Das Ensemble Altstadt ist ein Gebäudeensemble in Fürth und steht entsprechend Artikel 1, Absatz 3 des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes unter Denkmalschutz. Das Ensemble ist Bestandteil der Liste der Baudenkmäler in Fürth, in der die Baudenkmäler der mittelfränkischen kreisfreien Stadt Fürth aufgelistet sind. Diese Liste ist eine Teilliste der Liste der Baudenkmäler in Bayern. Grundlage dieser Liste ist die Bayerische Denkmalliste, die auf Basis des bayerischen Denkmalschutzgesetzes vom 1. Oktober 1973 erstmals erstellt wurde und seither durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege geführt und aktualisiert wird. Die folgenden Angaben ersetzen nicht die rechtsverbindliche Auskunft der Denkmalschutzbehörde.
miniatur|Den historischen Kern der Altstadt bildet die Stadtkirche St. Michael (Kirchenplatz 4), dementsprechend wird die Altstadt inoffiziell auch „Altstadtviertel St. Michael“ genannt. Im Bild Kirchturm und Schweifgiebel des Anwesens Gustavstraße 58.
Beschreibung miniatur|links|Teile der Altstadt vom Rathausturm aus gesehen, im Vordergrund die barocken Häuser in der mittleren Königstraße, im Hintergrund die Stadtkirche St. Michael am Kirchenplatz. miniatur|links|Gustavstraße 58 (links), 56, 54 (Eckhaus), 52 (im Hintergrund) und 50 (rechts), dazwischen der Eingang zum Kirchenplatz und die Stadtkirche St. Michael.
Das Ensemble umfasst in erster Linie den historischen Ortskern, wie er sich auf mittelalterlichem Grundriss von der vollständigen Zerstörung 1634 bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts entwickelt hat; ausgenommen ist der nach einer sogenannten „Flächensanierung“ (gleichbedeutend mit Totalabriss) nicht erhaltene und neu bebaute Südwestteil zwischen Königs- und Lilienstraße (mit dem ehem. israelitischen Schulhof um die im Pogrom 1938 zerstörte Hauptsynagoge). Den historischen und städtebaulichen Kernbereich bildet der im Grundriss noch ablesbare mittelalterliche Marktflecken, der bis zur Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg in der Hauptsache bäuerlich geprägt war. Seit dem Wiederaufbau im 17. Jahrhundert erfuhr der Ort eine – v. a. durch starkes Bevölkerungswachstum begründete – Erweiterung nach Südosten und eine Verdichtung der Bebauung. Die Linie Waagstraße/Obere Fischerstraße dürfte eine ältere Siedlungsgrenze darstellen; doch schon auf der Ortsansicht von 1630 erstreckt sich die Bebauung etwa bis in den Bereich der Oberen Mühle und des Helmplatzes. Der mittelalterliche, erstmals im Jahre 1007 belegte Marktort gruppierte sich um die zweimal abgeknickte Durchfahrtsachse Maxbrücke (ehem. Badbrücke) – (untere) Königstraße (ehem. Untere Frankfurter Straße) – Marktplatz – Gustavstraße (bis 1827: Bauerngasse).
Die Bauerngasse stand funktionsmäßig mit dem Marktplatz in Zusammenhang, in der Bauergasse stellten die Landwirte ihre Fuhrwerke ab und kehrten in den zahlreichen Gaststätten ein. Der Marktplatz wurde an der südlichen Seite im Zuge der sogenannten „Altstadtsanierung“ – tatsächlich ein beispielloser Flächenabriss von 132 historischen Häusern in den 1970er Jahren – wieder neu bebaut. Ansonsten zeigen Marktplatz und Gustavstraße noch das typische Bild einer alten fränkischen Kleinstadt. An der unteren Königstraße (Ostteil der Königstraße bis Schwammbergerstraße) ist die Altbebauung nur an der Nordseite erhalten. Die Südseite (gerade Nummern) wurde im Zuge der sogenannten „Altstadtsanierung“ abgebrochen und neu bebaut. Teilweise wurden für die Fassaden durchnummerierte Originalsteine verwendet. Die auffallend kleinteiligen Strukturen im Ensemblegebiet entstanden wahrscheinlich durch „Zertrümmerung“ (Realteilung), Funktionswechsel (Handwerk, Manufakturen, Einzelhandel) sowie Umbauung und Aufsiedlung der ehemaligen Bauernhöfe, deren landwirtschaftliche Funktion vom 17. bis 19. Jahrhundert aufgegeben wurde.
Der vom Verkehr völlig abgesonderte Kirchenplatz um die Stadtpfarrkirche St. Michael war bis 1811 Friedhof. Den Nordostrand des Ensembles bilden Pegnitz-, Unteren Fischer- und Mühlstraße. Die schmale Helmstraße bildet einen abgerückten Bereich mit geschlossen erhaltener Altbausubstanz. Hauptachse des nachmittelalterlichen Erweiterungsgebietes wurde die Königstraße, die seit dem 18. Jahrhundert die Gustavstraße als Hauptverkehrsachse ablöste. An der nördlichen Seite der Königstraße zwischen Hausnummer 39 und 81 (ungerade Nummern) gibt ihr eine Reihe stattlicher Mansarddachhäuser des 18. Jahrhunderts ein einheitliches Gepräge. Als Verbindung zwischen der Königstraße und der Gustavstraße entstand seit dem späteren 17. Jahrhundert die noch weitgehend geschlossen erhaltene Schindelgasse, das markanteste Beispiel von Siedlungsverdichtung durch Bebauung von Hof- und Rückbereichen. Die weitere Verbindung Waagstraße war ursprünglich der Innenbereich eines großen landwirtschaftlichen Anwesens.
Mit der Anlage des Königsplatzes (ursprünglich Dreikönigsplatz) war vielleicht eine zweite Schwerpunktbildung neben dem alten Marktplatz beabsichtigt. Die Ortserweiterung im Bereich des heutigen Rathauses geht auf die Initiative der Markgrafen von Ansbach zurück. An der Stelle des heutigen Rathauses errichteten die Markgrafen das zunächst als Schloss gedachte Brandenburger Haus (in der Folge Gasthof). Zum Ensemble gehören weiterhin die großenteils erhaltenen Wohnhausreihe Königstraße 90–110 (gerade Nummern) und die parallele, geradlinige Bäumenstraße, die bis zum südlichen Ende der erhaltenen Altbebauung einbezogen ist. Die Nordzeile der Schirmstraße (ungerade Nummern 1–11) ist ebenfalls Bestandteil des Ensembles Altstadt. Weitere Baudenkmäler des 19. Jahrhunderts auf der Südseite der Bäumen- und der Schirmstraße gingen mit dem Abbruch der Brauerei Geismann Anfang der 1980er Jahre verloren. Das Ensemble umfasst zudem die Gruppe späthistoristischer und jugendstilzeitlicher öffentlicher Gebäude südlich und östlich des Helmplatzes (Eichamt, Schule, Feuerhaus und Gymnasium), die eine Vorgängerbebauung ersetzt hat. Der Helmplatz bildet den südlichen Abschluss des Ensembles.
