mini|Säulen des Hypostyls im Tempel des Amun-Re

Die Karnak-Tempel liegen als größte Tempelanlage von Ägypten in Karnak, einem Dorf etwa 2,5 Kilometer nördlich von Luxor und direkt am östlichen Nilufer. Die ältesten heute noch sichtbaren Baureste des Tempels stammen aus der 12. Dynastie unter Sesostris I.Dieter Arnold: Lexikon der ägyptischen Baukunst. Düsseldorf 2000, S. 23. → Amun-Bezirk (Karnak). Bis in die römische Kaiserzeit wurde die Tempelanlage immer wieder erweitert und umgebaut.

Die Tempelanlage steht seit 1979 zusammen mit dem Luxor-Tempel und der thebanischen Nekropole auf der Weltkulturerbeliste der UNESCO.Ancient Thebes with its Necropolis – UNESCO World Heritage Centre

Die Tempelanlagen Herausragend unter den Ruinen sind der Tempel des Amun-Re mit seinen insgesamt zehn Pylonen, deren größter ca. 113 Meter breit und ca. 15 Meter dick ist und eine geplante Höhe von ca. 45 Meter aufweist. Die Gesamtfläche des Tempels beträgt ca. 30 Hektar (530, 515, 530 und 610 Meter Seitenlänge). Neben den Pylonen ist die große Säulenhalle, die von Haremhab begonnen und unter Sethos I. und Ramses II. vollendet wurde, besonders beeindruckend.

Die Tempelanlage besteht aus drei von Mauern umgebenen Bereichen, dem Bezirk des Amun (altägyptisch Ipet-sut, „Ort der Erwählung“), dem Bezirk des Month (150 × 156 Meter, Gesamtfläche 2,34 Hektar) und dem Bezirk der Mut (405, 275, 295 und 250 Meter Seitenlänge, Gesamtfläche ca. 9,2 Hektar). Neben diesen drei großen Tempelbezirken gibt es noch den Aton-Tempel, das Gem-pa-Aton, das Echnaton im sechsten Jahr seiner Regierungszeit in Karnak erbauen ließ. In der Antike verband eine Allee, die beidseitig von 365 SphingenErrechnet von F. Traunecker; siehe Dieter Arnold: Die Tempel Ägyptens. Götterwohnungen, Baudenkmäler, Kultstätten. Zürich 1992, S. 114–115. gesäumt war, den Amun-Tempel mit dem ca. 2,5 km entfernten Luxor-Tempel. Diese Straße endete am 10. Pylon des Tempels. Die Allee wurde wiederhergestellt und 2021 feierlich eröffnet.About Travel: Sphingen-Allee in Luxor ist eröffnet. - TRAVEL INSIDE Auf: abouttravel.ch vom 26. November 2021; zuletzt abgerufen am 21. April 2026.

Zweck der Tempelanlage Nach der Erhebung Amun-Res von Theben zum Lokalgott und später zum Reichsgott begannen die Herrscher des frühen Mittleren Reiches mit dem Bau eines Tempels, der über Jahrtausende hinweg zum heutigen Tempelkomplex erweitert wurde, wo die Amun-Priesterschaft den täglichen Tempeldienst ausübte. Auch für die Gattin des Amun, die Göttin Mut, und für ihren gemeinsamen Sohn Chons wurden Tempel errichtet; zusammen bildeten sie die Triade von Theben. Neben diesen drei Göttern wurde auch dem Gott Month, der noch in der 11. Dynastie der Hauptgott von Theben war, ein Tempel geweiht.

mini|hochkant|Oberteil des Obelisken Hatschepsuts am Heiligen See

In der altägyptischen Glaubenswelt besteht das Prinzip der kosmologischen Ordnung, dieses Prinzip wird als Maat bezeichnet. Da die Maat kein unveränderlicher Zustand ist und von den Menschen aus dem Gleichgewicht geworfen werden kann, ist es wichtig, diesen Zustand zu erhalten, um Chaos und Vernichtung von der Welt fernzuhalten. Ein ägyptischer Tempel stellt ein Modell der Welt dar. Eine der obersten Pflichten des Königs war es daher, das Gleichgewicht der Maat zu erhalten. Dieses geschah im heiligsten Bereich des Tempels. Im Tempel wurden heilige Kulthandlungen (Opferdarbietungen, Gebete und Gesänge) durch den König oder den ihn vertretenden Hohepriester durchgeführt.

Baugeschichte Der früheste Beleg für einen Amun-Kult in Theben stammt aus dem Mittleren Reich. Es handelt sich um eine achteckige Säule Antef II., die sich heute im Museum von Luxor befindet. Die ältesten heute noch sichtbaren Baureste stammen aus der Zeit Sesostris I. Im Neuen Reich gab es rege Bautätigkeiten und die Tempelanlage erreichte bald enorme Ausmaße. Auch in der Spät- und Griechisch-römischen Zeit wurde noch am Tempel gebaut.

