Das Objekt 02 war ein Gewinnungsobjekt und als selbständige Struktureinheit innerhalb der Wismut AG/SDAG Wismut direkt der Hauptverwaltung unterstellt. Das Grubenfeld des Objektes 02 im Raum Oberschlema hatte eine Ausdehnung von ca. 6 km² und wurde durch insgesamt 5 Stolln, 29 Schächte und 20 Blindschächte auf 26 Sohlen erschlossen. Drei Sohlen (−630-m-, −675-m- und −720-m-Sohle) wurden von Niederschlema aus erschlossen. Die größte Teufe im Grubenfeld wurde mit ca. −374 m NN auf der −720-m-Sohle erreicht. Das entspricht einer Gesamtteufe, bezogen auf den Nullpunkt der Marx-Semler-Stollnsohle, von 704 m. Alle Teufenangaben bezogen sich dabei in +m oder −m auf das Niveau des Marx-Semler-Stollns. Der mit dafür festgelegte Messpunkt liegt zwischen den Lichtlöchern 12a und 14a, direkt unter dem Oberschlemaer Bahnhof. Im Objekt 02 waren bis zu 25.000 Arbeitnehmer gleichzeitig beschäftigt. Die Gesamtproduktion von Uran belief sich zwischen 1946 und 1959 auf 7.822 t.

Geologie mini|Der Rote Kamm in Bad Schlema, die geologische Grenze zwischen den Lagerstättenteilen Schneeberg und Oberschlema Die Lagerstätte Oberschlema ist Teil des Erzfeldes Schneeberg-Schlema-Alberoda und befindet sich am Kreuzungsbereich der WSW-ENE verlaufenden Lößnitz-Zwönitzer und der NW-SE-streichenden Gera-Jachymov-Störungszone. Begrenzt wird die Lagerstätte Oberschlema im Süden durch den Granit vom Gleesberg und Aue, im Norden durch die äußere Kontur des Kontakthofes, im Osten durch die administrative Grenze der NW-streichenden Störung Schwerin und im Westen durch die NW-streichende Störung Roter Kamm.

In der Lößnitz-Zwönitzer-Zwischenmulde sind silurisch-devonischen Gesteine in ordovizische Schiefer eingebettet. Die hier auftretenden dunklen Schiefer, dunkle Glimmerfelsen, Metadiabase und Skarne bilden die so genannte produktive Serie, in der etwa 95 Prozent der Uranvorräte der Lagerstätte konzentriert waren. Die produktive Serie befindet sich innerhalb des etwa 1 km mächtigen Kontakthofes des in den Schieferkomplex intrudierten Auer Granits und wurde durch diesen kontaktmetamorph verändert. Die Gesteine der produktiven Serie stehen im Niveau Marx-Semler-Sohle in 2 Mulden an. Die Südmulde mit einer Mächtigkeit von etwa 500 m und die Nordmulde mit einer Mächtigkeit von etwa 180 m. Die Gesteine der Südmulde fallen in einem Winkel von 45° nach NW ein. Die Südmulde wird im Bereich der −720-m-Sohle vom unterlagernden Granit abgeschnitten. Die Erzgänge setzten sich teilweise in den Granit fort, vertauben aber dort. Die Nordmulde fällt etwas steiler als die Südmulde ein und ist auf der −240-m-Sohle nur noch zwischen den Störungen Sieg und Schwerin ausgebildet und keilt kurz unterhalb dieser Sohle völlig aus.

Die mit dem Verlauf der Lößnitz-Zwönitzer-Zwischenmulde streichende Hauptstruktur der NW-Störung erreicht eine Länge von ca. 2,5 km bei einer Mächtigkeit von bis zu 10 m und gehört zum System der Morgengänge. Zu diesem System gehört auch der Hauptstollngang, auf dem der Marx-Semler-Stolln aufgefahren wurde. Das Einfallen der Gänge liegt dabei zwischen 45° und 65°.

Die im Verlauf der Gera-Jachymov-Störungszone auftretenden Gangstrukturen erreichen Längen bis zu 3 km und eine Mächtigkeit bis zu mehreren Metern. Das Einfallen der Gänge liegt zwischen 50° und 90°. Hauptvertreter sind die Strukturen der flachen Gänge Schwerin, Sieg, Bergmanns Hoffnung und Roter Kamm. Weitere wichtige Gänge sind die Gänge Gleesberg, Johannes, Bocksloch und Anatoli.

Neben den flachen Gängen in der Hauptstreichrichtung gibt es auch noch Spatgänge mit der Streichrichtung WNW. Ihre Länge beträgt mehrere 100 m bei einer vertikalen Erstreckung bis 500 m. Das Einfallen liegt zwischen 70° und 90° bei einer Mächtigkeit zwischen 0,5 m und 1 m. Bekannte Gänge sind hier die Gänge Baryt, Oschatz, Sophie und Fern.

Das Gangsystem der NNW-streichenden flachen Gänge ist schwach ausgebildet. Ihre Länge beträgt bis zu 100 m bei einer vertikalen Erstreckung von mehreren hundert Metern. Das Einfallen liegt zwischen 60° und 75°. Zu diesem Gangsystem gehören z. B. die Gänge Plauen, Oschatz IV und Sangu.

