Beerfelden ist ein Stadtteil der Stadt Oberzent im südhessischen Odenwaldkreis. Der Stadtteil stellt als Sitz der Stadtverwaltung und wirtschaftliches Zentrum faktisch den Hauptort der Stadt Oberzent dar.
Geographie mini|Blick auf Beerfelden von Osten
Geographische Lage Beerfelden liegt im Herzen des Odenwaldes auf der Wasserscheide zwischen Main und Neckar an der Quelle der Mümling. Der Ortskern befindet sich in 420 Meter HöheTopographische Karte 1:25.000 auf dem Sattel, der das Mümlingtal im Norden mit dem nach Süden zum Neckar hinabziehenden engen und waldigen Gammelsbacher Tal verbindet. Diesen verkehrsgünstig liegenden Talzug mit Beerfelden als Bindeglied erschließt die Bundesstraße 45 als wichtigste durchgehende Nord-Süd-Verbindung im Hinteren Odenwald. Das Gebiet von Beerfelden reicht von 330 bis auf 540 Meter Höhe. Die Gemarkungsfläche beträgt 1333 Hektar (1961), davon sind 627 Hektar bewaldet.
Das Beerfelder Land umfasst als Tourismusregion neben dem Gebiet der ehemaligen Stadt Beerfelden auch die ehemaligen Gemeinden Rothenberg, Sensbachtal und Hesseneck im Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald und damit eines der waldreichsten Gebiete des hessischen Odenwalds. Das Beerfelder Land liegt auf einer Höhenlage zwischen 200 Metern und 555 Metern über Normalnull.
An der östlichen Grenze von Beerfelden, auf dem Gebiet von Ober-Sensbach, erheben sich die höchsten Berge des Odenwaldkreises, die Sensbacher Höhe mit 558 Meter und mit 555 Meter Höhe der Krähberg. Auf dessen Spitze liegt ein Jagdschloss der Grafen von Erbach-Fürstenau. Unter diesem Berg verbindet der Krähbergtunnel, zu seiner Entstehungszeit einer der längsten (3,1 km lang, in 348 m Höhe) Eisenbahntunnel in Deutschland, für die Odenwaldbahn das Mümlingtal mit dem Schöllenbachtal. Die Siegfriedstraße hingegen führt auf einer kurvenreichen Strecke bis auf 515 Meter Höhe am Reußenkreuz über seine südliche Schulter hinweg.
Nachbarorte Die ehemalige Stadt Beerfelden grenzt im Norden an die Gemeinde Mossautal und die Stadt Erbach, im Osten an die Gebiete der ehemaligen Gemeinden Hesseneck und Sensbachtal, im Süden an die Stadt Eberbach (Rhein-Neckar-Kreis in Baden-Württemberg) und die ehemalige Gemeinde Rothenberg sowie im Westen an die Gemeinde Wald-Michelbach (Landkreis Bergstraße).
Geschichte Ortsgeschichte Beerfelden wurde bereits im 10. Jahrhundert vom Kloster Lorsch zum Lehen gegeben. Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Beerfelden erfolgte unter dem Namen Burrifelden im Jahr 1032 im Lorscher Codex.
Während der Zeit der Stammesherzogtümer gehörte der Ort zum Herzogtum Franken.
Im Jahre 1328 wurden Beerfelden (damalige Schreibweise „Baurenfelden“) die Stadtrechte verliehen.
1806 kam der Ort im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses von der Grafschaft Erbach, die seit 1500 zum Fränkischen Reichskreis gehörte, an das Großherzogtum Hessen. 1822 wurde das Landgericht Beerfelden errichtet, das 1879 in Amtsgericht Beerfelden umbenannt und 1968 aufgehoben wurde.
Am 29. April 1810 brannte fast der gesamte Ort ab. Der Großherzog sowie der Graf Albrecht zu Erbach-Fürstenau sorgten für Hilfsmaßnahmen. Die Hessische Brandassekurationskasse zahlte 172.802 Gulden für den Wiederaufbau.