Bezirke der Tempelanlage von Karnak Bezirk des Amun Der größte Bereich der Anlage ist der Bezirk des Amun. Er beherbergt den großen Tempel des Amun-Re, den Tempel des Chons, das Barkenheiligtum Ramses III., einen Tempel der Ipet, und ein kleines Heiligtum des Ptah sowie den Tempel des Amenhotep II.

Tempel des Amun-Re

Der Tempel des Amun-Re, auch Reichstempel genannt,Wolfgang Helck, Rosemarie Drenkhahn, Eberhard Otto: Kleines Lexikon der Ägyptologie. 4., überarbeitete Auflage, Harrassowitz, Wiesbaden 1999, ISBN 978-3-447-04027-3, S. 141f. → Karnak. ist der größte ägyptische Tempel mit insgesamt zehn Pylonen. Es handelt sich nicht um einen Tempel im klassischen Sinn, sondern um eine Ansammlung verschiedener aneinander gebauter Sakralbauten. Dabei wurden verschiedene Tempelteile wieder abgerissen und deren Baumaterial in anderen Teilen wiederverwendet. Lediglich das Zentrum des Tempels, vom heute vierten Pylon bis zum Ach-menu, als besonders heiliger Bereich blieb unangetastet.

Zu den bedeutendsten Bereichen des Tempels zählt der große Säulensaal (Hypostyl), den Haremhab zwischen dem zweiten und dritten Pylon zu bauen begann und der später unter Sethos I. und Ramses II. vollendet wurde.Dieter Arnold: Lexikon der ägyptischen Baukunst. Düsseldorf 2000, S. 110f. → Hypostyl (Säulenhalle). Auf einer Fläche von 103 Metern Länge und 53 Metern Breite standen einst 134 Papyrussäulen, die das hölzerne Dach des Hypostyls trugen. Im Mittelschiff der Halle waren die Säulen bis zu 22,5 Meter hoch.

Ach-menu Auch das Ach-menu oder der Festtempel des Thutmosis III. ist zu erwähnen, es trägt den altägyptischen Namen Men-cheper-Ra-ach-menu: „Herrlich an Denkmälern ist Men-cheper-Ra“ (Thutmosis III.) oder auch „Erhaben ist das Andenken des Men-cheper-Ra“.Thomas Kühn: Das pharaonische Ägypten. Zu Ehren Amuns – Die Bauprojekte Thutmosis’ III. in Karnak. In: Kemet. Die Zeitschrift für Ägyptenfreunde. Nr. 10,3, Berlin 2001, S. 33–38. Neben diesen Namen ist auch noch die Bezeichnung Millionenjahrhaus zu finden, was darauf schließen lässt, dass der Tempel dem Kult des Königs in seiner Erscheinungsform des Amun-Re geweiht war.

mini|hochkant|Kiosk des Taharqa

Die architektonisch auffallende Festhalle wird aufgrund der Anordnung ihrer Säulen auch oft als Festzelt bezeichnet. Der höhere Mittelraum besteht aus zwei Säulenreihen mit je zehn Säulen und ist von niedrigeren Seitenschiffen mit insgesamt 32 Säulen umgeben.Dieter Arnold: Lexikon der ägyptischen Baukunst. Düsseldorf 2000, S. 13f. → Achmenu. Im Zugang zum Ach-menu befindet sich die sogenannte Königsliste von Karnak mit den Namen von insgesamt 61 Königen. Das Ach-menu liegt auf der Ost-West-Achse des Tempelbezirks, in der baulichen Anordnung wird allerdings auch die Nord-Süd-Achse berücksichtigt. Im hinteren Teil befinden sich die Sanktuare für die Götter Sokar (südlich) und Amun-Re (nördlich). Neben dem Festtempel des Thutmosis III. befindet sich der Kiosk des Taharqa.

Während der Restaurierung des dritten Pylons des Tempels, errichtet durch Amenhotep III., wurde Baumaterial der Weißen Kapelle, der Roten Kapelle und der Alabasterkapelle entdeckt.Dieter Arnold: Die Tempel Ägyptens. Götterwohnungen, Baudenkmäler, Kultstätten. Zürich 1992, S. 111–123. Nördlich des Amun-Re-Tempels wurde im 20. Jahrhundert die Weiße Kapelle Sesostris I., das älteste erhaltene Bauwerk der Anlage und die Alabasterkapelle aus wiedergefundenem Baumaterial rekonstruiert. Anfang des 21. Jahrhunderts wurde hier auch die Rote Kapelle der Hatschepsut wieder errichtet. Der dritte Pylon war ursprünglich etwa 98 Meter lang und etwa 14 Meter breit. Da er heute stark beschädigt ist, ist nur ca. ein Viertel seiner ursprünglichen Höhe von ca. 35 Metern erhalten.

