Johannes Joachim Theodor Krüger (* 4. November 1887 in Garwitz; † 10. Dezember 1917 in Le Tréport) war ein deutscher Soldat im Ersten Weltkrieg. Als Feldartillerist in einer Geschütz-Batterie wurde er nach seinem Tod in den 1930er Jahren zur zentralen Figur einer Legendenbildung zur Schlacht von Cambrai.
Leben Johannes Joachim Theodor Krüger war das dritte Kind des Häuslers Johann Christian Joachim Krüger und seiner Ehefrau Caroline Dorothea Wilhelmine Krüger, geb. Nierens. Nach dem Schulbesuch arbeitete er als Flussschiffer auf der Elde. Im Deutschen Reich bestand Wehrpflicht, der Wehrdienst war in der Regel vom vollendeten zwanzigsten Lebensjahr an zu leisten, da Krüger wegen der besseren Verdienstmöglichkeiten nach Hamburg ziehen wollte, trat er seinen Wehrdienst bereits 1906 im Alter von 18 Jahren beim Großherzoglich Mecklenburgischen Feldartillerie-Regiment Nr. 60 in Schwerin an. Nach Ableistung seines Wehrdienstes zog er nach Hamburg, wo er im Hafen arbeitete, heiratete und eine Familie gründete. Am 5. August 1914 hatte er sich aufgrund der Generalmobilmachung bei seinem Regiment in Schwerin einzufinden. 1915 ging daraus das Feldartillerie-Regiment Nr. 108 hervor und er wurde in die 8. Batterie dieses neu aufgestellten Regiments versetzt. 1916 wurde er Geschützführer und dann zum Unteroffizier befördert.
Am Morgen des 20. November 1917 griff die britische Armee in der Schlacht von Cambrai mit der ersten großen Panzeroffensive der Geschichte die deutsche Siegfriedstellung südwestlich von Cambrai an. Krügers Batterie befand sich bei der kleinen französischen Gemeinde Flesquières im Einsatz. Im Dezember 1917 erhielt seine Ehefrau einen Brief seines Regiments, dass er mit seinem Batterieführer und mehreren Kameraden seit diesem Tag vermisst wird, es hieß, dass er wahrscheinlich in englische Gefangenschaft geraten ist. Am 30. Januar 1918 erhielt sie einen hoffnungsvollen Brief ihres Mannes, den dieser am 8. Dezember 1917 in der Gefangenschaft geschrieben hatte. Am 31. Januar 1918 folgte ein Brief vom Hamburgischen Landesverein vom Roten Kreuz, Ausschuss für deutsche Kriegsgefangene:
Hintergrund mini|Die Schlacht von Cambrai 1917
Die Schlacht Der britische Großangriff zwischen dem Canal-du-Nord im Norden und dem Canal-de-Saint-Quentin im Süden auf einer Frontbreite von etwa 10 Kilometern mit zwei britischen Armee-Korps sollte im November 1917 einen entscheidenden Durchbruch durch die deutschen Verteidigungsstellungen westlich von Cambrai ermöglichen, und der britischen Kavallerie die Chance zur Eroberung weiter Landstriche des Hinterlandes geben. Hierzu wurden den angreifenden Infanterie-Divisionen jeweils eine Anzahl von Tanks (Panzern) des inzwischen mit einer beachtlichen Anzahl von Fahrzeugen ausgerüsteten britischen Tank Corps beigegeben. Auch sollte das britische Royal Flying Corps den Angriff unterstützen. Insbesondere der geplante Einsatz von 476 Tanks bei der Offensive, von denen letztlich etwa 350 Panzer einsatzbereit waren und in zwei Angriffswellen das britische III. Corps unterstützen, führte dazu, dass diese Schlacht als erste Schlacht mit systematischer Panzerunterstützung in die Geschichte einging.
Panzerabwehr beim deutschen Heer Der erste Einsatz britischer Tanks am 15. September 1916 traf die deutschen Verteidiger unvorbereitet und verursachte auf deutscher Seite einen Schock. Auch wenn von geplanten 49 Tanks nur 14 auf einer weit gezogenen Front angriffen und deshalb eine Abwehr gelang, hätte die deutsche Führung erkennen können, dass es erforderlich ist, sich besser auf künftige Angriffe vorzubereiten. Die deutschen Maßnahmen zur Abwehr von Panzern basierten auf einzelnen Feldgeschützen, die in vorgezogenen Stellungen positioniert wurden, auf dem massierten Beschuss von Sehschlitzen mit Gewehren und Maschinengewehren und dem Einsatz von Geballten Ladungen gegen die Fahrwerkskomponenten, insbesondere die Gleisketten, der gegnerischen Kampfwagen.Franz Kosar: Panzerabwehrkanonen 1916–1977. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1978, ISBN 3-87943-562-6, S. 22.
