Niederkirchen bei Deidesheim ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Bad Dürkheim in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Deidesheim an.

Geographie Niederkirchen ist Bestandteil der Region Weinstraße. Mitten durch das Siedlungsgebiet verläuft in West-Ost-Richtung der Alte Weinbach, am südlichen Ortsrand fließt der Weinbach vorbei. Durch den nördlichen Teil der Gemeindegemarkung verläuft der Stechgraben. Die Marlach streift den Südwesten der Gemarkung. Nachbargemeinden sind – im Uhrzeigersinn – Deidesheim, Rödersheim-Gronau und Meckenheim.

Geschichte Die älteste erhaltene Erwähnung von Niederkirchen stammt von 699 als Didinnes-chaime in einer Urkunde des Klosters Weißenburg. Der älteste erhaltene urkundliche Beleg für den hiesigen Weinbau stammt aus einer Urkunde des Klosters Fulda, datiert auf das Jahr 770. Während der Zeit der Stammesherzogtümer gehörte der Ort zum Herzogtum Franken. Mit dem im Jahre 1060 begonnenen romanischen Kirchengebäude mit seinem markanten Kirchturm erhielt Niederkirchen sein bis heute bestehendes Wahrzeichen. Im Laufe des 11. Jahrhunderts kam der Ort in den Besitz der Fürstbischöfe von Speyer, bei denen es bis Ende des 18. Jahrhunderts verblieb und innerhalb diesen dem Amt Deidesheim unterstand. Das Kloster Otterberg war im Ort begütert.Jürgen Keddigkeit, Michael Werling, Rüdiger Schulz und Charlotte Lagemann: Otterberg, St. Maria. Zisterzienserabtei Otterburg. In: Jürgen Keddigkeit, Matthias Untermann, Sabine Klapp, Charlotte Lagemann, Hans Ammerich (Hrsg.): Pfälzisches Klosterlexikon. Handbuch der pfälzischen Klöster, Stifte und Kommenden, Band 3: M–R. Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde. Kaiserslautern 2015. ISBN 978-3-927754-78-2, S. 524–587 (540). Vermutlich im 13. Jahrhundert spaltete sich vom Mutterort das heutige Deidesheim ab, woraufhin sich der Name des Ortes von Unterdeidesheim über Niederdeidesheim im späten Mittelalter zu Niederkirchen entwickelte. Im Dreißigjährigen Krieg starb der Ort fast vollständig aus.

Nach der Besetzung der linksrheinischen Gebiete im Ersten Koalitionskrieg (1794) wurde Niederkirchen 1798 Teil der französischen Republik und ab 1804 des Napoleonischen Kaiserreichs. Während dieser Zeit war der Ort dem Kanton Dürkheim im Département du Mont-Tonnerre zugeteilt und unterstand der Mairie Deidesheim. 1815 hatte Niederkirchen 850 Einwohner.

Aufgrund der auf dem Wiener Kongress getroffenen Vereinbarungen kam die Region 1815 zunächst zu Österreich und 1816 aufgrund eines Staatsvertrags an das Königreich Bayern; Niederkirchen gehörte zum neu geschaffenen Rheinkreis. Damit einhergehend wurde Niederkirchen mit Deidesheim zunächst zu einer Gemeinde zusammengelegt, ehe dies bereits 1819 rückgängig gemacht wurde. Von 1818 bis 1862 gehörte die Gemeinde dem Landkommissariat Neustadt an; aus diesem ging das Bezirksamt Neustadt hervor.

1902 wechselte der Ort in das neu geschaffene Bezirksamt Dürkheim, ehe dieses 1931 wieder in sein Neustadter Pendant eingegliedert wurde. Ab 1939 war der Ort Bestandteil des Landkreises Neustadt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ort innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wechselte Niederkirchen 1969 in den neu geschaffenen Landkreis Bad Dürkheim. Drei Jahre später wurde die Gemeinde Bestandteil der ebenfalls neu entstandenen Verbandsgemeinde Deidesheim.

Religion Während des Mittelalters bildete die Gemeinde zunächst eine Pfarrei, die im 15. Jahrhundert nach Deidesheim verlegt wurde. Später entstand mit St. Martin in Niederkirchen erneut eine eigene Pfarrstelle, ehe diese zum 1. Januar 2016 in der neu geschaffenen Pfarrei Hl. Michael in Deidesheim aufging. Ende 2017 waren 62,6 % der Einwohner katholisch und 19,1 % konfessionslos. 16,9 % waren evangelisch und 1,4 % gehörten einer sonstigen Religion an.Gemeindestatistik EWOISneu, Stand: 31. Dezember 2017.

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Niederkirchen bei Deidesheim besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD CDU FWG Gesamt 2024 0 7 9 16 Sitze 2019 1 7 8 16 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2019, Stadt- und Gemeinderatswahlen 2014 – 10 6 16 Sitze 2009 1 10 5 16 Sitze FWG = Freie Wählergruppe Niederkirchen e. V.

