mini| Das Kloster Riedern am Wald Das Kloster Riedern am Wald, auch Obere Propstei genannt, ist ein ehemaliges Augustiner-Chorherrenstift in Riedern am Wald im Landkreis Waldshut im Südschwarzwald.

Geschichte Gründung der Cella (Klause) in Detzeln Marquart, Freiherr von Krenkingen, hatte im Jahr 1110 sein Gut in Detzeln und andere Besitzungen in der Umgegend zur Gründung einer Klosterniederlassung nach der Regel des hl. Augustinus gestiftet. Diese Stiftung wurde 1152 durch eine Urkunde von König Konrad III. begünstigt und bestätigt. Wilhelm Hugo Mayer (Hrsg.): Heimatbuch für den Amtsbezirk Waldshut, Verlag R. Philipp, Waldshut 1926, S. 149.

In dieser Königsurkunde, die heute im Staatsarchiv Thurgau in Frauenfeld aufbewahrt wird, bestätigt König Konrad III. am 7. Januar 1152 (kurz vor seinem Tod im Februar 1152), dass von einem ‚Edlen und Freien Mann‘ namens Marcwardus, aus dem Geschlecht der Freiherren von Krenkingen, eine Cella in Tiezelenheim, dem heutigen Detzeln gegründet wurde. Die Brüder lebten nach der Regel des Heiligen Augustinus. Als Schutzvögte wurden die Herren von Krenkingen eingesetzt.Thurgauer Urkundenbuch, Band 2. S. 107–108. Die Cella bzw. Klause befand sich in der Nähe des Klausenhofs mit der Klausenkapelle. Der erste Abt wird 14 Jahre nach der Gründung genannt: Abt Gerlo von Detzeln. Ab 1166 wurde der Standort nicht mehr als Kloster erwähnt. Das Grundstück blieb jedoch bis zur Aufhebung im Besitz des Klosters.

Verlegung Im Jahr 1214 wird in einer Urkunde von Papst Innozenz III. erstmals ein „Probst de Riede“ erwähnt. Damit ist die erfolgte Verlegung nach Riedern am Wald dokumentiert. Zehn Jahre später wird Riedern als Propstei erwähnt. mini|Das Gebäude der Unteren Propstei des Augustiner-Chorfrauenstifts Riedern am Wald

Frauenkloster Riedern am Wald Im 12. Jahrhundert ließen sich hier Schwestern die zumeist aus Adelsfamilien stammten, nieder. Sie bewohnten zunächst ein Privathaus und lebten nach der Regel des hl. Augustinus. In dieser klösterlichen Genossenschaft lebte eine Gräfin von Toggenburg, Mechthilde, die um das Jahr 1200 ein heiliges Leben führte und noch nach ihrem Tode mit allerlei Wunderzeichen gewirkt haben soll.Wilhelm Hugo Mayer: Heimatbuch für den Amtsbezirk Waldshut Waldshut 1926, S. 149 Dieses Kloster „leuchtet um 1200 durch Gräfin Mechthilde von Toggenburg hervor, die eine geistige Gespielin der Agnes in der Klausur des benachbarten Klosters Berau war.“Albert Kürzel: Der Amts-Bezirk oder die ehemalige sanktblasische Reichsherrschaft Bonndorf, 1861, S. 161.

Seit Mitte des 13. Jahrhunderts zählte die Gemeinschaft als Augustiner-Chorfrauen Stift.

Das in der weiteren Nachbarschaft gelegene Frauenkloster, das man nach seiner Lage als die Untere Propstei bezeichnete, hatte mit der oberen Propstei anfänglich eine gemeinsame Verwaltung. Im Jahre 1350 hob der Propst Konrad die Gütergemeinschaft und gemeinsame Verwaltung auf, und das Frauenkloster entwickelte sich nun selbstständig. Vom Ende des 15. Jahrhunderts an stand es unter einem Kanonikus von Kreuzlingen und blühte unter der sorgfältigen Leitung günstig auf.

Die Klöster im 16. Jahrhundert Seit 1538 stellte der Augustiner-Chorherrenstift Kreuzlingen die Pröpste für die Augustiner-Chorherrenpropstei in Riedern am Wald. 1638 wurde Riedern in das Kreuzlinger Augustinerkloster eingegliedert.„Kloster“ Riedern am Wald. In: Seelsorgeeinheit Oberes Schlüchttal. Auf Kath-Schluechttal.de, abgerufen am 7. Mai 2022. Seitdem bezeichneten sich die Kreuzlinger Äbte immer auch als „Propst von Riedern“.