Stehende Gänge (Streichrichtung NO) spielen für die Lagerstätte keine Rolle. Ihre Länge beträgt bis zu 2 km bei einer Mächtigkeit bis 10 m. Bekannte Gänge sind Dynamo und Zentralstörung.

Edle-Quarz-Formation (eq-Formation) Diese Formation wurde nur im Schachtfeld des Schachtes 67 und in der Nähe des Granits im Zentralfeld angetroffen. Die Gänge bestehen aus Quarz. Die in diesen Gängen angetroffenen Vererzungen mit Wolframit, Scheelit und Molybdänit waren nicht bauwürdig.

Kiesige-Blei-Formation (kb-Formation) Diese Formation trat auf den NW- und ENE-streichenden Gängen auf. Die Gänge bestehen dabei vorwiegend aus Quarz, Fluorit oder Chlorit. Die Vererzung dieser Gänge besteht aus Chalkopyrit, Sphalerit, Arsenopyrit, Galenit, Pyrit, Bornit sowie Tennantit. Nur vereinzelt wurden hier bauwürdige Konzentrationen von Blei-, Zink- und Kupfererzen angetroffen, die auch gewonnen wurden. Diese Gänge waren hauptsächlich im Nordwestrevier anzutreffen. Die bekanntesten Gänge sind Torgau und Sambesi.

Kammquarz-Calcit-Pechblende-Formation (kku-Formation) Diese Formation wurde auf allen Gängen der Lagerstätte angetroffen. Die Gänge bestehen vorwiegend aus Quarz, Fluorit und Calcit. Die Vererzung dieser Gänge besteht aus Pechblende, Coffinit, Chalkopyrit, Pyrit, Galenit, Sphalerit, Hämatit, Lepidokrokit sowie Löllingit und war repräsentativ für die primäre Uranvererzung der Lagerstätte. Teilweise wurde die Pechblende völlig von Coffinit verdrängt (z. B. im Gang Rätsel). In der Lagerstätte Oberschlema bildete diese Formation auch selbständige Gänge.

Magnesium-Karbonat-Pechblende-Formation (mgu-Formation) mini|Uranerz (Pechblende in Dolomit) aus der Lagerstätte Niederschlema-Alberoda

Diese Formation ist der Haupt-Uranträger der Lagerstätte. Sie entstand durch eine metasomatische Umwandlung der Gänge der kku-Formation. Die Gänge bestehen vorwiegend aus Dolomit und schwarzem Fluorit (Stinkspat). Die Vererzung der Gänge besteht aus Pechblende, Chalkopyrit, Hämatit, Lepidokrokit, Clausthalit, Umangit, Naumannit, Tennantit, Bornit, Chalkosin und Markasit.

Wismut-Kobalt-Nickel-Formation (BiCoNi-Formation) Die BiCoNi-Formation besitzt, obwohl über die gesamte Lagerstätte verbreitet, nur untergeordnete Bedeutung. Die Gänge bestehen aus Dolomit, Quarz, Fluorit, Baryt und Calcit. In der Nähe zum Granit und im Bereich des Roten Kamms überwog die Quarzausfüllung der Gänge. Die Vererzung der Gänge besteht vorwiegend aus gediegen Wismut, Skutterudit, Rammelsbergit, Safflorit, Nickelin, Löllingit, Chalkopyrit, Pechblende, Sphalerit, Bismuthinit, Coffinit und gediegen Silber sowie Arsen. Als Sonderform trat zum Beispiel auf dem Gang Merkur gediegen Arsen mit eingewachsenem Silber auf.

Silber-Sulfid-Arsenid-Formation (ags-Formation) Die Vererzungen der ags-Formation besitzen innerhalb der Lagerstätte Oberschlema nur eine untergeordnete Bedeutung. Oftmals tritt diese Formation als jüngere Bildung in den Gängen der BiCoNi-Formation auf. Die Vererzungen dieser Calcit- und Barytgänge bestehen aus Scherbenkobalt (gediegen Arsen), Löllingit, Proustit, Argentit, gediegen Silber, Pyrit, Markasit, Chalkopyrit, Pyrargyrit, Argentopyrit, Xanthokon und Realgar.

Eisen-Mangan-Formation (e-Formation) Diese Formation tritt hauptsächlich im Bereich Oberschlema auf. Die Gänge bestehen aus braunrotem Quarz und die Vererzung vorwiegend aus Hämatit. Lokal sind auch Manganerze wie Psilomelan und Pyrolusit aufgetreten. Die bekanntesten Gänge der e-Formation sind Roter Kamm, Sieg, Bergmanns Hoffnung, Plauen und Gang X.

Die Lagerstätte Oberschlema war mit einem erkundeten Vorrat von ca. 9.000 Tonnen Uran die zweitgrößte Gangerzlagerstätte der Wismut.

