miniatur|Abbildung des Schlosses Hagen von 1677 von Georg Matthäus Vischer mini|Linz mit Schloss Hagen Mitte 19. Jh.
Das Schloss Hagen (geschichtlich auch Der Haaggen) war ein Landgut am Fuße des Pöstlingbergs im Linzer Stadtteil Urfahr-Zentrum. Das Gut fand 1414 erstmals Erwähnung in einer urkundlichen Nachricht von Reinprecht II. von Walsee, Hauptmann ob der Enns.Aspernig 1972, S. 34. Im Jahr 1609 wurde es zu einem freien Edelmannsitz erhoben und unterstand fortan der Herrschaft des jeweilig regierenden Landesfürsten. Ab diesem Zeitpunkt wird das Gut als Schloss Hagen betitelt. In den folgenden Jahrhunderten wechselte es mehrfach den Besitzer. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Schloss durch Bombenangriffe beschädigt.Friedrich Schober: Unsere Burgen und Schlösser sterben. Ein Nachruf für Schloß Hagen. In: Mühlviertler Heimatblätter. Linz 1962, Jahrgang 2, S. 23–25 (). 1963 kam es zum endgültigen Abriss des Schlosses.Aspernig 1972, S. 33–76.
Bedeutung des Namens Bezüglich der historischen Bedeutung und Herleitung des Wortes Hagen gibt es verschiedene Ansätze: Entweder es stammt vom Wort „Gehacke“ ab, was so viel bedeutete wie „verschlagenes Holz zur Verteidigung“, oder vom Wort „Gehege“, was einen eingefriedeten Platz für Vieh bezeichnete. Des Weiteren könnte der Name von der Hagenbuche abstammen, die oftmals für Einfassungen verwendet wurde, beispielsweise für Kultstätten.Schäffer 2009, S. 4. Laut der gängigsten und wahrscheinlichsten Interpretation leitet sich der Name Hagen von sogenannten „Haken“ ab. Darunter wird ein Symbol auf Steinen in Steinkreisen verstanden, das ungefähr wie ein gespiegelter Einser aussieht.Hanna und Hebert Schäffer: Schloß Hagen bei Linz: Die Geschichte einer Herrschaft im Spiegel von historischer Legende, Anekdote, Sage und Erzählung. In: Oberösterreichische Heimatblätter. Jahrgang 62, Linz 2008, S. 144 (). Weitere Schreibweisen für den Namen des Schlosses waren: Haaggen, Haggen und Hakken.
Geschichte Frühe Geschichte vom 14. Jahrhundert bis Ende des 16. Jahrhunderts miniatur|hochkant|Eine Statue des hl. Nepomuk aus den ehemaligen Gärten des Schlosses Hagen Im Mittelalter – der Zeitraum ist nicht mehr genau datierbar – entstand eine Vielzahl von Bauernhöfen und Gütern am Fuße des Pöstlingbergs. Eines dieser Güter war das spätere Schloss Hagen. Es war bis Anfang des 17. Jahrhunderts noch ein einfaches Gut, das im Laufe der Jahrhunderte verschiedensten Herrschaften unterworfen war.
Das spätere Schloss Hagen fand am 17. Jänner 1414 erstmals urkundliche Erwähnung in einer Nachricht von Reinprecht II. von Walsee, Hauptmann von Österreich ob der Enns sowie Hofmeister von Albrecht V. Er belehnte darin seinen Diener Hanns Alt mit dem Gut am Hagen. Zuvor hatte sich das Gut im Besitz von Engelhart Kammerer befunden. Reinprecht II. verstarb 1422 und sein Nachfolger Reinprecht IV. von Walsee belehnte 1423 abermals Hanns Alt mit dem Gut Hagen. 1426 verstarb Hanns Alt. Sein gleichnamiger Sohn wurde der nächste Lehensmann des Gutes. Insgesamt verweilte das Gut 40 Jahre lang im Eigentum von Hanns Alt und seinen Nachfahren.Georg Grüll: Burgen und Schlösser im Mühlviertel. Wien 1962, S. 36 f.Aspernig 1972, S. 37f.
In den folgenden Jahrzehnten wechselte das Gut mehrfach den Besitzer, bis im Januar 1571 Christoff Hackl zu Lustenfelden sämtliche Rechte daran erwarb und das Gut durch einen Neubau ersetzte. Auch der Meierhof und die Brauerei wurden umgebaut. Wurde das spätere Schloss bis 1571 noch oftmals als einfaches Gut bezeichnet, wandelte es sich durch die tiefgreifenden Um- und Ausbaumaßnahmen zu einem ansehnlichen Landgut. Mit hoher Wahrscheinlichkeit kann angenommen werden, dass Christoff Hackl nicht vorhatte, das Landgut weiterhin landwirtschaftlich zu nutzen. Nach seinem Tod 1577 kam es zu großen Streitigkeiten um sein Erbe. Der Kaiser musste schließlich eingreifen, um den Besitz des Landgutes Hagen zu regeln. Schlussendlich ging das Landgut irgendwann zwischen 1582 und 1586 an Niclas Khüeberger (der genaue Zeitpunkt ist nicht bestimmbar), wobei es nur einige Jahre in seinem Besitz verweilte. Die nächste Besitzerin war Barbara, die Tochter von Niclas Khüeberger. Möglicherweise war das Schloss ein Geschenk zu ihrer Hochzeit. Es gibt Hinweise darauf, dass unter dem Besitz von Barbara Khüeberger und ihrem Ehemann Stefan Engl das Landgut weiter aus- und umgebaut worden sein könnte. Nach dem Tod ihres ersten Mannes heiratete Barbara Khüeberger erneut und hieß von da an Barbara Bischof.Aspernig 1972, S. 42ff.
