Diese Liste zeigt Kunst im öffentlichen Raum in Langenhagen in Niedersachsen. Die Stadt Langenhagen ist überregional bekannt für intensive Phasen der Realisierung von Kunst im öffentlichen Raum.
Geschichte Christoph Rust, von 1986 bis 1990 Referent für bildende Kunst der Stadt Langenhagen, entwickelte 1986 ein integratives Konzept für die städtische Kulturarbeit auf dem Gebiet der bildenden Kunst. Schwerpunkte waren die Gründung einer städtischen Kunstschule und die Förderung der Kunst im öffentlichen Raum. Zu diesem Zeitpunkt gab es kein zeitgenössisches Außenkunstwerk in Langenhagen und keinen Etat im Stadthaushalt. Angestrebt war die Schaffung einer positiven Atmosphäre mit möglichst vielen Kontakten zwischen Künstlern und den Bürgern Langenhagens. Wichtigstes Vehikel dafür war die Einrichtung eines jährlich stattfindenden Bildhauersymposiums und die Aufstellung der entstandenen Skulpturen im Stadtgebiet. Workshops mit Schülern der Langenhagener Schulen und Ausstellungen des Kunstvereins sollten das Verständnis von zeitgenössischer künstlerischer Arbeit vertiefen.
Als Startschuss fand im August 1986 das erste Langenhagener Bildhauersymposium unter improvisierten Bedingungen statt. Beteiligt waren der Lehrbeauftragte Tewes Schadwinkel und drei Studenten der damaligen Fachhochschule für Kunst und Design in Hannover, Jürgen Scholz, Ulla Nentwig und Matthias Kadolph, die auf dem Marktplatz an Steinskulpturen unter großer Resonanz der Bevölkerung arbeiteten.
Nach diesem Erfolg gelang es, 1987 einen eigenen städtischen Etat für das jährlich stattfindende Bildhauersymposium und die wachsende Kunstschule zu etablieren. Ebenso wurde die Auswahl der Künstler durch eine fachkundige Jury professionalisiert. In den nachfolgenden drei Bildhauersymposien entstanden 18 Skulpturen und Installationen, die im Zentrum der Stadt, aber auch im damaligen Stadtpark aufgestellt wurden. Auch Ankäufe von Skulpturen wie dem „Haus von Sonne und Mond“ des Langenhagener Stahlbildhauers Wolf Gloßner waren jetzt möglich. Erwähnenswert sind neben der Beteiligung internationaler Künstler wie dem Südkoreaner Bong-Kil-Kim und dem US-Amerikaner Michael Rodemer auch zahlreiche temporäre Aktionen, z. B. der „Coccon Verres“ von Jürgen Holzkamp, der sich in einem gläsernen Käfig im Stadtzentrum einschließen ließ und sich nach drei Wochen mit einer in dieser Zeit gebauten Skulptur selbst befreite.
Die Standorte der Skulpturen wurden bereits in Hinblick auf einen zu gründenden Skulpturenpark ausgewählt und bildeten eine U-förmige Linie, die vom Zentrum der Stadt bis zur Walsroder Straße in Höhe der Elisabethkirche reichte. 1990 beschloss der Rat der Stadt Langenhagen einstimmig die Gründung des Skulpturenparks Langenhagen, der in einem Festakt zum Abschluss des vierten Bildhauersymposium eingeweiht wurde. Damit war die Grundlage für die weitere Entwicklung der Kunst im öffentlichen Raum in Langenhagen gelegt.
Die bundesweit beachtete Ausstellungsreihe „vor ort – Kunst in städtischen Situationen“ schloss in den 1990er Jahren an. Im Rahmen dieser Ausstellungsreihe, die 1992 von Achim Könnecke und von 1993 bis 1998 von Kai Bauer kuratiert wurde, wurden jährlich international bekannte Künstlerinnen und Künstler wie Yoko Ono, Karin Sander, Thomas Hirschhorn, Roman Signer und andere zu temporären Interventionen in den öffentlichen Raum eingeladen. Begleitende Kataloge dokumentierten die Kunstaktionen. Mit dem offen ausgeschriebenen Wettbewerb „99 Standorte“ im Kontext der EXPO 2000 in Hannover gelang die letzte großangelegte Ausstellung von Kunst im öffentlichen Raum. Zahlreiche Kunstwerke sind im Stadtbild von Langenhagen von zum Teil international oder national anerkannten Künstlern zu finden.
In das Rampenlicht trat Langenhagen durch die international beachtete temporäre Aktion von Yoko Ono, die exklusiv für Langenhagen in ihrer Performance A Celebration of Being Human an zahlreichen Orten, in Langenhagen wie beispielsweise Straßenbahnstationen, Bushaltestellen, Billboards in einem Schwarzweiß Motiv ein nacktes Gesäß präsentierte.
Die Dokumentation und öffentliche Darstellung der Kunst im öffentlichen Raum ist ein Ziel des Netzwerk Baukultur Niedersachsen. Die digitale Dokumentation zur Stadt Langenhagen befindet sich derzeit noch am Anfang ihrer Entwicklung und wird laufend fortgesetzt.
Kunst im öffentlichen Raum Bild Kunstwerk / Jahr Künstler Anmerkungen 90px Julio1990 Sandstein lackiert, 125 × 60 × 75 Franz Burkhardt Vor der Volkshochschule – und vor dem Abriss auch vor dem Langenhagener Hallenbad – sitzt Julio. Der fröhliche Musikant mit gelbem Hut und knallrotem Akkordeon von Franz Burkhardt (* 1966 in Wolfenbüttel) besetzt diesen Platz auf dem Mäuerchen so selbstverständlich, dass man ihn kaum als Kunst wahrnimmt. Die Skulptur entstand als Auftragsarbeit für den Eingangsbereich des daunstärs. Ab der Skulptur Julio zieht sich ein Skulpturenpfad entlang der Konrad-Adenauer-Straße in östlicher Richtung bis zur Elia-Kirche. 90px Zwei Köpfe1986 Sandstein, 90 × 95 × 50 Ulla Nentwig Vor der Volkshochschule an der Konrad-Adenauer-Straße befindet sich auf einem flachen Betonsockel als weiteres Kunstwerk ein in Stein gemeißeltes Gesicht von Ulla Nentwig (* 1955 in Hannover). Schaut man etwas genauer hin, schälen sich Nase an Nase dicht aneinander gedrängt zwei menschliche Köpfe aus einem Block Obernkirchner Sandstein heraus, die in entgegengesetzte Richtungen blicken (I. Langenhagener Bildhauersymposium). Möglicherweise blickt der eine dem verschwundenen Hallenbad hinterher? 90px Salix × chrysocoma (Trauerweide)1987 Bronze, 60 × 3209 × 70 Michael Rodemer Auf dem Innenhof des Schulzentrums liegt unter einem Baum ein wie abgebrochen erscheinender Ast … eine Bronzeskulptur von Michael Rodemer (* 1953 in Springfield/Ill (USA)). Der Ast stammt im Original von einer Trauerweide des Schulgrundstücks; das bronzene Duplikat verewigt die Schönheit der Natur und sensibilisiert die Vorbeigehenden zum genauen Hinsehen: Hier liegt nicht nur einfach ein alter Ast rum (II. Langenhagener Bildhauersymposium).
In Vorbereitung des Anbaues an das Schulzentrum ist das Kunstwerk seit Oktober 2010 (vorläufig) entfernt und sichergestellt. 90px Obelisk2000 Draht, Glasflaschen, 700 × 80 × 80 Michael Deiml Der sieben Meter hohe Obelisk von Michael Deiml (* 1949) stand seit der im Kontext der EXPO 2000 durchgeführten Ausstellung 99 Standorte bis 2011 unmittelbar vor dem Schulzentrum von Langenhagen. Rund 800 Flaschen füllen eine leichte Drahtskulptur; dabei sind die oberen weißen Flaschen leer und leuchten strahlend im Sonnenlicht, während die meist farbigen Flaschen im unteren Bereich mit Langenhagener Allerlei gefüllt sind; in einer Kunstaktion haben Schüler ihre Wünsche für die Zukunft in Texten oder auch materiell wie in eine Flaschenpost eingefüllt.
Erstmals stand der Obelisk 1990 neben dem Rathaus in Vaihingen an der Enz, später auch noch in Kevelaer und in Schwetzingen. Aufgrund einer baulichen Erweiterung des Schulzentrums Langenhagen wurde das Kunstwerk in einer bürgerschaftlichen Aktion abgebaut und Anfang Juli 2012 an der Konrad-Adenauer-Straße am Eingang zum Stadtpark wieder errichtet. 90px Ohne Titel1989 Lindenholz, 620 × 159 × 100 Rolf Sextro Gegenüber dem Schulzentrum steht direkt auf dem Bürgersteig an der Einmündung der Schönefelder Straße in die Konrad-Adenauer-Straße eine unbetitelte Holzskulptur von Rolf Sextro (* 1956 in Bramsche). Auch wenn die Figur wegen des langen Halses von der Langenhagenern als Giraffe bezeichnet wird, bleibt sie doch ein fremdartiges Wesen und wirkt in ihrer Fragilität angesichts der kompakten Bebauung recht verletzlich (IV. Langenhagener Bildhauersymposium). Die Installation von Sextro wurde im September 2013 aus technischen Gründen abgebaut und befindet sich in der Überarbeitung. 90px Plinth III1988–1990 James Reineking Diese Stahlskulptur des amerikanischen Künstlers James Reineking (1937–2018) Plinth III befindet sich östlich des Rathauses an der Konrad-Adenauer-Straße. Auf einer quadratischen Bodenplatte steht mittig über Eck eingesetzt eine kreissegmentförmige Platte uns vermittelt der Betrachter auf der konkaven Seite etwas Beschützendes (99 Standpunkte). 90px Windobjekte1990 zweiteilige Holz-Stahl-Konstruktion mit Polyester beschichtet, 660 × 80 × 60 Jürgen Friede Die hoch aufragende Skulptur von Jürgen Friede (* 1954 in Veerßen Kr. Uelzen) steht auf einem kleinen Hügel an der Konrad-Adenauer-Straße und beherrscht die Szenerie. Wie zwei korrespondierende Lüftungsschächte ragt die Skulptur in den Himmel und behauptet sich gegen die hochgeschossigen Wohnbauten als Gegenüber (V. Langenhagener Bildhauersymposium). 90px Labyrinth1989 Sandstein Mathias Kadolph Diese Skulptur steht (liegt) in der Konrad-Adenauer-Straße in Höhe des Eingangsbereichs der Gutzmann-Schule in einer Rasenfläche. 90px Aufbruch, Ausbruch, Durchbruch1996 Christel Lechner Die multikulturelle Frauengruppe von Christel Lechner (* 1947) steht in der Stadtmitte an der Walsroder Straße an einer fiktiven Haltestelle vor den Utopia als unübersehbares Ergebnis der 99 Standpunkte. 90px Verortung2007 Ulla Nentwig Rund 20 Jahre befand sich auf dem Marktplatz die aus großen Steinen komponierte Skulptur Gebundenes Steinfeld von Ulla Nentwig (* 1955 in Hannover); die Steine symbolisierten die ländlichen Ortschaften der Stadt Langenhagen. Das Kunstwerk wurde 2009 auf das Forum transloziert und von der Künstlerin mit der Bezeichnung Verortung neu formiert. 90px Fußgängerskulptur1997–2000 Till Hausmann Die Fußgängerskulptur von Till Hausmann (* 1953), www.tillhausmann.de, abgerufen am 5. Nov. 2012. steht auf dem Forum. Dieser knallrote Fuß ist das Markenzeichen der anlässlich der EXPO 2000 durchgeführten temporären Ausstellung 99 Standpunkte. Skulpturen in Langenhagen, die den gesamten Stadtpark für einige Monate zu einem Kunstmuseum auf Zeit umgestaltete. 90px Quader1987 Reinhard Buxel Auf dem Marktplatz hat Reinhard Buxel (* 1953) Steine unterschiedlicher Größe aufeinander zugepasst und zu einem in sich geschlossenen Quader zusammengefügt. Eigenartigerweise liegt der massive, fast die Hälfte des Ganzen ausmachende Stein oben auf und lässt sich von den viel kleineren Steinen tragen. Durch sein Gewicht hält der Stein auf den Kleinen lastend das Ganze zusammen.
Im Rahmen der Umgestaltung des Marktplatzes wurde der Quader im Jahr 2013 von seinem angestammten Platz auf der nördlich gelegenen Spielecke verrückt und steht nun unmittelbar vor der angrenzenden Klinkerfassade. 90px BrunnenJahr Frauke Wehberg Vor dem Innenhof zum Rathaus befindet sich der Brunnen mit einer weiblichen Figur der schleswig-holsteinischen Künstlerin Frauke Wehberg (* 1940). 90px Brunnen OstpassageJahr Christiane Möbus Dieser Brunnen von Christiane Möbus (* 1947 in Celle) befindet sich im Bereich des Ostpassage. Aus den 11 Düsen des „Hydranten“ spritzen die Wasserstrahlen in den Brunnen, was allerdings leider aus wohl technischen Gründen nur sehr selten geschieht. 90px Ohne Titel1990 Eichenholz 280 × 270 × 182 Siegfried Pietrusky Im Stadtpark rechts neben der Musikmuschel befindet sich auf den Rasen stehend eine unbetitelte Holzfigur von Siegfried Pietrusky (* 1952 in Jade). Der Künstler baute aus dem kaum bearbeiteten Material eine Skulptur, die sich dann aufgestellt aus eigener Kraft halten muss. Sie steht dort auf der Wiese und strahlt eine stabile Ruhe aus (V. Langenhagener Bildhauersymposium). Im September 2012 wurde die Skulptur aufgrund von Schäden entfernt. 90px Stück über Gewalt1986