Sontheim an der Brenz ist eine Gemeinde im Landkreis Heidenheim in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Ostwürttemberg.
Geographie Geographische Lage Sontheim an der Brenz liegt am Übergang der Schwäbischen Alb zum Donautal. Durch das Gemeindegebiet fließt die Brenz wenige Kilometer vor ihrer Mündung in die Donau. Sontheim liegt am Nordrand des Schwäbischen Donaumooses.
Nachbargemeinden Sontheim grenzt an Hermaringen und Giengen an der Brenz im Norden, Niederstotzingen im Westen, alle im Landkreis Heidenheim, sowie an Bächingen an der Brenz und Medlingen im bayerischen Landkreis Dillingen im Süden und Osten.
Gemeindegliederung Zur Gemeinde Sontheim an der Brenz gehören die ehemals selbstständigen Gemeinden und heutigen Ortsteile Sontheim an der Brenz, Bergenweiler und Brenz mit insgesamt fünf Dörfern und Höfen. Die Ortsteile bilden Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung. (PDF; 107 kB) Zum Ortsteil Bergenweiler gehören das Dorf Bergenweiler, in dessen Ortskern noch der Straßenname „Schloßhof“ an das 1932 abgebrannte, ehemalige Wasserschloss Bergenweiler erinnert, siehe dazu Wasserschloss Bergenweiler, sowie eine abgegangene Burg mit dem angeblichen Namen Ravensburg. Zum Ortsteil Brenz gehört das Dorf Brenz mit dem historischen Ortskern zu Fuße der spätromanischen Galluskirche (Brenz an der Brenz) und des Schloss Brenz. Zur Gemeinde Sontheim an der Brenz im Gebietsstand vom 29. Februar 1972 gehören das Dorf Sontheim an der Brenz, der heute noch bewirtschaftete Hof Schwarzenwang sowie der abgegangene Hof Heuhof und die abgegangene Ortschaft Heukrampfen.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1. S. 621–625siehe auch Burgstall Burstel
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Sontheim an der Brenz.
Schutzgebiete
Im Norden des Gemeindegebiets liegt das Naturschutzgebiet Ravensburg. Zudem liegen im Gemeindegebiet insgesamt 3 Landschaftsschutzgebiete: das Lone- und Hürbetal, der Dexelberg westlich von Sontheim, das Kühtal westlich Bergenweiler und der Donaumoosrand mit Hart, Espenbühl, Plon, Lache, Moos.
Sontheim hat darüber hinaus Anteile an den FFH-Gebieten Giengener Alb und Eselsburger Tal und Donaumoos sowie am Vogelschutzgebiet Donauried.Daten- und Kartendienst der LUBW
Geschichte mini|Blick auf die Sontheimer Georgskirche Altertum Siedlungsspuren auf dem heutigen Ortsgebiet sind bereits aus der Zeit um 5000 v. Chr. nachgewiesen worden.
In der Römerzeit (2./3. Jahrhundert n. Chr.) war Sontheim ein Straßenknotenpunkt mit einer ausgedehnten Raststation und einem kleinen Tempel, was Ausgrabungen in den 1990er Jahren ergaben; es lag an der Kreuzung der Straßen von Günzburg (lat. Guntia) nach Heidenheim (lat. Aquileia) und der Donaunordstraße vom Kastell Urspring (lat. Ad Lunam) nach Regensburg (lat. Castra Regina). Im Jahr 2002 wurde an letzterer Straße zwischen Sontheim und Bächingen ein von Kaiser Caracalla gestifteter fast vollständiger, in zwei Teile zerbrochener Meilenstein mit Verweis auf Faimingen (lat. Phoebiana) entdeckt.Hans Ulrich Nuber, Gabriele Seitz: Caracalla auf der Ostalb – ein römischer Meilenstein aus Sontheim an der Brenz, Kreis Heidenheim. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2002. Stuttgart, 2003. S. 107–109.
Mittelalter Unter den Alemannen war Sontheim bereits eine ansehnliche Siedlung, worauf zahlreiche Reihengräberfunde hinweisen. Besonders bemerkenswert ist der Fund eines Silberblechkreuzes mit einer Christusdarstellung aus dem 7. Jahrhundert (heute im Landesmuseum Stuttgart). Aus einer späteren alemannischen Siedlung (um 800), die weiter südlich angelegt wurde, ging die heutige Ortschaft hervor; diese wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit vom nördlich gelegenen Brenz aus gegründet, worauf die einstige kirchliche Zugehörigkeit Sontheims zu Brenz sowie die Namensgebung (Sontheim bedeutet so viel wie Süd-heim) hinweisen.
