mini|Mittelpunkt der Herrschaft war die Burg Breuberg (Merian-Stich 1656)
Die Herrschaft Breuberg war eine Herrschaft im nördlichen Odenwald. Sie entstand aus dem Besitz der Reize von Breuberg, Mittelpunkt war die Burg Breuberg.
Geschichte Reize von Breuberg
mini|Burg Breuberg, Hauptburg und Torbau
Der Ursprung der Herrschaft ist eng mit dem gleichnamigen Adelsgeschlecht verbunden. Dieses stellte zunächst fuldische Gefolgsleute, im Jahr 1189 ein Reiz von Lützelbach aus Lützelbach.Valentin Ferdinand Gudenus: Codex Diplomaticvs: Exhibens Anecdota Ab Anno DCCCLXXXI, Ad MCCC. Mogvntiaca, Ivs Germanicvm, Et S. R. I. Historiam Illvstrantia. Göttingen 1743, S. 293 f. Nr. 106. Burg Lützelbach war vermutlich deren Stammburg.Thomas Steinmetz: Burgen im Odenwald. Verlag Ellen Schmid, Brensbach 1998, ISBN 3-931529-02-9, S. 44; Holger Göldner: Stammburg der Breuberger entdeckt? In: hessenARCHÄOLOGIE 2001, S. 139. Um 1200 entstand die Burg Breuberg als fuldisches Lehen, das Adelsgeschlecht ist erstmals 1222 mit der neuen Herkunftsbezeichnung von Breuberg urkundlich belegt. Im Verlauf des hohen Mittelalters gelang es den Breubergern, das ursprüngliche Kirchengut zu entfremden. Parallele Entwicklungen sind in dieser Zeit häufig, in direkter Nachbarschaft etwa bei den Schenken von Erbach, die gleichzeitig von der Auflösung des Lorscher Besitzes im Odenwald profitierten.Elisabeth Kleberger: Territorialgeschichte des hinteren Odenwalds. Darmstadt 1958, S. 79 f. Durch Erbschaft beim Aussterben der Herren von Büdingen waren die Reize von Breuberg seit 1239 auch in der Wetterau begütert, wo sie durch Lehensvergaben an die Herren von Büches, Carben und die Schelme von Bergen nachweisbar sind. mini|Propsteigebäude des Klosters Höchst Das Herrschaftsgebiet im nördlichen Odenwald war mit Beginn der urkundlichen Überlieferung bereits ausgebildet und umfasste neben der Zent Lützelbach im Wesentlichen die Zent Höchst und die Zent Brombach. Das Gericht Neustadt kam später hinzu und bildete einen eigenständigen vierten Teil, der aus der Burgfreiheit als Burgsiedlung der Burg Breuberg hervorging. Die Burg in Lützelbach wurde zuletzt 1200 erwähnt und anscheinend danach aufgegeben. Kern der Herrschaft bildeten nun die Burgen Breuberg und Kirchbrombach.Hans H. Weber: Der Breuberg und seine Besitzer vom 14. Jahrhundert bis zur Gegenwart. In: Burg Breuberg im Odenwald. Geschichte und Landschaft. Neustadt 1979, S. 46. Die Erstnennung von Höchst im Odenwald 1156Aufbewahrt im Hessischen Staatsarchiv Marburg (StA MR, Urkunden R Ia, Stift Fulda 1156), Heinrich Wagner: Die Erstnennung von Höchst im Odenwald 1156. In: Verein für Heimatgeschichte Höchst e. V. (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte von Höchst im Odenwald, Höchst 2006 setzt dort bereits einen Gerichtsort voraus, der sich aus der fuldischen Obervogtei Umstadt als Untervogtei gebildet hatte. Die Breuberger hatten vermutlich damit die Gerichtsherrschaft erlangt. Auf die Herren von Breuberg geht wahrscheinlich auch die vor 1219 erfolgte Gründung der Propstei am Kloster Höchst zurück.
Erstes Kondominium Entwicklung Die Herren von Breuberg starben 1323 mit dem Tod Eberhards III. im Mannesstamm aus. Erbinnen waren seine beiden Töchter: Elisabeth, verheiratet mit Graf Rudolf IV. von Wertheim und Luckarde, verheiratet zunächst mit Konrad V. von Weinsberg, später mit Gottfried V. von Eppstein sowie zwei Nichten: Kunizza, verheiratet mit Konrad von Trimberg und Mechthild.Der Ehemann von Mechtild ist namentlich nicht bekannt. Die Erben bildeten ein Kondominat.
