nazareth abzuleiten.
In einer Urkunde von 1295BHStA, KL Benediktbeuern 9 tauchen erstmals „Nazareth“ und „Jachnawe“ nebeneinander auf. Danach entwickelte sich „Jachnaw“ (1416), „Jachenaw“ (1433) und ab 1584BHStA, KL Benediktbeuern 174 „Jachenau“. Für die Herleitung des Namens Jachenau gibt es unterschiedlichste Ansätze: von „Jochinau“ = die Au der Jocher von Altjoch am Kochelsee, von Ahornau in Anlehnung an den Ahornboden, von der Au des „Jacho“, eines damals gebräuchlichen Vornamens und als Ableitung vom Namen der Jachen, dieses schnell fließenden („jach“, mittelhochdeutsch) Gewässers des Tales. Letzteres kommt der Deutung von Stephan Glonner (1856–1883), Pfarrer in Lenggries am nächsten; er schreibt in seiner Chronik der Hofmark Hohenburg: .
Geschichte Bis zur Gemeindegründung Die Jachenau wurde ab dem Zeitraum um 1185 vom Kloster Benediktbeuern aus gerodet und besiedelt. In der Abschrift einer Urkunde von 1192 wird Nazareth erstmals genannt. Hierbei überließ der Augsburger Bischof Udalschalk den Neubruchzehnt (von Jachenau) dem Kloster Benediktbeuern im Tausch für ein Gut bei Utting. Gleichzeitig wurde in derselben Urkunde der Auftrag gegeben, eine Kirche aus Stein zu errichten. Neunundneunzig Jahre später weihte Bischof Wolfahrt von Augsburg die Kirche St. Nikolaus am 17. März 1291 persönlich ein. Im gleichen Jahr wurde ein Wirtshaus gebaut. 1279 (1294)Die Jahreszahl 1279, später in dem Salbüchl eingefügt, wurde durch Schuhbauer, Albert, „Besitz und Einkünfte des Klosters Benediktbeuern Ende 13. Jahrhundert, Übertragung des ältesten Stiftsbuchs, BHStA KL BB 32, Weßling 2009“ bestätigt. Das BHStA datiert auf 1294. wurden im Salbüchl des Klosters 17 „vaccariae“ (Schwaigen) in Nazareth aufgelistet, von denen bei folgenden sieben eine Beziehung zu den heute noch bestehenden Höfen hergestellt werden kann. Dies sind „Nazareth sup monte“ = Berg, „Im ahorn“ = Achner, „Chlezagelshof“ = Hinterbichl, „Gerunershof“ = bis 1500 als der Krinner benannt, danach als Luitpolder, „Erchenboltshütte“ = Erbhof, „Im lohe“ = Laich, „Saherpach“ = Sachenbach.
Durch Zwei- und manchmal auch Dreiteilung der meisten 17 „Urhöfe“ kam die Jachenau im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts bis zum Jahr 1782 auf 36 Höfe und 24 Sölden, die sich bis ins 19. Jahrhundert hielten. Bis zur Säkularisation 1803 gehörte die Obmannschaft Jachenau zum Klostergericht Benediktbeuern.