Die älteste bekannte bildliche Darstellung des Landguts Hagen ist ein Stich von Georg Hufnagel vom Ende des 16. Jahrhunderts. Auf dem Bild ist das Gut als dreigeschoßiges vierkantiges Gebäude mit einem Hof in der Mitte und zwei Ecktürmen zu sehen. Diese Form, Massivität und damit verbundene gute Eignung des Schlosses, etwaigen Angriffen standzuhalten, ist durchaus als ungewöhnlich für Landgüter in jener Zeit zu bezeichnen. An der südöstlichen Seite des Gebäudes schloss sich ein weiterer Bau an, dessen Nutzung heute nicht mehr nachvollziehbar ist. Es könnte sich hierbei um ein Wirtschaftsgebäude gehandelt haben.Norbert Wibiral: Zur Baugeschichte des Schlosses Hagen bei Linz. In: Kunstjahrbuch der Stadt Linz 1971. Linz 1972, S. 3.
Geschichte im 17. Jahrhundert miniatur|hochkant|Erzherzog Matthias, der das Landgut 1609 zum Schloss erhob Bereits 1604 ersuchte Barbara Bischof den Kaiser Rudolf II., das Landgut Hagen zu einem Edelmannsgut zu erheben. Unter der Herrschaft dieses Kaisers kam es aber zu keinerlei Entscheidung in dieser Angelegenheit. Erst am 6. August 1609 wurde das Landgut Hagen von Erzherzog Matthias, dem Bruder Kaiser Rudolfs II., zu einem freien Edelmannsgut erhoben und trug fortan den Namen Schloss Hagen. Die Befreiung von Schloss Hagen bedeutete, dass es nur mehr der Herrschaft des Landesfürsten unterstand. Des Weiteren wurde es der Besitzerin Barbara Bischof sowie ihren Erben erlaubt, sich „von Haggen“ zu nennen.
Die Ernennung des Landgutes Hagen zu einem Edelmannsgut brachte eine Vielzahl von Vorteilen. Beispielsweise wurde es vor Eingriffen benachbarter Landgerichte geschützt. Der jeweilige Besitzer erhielt das sogenannte niedere Jagdrecht, das ihm erlaubte, auf fremden Gründen zu jagen.Aspernig 1972, S. 50f.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass Schloss Hagen während des 9-wöchigen Bauernaufstands in Linz im Jahr 1626 stark zu leiden hatte. Der Nordwesttrakt des Schlosses scheint davon besonders stark betroffen gewesen zu sein. Es ist nicht ganz klar, ob dieser Trakt nach dem Bauernaufstand komplett neu erbaut oder stark renoviert werden musste. Auch der Südwesttrakt erlitt mit großer Wahrscheinlichkeit Beschädigungen. Er wurde entweder nur mehr niedriger wiedererbaut oder in nur reduzierter Form.Norbert Wibiral: Zur Baugeschichte des Schlosses Hagen bei Linz. In: Kunstjahrbuch der Stadt Linz 1971. Linz 1972, S. 3ff.
Inzwischen war Schloss Hagen in das Eigentum der Familie Schmidtauer übergegangen.Aspernig 1972, S. 52f. 1636 veräußerte der damalige Schlossherr, Hans Adam Schmidtauer, rund die Hälfte des zum damaligen Zeitpunkt zum Schloss gehörenden Besitzes an seinen Schwager Georg Carl Füeger.Aspernig 1972, S. 54. Über den Zustand des Schlosses in den 40er Jahren des 17. Jahrhunderts ist nur wenig bekannt. Es ist zu vermuten, dass es weiter abgewirtschaftet wurde und stark an Ansehen verlor.Aspernig 1972, S. 55.