Für die in großem Umfang vorhandenen leichten Feldgeschütze im Kaliber 7,7 cm wurde eine neue spezielle Munition für die Abwehr von Panzer zur Verfügung gestellt. Die K.Gr. 15 m.P. war ein Geschoss, welches durch einen verstärkten Panzerkopf die Panzerung des Tanks durchschlagen konnte und im Fahrzeug explodierte. Bei den Verbänden der Feldartillerie wurde nun auch die Abwehr gegnerischer Panzerangriffe in die Ausbildung aufgenommen. Die Stellungen der nicht besonders weit reichenden Feldartillerie lagen üblicherweise hinter oder in der letzten Verteidigungslinie des deutschen Grabensystems.
Lone gunner of Flesquières mini|Der Mark IV Deborah, der bei Flesquières durch fünf Treffer einer deutschen Feldkanone zerstört wurde. Am Morgen des 20. November 1917, begann nach kurzer Artillerievorbereitung um 6:20 Uhr der britische Angriff auf die deutschen Stellungen.
Östlich von Flesquières durchdrangen die Panzer und die Infanterie das deutsche Stellungssystem und stießen 8 km weit vor. Vor Flesquières ließ Major-General George Harper seine Männer der 51st Highland Division wegen des offenen ansteigenden Geländes zurückfallen und die Panzer ohne direkte Infanterie-Begleitung vorrollen. Hierbei erlitten die Panzer schwere Verluste durch das Feuer deutscher Feldartilleriegeschütze, wobei 16 der Fahrzeuge vernichtet wurden oder ausfielen.
mini|Eine 7,7cm Feldkanone Modell 96 n.A., die Anfang der 2000er Jahre in Brisbane öffentlich zugänglich ausgestellt war. Haigs Depesche wurde am 4. März 1918 als Ergänzung der London Gazette vom 1. März 1918 veröffentlicht und später in den damaligen Medien ausführlich besprochen.
Der Stabsoffizier Captain Geoffrey Dugdale berichtete nach einer Besichtigung des Schlachtfelds:
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges fand der Vorfall bspw. in Berichten von Arthur Conan Doyle (History of the Western Front), Philip Gibbs (History of the War 1920) und Erwin Zindler Erwähnung. Nach heutigem Forschungsstand handelt es sich um eine Legende.
Die zeitgenössischen Berichte unter anderem des Feldmarschall Haig sprachen zunächst nur von einem namenlosen Offizier. Angebliche Augenzeugenberichte variierten zwischen einer kompletten Geschützbesatzung und einem einzelnen Soldaten, durch deren Einsatz zwischen 5 und 16 Panzer abgeschossen worden waren.
Haig kam die Legende eines einsamen Schützen durchaus gelegen als Erklärung für den mangelnden Erfolg der Operation bei Flesquières.
Legendenbildung Eine Legende ist eine Geschichte, zu deren wahren Kern vieles hinzuerfunden wurde. Dazu gehört u. a.:
James McCudden hat offensichtlich eine Geschichte weitererzählt, die er nur vom Hörensagen kannte und deren Plausibilität er nicht geprüft hatte. Captain Dugdale düfte am 20. November 1917 spätestens um 15.30 Uhr (GMT) an der Feuerstellung des lone gunners eingetroffen sein, da war der Kampf bereits vorbei, den Ausführungen von McCudden zufolge hätte der lone gunner die britische Armee da noch für mehr als 20 Stunden aufgehalten.
Um die Panzer im direkten Richten bekämpfen zu können, waren die Geschütze des Feldartillerie-Regiments 108 auf freiem Feld aufgestellt worden. Krügers Batterieführer hat ausgesagt, daß die britischen Panzer auf 200 m herangerückt waren, als er den Rückzug antrat, Krüger konnte zur Zeit immer nur auf einen Panzer schießen, alle anderen britischen Soldaten konnten währenddessen weiter vorrücken, sein Einzelkampf kann nur wenige Minuten gedauert haben, denn kurz nachdem seine Kameraden den Rückzug angetreten haben, traf Captain Dugdale schon an seiner Batterie ein.