Einzeldenkmäler
Angerstraße Angerstraße 1 – Viergeschossiges Neurenaissance-Mietshaus, Sandsteinfassade, 1901 von Johann Hertlein. Angerstraße 1 a – Viergeschossiges Neurenaissance-Mietshaus, mit Erker, Sandstein, um 1900 von Georg Kißkalt. miniatur|Haus Angerstraße 2, rechts anschließend Heiligenstraße 3 (Nummerierung jedoch aufgehoben, gehört nun zur Angerstraße 2) und Heiligenstraße 5. Angerstraße 2 – Zweigeschossiges Eckhaus am Markt, kleiner Sandsteinbau mit Mansarddach, 1889 in Anpassung an Heiligenstraße 3 (von 1783) erbaut. Angerstraße 3, 5, 7 – Gruppe dreigeschossiger Neurenaissance-Mietshäuser mit Mansarddächern, Sandsteinfassaden, 1887/1900; Seitenfront von Nr. 7 an der Ammonstraße im Anschluss an die dortige Bebauung in Rohbackstein. Angerstraße 4 – Malerischer, mehrteiliger Wohnhauskomplex mit verschieferten Obergeschossen: rechts (südlich) dreigeschossiger Mansarddachbau des mittleren 18. Jh., anschließend dreigeschossiger Trakt von Geringer Bautiefe mit Pultdach, 18. Jh., beide von der Straße zurückgesetzt; links im rechten Winkel vortretender, zweigeschossiger Satteldachbau mit Zwerchhaus, 18. Jh. Angerstraße 5, 7 – Mietshäuser, um 1900; siehe Nr. 3. Angerstraße 9 – Dreigeschossiges Neurenaissance-Mietshaus mit Mansarddach und großen Gauben, an der abgeschrägten Ecke ein Erker, Sandstein, 1901 von Georg Kißkalt. Angerstraße 17 – Fünfgeschossiges historisierendes Mietshaus mit abgerundeter Ecke und zwei Erkern, Erdgeschoss Sandstein, sonst Putzbau, im 4. Geschoss und an den Giebeln Stuckdekor, 1907/08 von Adam Egerer. Angerstraße 20 – Zweigeschossiges Wohnhaus, traufseitiger Neurenaissancebau in Sandstein, mit Erker und darauf hoher Zwerchhauslaube, 1895 von Fritz Walter. Angerstraße 22 – Zweigeschossiges spätklassizistische Wohnhaus, Sandstein, gestalterische Einheit mit Schießplatz 16 (vgl. dort), 1867/68, aufgestockt 1883.
Baldstraße Baldstraße 1, 2, 3, 4, 5, 6 – Gruppe dreigeschossiger einheitlicher Neurenaissance-Mietshäuser mit Sandsteinfassaden und Mansarddächern, bez. 1886, 1886–89 von Georg Kißkalt, zugehörig Gustavstraße 12/14, Mühlstraße 1, 3, 5 und Untere Fischerstraße 1, 3.
Bäumenstraße Bäumenstraße 1 – Dreigeschossiges verputztes Wohnhaus in Ecklage, 1739, aufgestockt 1858. Bäumenstraße 2 – Dreigeschossiges verputztes Wohnhaus mit Giebelzwerchhaus, um 1730. Bäumenstraße 3 – Schlichtes, ursprünglich zweigeschossiges Wohnhaus in Sandsteinquadern, um 1735, Aufstockung von 1851 in verputztem Fachwerk. Bäumenstraße 4 – Gasthaus zum Stadtwappen, dreigeschossiger traufseitiger Quaderbau, 1727. Bäumenstraße 5 – Dreigeschossiges traufseitiges Wohnhaus, Quaderbau mit Korbbogentür und Gurtgesims, um 1730. Bäumenstraße 7 – Zweigeschossiges Wohnhaus mit breitem Zwerchhaus und Volutengiebel, Sandstein, um 1740, später aufgestockt. Bäumenstraße 8 – Zweigeschossiges Wohnhaus mit Gaststätte, Putzbau mit Korbbogentür und