Luigi „Gigi“ Radice (* 15. Januar 1935 in Cesano Maderno; † 7. Dezember 2018) war ein italienischer Fußballspieler und späterer -trainer.
Er war als Spieler unter anderem aktiv für den AC Mailand, nahm mit der Nationalmannschaft seines Heimatlandes an der Fußball-Weltmeisterschaft 1962 teil und schlug später eine erfolgreiche Trainerkarriere ein, in deren Verlauf er zum Beispiel für die Mannschaften von Torino Calcio, die er zur ersten Meisterschaft seit dem Ende des Grande Torino geführt hatte, des AC Florenz und von Inter Mailand verantwortlich war.
Spielerkarriere Vereinslaufbahn
Luigi Radice, geboren am 15. Januar 1935 in Cesano Maderno, einer norditalienischen Gemeinde in der Provinz Monza und Brianza in der Lombardei, begann mit dem Fußballspielen beim AC Mailand in der lombardischen Modemetropole. Bei Milan durchlief Radice zunächst von 1953 bis 1954 die Jugendabteilungen und wurde 1955 in die Profimannschaft aufgenommen. Dort spielte er unter anderem zusammen mit internationalen Fußballgrößen der damaligen Zeit wie etwa dem schwedischen Stürmer Gunnar Nordahl, dem uruguayischen Weltmeister von 1950, Juan Schiaffino oder dem italienischen Verteidiger Cesare Maldini, kam aber zu Beginn seiner Zeit beim AC Mailand zu selten zum Einsatz. In vier Spielzeiten brachte es Luigi Radice nur auf zwanzig Einsätze im Trikot der Rossoneri und war somit auch nur indirekt an zwei Meisterschaften des Vereins beteiligt. In der Serie A 1956/57 belegte man den ersten Platz mit sechs Punkten Vorsprung auf den AC Florenz. Nachdem 1957/58 der Meistertitel an Juventus Turin abgegeben werden musste, reichte es in der Saison 1958/59 zur zweiten Meisterschaft von Luigi Radice beim AC Mailand, als man die vorderste Position in der Serie A nach Ablauf aller Spieltage mit drei Zählern vor der Fiorentina belegte.
Nach Ende der Saison 1958/59 wurde Luigi Radice an die US Triestina ausgeliehen. Beim damaligen Serie-B-Verein wurde er zum Stammspieler und verhalf dem norditalienischen Fußballclub zum Erreichen des vierten Tabellenplatzes, nur einen Punkt hinter dem Drittplatzierten Catania Calcio, das aufsteigen durfte. Radice, der auf der Position eines Abwehrspielers agierte, kam in der Zweitligasaison zu 31 Spielen, ein Torerfolg gelang ihm nicht. Nach Ende der Saison kehrte er wieder nach Mailand zurück, wurde aber sogleich wieder verliehen, diesmal sicherte sich der Calcio Padova die Dienste von Radice. Mit 24 Ligaspielen in der Serie A 1960/61 hatte er durchaus einen großen Anteil daran, dass Padua mit Platz sechs eine seiner besten Platzierungen überhaupt in der Serie A erreichte.
Zur Saison 1961/62 blieb Luigi Radice dann beim AC Mailand und erlebte mit den Mailändern eine sehr erfolgreiche Spielzeit, die mit dem Gewinn der italienischen Fußballmeisterschaft durch einen ersten Rang mit fünf Punkten vor dem Lokalrivalen Inter Mailand endete, wobei Radice zu 28 Einsätzen kam, mehr als von 1955 bis 1959 in vier Jahren. Durch den Meistertitel von 1962 war der AC Mailand startberechtigt im Europapokal der Landesmeister 1962/63. Bei dem Turnier setzte man sich unter anderem gegen Ipswich Town, Galatasaray Istanbul und den FC Dundee durch und traf im Endspiel auf Benfica Lissabon um den jungen Eusébio. Trotz eines frühen Führungstores durch eben jenen vermochte es der AC Mailand in Person des zweifachen Torschützen José Altafini, das Spiel noch zu drehen, und gewann 2:1. Wenig später nahm man noch am Spiel um den Weltpokal teil, unterlag aber dem FC Santos mit Pelé nach einem Entscheidungsspiel mit 0:1. Luigi Radice wurde jedoch weder im Europapokalfinale noch im Weltpokalspiel eingesetzt, auch insgesamt ging die Zahl seiner Einsätze in der Saison 1962/63 im Vergleich zum Vorjahr zurück. 1963/64 kam er zu keinem einzigen Spiel im Ligabetrieb, 1964/65 zu zwei solchen. Nach Ende der Spielzeit 1964/65 beendete Luigi Radice seine aktive Karriere als Fußballspieler im Alter von dreißig Jahren.
