Das Blut des Adlers ist eine Indianer-Roman-Pentalogie von Liselotte Welskopf-Henrich.

Hintergrund Die Bücher sind die Fortsetzung der Trilogie bzw. Hexalogie Die Söhne der Großen Bärin und beschreiben das Leben der Nachkommen des Häuptlings Tokei-ihto und seiner Stammesgenossen im Reservat. Sie spielen laut Thomas Kramer in einer „tristen indianischen Gegenwart“ der 1960er und 1970er Jahre, rund 100 Jahre nach der Handlungszeit von Die Söhne der Großen Bärin.Thomas Kramer: „Die Söhne der großen Bärin“ und „Das Blut des Adlers“. Liselotte Welskopf-Henrichs Indianerbücher 1951–1980. In: Isolde Stark (Hrsg.): Elisabeth Charlotte Welskopf und die Alte Geschichte in der DDR. Beiträge der Konferenz vom 21. bis 23. November 2002 in Halle/Saale. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-515-08457-6, S. 214.

Die Romane entstanden in den Jahren 1966 bis 1979, nachdem Liselotte Welskopf-Henrich zwischen 1963 und 1974 mehrfach Kanada und die Vereinigten Staaten besuchte. Auf ihren Reisen lernte sie im kanadischen Wood Mountain den Lakota John Okute Sica kennen, auf dem die Figur des Harry Okute aus Wood Hill im Roman Nacht über der Prärie basiert. Der letzte Roman der Pentalogie, Das helle Gesicht, basiert teilweise auf Sicas Erzählung Ite-ska-wi, die dieser Welskopf-Henrich mitgab.Eintrag zu John Okute Sica auf der Seite von Erik Lorenz.

Laut Erik Lorenz’ Interpretation spielen die Romane hauptsächlich in der Pine Ridge Reservation, wenn auch deren Name nie genannt wird. Die von Queenie King besuchte Kunstschule in Santa Fe ist authentisch, die Autorin hat diese Schule selbst besichtigt. Mit der Figur Queenie King hat sie vermutlich eine ihr persönlich bekannte indianische Künstlerin aus Oklahoma porträtiert.Erik Lorenz „Liselotte Welskopf-Henrich und die Indianer“, Seite 220

Bei der namentlich nicht genannten indianischen Bruderschaft, der Joe King im dritten Band beitritt, handelt es sich vermutlich um den American Indian Movement (AIM). Mehrere bekannte AIM-Mitglieder werden von der Autorin in den Bänden porträtiert. So trägt der in den Bänden 4 und 5 auftretenden Hugh Mahan Züge des bekannten Indianerführers Russell Means.Erik Lorenz „Liselotte Welskopf-Henrich und die Indianer“, Seite 224f Der als Nebenfigur im Band 5 auftretende indianische Bürgerrechtler Pedro Bissonette hat tatsächlich gelebt, gehört zu den Opfern des genannten Bürgerkrieges.Erik Lorenz „Liselotte Welskopf-Henrich und die Indianer“, Seite 223

Am 27. Februar 1973 besetzen 300 Mitglieder des AIM die Ortschaft Wounded Knee. Sie protestierten gegen die Zustände in der Reservation und wegen der Lage der Indianer. Dieser Ort wurde als Symbol gewählt, da hier im Jahr 1890 durch die US-Kavallerie ungefähr 200 Indianer getötet wurden. Die Besetzung dauerte bis zum 9. Mai 1973. Die Regierung sicherte Gespräche über die Situation im Lande zu. Bertelsmann - Lexikothek - Unser Jahrhundert in Wort Bild und Ton - Die siebziger Jahre, Bertelsmann Lexikothek Verlag, Gütersloh 2000, Seite 53 und 55 Danach kam es zu einer Art Bürgerkrieg in der Pine Ridge Reservation. Dieser von der Autorin im Band 5 geschilderte Bürgerkrieg in der Pine Ridge Reservation zwischen AIM-Mitgliedern und einer vom Stammeshäuptling geführten und dem FBI unterstützten kriminellen Bande ist authentisch. Mit der Figur des Killerchiefs, Gegenspieler von Hanska Bighorn und Hugh Mahan, ist Dick Wilson gemeint.Erik Lorenz „Liselotte Welskopf-Henrich und die Indianer“, Seite 249 Bei einer Gesamtbevölkerung von 8000 Einwohnern wurden damals 250 Morde begangen. Nur in sehr wenigen Fällen wurde von der Polizei überhaupt ermittelt.Erik Lorenz „Liselotte Welskopf-Henrich und die Indianer“, Seite 268

