Die Handschrift Bamberg, Staatsbibliothek, Msc.Patr.61 ist ein Codex, der die älteste Abschrift der Institutiones Cassiodors enthält. Sie stammt aus dem letzten Viertel des achten Jahrhunderts und ist damit eines der frühesten erhaltenen Zeugnisse der Beneventana genannten Schrift, in der sie geschrieben wurde. Der Codex wurde sehr wahrscheinlich von Heinrich II. nach Bamberg gebracht, wo er bis zur Säkularisation Teil der dortigen Dombibliothek war. Heute wird er als Teil der Kaiser-Heinrich-Bibliothek in der Staatsbibliothek Bamberg verwahrt.

Beschreibung

Der Codex misst 27 auf 20,5 cm und umfasst 103 Blatt teils löchrigen Pergaments, die mit je 25–27 Zeilen langen Zeilen beschrieben sind; vorne und hinten sind jeweils ein ungezähltes Papierblatt eingebunden. Der Einband stammt von 1611.

Die Schrift ist eine frühe Form der Beneventana; es handelt sich um den ältesten erhaltenen Codex, der in dieser Schrift geschrieben wurde.E. A. Loew: The Beneventan Script: A History of the South Italian Minuscule. Clarendon, Oxford 1914, S. 20 u.ö. Digitalisat (Lowe zitiert Msc.Patr.61 meist mit der Altsignatur HJ IV 15.) Gude Suckale-Redlefsen unterscheidet mehrere Hände aus dem letzten Viertel des 8. Jahrhunderts.Gude Suckale-Redlefsen: Die Handschriften des 8. bis 11. Jahrhunderts der Staatsbibliothek Bamberg. 1. Teil: Texte (= Katalog der illuminierten Handschriften der Staatsbibliothek Bamberg Band 1,1). Harrassowitz, Wiesbaden 2004, S. 3. Der Text ist an vielen Stellen verbessert und ergänzt worden. Anders als in jüngeren Beneventana-Handschriften verwenden die Schreiber die beiden ti-Ligaturen der Beneventana ohne Unterscheidung nach dem Lautwert.E. A. Loew: The Beneventan Script: A History of the South Italian Minuscule. Clarendon, Oxford 1914, S. 305.

Buch- und Kapitelanfänge sind durch Zierinitialen (teilweise mit Flechtbandmuster) und farbig gefüllte Majuskeln markiert, teilweise sind auch einzelne Worte oder Majuskeln farbig ausgeführt und teilweise gefüllt. Die Handschrift enthält zahlreiche Diagramme, die ebenfalls teils sehr aufwändig gestaltet sind.

Herkunft Der Codex stammt aus der Abtei Montecassino. Möglicherweise war er im Besitz Ottos III.; sehr wahrscheinlich wurde er von Heinrich II. nach Bamberg gebracht.Gude Suckale-Redlefsen: Die Handschriften des 8. bis 11. Jahrhunderts der Staatsbibliothek Bamberg. 1. Teil: Texte (= Katalog der illuminierten Handschriften der Staatsbibliothek Bamberg Band 1,1). Harrassowitz, Wiesbaden 2004, S. 9.

Inhalt Msc.Patr.61 enthält auf fol. 1r-67v die älteste bekannte Abschrift der Institutiones Cassiodors.R. A. B. Mynors: Introduction. In: idem (Hrsg.): Cassiodori senatoris institutiones. Oxford 1961, S. ix–lvi (online). Am Ende (auf fol. 67v) findet sich eine Subscriptio, die von der Handschrift als archetypus spricht. Der (relativ fehlerhafte) Wortlaut der Institutiones im Bamberger Codex ist sehr eng verwandt mit dem in der aus dem 12. Jahrhundert stammenden Abschrift Urb. lat. 67 in der Vatikanischen Apostolischen Bibliothek. Für die Textkonstitution spielt der Bamberger Codex (Sigle ‚B‘) eine wichtige Rolle. Außerdem enthält der Codex Werke von Mallius Theodorus, Gregor von Tours und Isidor von Sevilla sowie einen Brief des Gotenkönigs Susebotus und (als spätere Nachträge) verschiedene Alphabete.

Literatur Gude Suckale-Redlefsen: Die Handschriften des 8. bis 11. Jahrhunderts der Staatsbibliothek Bamberg. 1. Teil: Texte (= Katalog der illuminierten Handschriften der Staatsbibliothek Bamberg Band 1,1). Harrassowitz, Wiesbaden 2004, ISBN 3447051175, hier S. 3–10. Digitalisat. Elias A. Loew: The Beneventan Script: A History of the South Italian Minuscule. Clarendon, Oxford 1914. Digitalisat.

Weblinks Digitalisat der Handschrift.

Einzelnachweise

Patr. 061 Kategorie:Handschrift (8. Jahrhundert) Kategorie:Heinrich II. (HRR) Kategorie:Handschrift (Christentum)