Im Jahre 1002 wird Sontheim erstmals urkundlich erwähnt anlässlich eines Aufenthaltes König Heinrichs II, was Sontheims Lage an der Straße der Staufer begründet. Im Spätmittelalter war in Sontheim ein Niederadelsgeschlecht ansässig, das sich nach dem Ort benannte; ab Mitte des 15. Jahrhunderts verliert sich davon jede Spur. Die Herrschaft fiel an die Grafen von Helfenstein; 1448 erwarben sie die Grafen von Württemberg, verloren sie aber bald an Bayern. Erst ab 1504 war die Herrschaft Heidenheim und das darin inkorporierte Sontheim wieder württembergisch.
Neuzeit Während des Schmalkaldischen Krieges befand sich im Oktober 1546 das Lager Kaiser Karls V. in Sontheim.
Das Herzogtum Württemberg führte ab 1558 die Reformation in Sontheim durch, das sich von der katholischen Mutterkirche Brenz löste. Seitdem ist die Gemeinde überwiegend evangelisch. Der Dreißigjährige Krieg traf auch Sontheim schwer, vor allem der bayerische Überfall von 1620. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts erhielt die Georgskirche ihre heutige Gestalt.
1704 nutzten die Franzosen vor der Schlacht bei Höchstädt Sontheim als Hauptquartier.
1791 kaufte der Sontheimer Gemeinderat den südlich gelegenen, geschichtsträchtigen Aussiedlerhof Schwarzenwang vom Freiherrn vom Stain zu Niederstotzingen, wodurch die Gemeinde ihre Gemarkung erheblich erweitern konnte.
Sontheim gehörte zum altwürttembergischen Amt Heidenheim und blieb bei der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im seit 1806 bestehenden Königreich Württemberg weiterhin dem nunmehrigen Oberamt Heidenheim zugeordnet.
Vor allem durch die „Bevölkerungsexplosion“ im 19. Jahrhundert entwickelte sich das langgestreckte Straßendorf weiter.
Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Sontheim 1938 zum Landkreis Heidenheim. Da der Ort nach dem Zweiten Weltkrieg Teil der Amerikanischen Besatzungszone geworden war, gehörte er somit seit 1945 zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.
Eingemeindungen 50px|Bergenweiler 1. März 1972: Bergenweiler 50px|Brenz 1. Januar 1974: Brenz
Einwohnerentwicklung Die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand sind Schätzungen, Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg (nur Hauptwohnsitze).
Jahr Einwohner 1. Dezember 1871 2590 1. Dezember 1880 2607 1. Dezember 1890 2587 1. Dezember 1900 2406 1. Dezember 1910 2562 16. Juni 1925 2747 16. Juni 1933 2726 17. Mai 1939 2631 13. September 1950 3806 6. Juni 1961 4413 Jahr Einwohner 27. Mai 1970 5032 31. Dezember 1980 5061 25. Mai 1987 5251 31. Dezember 1990 5512 31. Dezember 1995 5702 31. Dezember 2000 5694 31. Dezember 2005 5646 31. Dezember 2010 5525 31. Dezember 2015 5412 31. Dezember 2020 5636
Politik Gemeinderat In Sontheim an der Brenz wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Der Gemeinderat besteht nach der letzten Wahl aus den 19 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.
Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis (mit Vergleichszahlen der vorigen Wahl):Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart
Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 FWV Freie Wähler 53,49 10 52,4 10 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 33,86 7 37,0 7 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 12,65 2 10,5 2 Gesamt 100 % 19 100 % 19 Wahlbeteiligung 66,98 % 64,2 %
Bürgermeister mini|hochkant=0.7|Matthias Kraut (2011) Jakob Häfele (1913–1933 und 1948–1954) Hermann Eberhardt (1954–1990) Peter Welsch (1990–2006) Matthias Kraut (2006–2022) Tobias Rief, SPD (2022–)
Bürgermeister ist seit Anfang Juni 2022 Tobias Rief (SPD). Er wurde am 20. März 2022 mit 63,4 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Er folgte Matthias Kraut nach, der erstmals am 26. März 2006 mit 60,7 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister gewählt wurde. Am 23. März 2014 wurde er mit 58,2 Prozent der Stimmen für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Bei der Bürgermeisterwahl 2022 trat er nicht mehr an.