Ende des 19. Jahrhunderts wurde in Beerfeldener Umland Bergbau auf Eisen und Mangan betrieben, siehe auch: Liste von Bergwerken im Odenwald.
mini|Ausdehnung des Stadtgebiets von 1971 bis 2017
Grenzänderungen
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden am 1. Juli 1971 die ehemals selbständigen Gemeinden Airlenbach, Etzean, Hetzbach und Olfen auf freiwilliger Basis Stadtteile von Beerfelden. Am 1. Oktober 1971 folgten Falken-Gesäß und Gammelsbach. Für die sechs eingegliederten Stadtteile wurde jeweils ein Ortsbezirk gebildet mit einem gewählten Ortsbeirat unter dem Vorsitz eines Ortsvorstehers. Nach der Gebietsreform umfasste die Stadt Beerfelden eine Fläche von 71,19 Quadratkilometern mit 6399 Einwohnern am 31. Dezember 2015.
Sinkende Einwohnerzahlen und wirtschaftliche Gründe führten zu Bestrebungen, die Gemeinden Hesseneck, Beerfelden, Rothenberg und Sensbachtal zum 1. Januar 2018 zu einer Kommune mit dem Namen Oberzent zusammenzuschließen. In Bürgerentscheiden am 6. März 2016 stimmten die Bürger der vier Gemeinden jeweils mehrheitlich dafür. Bei einer Abstimmungsbeteiligung von 60,3 % betrug in Beerfelden die Mehrheit 88,5 % der abstimmenden Bürger. Sie stimmten damit für den ersten Zusammenschluss seit dem Abschluss der Gebietsreform 1979. Die Kommunalparlamente der vier beteiligten Gebietskörperschaften haben am 2. Mai 2017 in zeitgleichen Sitzungen den entsprechenden Grenzänderungsvertrag beschlossen.Oberzent: Grenzänderungsvertrag ist beschlossen Beerfelden geht damit in der mit 165 Quadratkilometern nach Frankfurt und Wiesbaden flächenmäßig drittgrößten Kommune Hessens auf und gibt das Recht, sich als Stadt bezeichnen zu dürfen, an sie weiter. Die ehemaligen Stadtteile von Beerfelden wurden Stadtteile der neuen Stadt Oberzent. Die Postleitzahl 64743 für Beerfelden wurde mit dem Zusammenschluss obsolet und durch die Postleitzahl 64760 von Oberzent ersetzt. Für Beerfelden und ihre ehemaligen Stadtteile wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Beerfelden angehört(e):
vor 1806: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Erbach-Fürstenau, Amt Freienstein ab 1806: Großherzogtum Hessen (Souveränitätslande),Mediatisierung infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Starkenburg, Amt Freienstein (zur Standesherrschaft Erbach gehörig) ab 1815: Großherzogtum HessenDas Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als gescheiterter Versuch einer erneuten Reichsgründung. (Souveränitätslande), Provinz Starkenburg, Amt Freienstein (zur Standesherrschaft Erbach gehörig) ab 1822: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk ErbachTrennung zwischen Justiz (Landgericht Beerfelden) und Verwaltung. ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Erbach ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Erbach ab 1871: Deutsches Reich,Infolge des Deutsch-Französischen Krieges. Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Erbach ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen,Infolge des Ersten Weltkriegs. Provinz Starkenburg, Kreis Erbach ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis ErbachIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Erbach ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Erbach ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Erbach ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Odenwaldkreis ab 2018: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Odenwaldkreis, Stadt OberzentAm 1. Januar 2018 als Ortsbezirk zur Stadt Oberzent.
Bevölkerung Ort Beerfelden Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, im Ort Beerfelden 3387 Einwohner. Darunter waren 438 (12,9 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 588 Einwohner unter 18 Jahren, 1389 zwischen 18 und 49, 678 zwischen 50 und 64 und 732 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 1431 Haushalten. Davon waren 396 Singlehaushalte, 393 Paare ohne Kinder und 486 Paare mit Kindern, sowie 123 Alleinerziehende und 36 Wohngemeinschaften. In 315 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 903 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung 1961: 2569 evangelische (= 81,84 %), 517 katholische (= 16,47 %) Einwohner
Stadt Beerfelden Stadt Beerfelden vom 1. Juli 1971 bis 31. Dezember 2017
Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in der Stadt Beerfelden 6477 Einwohner. Nach dem Lebensalter waren 1020 Einwohner unter 18 Jahren, 2565 zwischen 18 und 49, 1461 zwischen 50 und 64 und 1428 Einwohner waren älter. Unter den Einwohnern waren 594 (9,2 %) Ausländer, von denen 168 aus dem EU-Ausland, 399 aus anderen europäischen Ländern und 30 aus anderen Staaten kamen. (Bis zum Jahr 2015 erhöhte sich die Ausländerquote auf 12,7 %.) Die Einwohner lebten in 2727 Haushalten. Davon waren 717 Singlehaushalte, 822 Paare ohne Kinder und 915 Paare mit Kindern, sowie 213 Alleinerziehende und 60 Wohngemeinschaften. In 612 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 1701 Haushaltungen leben keine Senioren.