Giebelzwerchhaus, um 1728. Bäumenstraße 9 – Dreigeschossiges verputztes Wohnhaus, breiter Traufseitbau mit korbbogiger Füllungstür, um 1735. Bäumenstraße 10 – Zweigeschossiges Wohnhaus mit Mansarddach, breitem Zwerchhaus und Volutengiebel, 1728. Bäumenstraße 11 – Zweigeschossiges Wohnhaus, Sandstein, mit verputztem Giebel-Zwerchhaus, 1738. Bäumenstraße 12 – Zweigeschossiges Wohnhaus mit Giebel-Zwerchhaus, Sandstein, um 1720. Bäumenstraße 13 – Wohnhaus mit Gaststätte „Wolfshöher Bräustüberl“, zweigeschossiger Sandsteinquaderbau mit Korbbogentür, Zwerchhaus mit Volutengiebel, 1738. Bäumenstraße 14 – Zweigeschossiges Wohnhaus in Ecklage, Sandstein, mit Korbbogentor und Walmdachzwerchhäusern, 1742; vgl. Schirmstraße 11. Bäumenstraße 15 – Zweigeschossiges Wohnhaus, Sandsteinquaderbau mit Steilgiebel-Zwerchhaus, bez. 1743. Bäumenstraße 17 – Zweigeschossiges Wohnhaus in Ecklage, Quaderbau mit Mansarddach, 1739. Bäumenstraße 19 – Zweigeschossiges Wohnhaus in Ecklage, mit Satteldach, im Kern 1723, Hauptfassade in Sandsteinquadern mit erhöhtem Mittelrisalit 1867 von Johann Michael Zink.
Gartenstraße Gartenstraße 3 – Dreigeschossiges Wohnhaus, traufseitiger Quaderbau mit Gurtgesimsen, 1834/35 von Johann Michael Zink. Gartenstraße 4 – Dreigeschossiges Wohnhaus, traufseitiger Quaderbau mit Aufzugerker, bez. 1733. Gartenstraße 6, 8, 10 – Gruppe von traufseitigen Wohnhäusern mit verschieferten Obergeschossen und Zwerchhäusern, Nr. 6, 8 zwei-, Nr. 10 dreigeschossig, frühes 18. Jh.; mit Nebengebäude im Hof, Fachwerkhaus. Gartenstraße 7 – Dreigeschossiges Wohnhaus, traufseitiger Quaderbau mit Gurtgesimsen, klassizistisch, 1837. Gartenstraße 8 – Siehe Nr. 6. Gartenstraße 9 – Dreigeschossiges klassizistisches Wohnhaus, palastartiger Sandsteinquaderbau mit Gurtgesimsen und Portalbalkon, 1839 von Friedrich Schmidt und Meyer. Gartenstraße 10 – Siehe Nr. 6. Gartenstraße 11 – Ehem. Grüner-Bräu, am Westende Sudhaus in historisierenden Formen mit Reliefdekor, bez. 1928; westlich anschließend mit Figurengruppe bekrönte Torpfeiler (vgl. Gartenstraße 13 und 16/18). Gartenstraße 12 – Dreigeschossiges Wohnhaus, traufseitiger Quaderbau, 18. Jh.; Rückgebäude, Fachwerkhaus, 18. Jh. Gartenstraße 13 – Ehem. Wohnhaus, dreigeschossiger Quaderbau, 1845 von Andreas Korn, mit neuerem Dachgeschoss; zu Gartenstraße 11 gehörig. Gartenstraße 15 – Dreigeschossige Wohnhaus, spätklassizistischer Quaderbau mit Flachgiebel am erhöhten Mittelrisalit und Stichbogenfenstern, 1868. Gartenstraße 16/18 – Ehem. Brauerei- und Wohngebäude, langgestreckter, zweigeschossiger Sandsteinbau, spätklassizistisch mit Lisenengliederung, 1879/80 von Paulus Müller. Gartenstraße 17 – Gasthaus zum weißen Rößl, dreigeschossiges Eckhaus, Quaderbau mit Walmdach, 1817 von Friedrich Kopp. Gartenstraße 18 – Siehe Nr. 16.
Gustavstraße
Gustavstraße 1 – Wohnhaus mit Gastwirtschaft, zweigeschossiges verputztes Giebelhaus, um 1700.