Wappen
Partnerschaften Partnergemeinde von Sontheim an der Brenz ist die an der französischen Atlantikküste gelegene Kleinstadt Saint-Valery-en-Caux in der Normandie.
Partnerort des Ortsteils Bergenweiler ist die niederösterreichische Katastralgemeinde Watzelsdorf, Ortsteil der Marktgemeinde Zellerndorf. Diese Ortsfreundschaft entstand über die Feuerwehren der beiden Orte und wird seit 1981 aktiv mit regelmäßigen Besuchen, auch außerhalb des Feuerwehrwesens, gelebt.
Vereine Die Ortsgruppe Sontheim des Schwäbischen Albvereins wurde 1999 mit der Eichendorff-Plakette ausgezeichnet.Verleihung der Eichendorff-Plakette in Blätter des Schwäbischen Albvereins Heft 2/2000, S. 24.
Sportlich stehen die beiden größten Vereine des Ortes, der FV Sontheim (Fußball, Turnen, Ski) und der TV Brenz (Handball, Turnen, Boxen) hervor. Des Weiteren wird in Sontheim aktiv Schach beim SK Sontheim gespielt. In Sontheim und Brenz gibt es je eine Schützengesellschaft mit eigenem Schützengelände. Der Tennisclub Sontheim bietet aktiven Tennissport an. Der Reit- und Fahrverein verfügt über eine eigene Stallung und Halle und Turnierplatz.
Mit dem Musikverein Harmonie Sontheim/Brenz e. V. sowie den beiden Gesangvereinen Sänger-Eintracht Sontheim 1889 e. V. und Sängereintracht Bergenweiler 1889 e. V. gibt es auch kulturelle Angebote.
Die örtlichen Unternehmen organisieren sich im Handels- und Gewerbeverein.
Die Familien der ehemaligen türkischstämmigen Gastarbeiter gründeten den türkisch-islamischen Kulturverein Sontheim.
Seit 2010 widmet sich die Interessengemeinschaft Sontheim/Brenz für Brauchtum und Technik e. V., kurz IGS, in verschiedenen Bereichen dem Erhalt von Brauchtum, wie landwirtschaftlicher Arbeit des letzten Jahrhunderts, die den Ort massiv geprägt haben. Weiterer Bestandteil des Vereinslebens ist die Verbindung zur Eisenbahn die in Sontheim zeitweise sogar zwei Strecken verband. Seit 2019 ist der Verein in einer eigenen Halle mit umlaufender Garteneisenbahn (5 Zoll, 400 m Gleis) ansässig auf der in den Sommermonaten regelmäßig Familientage mit der Möglichkeit zur Mitfahrt auf der 5-Zoll-Bahn angeboten werden.
Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr Sontheim ist über die 13 km entfernte Anschlussstelle Niederstotzingen der Bundesautobahn 7 (Flensburg–Füssen) an das überregionale Straßennetz angebunden. Landes- und Kreisstraßen schaffen die Verbindung zu den Nachbarorten.
Die Bahnstrecke Aalen–Ulm verläuft durch die Gemeinde mit Haltestellen in den Ortsteilen Sontheim und Bergenweiler. Von 1911 bis 1959 zweigte eine Nebenbahn nach Gundelfingen in Sontheim von der Bahnstrecke Aalen–Ulm ab.
Durch Alltagsrouten aus dem Radnetz Baden-WürttembergDas RadNETZ Baden-Württemberg auf www.radroutenplaner-bw.de ist Sontheim über Niederstotzingen und Langenau mit Ulm, über den Ortsteil Bergenweiler und über Hermaringen und Giengen mit Heidenheim und Richtung Bächingen und Gundelfingen an der Donau verbunden.
Durch die Gemeinde verläuft als Landes-Radfernweg der Württemberger Tälerradweg. Er führt von Crailsheim über Aalen, Heidenheim, Giengen und Sontheim nach Ulm und weiter über Göppingen nach Schwäbisch Gmünd.
Ansässige Unternehmen Der mit Abstand größte Arbeitgeber am Ort ist die Firma Röhm GmbH, Hersteller von Spannwerkzeugen, mit etwa 870 Beschäftigten. Der Erfolg dieser Firma hat die Entwicklung Sontheims nach dem Zweiten Weltkrieg entscheidend beeinflusst. Darüber hinaus haben sich in den Gewerbegebieten der Gemeinde zahlreiche mittelständische Unternehmen angesiedelt.
Bildungseinrichtungen