Neubau im Jahr 1670 Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Kloster mehrmals ein Raub der Flammen. Nach dem westfälischen Frieden 1648 wurde es aufs neue hergestellt. Auch das Frauen-Stift wurde zerstört und dann 1670 neu erbaut. Ein Kupferstich der Zeit zeigt die Anlage. mini|Collegium Riederense ad S. Mariam Kupferstich von Johann Franckh, 1687 erschienen in: Germania canonico-Augustiniana von Franciscus Petrus und 1756 in: Michael Kuen: Collectio Scriptorum, bei Gaum mini|Das Wappen des Abtes Johann Baptist Dannegger über dem Eingangsportal

18. Jahrhundert Am 16. Juli 1740 brannte das Kloster in Riedern erneut ab. Der Wiederaufbau begann 1748 im Stil des Barock mit Hilfe des Augustiner-Chorherrenstiftes Kreuzlingen, unter dem Abt Johann Baptist Dannegger. Am 30. Juni 1749 erfolgte die Einweihung der neuerbauten Gebäude durch den Weihbischof von Konstanz und Titularbischof von Domitiopolis, Franz Carl Joseph Graf Fugger.Katholische Kirchengemeinde: Pfarrkirche St. Leodegar Riedern am Wald. 1993.

Die Klosterkirche wurde ebenfalls 1742 erbaut und hat St. Leodegar als Patron. Kirche, Pfarr-, Schul-, und Rathaus waren die Hauptgebäude der sogenannten oberen Propstei. Auf dem Kirchplatz ist eine in Steingut ausgeführte, lebensgroße Statue des hl Johannes Nepomuck mit der Jahreszahl „MDCCXL“ (1715).Wilhelm Hugo Mayer (Hrsg.): Heimatbuch für den Amtsbezirk Waldshut. Verlag R. Philipp, Waldshut 1926, S. 149.

Aufhebung und Nutzungswandel Die Propstei Riedern am Wald war durch das Augustiner-Chorherrenstift in Kreuzlingen unter Schweizer Kontrolle und konnte daher im Zuge des Reichsdeputationshauptschlußes von 1803 nicht aufgehoben werden. Dennoch entschloss man sich 1812 zur Auflösung der Propstei Riedern und zum Verkauf der Gebäude an zwei Privatleute aus Basel für 5.500 Gulden.Katholische Kirchengemeinde: Pfarrkirche St. Leodegar Riedern am Wald. 1993.

Im Jahr 1839 ging das Klostergebäude je zur Hälfte an die Gemeinde Riedern am Wald und die dortige römisch-katholische Pfarrei St. Leodegar. Die Kirche wurde Pfarrkirche für die Gemeinde Riedern am Wald.

Ein Teil der Klostergebäude diente in den 1920er-Jahren als Wohnungen und Ökonomiegebäude.

1968 erwarb dann die Pfarrei St. Leodegar die gesamte Anlage für einen Kaufpreis von 20.000 DM und ist seither Eigentümer. Seit 1998 dient das Klostergebäude als kulturelle und geistliche Begegnungsstätte. Es beherbergt zudem das Propsteimuseum mit einer Sammlung alter Schriften und sakraler Gegenstände.

Literatur Wilhelm Hugo Mayer (Hrsg.): Heimatbuch für den Amtsbezirk Waldshut, Verlag R. Philipp, Waldshut 1926. Hans Matt-Willmatt: Die Chronik des Kreises Waldshut. Riedern am Wald, Vocke-Verlag, Waldshut 1957. Katholische Kirchengemeinde St. Leodegar (Hrsg.): Pfarrkirche St. Leodegar Riedern am Wald, Festschrift zur 250 Jahr Feier, mit Beiträgen von Wolfgang Irtenkauf, Helmut Maurer und Hans Jakob Wörner, 1993.

Weblinks

Einzelnachweise

Riedern am Wald Kategorie:Bauwerk in Ühlingen-Birkendorf Kategorie:Christentum im Landkreis Waldshut Kategorie:Organisation (Landkreis Waldshut) Kategorie:Kulturdenkmal in Ühlingen-Birkendorf