1645 oder 1647 wechselte das Schloss erneut den Besitzer. Es gehörte fortan Georg Christoph Ernst Freiherr von Schallenberg. Nun wurde das Aussehen des Schlosses erneut stark verändert. Dies ergibt sich aus einer Darstellung des Schlosses in einer Federzeichnung von Wenzel Hollar aus den 30er Jahren des 17. Jahrhunderts. Hier bestanden erstmals zwei Erkertürmchen auf der nördlichen Seite. Diese beiden Erkertürmchen sind vor allem relevant, weil sie bis in das 20. Jahrhundert hinein das Aussehen des Schlosses geprägt haben. Zu Mitte des 17. Jahrhunderts bestand des Weiteren eine Kapelle mit einem Turm, die sich an den Nordflügel des Schlosses anschloss.Norbert Wibiral: Zur Baugeschichte des Schlosses Hagen bei Linz. In: Kunstjahrbuch der Stadt Linz 1971. Linz 1972, S. 3f. Aufgrund der Bautätigkeiten am Schloss Hagen kam es zu zahlreichen Auseinandersetzungen zwischen dem Freiherrn und der Stadt Linz. Die Ziegelei, die dazumal Teil des Schlosses Hagen war,Aspernig 1972, S. 57f. – genauer gesagt die Ziegelherstellung und der Verkauf – blieb bis ins 19. Jahrhundert eine wirtschaftliche Einnahmequelle für das Schloss. Unter Hans Adam Schmidtauer waren der Ziegelstadel und der Ofen veräußert worden. Dabei war es jedoch nicht geblieben, denn Christoph Ernst von Schallenberg hatte die Ziegelei zurückgekauft. Unter anderem wurden Ziegel für das Landhaus und das Kremsmünsterer Stiftshaus angefertigt.Schäffer 2009, S. 15.
Bis 1670 blieb das Schloss Hagen im Besitz von Christoph Ernst von Schallenberg. Am 15. März 1670 ging das Schloss in das Eigentum von Sara Sophia von Cronpichl, eine geborene Schmidtauer, über.Aspernig 1972, S. 59. In den 70er Jahren des 17. Jahrhunderts veränderte sich das Aussehen des Schlosses erneut. Die früheren Türme des Nordtraktes wurden zu Runderkern reduziert. Auf der nordöstlichen Seite des Schlosses befand sich ein richtiger Eckturm. Das Schloss verfügte zu dieser Zeit über vier Tore und einen großen Hof, in dem sich ein Schöpfbrunnen befand. Die Außen- und Innenfassaden des Schlosses Hagen wiesen Sgraffitodekorationen auf. Im bereits zuvor genannten Hof befand sich zu jener Zeit das Sgraffito einer Sonnenuhr. Gewiss ist, dass eine Kapelle zum damaligen Zeitpunkt zum Schloss gehörte. Unklar ist jedoch, wo sich diese genau befand. Die Abbildung eines größeren Rauchfangs auf der östlichen Seite des Schlosses lässt auf die Existenz einer Brauerei schließen.Norbert Wibiral: Zur Baugeschichte des Schlosses Hagen bei Linz. In: Kunstjahrbuch der Stadt Linz 1971. Linz 1972, S. 4ff. Unter Sara Sophias Sohn Ferdinand Carl zu Cronpichl erlebte die Brautätigkeit einen Aufschwung, was zu erneuten Auseinandersetzungen mit der Stadt Linz führte.Aspernig 1972, S. 59ff.
Geschichte im 18. Jahrhundert miniatur|hochkant|Leopold Anton von Firmian, einer der berühmtesten Gäste des Schlosses Hagen im Jahr 1732 1700 verkaufte Ferdinand Carl zu Cronpichl das Schloss an Johann Ferdinand Graf von Salburg. Gemäß den noch erhaltenen Unterlagen bezüglich dieses Verkaufes waren das Schloss selbst und die zu dieser Zeit zum Schloss gehörenden vier Gebäude, sowie die Ziegelei, in keinem guten Zustand. Grund für diesen Kauf könnte dennoch das zu dieser Zeit ertragreiche Brauhaus gewesen sein.Aspernig 1972, S. 61. Der Graf von Salburg nahm kleinere Umbauten am Schloss vor.Aspernig 1972, S. 64 Er verstarb 1725. Die nächste Schlossherrin war seine Tochter Maria Franzisca Freifrau von Clam. Darauffolgend erbte es ihr Sohn Johann Nicolaus Freiherr von Clam. Zu den glanzvollen Höhepunkten im Besitz der Freiherrn von Clam gehörte 1732 die Nutzung des Schlosses durch Leopold Anton von Firmian, Fürsterzbischof von Salzburg. Er verweilte zu dieser Zeit aufgrund einer Audienz bei Kaiser Karl VI. einige Tage in Linz.Aspernig 1972, S. 63ff. Es könnte sein, dass im Zusammenhang mit diesem Treffen ein weiteres Wirtschaftsgebäude auf der westlichen Seite des Schlosses entstand.Norbert Wibiral: Zur Baugeschichte des Schlosses Hagen bei Linz. In: Kunstjahrbuch der Stadt Linz 1971. Linz 1972, S. 7.Aspernig 1972, S. 65.
Im Mai 1748 wechselte das Schloss erneut den Besitzer und gehörte fortan Heinrich Maximilian Graf von Starhemberg. In seinem Besitz wurde das Schloss vielfach verpachtet und erlitt in den damaligen Kriegen schwere Schäden. Das Schloss verfiel daraufhin immer mehr, denn weder die Starhemberger noch die jeweiligen Pächter hatten großes Interesse daran die Gebäude instand zu halten.Aspernig 1972, S. 65ff.
Geschichte vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart