Die Verteidigung (auch Defensive; defense) verfolgt im Basketball das Ziel, einen gegnerischen Korberfolg zu verhindern, beziehungsweise vor dem Wurf oder nach einem erfolglosen Wurfversuch in Ballbesitz zu gelangen.
Es existieren verschiedene Verteidigungssysteme im Basketball. Die bekanntesten Verteidigungssysteme sind die Mann-Mann-Verteidigung, bei der jedem Spieler ein direkter Gegenspieler zugeteilt ist, und die Zonenverteidigung, also die Aufstellung der verteidigenden Spieler in vorgegebener Formation um den eigenen Korb herum. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Mischformen, wie beispielsweise die Systeme und . Die Spieler positionieren sich je nach Verteidigungssystem in einer bestimmten Weise auf dem Spielfeld, wobei durch Offensivaktionen oder Aufstellungsänderungen der angreifenden Mannschaft ein dynamisches Wechseln zwischen den Verteidigungsformen erforderlich sein kann. Bei den jeweiligen Formen unterscheidet man weiterhin, ob man über das ganze Feld (engl. ) oder über das halbe Feld (engl. ) verteidigt. Es gibt auch die Möglichkeit, durch das Stellen von Fallen dem Gegner den Ball abzunehmen oder ihn zu Ballverlusten zu zwingen (engl. ).
Grundlagen Das generelle Ziel im Basketball ist es, mehr Punkte als der Gegner zu erzielen. Da es sich um ein sogenanntes Highscoring-Game handelt, es also sehr viele erfolgreiche Punktgewinne gibt, geht es in der Verteidigung vor allem darum, die Chancen und Möglichkeiten der angreifenden Mannschaft zu einem Korberfolg zu minimieren. Die Verteidigung kann dies erreichen, indem sie versucht, einen Angriff der gegnerischen Mannschaft mittels Forcieren eines Ballverlustes (Turnover) bereits vor dem Wurf zu stoppen, zum Beispiel durch einen Fehlpass oder ein Offensivfoul. Weiterhin kann sie versuchen, einen Wurf bis zum Ablauf der 24 Sekunden Angriffszeit zu verhindern, oder sie zwingt den Gegner zu einem Wurf mit niedriger Erfolgschance (Notwurf, Distanzwurf gegen Verteidiger).
Im modernen Basketball gibt es keine grundsätzliche Unterscheidung zwischen Defensiv- und Offensivspielern, vielmehr sind in der Regel alle fünf Spieler an der Verteidigung des eigenen Korbes beteiligt. Es gibt jedoch Spieler, die hauptsächlich auf die Offensive oder Defensive spezialisiert sind, die Anzahl der „reinen“ Defensive-Spezialisten hat jedoch im 21. Jahrhundert stark abgenommen, auf hohem Spiellevel werden auch von Defensiv-Spezialisten Einfluss im Offenivspiel erwartet, etwa durch Distanzwürfe (sogenannte 3-and-D player ~ Dreipunktewürfe und Verteidigungs-Spieler).
Da während eines Spiels jeder Spieler zirka die Hälfte der Spielzeit als Verteidiger agiert, ist die Verteidigung im Basketball, wie auch in anderen Mannschaftssportarten, ebenso spielentscheidend wie die Offensive einer Mannschaft. Sie wird sogar teilweise als bedeutender eingestuft, was zum Beispiel durch die alte Mannschaftssport-Weisheit: „Offense wins Games, Defense wins Championships.“ (Der Angriff gewinnt Spiele, die Verteidigung gewinnt Meisterschaften.)Crossover – Das Basketball-Portal Blogeintrag von Christian Guse, aufgerufen am 7. Februar 2012. zum Ausdruck kommt, und auch in einem darauf beruhenden Zitat der erfolgreichen Basketballtrainerin Pat Summitt, welche mit acht NCAA-Titeln eine der erfolgreichsten College-Coaches aller Zeiten ist, Widerhall findet:
Grundlegend kann angenommen werden, dass Verteidiger im Nachteil sind. Erfolgreiches Verteidigen bedingt, dass die Verteidiger aktiv agieren, anstatt abzuwarten und auf den Angreifer zu reagieren. Für die Verteidigung im Basketball sind die richtige Einstellung, sowie Konzentration und Teamarbeit erforderlich, und die Verteidiger sollten immer den Ball im Blickfeld haben und schlechte Pässe des Angreifers möglichst schon vorausahnen (Antizipation). (Chapter 7 – Individual Defense) Der verbale Austausch und eine eingespielte nonverbale Kommunikation zwischen den Spielern ist bei nahezu jeder Mannschaftssportart, und eben auch beim Basketball, von hoher Bedeutung für den Erfolg einer Gruppe.Irmgard Barbara Troy: Inszenierungen im Basketball mit Hauptaugenmerk auf den amerikanischen Profisport. Wien, 2009, S. 82. (Online (PDF; 3,4 MB), abgerufen am 8. Februar 2012) Und so müssen alle fünf Verteidiger beim Basketball verbal und physisch aufeinander reagieren, um eine gute Mannschaftsverteidigung zu gewährleisten.