Captain Dugdale hat dem lone gunner 5 Treffer zugeordnet, Sir Arthur Conan Doyle hat 1919 geschrieben, daß erzählt wird, daß ..., und nannte dann 16 Volltreffer, ohne eine seriöse Quelle für diese Zahl benennen zu können.
Zahlreiche deutsche Zeitungen veröffentlichten unter unterschiedlichen Überschriften ab 13. März 1918 folgende Agenturmeldung:
Ob sich ein Wichtigtuer bei der Zeitung gemeldet hat oder sich ein Redakteur diesen Bericht ausgedacht hat, ist nicht bekannt. So hat es sich nicht zugetragen.
In Deutschland wurde zum wahren Kern hinzuerfunden, was sich bei Krügers Geschütz zugetragen haben soll, als seine Kameraden sich auf dem Rückzug befanden. Der einzige der darüber hätte Auskunft geben können, war Krüger, der durfte aus der Gefangenschaft einen privaten Brief an seine Familie schreiben, in dem nichts dazu steht. Es gibt die Zeugenaussagen, das Krügers an seiner Feldkanone zurückgeblieben ist, das nächste ist, was die Briten dem Roten Kreuz gemeldet haben und der Bericht von Captain Dugdale, für das, was sich dazwischen zugetragen hat, gibt es keine Augenzeugenberichte.
Johannes Joachim Theodor Krüger als Lone gunner Krügers Batterieführer, Leutnant (Lt.) d. R. Carl Behrmann, ist am 20. November 1917 auf dem Rückzug in britische Kriegsgefangenschaft geraten und kehrte erst am 29. Oktober 1919 nach Deutschland zurück.grandeguerre.icrc.orggrandeguerre.icrc.orggrandeguerre.icrc.orggrandeguerre.icrc.org Im Lockstedter Lager sagte er aus, daß er als die Geschützmunition zu Ende ging, das Sprengen der Geschütze und den Rückzug befohlen hat. Krüger hatte noch etwas Munition und hat diesem Befehl nicht Folge geleistet. Allein ist er an seinem Geschütz geblieben, gab seinen Kameraden in Eile seine Papiere, sein Soldbuch mit und feuerte auf die angreifenden britischen Panzer. Im November 1919 suchte Behrmann Krügers Ehefrau auf, um ihr das Soldbuch ihres Mannes zu bringen und berichtete ihr, was sich zugetragen hat. Behrmann und Krügers Kanoniere haben nicht mitbekommen, was sich in ihrer letzten Feuerstellung zugetragen hat, als sie sich auf dem Rückzug befanden, ob Behrmann in Erfahrung gebracht hat, wie es Krüger ergangen ist, bevor er dessen Witwe aufsuchte, ist nicht bekannt, spätestens von ihr hat er dies erfahren.
Lt. d. R. Claudius Bojunga vom Feldartillerie-Regiment 213 ist der einzige Offizier der deutschen Feldartillerie, der am 20. November 1917 bei Flesquières gefallen ist, er wurde nördlich von Flesquières beim Einsturz eines Stollens verschüttet, eher die Geschützstände für die Kanonen eingerichtet waren. Der Beobachtungsoffizier vom Abteilungsstab III des Feldartillerie-Regiments 108, Lt. d. R. Julius Eberhart, wurde am 20. November 1917 südlich Marcoing tödlich verwundet. Der Batterieführer der 9. Batterie dieses Regiments, Lt. d. R. Karl Müller, wurde im Zeitpunkt der Veröffentlichung des Haigberichts vermißt, seine Batterie befand sich am 20. November 1917 nicht bei Flesquières, sondern südlich Marcoing im Einsatz. Nach Heimkehr aus britischer Kriegsgefangenschaft sagten seine Untergebenen aus, daß er am 20. November 1917 vor der Feuerstellung seiner Batterie durch Kopfschuß gefallen ist. Sterbeort und Todesumstände dieser drei Offiziere stimmten nicht mit den Angaben im Haigbericht überein. Eine deutsche Anfrage zur Identität des Protagonisten beantworteten die Briten 1919 mit „Er wurde nicht identifiziert.“ So war die Suche nach der Identität des Protagonisten im Sande verlaufen.