Namen Die Lakota tragen einen bürgerlichen Namen und dazu ihren Stammesnamen, der meist zusätzlich genannt wird. Lakotanamen haben eine spezielle Bedeutung, die sich meist auf Begebenheiten und Erlebnisse im Leben ihrer Träger bezieht. Diese Namen können im Laufe des Lebens wechseln, ein Lakotamann nahm früher als Erwachsener den Namen an, der sich ihm im Zuge des Initiationsrituals offenbart hat. Joe King heißt auf Lakota Inya-he-Yukan, was auf Deutsch so viel wie „Stein hat Hörner“ bedeutet. Dieser Name bezieht sich auf eine Muschel, die sein Vorfahr Harry Inya-he-Yukan Okute während der Indianerkriege erhielt und die dessen Totem wurde. Joe Kings Mutter, eine Verwandte Okutes, gab ihrem Sohn diesen Namen, nachdem er als Kind Schläge seines betrunkenen Großvaters überlebte. Okute lernte er erst später kennen.

Mit den Namensformen geht Welskopf-Henrich sehr unterschiedlich um. Die indianischen Namen der Protagonisten werden häufiger verwendet und erläutert, die der Antagonisten kaum oder nur in ihrer anglisierten Form (Jimmy „White Horse“) erwähnt. Die indianischen Namen kleiner Kinder werden kaum benutzt, und Wakyia-knaskias Schwester Rotadlermädchen wird nicht mit ihrem englischen Vornamen genannt. Nach dem Tod des Rotadlersmädchens gibt Queenie King ihrer Tochter den Namen des verstorbenen Kindes. Ihr Zwillingsbruder Harry erhält den englischen Vornamen des Urahns Inya he-Yukan.

Joe King (Inya-he-Yukan, „Stein hat Hörner“) Queenie King (Tashina) Harry King (Kte Ohitaka, „Das tapfere Herz“) Mary King (Wable-luta-win, „Rotadlermädchen“) Harry Okute (Inya-he-yukan, „Stein hat Hörner“, als junger Mann auch Tokei-ihto) Harold Booth Mary Booth Byron Bighorn (Wakiya-knaskiya, „Geheimnisdonner“) Hanska Bighorn Joan Bighorn (Wable-luta-win, „Rotadlermädchen“) Sidney Bighorn Patricia Bighorn (Tishunka-wasit-win, „Schönes Pferd-Mädchen“) Jimmy White Horse Hugh Mahan (Wasescha) Mara Okute (Ite-ska-wih, „Das helle Gesicht“) Ray Okute

Inhalt Nacht über der Prärie Im ersten Band Nacht über der Prärie, der etwa im Jahre 1965 spielt, kehrt Joe King (Inya-he-yukan) wieder in die Reservation seines Stammes zurück. Er wird von der weißen Verwaltung, aber noch mehr von vielen seiner Stammesgenossen sehr abweisend behandelt, denn er gilt als Unruhestifter, als aufsässig, gewaltbereit und ungebildet, aber auch als gefährlich und gut bewaffnet. Er blieb mehrfach in der Schule sitzen, was unter anderem daran lag, dass er das US-Flaggengelöbnis (absichtlich) nie korrekt aufsagte und für ihn General Custer ein Verbrecher und Sitting Bull ein Held war und nicht umgekehrt, wie ihm dies die weißen Lehrer versuchten einzutrichtern. Joe King ist einer Rauferei nicht abgeneigt, gewinnt er doch praktisch immer, auch gegen ältere Schüler wie Harold Booth. Er wurde als Kind aufgrund einer Intrige seines Mitschülers Harold Booth fälschlich des Diebstahls bezichtigt und ins Gefängnis geworfen; dort rekrutierte ihn ein Gangsterboss für seine Bande und er verließ nach seiner Haftentlassung die Reservation, um sich der Gang anzuschließen. Der Gangsterboss erkannte Kings Talente und ließ ihn zu seinem Leibwächter ausbilden und seine Kampfkünste weiter verbessern. Als Inya-he-Yukan tief genug in die Welt der Gangs hineingesehen hatte, versucht er sich von ihnen zu trennen. Dafür bestraft ihn der Gangsterboss, indem er ihn erneut für eine Tat verurteilen ließ, die er nicht begangen hat. Im Gefängnis findet er einen indianischen Geheimnismann, der ihn in indianischen Weisheiten, Bräuchen, aber auch in indianischer Körperbeherrschung schult. Inya-he-Yukan hat den Gangs nun endgültig abgeschworen, kehrt auf die Reservation zurück und sein Vater nimmt ihn wieder auf der Ranch auf. Er heiratet seine Jugendfreundin Queenie (Tashina), die inzwischen eine begabte Malerin ist und auf der Kunstschule studiert. Als ehemaliger Gangster erhält Joe keine Unterstützung von Verwaltung und Stammesrat. Sein alkoholabhängiger Vater wird bei einer Schlägerei zwischen Betrunkenen versehentlich erschossen. Joe muss sich mehrmals bewaffnet gegen ehemalige Kumpane zur Wehr setzen, die ihn als Verräter töten wollen.