Verteidigungsposition mini|Position der Verteidiger am und abseits des Balles (engl. ); man beobachte, wie „x4“ sich näher zum ballführenden Spieler 1 positioniert
Um schnell auf Aktionen des Angreifers reagieren zu können, begibt sich der Verteidiger in die basketballübliche Verteidigungsposition. Dazu verlagert er seinen Schwerpunkt nach unten, indem er leicht in die Knie geht und das Gesäß weiter nach unten bringt. Der Abstand zwischen den Füßen sollte ungefähr der Schulterbreite des Verteidigers entsprechen. Wenn der Verteidiger sich nun mit dem ballführenden Angreifer mitbewegen will, muss er sogenannte Defense Slides (dt. Verteidigungsschritte) ausüben.Basketball Defense Tipps auf , aufgerufen am 1. Februar 2012. Dabei drückt er sich jeweils mit dem hinteren Fuß ab, und gleichzeitig bewegt er den vorderen Fuß in dieselbe Richtung wie der Angreifer. Sein Ziel ist dabei, stets zwischen dem Angreifer und dem zu verteidigenden Korb zu bleiben.
Einerseits ist es wichtig, die basketballübliche Körperhaltung einzunehmen, aber die Positionierung des Verteidigers auf dem Basketballfeld ist ebenso entscheidend. Die Verteidiger abseits des Balles müssen sich mit dem Ball mitbewegen und mit jedem Pass ihre Position im Bezug zum Ball verändern. Dabei ist es wichtig, den eigenen Angreifer nicht aus dem Blickfeld zu verlieren. Ist der Verteidiger am ballführenden Spieler überwunden, obliegt es den anderen Verteidigern, auszuhelfen (engl. ),Help-Defense auf, Breakthroughbasketball.com, aufgerufen am 13. Dezember 2011. um einen Korberfolg zu verhindern.
Um ein Offensivfoul aufnehmen zu können, muss eine regelkonforme und legale Verteidigungsposition eingenommen werden. Wichtig dabei ist, dass der Verteidiger mit beiden Füßen am Boden und dem Angreifer mit dem Gesicht gegenübersteht. Zur Aufrechterhaltung seiner legalen Verteidigungsposition ist es dem Verteidiger auch erlaubt, kurzzeitig einen oder beide Füße vom Boden anzuheben, solange die Bewegung nicht in Richtung des ballführenden Spielers geht. Kommt es nun frontal zu einem Kontakt, hat der Angreifer ein Offensivfoul begangen, und der Verteidiger erzielt einen Ballgewinn. Ist der Kontakt seitlich des Körpers, hat der Verteidiger die Position zu spät eingenommen, und es wird als Verteidigungsfoul geahndet.Basketballregeln bei bbsr.de, , aufgerufen am 8. Februar 2012. Eine Ausnahme hierzu stellt der sogenannte No-charge-semi-circle (ein Halbkreis mit dem Radius von 1,25 Meter unterhalb des Korbes) dar. In diesem Bereich ist es dem Verteidiger nicht mehr möglich, ein Offensivfoul aufzunehmen, sofern er zumindest mit einem Fuß innerhalb oder auf der Linie des Kreises steht.No-charge-semi-circle, Court-vision.de, aufgerufen am 8. Februar 2012.
Passbehinderung mini|Überdecken des Passweges
Die Offensive der angreifenden Mannschaft besitzt in der Regel einen gewissen Rhythmus, der durch Druck am Ball und durch Überdecken der anderen Spieler gestört werden kann. Dadurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, den Angriff erfolgreich zu stoppen.