Einwohnerentwicklung
Religionszugehörigkeit • 1961: 2569 evangelische (= 81,84 %), 517 katholische (= 16,47 %) Einwohner • 1987: 5005 evangelische (= 64,7 %), 855 katholische (= 11,3 %), 807 sonstige (= 23,9 %) Einwohner • 2011: 3970 evangelische (= 56,4 %), 809 katholische (= 10,5 %), 1698 sonstige (= 33,1 %) Einwohner
Politik Ehemalige Stadtverordnetenversammlung Die Gemeindeauflösung am 31. Dezember 2017 wurde von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen, die aus der Kommunalwahl am 6. März 2016 hervorging. Diese lieferte folgendes Ergebnis, in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen: Parteien und Wählergemeinschaften %2016 Sitze2016 %2011 Sitze2011 %2006 In: Webauftritt. Hessisches Statistisches Landesamt. Sitze2006 %2001 Sitze2001SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands36,1940,91051,41350,516 ÜWG Überparteiliche Wählergemeinschaft Beerfelden26,1636,8926,6729,19 FDP Freie Demokratische Partei20,65—————— GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen10,6316,045,616,12CDUChristlich Demokratische Union Deutschlands6,526,3216,4414,34Gesamt100,025100,025100,025100,031Wahlbeteiligung in %60,355,162,964,3
Partnerschaften Der ehemalige Stadtteil Olfen pflegt seit 1966 eine Partnerschaft mit Trévignin im französischen Département Savoie. Diese wird hinsichtlich der beteiligten Einwohnerzahl als die kleinste Europas bezeichnet.
Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung ist der Bürgermeister Vorsitzender des Magistrats, dem in der Stadt Beerfelden neben dem Bürgermeister sechs ehrenamtliche Stadträte angehörten. Letzter Bürgermeister war seit 2000 Gottfried Görig (parteilos). Seine direkt gewählten Amtsvorgänger waren 1996 bis 2000 Adolf Engelter (SPD)
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Dreischläfriger Galgen von 1550 mini|Burg Freienstein im Gammelsbachtal mini|Zwölf-Röhren-Brunnen
Bauwerke Beerfelden besitzt mit dem Beerfelder Galgen neben dem Galgen Mudau einen von insgesamt nur zwei vollständig erhaltenen Galgen in Deutschland. Dieser wurde 1597 anstatt eines einfachen Holzgalgens errichtet. Laut der Inschrift auf einem Gedenkstein neben dem Galgen soll die letzte Hinrichtung im Jahre 1804 erfolgt sein. Durch Kirchenbücher gesichert ist allerdings nur eine Hinrichtung für das Jahr 1746.
Der Ort soll wegen seiner schönen Aussicht gewählt worden sein, um dem Verurteilten die Strafe vermeintlich noch schlimmer zu gestalten. Auch wurde wohl an die abschreckende Wirkung des Anblicks Hingerichteter gedacht. Die Eisenbänder, welche die Rotsandsteinsäulen mit ihren sechs Metern Höhe zusammenhalten, wurden vor langer Zeit erneuert. Sie wurden angeblich im Jahr 1814 von dort lagernden Kosaken herausgerissen, die damit die Hufe ihrer Pferde beschlugen. Um den Galgen stehen sieben Linden, die an die alte Thing-Gerichtsbarkeit erinnern sollen, wobei es noch eine sogenannte Zentlinde gab, die dazu diente, vor ihr die Urteile zu fällen und zu verkünden. Diese soll sich am westlichen Ausgang der Stadt befunden haben; ihre Spuren sind jedoch nicht mehr erkennbar.