Das weinsbergische Viertel wurde nach dem Tod Konrads V. 1328 und der erneuten Heirat seiner Witwe, Luckarde, in ein eppsteinisches und ein weinsbergisches Achtel geteilt.
Konrad von Trimberg erreichte 1329 den Verzicht von Mechthild zu seinen Gunsten und hatte damit die Hälfte der Herrschaft inne, verpfändete das aber alles 1336 an Rudolf von Wertheim und Gottfried V. von Eppstein, wobei Eppstein dieses trimbergische Viertel aber spätestens 1341 weiter veräußerte.Elisabeth Kleberger: Territorialgeschichte des hinteren Odenwalds. Darmstadt 1958, S. 89 f.
Wertheim hielt also um die Mitte des 14. Jahrhunderts drei ViertelWertheim hatte ein Viertel im Eigenbesitz, ein weiteres Viertel als trimbergische und ein drittes Viertel als trimbergisch-eppsteinische Pfandschaft inne. der Herrschaft Weinsberg und Eppstein je ein Achtel. Das weinsbergische Achtel fiel nach dem Tod Konrads VI. von Weinsberg 1366 auch an Eppstein. Ebenfalls 1366 oder 1367 erhielt Ulrich IV. von Hanau als Schwiegersohn Rudolfs von Wertheim ein Drittel des wertheimischen Anteils. 1409 konnten die Wertheimer Grafen diese Anteile jedoch zurückkaufen. Das Eppsteinische Viertel scheint gegen Ende des 14. Jahrhunderts an mehrere regionale Niederadlige Ganerben verpfändet worden zu sein.Darunter befanden sich Philipp VII. und der VIII. von Falkenstein, Kraft von Bellersheim, Konrad Krieg von Altheim und Sibold V. Schelm.
Unter pfälzischer Vermittlung erhielten die Erbacher Schenken 1399 in einem in Heidelberg vereinbarten Tausch ein Viertel der Burg ohne Vasallen und Anteil am Ort Neustadt, der 1378 unterhalb der Burg als Burgsiedlung gegründet worden war. Im Austausch bekamen die Grafen von Wertheim einen Anteil an der Burg Reichenberg im Gersprenztal. Zweck dieses Handels war anscheinend, die niederadlige Ganerbenpartei durch mächtigere Territorialherren aus der Burg zu drängen und von der Burg Breuberg ausgehende Raubzüge zu verhindern. Wertheim konnte allerdings nur geringes Interesse an einer mächtigen Gegenpartei haben, da es erkennbar um den Alleinbesitz von Burg und Herrschaft als Residenz für seine jüngere Linie bemüht war. So gelang es den Grafen von Wertheim nur ein Jahr später, das eppsteinische Viertel zu erwerben. Das Wertheimer Teilungsstatut von 1398 sah den Ausbau der Herrschaft Breuberg als Kernland der jüngeren Linie vor. Erst 1497 gelang es den Wertheimern, Burg und Herrschaft vollständig in ihren Besitz zu bekommen, indem sie das eppsteinisch-erbachische Viertel auslösten.Elisabeth Kleberger: Territorialgeschichte des hinteren Odenwalds. Darmstadt 1958, S. 91 f.