Nationalmannschaft Zwischen 1961 und 1963 kam Luigi Radice zu fünf Länderspielen in der italienischen Fußballnationalmannschaft. Von den beiden Nationaltrainern Paolo Mazza und Giovanni Ferrari wurde er ins Aufgebot Italiens für die Fußball-Weltmeisterschaft 1962 in Chile berufen. Bei dem Turnier wurde Radice in zwei Spielen eingesetzt. Im ersten Gruppenspiel, einem torlosen Remis gegen die deutsche Nationalmannschaft, war Radice Bestandteil von Italiens Abwehr, die kein Tor zuließ. Beim skandalträchtigen zweiten Vorrundenspiel gegen Gastgeber Chile, das auch bekannt ist als Schlacht von Santiago wegen der großen Härte beider Seiten auf dem Rasen des Nationalstadions von Santiago de Chile, wurde er nicht eingesetzt, die italienische Mannschaft verlor mit 0:2 auch dank einer wenig souveränen Leistung von Schiedsrichter Ken Aston. Die dritte und letzte Partie Italiens bei dieser Weltmeisterschaft erlebte Luigi Radice dann wieder auf dem Spielfeld, gegen die Schweiz siegte man mit 3:0, das Weiterkommen wurde dadurch aber nicht erlangt.
Trainerkarriere Anfänge in Monza, Treviso und Cesena Vier Jahre nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn als Fußballspieler begann Luigi Radice, als Trainer zu arbeiten. Von 1969 bis 1970 hatte er zunächst das Amt des Coaches bei der AC Monza, einem Verein aus Radices Heimat, inne. In der Zweitligasaison 1969/70 führte er den Verein zum Erreichen des fünften Tabellenplatzes, nur drei Punkte hinter dem dritten Aufsteiger Catania Calcio. Trotz des Erfolges wurde Radice in Monza nicht weiter beschäftigt und er wurde im Sommer 1970 Trainer des FBC Treviso in Italiens dritthöchste Spielklasse, der damals noch eingleisigen Serie C. In seiner ersten Saison in Treviso kam er mit der Mannschaft auf Platz neun der Girona A, in der zweiten Saison musste man in die Serie D absteigen.
Dennoch erhielt Luigi Radice daraufhin ein Angebot des Zweitligisten AC Cesena, das er auch annahm und fortan den Verein aus der Region Emilia-Romagna coachte. Mit Cesena, 1971/72 bereits Sechster in der Serie B, schaffte Radice die Überraschung und stieg mit Cesena erstmals in deren Vereinsgeschichte in die Serie A auf. In der Serie B 1972/73 wurde ein zweiter Rang, einzig vier Punkte hinter dem CFC Genua, punktgleich mit dem Dritten US Foggia sowie einen Zähler vor Ascoli Calcio, dem ersten Nichtaufsteiger, belegt. Luigi Radice blieb nach dem Aufstieg mit dem AC Cesena nicht bei dem Verein, er erhielt zur Saison 1973/74 eine Anfrage des AC Florenz und übernahm die Mannschaft der Fiorentina in der folgenden Saison.
Über Florenz und Cagliari zu Torino Luigi Radices erste Spielzeit in der Serie A verlief ordentlich. Mit dem AC Florenz, in der Vorsaison am Ende auf Position vier rangiert, wurde er in der Saison 1973/74 Sechster und verpasste die Teilnahme am UEFA-Pokal 1974/75 nur aufgrund eines Rückstandes von einem Punkt gegenüber dem AC Turin. Durch den vierten Rang in der Serie A 1972/73 nahm die Fiorentina in der Saison 1973/74 am UEFA-Pokal, dem Vorgängerwettbewerb der heutigen UEFA Europa League, teil und wusste dort absolut nicht zu überzeugen. Bereits in der ersten Runde kam das Aus gegen den rumänischen Vertreter FC Universitatea Craiova. Nachdem man in Florenz torlos 0:0 gespielt hatte, unterlag der AC Florenz in Rumänien mit 0:1 und schied, im Übrigen wie alle italienischen Vereine in diesem Wettbewerb mit Ausnahme von Lazio Rom, das den FC Sion aus der Schweiz bezwingen konnte und in der zweiten Runde an Ipswich Town scheiterte, aus.
Die Saison 1973/74 verlief generell nicht nach den Wünschen der Führungsriege des ACF Fiorentina und Luigi Radice wurde nicht weiter angestellt. Er wartete nun bis ins Jahr 1975 hinein auf eine neue Arbeit, ehe ihn Cagliari Calcio als Nachfolger des entlassenen Giuseppe Chiappella engagierte. Mit einer Reihe von Unentschieden gegen größere Vereine wie den AC Mailand, Sampdoria Genua und den amtierenden Meister Lazio Rom sowie wichtigen Siegen gegen die direkte Konkurrenz im Kampf gegen den Abstieg in die Serie B gelang Radice mit Cagliari fünf Jahre nach dem sensationellen Gewinn der italienischen Meisterschaft der Klassenerhalt, erst 1975/76 musste man den Gang in die Zweitklassigkeit antreten. Doch zu diesem Zeitpunkt war Luigi Radice nicht mehr auf Sardinien tätig, er unterschrieb im Sommer 1975 einen Kontrakt beim AC Turin.
Überraschungserfolg mit dem AC Turin Der AC Turin hatte sich in den Siebzigerjahren zu einem dauerhaft erfolglosen Traditionsverein gewandelt. Seit dem Flugunfall von Superga und dem Tod nahezu aller Spieler des Grande Torino, der berühmten Mannschaft des AC Turin, die im italienischen Fußball der Vierzigerjahre eine dominante Rolle ausübte, im Jahre 1949 gewann der Verein nicht wieder die Meisterschaft und musste sogar einen Abstieg in die Serie B hinnehmen. Als einziger wichtiger Titel gelang 1968 und 1971 der Gewinn der Coppa Italia. Doch im Ligabetrieb wusste der AC Turin nicht übermäßig zu überzeugen, man kam einige Male in den UEFA-Pokal, die meisten Spielzeiten endeten aber im Mittelfeld der Serie A.
Nachdem der AC Turin in der Serie A 1974/75 den sechsten Rang belegt hatte und damit die Qualifikation für den UEFA-Pokal 1975/76 nur um einen Punkt gegenüber dem AC Mailand verpasst hatte, wurde zur neuen Saison Luigi Radice als Trainer verpflichtet. Er führte die Mannschaft um Spieler wie Renato Zaccarelli, Paolino Pulici oder Francesco Graziani zum Gewinn der italienischen Meisterschaft – der ersten für den Verein seit 26 Jahren. Dieser Titelgewinn wurde erreicht durch einen ersten Platz in der Tabelle mit zwei Punkten Vorsprung vor dem Lokalrivalen Juventus Turin, das man sowohl im heimischen Stadio Filadelfia als auch im Auswärtsspiel im Stadio Olimpico mit 2:0 besiegte. Insgesamt zeichnete sich die Mannschaft des AC Turin in der Saison 1974/75 auch durch den mit 49 Saisontoren besten Angriff und die mit 22 Gegentoren beste Abwehr aus, zudem stellte man mit Paolino Pulici den mit großem Vorsprung besten Torschützen der Liga. Durch die Meisterschaft von 1975 war der AC Turin startberechtigt für den Europapokal der Landesmeister 1975/76. Dort konnte die zweite Runde erreicht werden, nachdem in der ersten Runde der schwedische Vertreter Malmö FF bezwungen werden konnte. Eine Runde darauf kam dann aber das aus gegen Borussia Mönchengladbach aus Deutschland, das erst im Finale am FC Liverpool scheitern sollte. Im Ligabetrieb verlief die Saison 1975/76 für den AC Turin fast genauso erfolgreich wie die vorherige. Nur um einen Punkt musste man sich Juventus Turin geschlagen geben und kam nach dreißig Spieltagen auf Platz zwei. Erneut stellte der AC Turin den besten Angriff und die beste Abwehr und musste im gesamten Saisonverlauf keine einzige Heimniederlage hinnehmen, beim 0:1 beim AS Rom passierte die überhaupt einzige Niederlage in der Spielzeit 1975/76.
Im Sommer 1977 erfolgte die Umbenennung des Vereins in Torino Calcio. Unter dem neuen Namen stellten sich zunächst ähnliche Erfolge wie zuvor ein, man erreichte im UEFA-Pokal 1977/78 die dritte Runde, wo der SEC Bastia eine zu große Hürde darstellte. Auch die Serie A 1977/78 wurde als Tabellendritter hinter Juventus und Aufsteiger Lanerossi Vicenza zufriedenstellend beendet. Im Jahr darauf rangierte Torino nach Ablauf aller Spieltage auf Tabellenplatz sechs, im UEFA-Pokal 1978/79 scheiterte man bereits in der ersten Runde an Sporting Gijón aus Spanien. In gleicher Spielrunde kam in der Saison 1979/80, der Letzten von Luigi Radice als Trainer des Torino Calcio, das Aus im internationalen Wettbewerb, als sich der VfB Stuttgart als zu stark erwies. Die Serie A 1979/80 beendete Radice mit Torino auf dem dritten Rang, was wiederum die Promotion für den UEFA-Pokal zur Folge hatte. Nach Ende der Saison 1979/80 verlängerte Luigi Radice sein Engagement bei Torino Calcio nicht mehr und ging zum FC Bologna.
Wenig Erfolg und Rückkehr nach Turin