mini|Das im April 2013 eröffnete Musiktheater in Linz
Das Musiktheater Linz ist eine Spielstätte des Landestheaters Linz. Das von Terry Pawson geplante Gebäude wurde zwischen 2008 und 2013 errichtet und dient als Theater- und Opernhaus der Stadt Linz. Die offizielle Inbetriebnahme des am 11. April 2013 von Heinz Fischer eröffneten Musiktheaters fand am 12. April 2013 mit der Uraufführung der Oper Spuren der Verirrten von Philip Glass nach dem gleichnamigen Schauspiel von Peter Handke statt. Politische Streitigkeiten wegen des Standorts, die Ausschreibung zweier Architekturwettbewerbe und die Durchführung einer Volksbefragung waren die Ursachen für die mehrjährigen Verzögerungen des Baubeginns. Seit der Spielzeit 2016/17 wird das Musiktheater gemeinsam mit dem Landestheater Linz von Hermann Schneider geleitet.
Geschichte mini|Der alte Blumauerplatz (Foto von 1992) mini|Linzer Musiktheater – Baustelle (Mai 2010)
Die Planungen für ein Opernhaus in Linz gehen auf das Jahr 1938 zurück. Nach dem „Anschluss Österreichs“ an das nationalsozialistische Deutsche Reich sollte nach Adolf Hitlers Plänen Groß-Linz unter anderem zu einer Kulturhauptstadt werden. An der Blumau, dem heutigen Standort des Musiktheaters, waren ein Opernhaus nebst Operettentheater und Konzerthaus geplant. Dieses Vorhaben wurde aber nicht realisiert.Oberösterreichische Nachrichten. (2008) Hitlers Kulturhauptstadt. Abgerufen von https://www.nachrichten.at/archivierte-artikel/serien/wir-oberoesterreicher/Hitlers-Kulturhauptstadt;art11547,70879 abgerufen am 24. Jänner 2024
1984 wurde der Verein „Freunde des Linzer Musiktheaters“ gegründet. Ziel war es einen geeigneten Standort für ein neues Musiktheater in Linz zu finden und dessen Errichtung zu erreichen. Die Gründe dafür lagen einerseits in den schlechten Akustik- und Sichtverhältnissen für die Zuschauer und andererseits in den gesetzwidrigen Arbeitsbedingungen und der unökonomischen Betreibung des Landestheaters.Verein Freunde des Linzer Musiktheaters.(2007) Die Geschichte des Vereins Freunde des Linzer Musiktheaters. Abgerufen von https://www.musiktheater.at/archiv/verein/vereinsgeschichte.htm#2_gruendung abgerufen am 24. Jänner 2024
Die Standortwahl für das neue Gebäude gestaltete sich schwierig. Die erste Wahl fiel auf den Platz des heutigen Ars Electronica Centers. Nachdem dieser Standort durch politische Gruppierungen abgelehnt worden war, war die zweite Wahl der Platz zwischen dem Römerbergtunnel und dem Linzer Schlossmuseum – das „Theater im Berg“. Den hierfür ausgeschriebenen Architekturwettbewerb gewann der Wiener Architekt Otto Häuselmayer. Der Bau sollte bis 2003 fertiggestellt sein und Platz für 1.100 Personen bieten.nextroom.at (1998) Theater halb am Strom und halb im Berg. Abgerufen von https://www.nextroom.at/building.php?id=1786&inc=artikel&sid=4735 abgerufen am 24. Jänner 2024 Die Errichtung des Musiktheaters sorgte in der Politik für unterschiedlichste Meinungen und starke Diskussionen – vor allem von Seiten der FPÖ – so dass es am 26. November 2000 zu einer Volksbefragung kam. Hierbei stimmte die deutliche Mehrheit der oberösterreichischen Bevölkerung gegen einen Bau des Musiktheaters, wodurch die Planung gestoppt wurde.
Nach erneuten Bemühungen durch den Verein Freunde des Linzer Musiktheaters wurde am 3. Juli 2003 durch den oberösterreichischen Landtag ein Grundsatzbeschluss für den Bau des Musiktheaters gefasst. Am 29. Juni 2004 fiel nach langen Diskussionen über den geeigneten Standort die Wahl auf den Blumauerplatz, weshalb nun vom Theater am Park die Rede war.
Durch den neuen Standort wurde ein weiterer Architekturwettbewerb veranstaltet, den im April 2006 der Londoner Architekt Terry Pawson gewann. Der Wunsch nach der Fertigstellung vor dem Kulturhauptstadtjahr 2009 konnte durch keines der eingebrachten Projekte erreicht werden.ORF OÖ.(2006) Musiktheater-Entscheidung in Linz ist gefallen. Abgerufen von https://ooev1.orf.at/stories/100634 abgerufen am 24. Jänner 2024 Am 13. März 2008 fand der kleine Spatenstich statt, bei dem der Umbau des Blumauerplatzes gestartet wurde.Verein Freunde des Linzer Musiktheaters.(2008) Der „kleine“ Spatenstich, 2008. Abgerufen von https://www.musiktheater.at/archiv/verein/vereinsgeschichte.htm#2_gruendung abgerufen am 24. Jänner 2024 Der große Spatenstich, bei dem der Bau des Musiktheaters begonnen wurde, fand am 15. April 2009 statt.Verein Freunde des Linzer Musiktheaters. (2009) Der „große“ Spatenstich, 2009. Abgerufen von https://www.musiktheater.at/archiv/verein/vereinsgeschichte.htm#2_gruendung abgerufen am 24. Jänner 2024 Zu diesem Zeitpunkt wurde nach einer öffentlichen Ausschreibung das Architekturbüro Architektur Consult gemeinsam mit den Archinauten mit der Ausführungsplanung beauftragt.Landestheater Linz. Musiktheater am Volksgarten. Abgerufen von https://www.landestheater-linz.at/haeuser/musiktheater abgerufen am 24. Jänner 2024
Der Bau des Musiktheaters wurde mit rund 150 Millionen Euro veranschlagt, wobei sich die Stadt Linz mit 36,3 Millionen Euro beteiligt. Die Eröffnung des neuen Musiktheaters fand am 11. April 2013 statt. Tags darauf fand die Uraufführung der Oper Spuren der Verirrten von Philip Glass statt. Laut dem Landesrechnungshof Oberösterreich betrugen die Gesamtkosten am Ende 186,4 Millionen Euro.
Ensemblemitglieder
Oper und Operette (Quelle: )
Martin Achrainer Erica Eloff Gotho Griesmeier Jonathan Hartzendorf Adam Kim Manuela Leonhartsberger Fenja Lukas Dominik Nekel Ilona Revolskaya Angela Simkin Matthäus Schmidlechner Matjaž Stopinšek Carina Tybjerg Madsen Michael Wagner
Musical (Quelle: )
Christian Fröhlich Karsten Kenzel Fabian Koller Sanne Mieloo Max Niemeyer Astrid Nowak David Rodriguez-Yanez Gernot Romic Lukas Sandmann Sarah Schütz Lynsey Thurgar Patrizia Unger
Architektur Das Theater in Zahlen (Quelle: )
Angaben zum Grundstück Außenabmessungen Norden – Blumauerstraße 150 m Außenabmessungen Osten – Südtirolerstraße 25 m Außenabmessungen Westen – Volksgarten 65 m Außenabmessungen Süden – verl. Bahnhofstraße 251 m Bauplatzfläche 13.105 m² Be- und überbaute Flächen 10.770 m² Baukennwerte Höhe (Gebäudekörper) 26 m Höhe (Bühnenturm an seiner Spitze) 37 m Geschoße 2. UG, 1. UG, EG, 1. OG bis 7. OG Anzahl 10 Geschoße Bruttogeschoßfläche (gesamt) 52.420 m² Umbauter Raum (gesamt) 289.860 m³ Nettogeschoßfläche gesamt 43.930 m²Glasfront am Haupteingang Breite 60 m Höhe 10 m mini|Eingangsbereich des Musiktheaters vom Volksgarten aus gesehen (2022) mini|Blick von der Bahnhofstraße Richtung Osten auf das Musiktheater Linz (2019)
Der Vorplatz Der Vorplatzbereich des Musiktheaters zieht sich entlang der Glasfassade eben dahin, überbrückt so den Straßenbahntunnel und bietet gleichzeitig Platz für Performances. Eine schräg abfallende Treppe verbindet das Theater mit dem Linzer Volksgarten, welcher durch eine Neugestaltung aufgewertet werden soll.Musiktheater Linz: Der Bau der neuen Oper/Städtebaulicher Impuls, 2011 (Online, aufgerufen am 14. Dezember 2011) Otmar Stöckl hat sich einige Gestaltungsvorschläge überlegt, wobei hier auch die Wünsche der Bürger eingeflossen sind. Im Bereich des Vorplatzes soll ein freier, befestigter Platz mit einem Café und der Möglichkeit für Open-Air-Veranstaltungen entstehen. Außerdem sollen die derzeit noch erkennbaren Lüftungsauslässe des Straßenbahntunnels im Rahmen des Projektes „Kunst am Bau“ verkleidet werden.linz.at: Um- und Neugestaltung des Volksgartens, 3. Oktober 2011 (Online, aufgerufen am 19. November 2011)
Die Fassade Der Architekt Terry Pawson hat die Fassade durch klare Linien strukturiert und wollte damit das Gefühl eines großen „curtain“ (Vorhanges) vermitteln. Dieser Vorhang zieht sich um drei Seiten des Hauses und bildet zum Volksgarten hin ein großes Tor. Die ursprüngliche Idee des Architekten war es, rotbraunen, oxidierten Stahl an der Fassade zu verbauen, jedoch entschied man sich dann doch für hellen Beton und Naturstein als Fassadenmaterial.Travertin: Lexikon der Geowissenschaften https://www.spektrum.de/lexikon/geowissenschaften/travertin/16898 abgerufen am 22. Jänner 2024
Durch ein Schienensystem in dem „Vorhangraster“ des Gebäudes sind die gebrochenen Natursteinblöcke befestigt, wobei man durch dieses Raster auch die Möglichkeit hat, gewisse Flächen als Fenster freizulassen. In Summe befinden sich 698 helle, vertikale Streben aus Architekturbeton – Lisenen genannt – um das Gebäude herum.