Grafische Übersicht zum Kondominat Besitzanteile während der Zeit als Kondominat 1323–1497 Zeitraum Herren Bemerkungen 1323–1328 Elisabeth von BreubergWertheim ¼ Kunizza von BreubergTrimberg ¼ namentlich nicht bekannter EhemannMechthild von Breuberg ¼ Luckarde von BreubergWeinsberg ¼ Erbteilung der Herren von Breuberg, Aufteilung zu vier Vierteln an die Töchter und Nichten Eberhards III. bzw. deren Ehemänner 1328/1329 Wertheim ¼ Trimberg ¼ Mechthild von Breuberg ¼ Eppstein ⅛ Weinsberg ⅛ Mit dem Tod Konrads V. von Weinsberg 1328 und der Wiederverheiratung seiner Witwe Luckarde von Breuberg an Gottfried V. von Eppstein fiel der weinsbergische Anteil zur Hälfte (= ein Achtel des Gesamtbesitzes) an Eppstein. 1329–1336 Wertheim ¼ Trimberg ½ Eppstein ⅛ Weinsberg ⅛ Verzicht Mechthilds von Breuberg zu Gunsten Konrads von Trimberg 1336–spätestens 1341 Wertheim ½ Eppstein ⅜ Weinsberg ⅛ Konrad von Trimberg versetzte seine Hälfte 1336 an Wertheim und Eppstein. 1341–1366 Wertheim ¾ Eppstein ⅛ Weinsberg ⅛ Spätestens 1341 wurde das ehemals trimbergische Viertel von Eppstein an Wertheim verpfändet. 1366 oder 1367–1399 Hanau ¼ Wertheim ½ Eppstein ¼ Mit dem Tod Konrads VI. von Weinsberg 1366 fiel das weinsbergische Achtel an Eppstein. 1366 oder 1367 erhielt Ulrich von Hanau ein Drittel des bisherigen wertheimischen Anteils. 1399/1400 Hanau ¼ Schenken von Erbach ¼ Wertheim ¼ (Eppstein ¼), weiterverpfändet an eine niederadlige Ganerbenpartei Eppstein verpfändete sein Viertel in der Zwischenzeit an eine Ganerbenpartei, weshalb 1399 im Reichenberger Vertrag das bisher von Eppstein an Wertheim verpfändete Viertel an die Schenken von Erbach gegen einen Anteil an Reichenberg eingetauscht wurde. 1400–1409 Hanau ¼ Erbach ¼ Wertheim ½ Wertheim konnte schon ein Jahr später das verpfändete Eppsteiner Viertel erwerben. 1409–1497 Erbach ¼ Wertheim ¾ Rückkauf des hanauischen Viertels durch Wertheim 1409 1497–1556 Wertheimischer Alleinbesitz 1497 löste Wertheim die eppsteinisch-erbachische Pfandschaft aus und gelangt in den Alleinbesitz der Herrschaft.
Rechnungen der Grafen von Wertheim Eine Rarität sind die erhaltenen Rechnungen der Grafen von Wertheim in der Herrschaft Breuberg im Zeitraum 1409–1485.Winfried Wackerfuß: Kultur-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Odenwaldes im 15. Jahrhundert: Die ältesten Rechnungen für die Grafen von Wertheim in der Herrschaft Breuberg (1409–1484). Breuberg-Bund, Breuberg-Neustadt 1991, ISBN 3-922903-04-5. Diese Rechnungsaufstellungen, entweder als Einzel-, Monats- oder Jahresabschlussrechnungen, geben einen detaillierten Einblick in die Besitz-, Wirtschafts- und Lebensverhältnisse der damaligen Zeit. Entstanden sind diese Rechnungen aus der Rechnungslegung des Kondominats und der Vormundschaft Johann II. zu Wertheim (um 1365–1444) über seinen Stiefbruder Michael I. zu Breuberg, dem eigentlich Berechtigten des Wertheim-Breuberg-Schweinberger Besitzes.Diese Güterverteilung beruhte auf der Teilungsregelung von 1398 durch den Vater, Johann I. von Wertheim (1340–1407). Das Ende der Vormundschaft begann mit der Heirat zwischen Michael I. als dreizehnjährigem und Sophia Gräfin von Henneberg-Aschbach am 26. Januar 1413 zog sich aber bis 1418 hin.
Wertheimischer Alleinbesitz (1497–1556) Anfänge Mit dem Alleinbesitz der Grafen von Wertheim begann unter Graf Michael II. eine intensive Bautätigkeit auf der Burg Breuberg. Mit dem Ausbau der Burg ging auch die Aufwertung der unterhalb gelegenen Stadt Neustadt einher. Die Entwicklung der Stadt zum wirtschaftlichen Mittelpunkt verlief weitgehend parallel zur Erweiterung der Burg, setzte aber bereits vor dem Wertheimer Alleinbesitz ein. 1456 richtete Graf Wilhelm von Wertheim ein Manngericht unter der Linde in Neustadt ein.Hans H. Weber: Der Breuberg und seine Besitzer vom 14. Jahrhundert bis zur Gegenwart. In: Burg Breuberg im Odenwald. Geschichte und Landschaft. Neustadt 1979, S. 48–51.
Graf Georg II. von Wertheim, Sohn Michaels II., starb 1530 nach neunjähriger Regierung. Für den minderjährigen Sohn, Michael III., waren als Vormünder gemeinsam Gräfin Barbara von Wertheim, Graf Wilhelm IV. von Eberstein und Schenk Christoph von Limpurg tätig.
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