Bürgermeister Der Ortsbürgermeister von Niederkirchen ist Stefan Stähly (FWG). Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 setzte er sich in einer Direktwahl mit 63,06 % der Stimmen gegen Amtsinhaber Josef Seckinger (CDU) durch.Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2019, Direktwahlen der Orts- und Stadtbürgermeister Auch bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 konnte er sich mit 68,4 % gegen einen Mitbewerber durchsetzen und wurde damit für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt.

Seckingers Vorgänger war Helmut Kähs (CDU), der das Amt 15 Jahre innehatte.

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke mini|Pfarrkirche St. Martin Die katholische Pfarrkirche St. Martin ist eines der ältesten christlichen Baudenkmäler der Pfalz. Die Kirche wurde 1235 erstmals urkundlich erwähnt, Baubefunde lassen jedoch darauf schließen, dass ihr markanter romanischer Vierungsturm aus der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts stammt. Der Chor der Kirche stammt vermutlich aus der Zeit um 1300, das Langhaus wurde 1955/56 angebaut. Die „Vierung“ hatte ursprünglich die Funktion eines Chorraums; die romanische Kirche war also eine Chorturmanlage, ein weit verbreiteter Bautyp mittelalterlicher Landkirchen.

Als eine der wenigen erhaltenen Dorfkirchen aus dem 11. Jh. in der Pfalz und wegen ihrer unmittelbaren Nachbarschaft zur stilistisch ähnlichen Klosterkirche der Limburg bei Bad Dürkheim und zum Speyerer Dom ist die Niederkirchener Pfarrkirche von besonderer kunsthistorischer Bedeutung.

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Niederkirchen bei Deidesheim

Natur Niederkirchen ist Besitzer von etwa 530 Hektar Wald, der allerdings nicht auf seiner Gemarkung liegt; er fiel 1873 bei der Teilung des Deidesheimer Stadtwalds an die Gemeinde. Heute wird er gemeinsam mit dem Waldbesitz von sieben Nachbarstädten und -gemeinden im Forstrevier Wallberg vom Forstzweckverband Mittelhaardt bewirtschaftet.

Das Naturschutzgebiet Marlachwiesen befindet sich teilweise auf Gemarkung von Niederkirchen.

Sport Den größten Erfolg verzeichnete die Frauenfußballmannschaft des TuS Niederkirchen 1992/93 mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft. 2008 machte diese sich mit der Gründung des 1. FFC 08 Niederkirchen selbständig.

Regelmäßige Veranstaltungen Seit 1976 findet in Niederkirchen am letzten Wochenende des Juni das Fest um den Wein statt, ein Weinfest, bei dem hiesige Weinbaubetriebe Ausschankstellen rund um den Dorfplatz betreiben.

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Niederkirchen ist ein Winzerort und als solcher Teil des Weinanbaugebiets Pfalz. Der Wein wird in den Einzellagen Klostergarten (160,45 ha)Niederkirchener Klostergarten - Eintrag auf Weinlagen-Info.de, abgerufen am 18. Februar 2024 und Schloßberg (89,6 ha)Niederkirchener Schloßberg - Eintrag auf Weinlagen-Info.de, abgerufen am 18. Februar 2024 angebaut; beide sind Bestandteil der Großlage Deidesheimer Hofstück.

Verkehr Durch das Gemeindegebiet verlaufen die Landesstraßen 527 und 528. Niederkirchen liegt außerdem am Salier-Radweg sowie am Kraut-und-Rüben-Radweg.

Bildung Niederkirchen hat die Don-Bosco-Schule als Grundschule.

Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde

Benno Zech (1928–2022), Politiker (CDU)

Personen, die mit Niederkirchen verbunden sind Stefanie Dums (1974–2020), Fußballspielerin, beim 1. FFC 08 Niederkirchen aktiv gewesen Caspar II. Lerch (≈1480–1548), Adeliger, erwarb in Niederkirchen Ländereien Isabel Mackensen-Geis (* 1986), SPD-Politikerin und Bundestagsabgeordnete Alisa Weber (* 1997) aus Niederkirchen, Pfälzische Weinprinzessin 2017/18 Eva-Maria Weisbrodt, Pfälzische Weinprinzessin 2009/10 Janet Weisbrodt, Steinbildhauerin, stammt aus dem Ort Susanne Winterling, Pfälzische Weinkönigin 2006/07, Deutsche Weinprinzessin 2007/08, stammt aus Niederkirchen

Literatur

Weblinks

Lebendiges Niederkirchen www.niederkirchen.de – Teil der Urlaubsregion Deidesheim

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Bad Dürkheim Kategorie:Weinort in Rheinland-Pfalz Kategorie:Ersterwähnung 699