Weiße Kapelle

mini|hochkant|Weiße Kapelle

Die Weiße Kapelle (auch Chapelle blanche) wurde in der 12. Dynastie durch Sesostris I. aus weißem Kalkstein errichtet. Sie ist das älteste erhaltene Bauwerk der Tempelanlage. Auf einem 1,18 Meter hohen Sockel befindet sich ein 6,54 × 6,54 Meter großer Kiosk, dessen Dach von vier mal vier Pfeilern getragen wird.Dieter Arnold: Lexikon der ägyptischen Baukunst. Düsseldorf 2000, S. 48. → Chapelle blanche. Die Weiße Kapelle wurde als Barkensanktuar gebaut und diente somit bei verschiedenen Festlichkeiten als Stationskapelle für die Götterbarke. Die Weiße Kapelle stand wie die Rote Kapelle und auch die Alabasterkapelle im Bereich zwischen dem dritten und siebten Pylon. Die Kapelle wurde im Freilichtmuseum von Karnak wieder aufgebaut.

Rote Kapelle

mini|hochkant|Rote Kapelle

Die Rote Kapelle wurde durch Königin Hatschepsut in der 18. Dynastie errichtet. Ursprünglich stand die Kapelle im Bereich zwischen dem dritten und siebten Pylon. Später wurde die, als Barkensanktuar gebaute, Kapelle von Thutmosis III. abgerissen. Amenophis III. ließ die Blöcke als Füllmaterial für den dritten Pylon verwenden. Bei Restaurierungsarbeiten kamen 319 Blöcke aus schwarzem Granit und rotem Quarzit der Kapelle zum Vorschein.Dieter Arnold: Lexikon der ägyptischen Baukunst. Düsseldorf 2000, S. 48. → Chapelle rouge. Aus diesem Material wurde die Rote Kapelle im Freilichtmuseum der Tempelanlage wieder errichtet.

Die Bildwerke der Roten Kapelle zeigen die Krönung der Hatschepsut, Opferszenen und die thebanischen Feste wie beispielsweise das Opet-Fest.Matthias Seidel, Regine Schulz: Kunst & Architektur. Ägypten. Ullmann, Potsdam 2009, ISBN 978-3-8331-5411-9. Die Kapelle beherbergt damit auch die älteste Darstellung dieses Festes.

Alabasterkapelle mini|hochkant|Alabasterkapelle

Die in der 18. Dynastie als Barkensanktuar von Thutmosis IV. errichtete Alabasterkapelle stand vermutlich wie die Rote- und Weiße Kapelle im Bereich zwischen dem dritten und siebten Pylon.

Tempel Ramses III. Im Hof hinter dem ersten Pylon befindet sich auf der rechten Seite der Tempel des Ramses III. Er ist auch heute noch fast vollständig erhalten und in sehr gutem Zustand. Hinter einem Pylon mit zwei vorgelagerten Kolossalfiguren befindet sich der Festhof, an den Seiten gesäumt von jeweils acht Statuenpfeilern. Im Anschluss an den Hof folgt eine kleine Halle mit vier Statuenpfeilern. Daran schließt sich das Hypostyl mit zwei mal vier Säulen. Hinter dem Hypostl befinden sich drei Sanktuare, den Göttern Amun-Re, Mut und Chons geweiht. Auffallend ist die Ähnlichkeit mit dem Tempel C des Mut-Bezirkes.Dieter Arnold: Lexikon der ägyptischen Baukunst. Düsseldorf 2000, S. 214. → Ramses III. (Karnak).Alessandro Roccati: Ägypten: Klassische Reiseziele : die Tempel von Karnak und Kuxor. Atlantis, Herrsching 1989, ISBN 3-88199-552-8, S. 20–21.

Heiliger See mini|Heiliger See

Der heilige See hat eine Größe von 120 × 77 Metern und liegt südlich des zentralen Tempelgebäudes. Dieser See verfügt über keinerlei Zuleitungen, er wird nur durch das Grundwasser gespeist. Neben dem See befand sich ein kleines überdachtes Gänsegehege, das über einen Gang mit dem See verbunden war. Die Gänse waren die heiligen Tiere Amuns. Außerdem entnahmen die Priester das Wasser zum Waschen der Götterfiguren aus dem See.

Tempel der Opet Der Tempel der Opet wurde zur Ptolemäerzeit durch Ptolemaios VIII. errichtet. Durch einen in einem Kiosk mit vier Säulen gelegenen Aufgang gelangt man durch das Tor des ersten Pylons in den ersten Hof. Im ersten Hof befindet sich ein weiterer Kiosk ebenfalls mit vier Säulen. Der zweite Hof liegt höher, so soll wohl der Urhügel dargestellt sein.Dieter Arnold: Lexikon der ägyptischen Baukunst. Düsseldorf 2000, S. 180. → Opet-Tempel (Karnak). Im hinteren Tempelteil gibt es ein unterirdisches Osirisgrab und eine Krypta, hier vollzog sich die Metamorphose des Gottes Amun-Re, der als Osiris stirbt, dann in den Körper der Ipet-weret-Nut eingeht und als Gott Chons wiedergeboren wird.

Tempel des Chons

links|mini|hochkant=0.5|Pylon des Chons-Tempels mini|hochkant|Große Säulenhalle des Tempels