Darüber hinaus kann auch versucht werden zu verhindern, dass ein Angriffsspieler überhaupt den Ball bekommt. Einerseits kann dies durch Druck auf den Aufbauspieler oder durch Verstellen des Passweges (engl. overplay) erreicht werden. Ein Verteidiger steht so, dass er den Pass zwischen dem ballführenden Spieler und dem möglichen Empfänger behindert. Er verhindert entweder, dass der Pass überhaupt gespielt wird, oder er spekuliert auf einen Ballgewinn (engl. ), falls der Pass doch gespielt wird. Das Risiko hierbei ist, dass es bei Misserfolg zu sehr leichten Punkten für die gegnerische Mannschaft kommen kann. Deswegen wird diese Form meist versteckt gespielt, um dem Angreifer eine Falle zu stellen. Oft wird der Steal nicht durch den direkten Gegenspieler des ballführenden Spielers versucht.Deny Defense, , aufgerufen am 1. Februar 2012. Zusätzlich kann dem ballführenden Angreifer das Spielen eines Passes dadurch erschwert werden, dass man ihm eine Hand vor das Gesicht hält und so sein Sichtfeld entscheidend einschränkt.Basketball Tips und Training, , aufgerufen am 7. Februar 2012. Wird ein Pass gespielt, formiert sich die Verteidigung im Moment der Ballabgabe neu (nicht erst beim Fangen) und stellt sich auf den neuen ballführenden Spieler ein.
Wurfbehinderung mini|Der Spieler Oscar Torres blockt den Ball des Gegners.
Generell sollen der angreifenden Mannschaft keine Würfe aus aussichtsreichen Positionen erlaubt werden. Dazu sollte sich ein Verteidiger zwischen dem ballführenden Spieler und dem Korb positionieren. Um einen direkten Wurf zu behindern, sollte er sich nah am Angreifer befinden. Um das Ziehen des Angreifers zum Korb zu verhindern (engl. , dt. ‚eindringen, durchbrechen‘), braucht der Verteidiger dagegen etwas Distanz, um gegebenenfalls reagieren zu können. Lässt sich die Penetration nicht verhindern, wird meist durch einen zweiten Verteidiger ausgeholfen (help defense), wobei starke Angriffsspieler häufig gedoppelt werden. Setzt der Angreifer trotzdem zu einem Wurf an, hat der Verteidiger noch die Möglichkeit, den Wurf des Angreifers zu erschweren, indem er ihm eine Hand vor das Gesicht hält oder versucht den Wurf zu blocken. Laut den Basketballregeln handelt es sich um einen Block, solange der Ball nicht den höchsten Punkt seiner Flugkurve überschritten sowie der Ball nicht das Brett des Korbes berührt hat. Berührt der Verteidiger den Ball erst im Abwärtsfall oder nachdem der Ball das Brett berührt hat, handelt es sich um ein Goaltending, und die Punkte werden trotzdem gutgeschrieben.Basketballregeln bei bbsr.de, , aufgerufen am 1. Februar 2012.
Positionsbehinderung Außer die Penetration des ballführenden Spielers zu verhindern, ist es auch sinnvoll, die Laufwege der anderen Angriffsspieler zu behindern oder gar das Erreichen ihrer angedachten Position zu verhindern. So soll beispielsweise der Center vom Korb ferngehalten werden, ein schlechter statt ein guter Schütze an der Dreierlinie stehen oder einfach der Rhythmus des Gegners gestört werden.Positionierung in der Verteidigung, Guidetocoachingbasketball.com, aufgerufen am 1. Februar 2012.
Rebound mini|Ausboxen – Kampf um den Rebound.
Im Moment eines Wurfes beginnt der Kampf um den Rebound, den Abpraller vom Brett oder Ring (engl. für ‚Ab- bzw. Rückprall‘). Kurze Würfe führen zu Reboundsituationen nahe dem Korb. Die großen Spieler bringen sich in Position und verschaffen sich durch den Einsatz ihres Körpers Platz (ausboxen oder ausblocken). Jeder Verteidiger ist dafür verantwortlich, einen Angreifer auszusperren und ihn vom Korb fernzuhalten, um die Chancen auf einen defensiven Rebound (verteidigende Mannschaft kommt im Ballbesitz) zu erhöhen. Prallt der Ball infolge eines Distanzwurfes weit ins Feld zurück, entscheiden dagegen die Antizipation und Athletik der Aufbauspieler über dessen Erfolg. Da sie sich im Normalfall näher am eigenen Korb befinden als die Spieler der angreifenden Mannschaft, ist ein Rebound durch verteidigende Spieler deutlich häufiger als ein Offensivrebound (angreifende Mannschaft verbleibt im Ballbesitz).
Im modernen Basketball hat die Anzahl der Ballbesitze eine große Bedeutung. Dafür ist die Kontrolle des Defensivrebounds essentiell, um eine erneute Angriffschance des Gegners infolge des Offensivrebounds zu verhindern. Der Kampf um den eigenen Offensivrebound hat dagegen – je nach Taktik – meist geringere Priorität, zugunsten eines schnellen, geordneten Wechsels in die eigene Defensive und der Verhinderung von Schnellangriffen durch den Gegner.Rebounding, Guidetocoachingbasketball.com, aufgerufen am 1. Februar 2012.