Die Fassade selbst besteht aus insgesamt vier Schichten: Tragender Stahlbeton und Dämmmaterial aus Steinwolle Winddichte und diffusionsoffene Folie Architekturbeton-Lisenen aus hellen, schalreinen Fertigteilen (Weißzement) mit Schienen- bzw. Ankersystem Gebrochener Naturstein (Römischer Travertin)
Der Travertin (Naturstein) stammt aus einem Steinbruch bei Tivoli, in der Nähe Roms. Dort werden die Steine gespalten und später mit ihrer rauen Bruchseite nach außen an der Fassade platziert. Durch die unterschiedlichen, nicht bearbeiteten Oberflächen sorgt die Fassade für ein lebendiges, helles und gleichsam massives Erscheinungsbild.
Innenarchitektur Vom Eingangsfoyer gelangt man über eine große Treppe in das Hauptfoyer. Dieses hat eine Höhe von sieben Metern und wird auch als Pausenraum genutzt. Im vorderen Bereich des Theaters befinden sich außerdem das Restaurant "Das Anton" und das "Café Volksgarten", wodurch das Theater ganztägig ein öffentlicher Treffpunkt ist. Über einen Eingang im ersten Stock erreicht man den Haupteingang des großen Saals. Im hinteren und größten Teil des Gebäudes befinden sich alle Werkstätten, Lager und Künstlerbereiche.Landestheater Linz: Häuser, https://www.landestheater-linz.at/haeuser/musiktheater abgerufen am 24. Jänner 2024
Säle und Bühnen Das neue Theater verfügt insgesamt über die folgenden drei sehr unterschiedliche Säle:
Der Große Saal mini|Zuschauerebenen des Auditoriums mini|Die Bühne des Auditoriums Der Haupteingang des Großen Saales befindet sich auf der Höhe des ersten Ranges. Von außen lässt sich der Saal auch über diverse Stiegen und Aufzüge erreichen. Eine Besonderheit ist, dass man innerhalb des Saales über Treppen die Ebenen wechseln kann, ohne den Saal selbst verlassen zu müssen. Diese Treppen sind seitlich an den Wänden angebracht und vom Raum aus sichtbar. Insgesamt verfügt der Große Saal über ein Parterre, ein Hochparterre, einen ersten und einen zweiten Rang. Er bietet 970 Zuschauern Platz, jedoch ist eine Erweiterung auf 1.130 Sitzplätze möglich. Dies erreicht man durch die Bestuhlung des Orchestergrabens und der Seitenbereiche der Ränge. Um für die Zuschauer auf allen Rängen perfekte Sicht- und Hörbedingungen und optimale akustische Ergebnisse und Nachhallzeiten zu erreichen, wurden umfangreiche akustische Versuche an einem Modell im Maßstab 1:10 vorgenommen.
Um den Besuchern des Theaters ausreichend Komfort zu bieten, wurde der Sitzreihenabstand von 97 cm bis zu 105 cm im Parkett bemessen. Die Sesselbreite beträgt 59 cm, was einer Sitzbreite von 54 cm entspricht. Die Polsterung der knallroten Sessel wurde dabei mit dem Haar der Angoraziege bespannt. Insgesamt wurden 1.130 Sessel angeschafft, wobei davon 970 im Saal fix montiert sind und der Rest für eine eventuelle Sonderbestuhlung im Orchestergraben vorgesehen ist. In Summe haben diese einen Wert von 800.000 Euro.Oberösterreichische Nachrichten. (2011) Auch die Beine werden jubeln. Abgerufen von https://www.nachrichten.at/archivierte-artikel/musiktheater/Musiktheater-Auch-die-Beine-werden-jubeln;art136155,785608 abgerufen am 24. Jänner 2024
Im Anschluss an den Zuschauerbereich befindet sich der Orchestergraben mit einer Breite von 18 und einer Tiefe von 6 Metern, wobei sich dieser an den Seiten erweitern lässt.Musiktheater Linz. Der große Saal. Abgerufen von https://www.landestheater-linz.at/haeuser/musiktheater abgerufen am 24. Jänner 2024 Insgesamt bietet dieser so etwa 100 Musikern Platz und hat eine maximale Nutzfläche von rund 164 m².