Nach dem Tod der meisten Gangster wird er verhaftet; die Bundespolizei will von ihm Informationen über die zerschlagenen Gangs. Da er die Zusammenarbeit mit den Behörden verweigert, setzen ihn die Beamten gewaltsam unter Drogen, kommen so aber auch nicht ans Ziel. Um ihn bei seinem Selbstentzug nicht allein zu lassen, setzt Queenie ihr Kunststudium für ein Jahr aus. Joe wird Sieger in einem Rodeo und kann einen wertvollen Rodeohengst anzahlen, den außer ihm niemand zu reiten vermag. Sein alter Feind Harold Booth neidet ihm den Erfolg und stiehlt zusammen mit zwei Kumpanen das Pferd. Joe verfolgt und stellt die Pferdediebe, dabei erschießt er zwei von ihnen in Notwehr; Booth erschießt Joes Pferd, dieser stürzt tief in eine Schlucht und Booth kann mit dem gestohlenen Pferd entkommen. Joe rafft sich auf und geht in die Stadt New City, welche außerhalb der Reservation liegt. Hier will er Nachforschungen anstellen, gerät dabei aber in eine Kneipenschlägerei zwischen Stammesangehörigen und einem aufgeputschten weißen Mob. Da er nur auf Bewährung draußen ist, muss er nun seine Gefängnisstrafe absitzen und wieder ins Gefängnis. Die Polizisten zollen ihm aber erstmals Respekt, nimmt er doch alles auf sich, auch die Tätlichkeiten anderer und verzichtet zudem darauf, gegen die Polizisten auszusagen, welche mit mehr als unangemessener Härte gegen ihn und die anderen vorgingen.

Wieder aus dem Gefängnis entlassen gelingt es ihm die Spur seines gestohlenen Pferdes aufzunehmen. Dabei helfen ihm auch Weiße aus New City, welche sich als wahre Freunde zeigen.

Joes Urahn Harry Okute (Inya-he-yukan Der Alte oder auch Tokei-ihto) bringt das gestohlene Pferd aus Kanada zurück, wohin Harold Booth es über Mittelsmänner verkauft hatte. Joe ist zwar glücklich über die Rückkehr seines Pferdes, kann aber den Finderlohn und die Transportkosten schwerlich aufbringen. Als Okute jedoch anbietet, ihm das Pferd einfach so zu überlassen, wenn er bei ihm ein paar Monate wohnen darf, bricht Joe förmlich zusammen. Okute, der als Krieger große Schmerzen und Verluste klaglos überstehen musste, weiß um Joes Zustand und beginnt, den Geschundenen im von ihm mitgebrachten alten Tipi zu pflegen. Er genießt einige Monate Joes Gastfreundschaft, da der inzwischen über hundert Jahre alte Okute in seiner Heimat sterben will, aus der fliehen musste, als er in Joes Alter war (Die Söhne der großen Bärin Band 6, Über den Missouri), um in Kanada ein freies Leben führen zu können.

Joe gelingt es, den alten Prozess wieder aufnehmen zu lassen, in dem er als Schüler wegen Diebstahl verurteilt wurde. Der Prozess wird auch zum Prozess gegen den alten Gerichtspräsidenten. Dieser begreift sein ursprüngliches Fehlurteil, mit dem er Joe King zum Verbrecher stempelte und ihn so den Gangs in die Arme trieb. Booths Lügen werden entlarvt, Joe wegen erwiesener Unschuld freigesprochen und Harold droht nun ein Prozess wegen Meineides und auch wegen des Pferdediebstahls. Betrunken versucht er Queenie, die er immer begehrte, aber nie gewinnen konnte, zu vergewaltigen. Diese erschießt ihn in Notwehr. Booths Eltern, welche ihren Sohn schon vorher verstoßen hatten, verlassen die Reservation und übergeben die Ranch an ihre Tochter Mary, die Joe heimlich liebt, an Harolds Intrigen nicht beteiligt war und jetzt mit der King-Ranch zusammenarbeitet.

Joe findet in einer Höhle in den Pa Sapa (Black Hills) zwei vermisste Touristen, für deren Auffindung eine hohe Belohnung ausgesetzt ist. Von der Belohnung baut er auf seiner Ranch einen Brunnen und kauft eine kleine Büffelherde. Die Ankunft der Büffel in der Reservation wird zum Volksfest und Joe als Held gefeiert.

Licht über weißen Felsen