Die Uranerzmächtigkeit in den erzführenden Gängen lag im Bereich zwischen 0,5 cm bis 3 cm. In einigen Gängen erreichte die Mächtigkeit aber auch einige Dezimeter, in Extremfällen sogar zwischen 1 m und 4 m. Die Gangdichte lag im Zentralrevier bei 4 Erzgängen auf 10 m Streckenlänge extrem hoch. Das Erzausbringen lag zwischen der Marx-Semler-Sohle und der −330-m-Sohle ziemlich konstant zwischen 14 und 19 t/m Teufe. Das höchste Ausbringen erfolgte auf der −210-m-Sohle mit 19,8 t/m Teufe. Durch das Auskeilen der Lagerstätte in der Teufe sank das Ausbringen und lag auf der −630-m-Sohle bei 0,3 t/m Teufe.

Neben Uran wurden bei entsprechender Bauwürdigkeit ab 1957 auch die in den Gängen angetroffenen „Nebenerze“ gewonnen. Abgebaut wurden hier die Erze der BiCoNi-Formation. Dabei handelt es sich um Kobalterze (Hauptkomponenten Skutterudit und Safflorit), Nickelerze (Hauptkomponenten Nickelin, Rammelsbergit und Nickel-Skutterudit) sowie Wismuterze (Hauptkomponente gediegen Wismut). In dieser Zeit wurden wahrscheinlich 62 Tonnen Kobalt, 13 Tonnen Nickel und 11 Tonnen Wismut gewonnen. Die bauwürdige Verbreitung dieser Erze begann auf der −420-m-Sohle. Abgebaut wurden sie auf den Gängen Kobalt und Sophie.

Nach der Einstellung des Bergbaues im Jahr 1961 verblieben in der Lagerstätte ca. 200 Tonnen Uran, 29 Tonnen Kobalt, 318 Tonnen Nickel und 276 Tonnen Wismut.

Die Benennung der Erzgänge unterlag offensichtlich keiner einheitlichen Regelung. Auf den oberen Sohlen wurden die Gänge oftmals nur nummeriert, z. B. 6, 16 oder 25. Dass aber schon zu Beginn der Bergarbeiten der Fantasie offensichtlich keine Grenzen gesetzt waren, zeigen Gangnamen wie Traum, Rätsel, Schnupfen, Vergessen, Mut, Regelrecht, Tulpe und Blondika. Auch die Tierliebhaber konnten sich mit Gangnamen wie Gemsbock, Fledermaus, Storch, Meise, Pfau, Fisch, Falke, Grille und Fuchs verewigen. Neben Frauennamen wie Tatjana, Anita, Olga, Heidi, Helene und Sophia findet man auf den tieferen Sohlen auch Gänge mit Namen wie Rotkäppchen, Lohengrin, Carmen, Siegfried, Nibelungen und Mona Lisa.

Verwaltungstechnische Entwicklung Am 1. August 1945 erfolgte eine erste Befahrung des Schneeberger Reviers. Am 14. September 1945 wurde durch die 9. Verwaltung des Ministeriums des Innern der UdSSR die Geologische Gruppe (Геологопоисковая Партия) gebildet. Von der ihr unterstellten Sächsischen Erzsuchgruppe (Саксонская Рудно-Поисковая Партия) wurde die Untersuchung der Lagerstätte Schneeberg durchgeführt. Die Untersuchungsarbeiten der Sächsischen Erzsuchgruppe begannen im September 1945 und wurden von dieser bis zum 16. März 1946 durchgeführt. Die Untersuchung wurde anschließend durch die, mit der Anordnung Nr. 720–294 des Ministerrates der UdSSR vom 4. April 1946, rückwirkend zum 1. April 1946, gebildete Sächsischen Gewinnungs- und Erkundungsgruppe (Саксонская Промышленно-Разведочная Партия) weitergeführt und ab August 1946 von Schneeberg aus auch auf den Bereich Oberschlema ausgedehnt.

Mit dem Ministerratsbeschluss Nr. 9372 vom 29. Juli 1946 wurde die Sächsische Gewinnungs- und Erkundungsgruppe in die Sächsischen Bergbauverwaltung des Ministeriums des Innern der UdSSR mit der Feldpostnummer 27304 der Roten Armee umbenannt. Nach der Entdeckung von sieben erzführenden Gängen im Untersuchungsgebiet Oberschlema wurde durch die Sächsische Bergbauverwaltung im Oktober das Objekt 02 gegründet. Der Sitz der Objektverwaltung befand sich im Kurhotel Schlema. Zum Objekt 02 gehörten die Lagerstättenteile Schneeberg, Oberschlema und Niederschlema.

Zum 1. April 1947 wurde die Lagerstätte Schneeberg aus dem Objekt 02 ausgegliedert und als Objekt 03 ein selbständiges Objekt.

Am 30. Mai 1947 wurden die Anlagen des Objektes 02 auf Grundlage des Befehls Nr. 113 der SMA Sachsen in sowjetisches Eigentum überführt. Nach Eintragung der Zweigniederlassung der Wismut AG in das Handelsregister in Aue am 2. Juli 1947, wurde das Objekt 02 direkt der Hauptverwaltung der Wismut unterstellt.