mini|Stinktopf (frz. cruche á feu, Figur 6) und Abschussvorrichtung (Balliste, Figur 5), Illustration aus Jean-Charles Perrinet d’Orvals Essay sur les feux d’artifice pour le spectacle et pour la guerre von 1745 250px|mini|Kriegskutter mit Stinktopf am Bugspriet (frz. hier: pot á feu (A), Illustration aus Ozannes Marine Militaire von 1762. Der Stinktopf wurde vom Bugspriet auf kleinere Schiffe einfach fallen gelassen Stinktopf (auch Stinkpott, Stinkkugel oder Sturmtopf) bezeichnet eine Waffe der Artillerie, die in der frühen Neuzeit bei Belagerungen und Seegefechtendie überwiegende Literatur stellt stets einen Bezug zu Seegefechten her. Allerdings ist der Einsatz von Stinktöpfen beispielhaft auch im Rahmen der Belagerung von Groningen im Jahr 1672 erwähnt – siehe Autobiografie von Karl Freiherr Rabenhaupt von Suche (bzw. Sucha) (). Die überwiegende Literatur setzt den Stinktopf in einen Bezug zur „Artilleriekunst“, wieder andere setzt Bezüge zur „Feuerwerkskunst“ – beide beziehen sich aber eindeutig auf eine Feindbekämpfung weit verbreitet war, bis fortschrittlichere Waffen erfunden wurden.

Varianten Es gab mehrere Varianten des Stinktopfes, die eine unterschiedliche Zielsetzung hatten.

Geruchsbildung Die ursprüngliche Variante des Stinktopfes bestand aus einem meist aus Ton geformten und somit leicht zerbrechlichen Feuertopf, der in Pech getaucht wurde und mit einem oder mehreren Zündern versehen war. Der Topf selber konnte mit leicht entflammbarem Material sowie sehr erheblich riechenden Stoffen gefüllt sein (Schwefel, Schwarzpulver, Pech, Talg, Fäkalien, Asa Foetida, diverse Fäulnisprodukte, Arsenmethyl und das sich an der Luft selbst entzündende Kakodyl fanden diese Stoffe in chinesischen Stinktöpfen Anwendung usw.) und wurde nach dem Aktivieren der einzelnen Zünder in Richtung des feindlichen Schiffsdecks geschleudert, geschossen, geworfen, katapultiert oder von den Rahen aus fallen gelassen. Taktisch effektiv war der Einsatz von Stinktöpfen, die Hornspäne oder Haare von Ziegen verbrannten: Der Gestank verbrennenden Horns löst bei Pferden einen Fluchtinstinkt aus, der in den gegnerischen Reihen für Unruhe und Unordnung sorgte.

Beim Aufprall auf dem Deck oder auf einem anderen Gegenstand zerbrach das Tongefäß und setzte die unmittelbare Umgebung in Brand – zeitgleich sonderte die nun brennende Füllung einen äußerst unangenehmen Geruch ab, der für den menschlichen Geruchssinn nur schwer zu ertragen oder teilweise sogar giftig war. Zielsetzung dieser Variante war es somit also, neben der Brandwirkung den Feind von Deck zu vertreiben und zu demoralisieren. Bei einem anschließenden Entergefecht war die eigene Schiffsbesatzung dann allerdings ebenfalls dem Gestank ausgesetzt, was durch entsprechende Schutzmaßnahmen aber abgemildert werden konnte.durch die Ausstattung der eigenen Mannschaft mit in Essig oder wohlriechenden Ölen getränkten Tüchern, die vor das Gesicht gehängt wurden, konnte die Geruchsbelästigung etwas abmildert werden

Explosion durch Granaten Eine weitere Variante des Stinktopfes bestand ebenfalls aus dem Tongefäß, dessen Füllung dann allerdings mit Granaten und Schwarzpulver sowie mehreren außerhalb des Gefäßes verlegten Lunten (Anzündschnüren) kombiniert wurde. Diese Variante wurde dann auch als Sturmtopf bezeichnet. Das Gefäß zerbarst beim Aufprall und die angebrachten Lunten entzündeten das Pulver. Das Pulverfeuer wiederum entzündete die eingelegten Granaten, die in alle Richtungen zersplitterten. Beim Nahkampf oder im Entergefecht konnten diese Töpfe, die in die Rahen oder an das äußere Ende des Bugsprietes gehängt wurden, auf dem feindlichen Schiff ein großes Durcheinander hervorrufen und viele Matrosen und Seesoldaten außer Gefecht setzen.

Rezeption Der Autor Karl May bezog sich in seiner in China stattfindenden Geschichte Kong-Kheou, das Ehrenwort, die später unter dem Buchtitel Der blaurote Methusalem herausgebracht wurde, auf chinesische Stinktöpfe und legte dort deren Wirkung im Rahmen eines Entergefechtes dar.in Karl May: Kong-Kheou, das Ehrenwort. Erstes Kapitel: „Tsching tsching tschin!“

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Brandwaffe