miniatur|St. Vinzenz von Nordwesten St. Vinzenz ist eine unter dem Patrozinium des heiligen Vinzenz von Valencia stehende römisch-katholische Pfarrkirche im Teilort Liel der Gemeinde Schliengen im Markgräflerland. Das Langhaus wurde Anfang des 18. Jahrhunderts neu erbaut; der älteste Teil der Kirche ist der Turmunterbau aus der Spätromanik. Die Pfarrei gehört als von der Fläche her größte, aber zahlenmäßig kleinste der Seelsorgeeinheit Schliengen an, mit den weiteren Pfarreien St. Leodegar in Schliengen (mit der Filiale St. Nikolaus in Mauchen), St. Peter und Paul in Bamlach (mit der Filiale St. Nikolaus in Rheinweiler) und St. Leodegar in Bad Bellingen.Internetseite der Seelsorgeeinheit Schliengen online Sie ist ein Kulturdenkmal.Schliengen: Grabstätte der Freiherren von Baden, Weiler Zeitung, 30. August 2019: „Die Lieler Pfarrkirche Sankt Vinzenz nimmt erneut am „Tag des offenen Denkmals“ teil.“

Geschichte Wie in anderen Orten der Seelsorgeeinheit gab es im Mittelalter auch in Liel zwei Kirchen. Sie werden in einer Handschrift des Klosters Einsiedeln erwähnt, an das der Ort 952 gefallen war: als ältere „s. Johannis evangelistae in Lilaha“ und als jüngere „s. Panchratii martyris in Lielaha“, bei der es sich aber vielleicht nur um eine Kapelle handelte. Franz Josef Mone: Alte Kirchen im Breisgau, Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, 1865, S. 127 online; Mühleisen, St. Vinzenz, Liel, S. 22; Adolf Futter: Zur Datierung der beiden Kirchenverzeichnisse in den Einsiedler Codices 29 und 319. Ein Beitrag zur Frühgeschichte einiger Breisgauer und Schweizer Kirchenpatrozinien, Dissertation Freiburg 1949, S. 30 ff., zitiert bei Helm, Kirchen- und Kapellen im Markgräflerland, S. 298 (Anmerkung 2). St. Pankratius wurde mit dem Niedergang des patriarchalischen Hofsystems zu einem unbekannten Zeitpunkt aufgegeben; zuletzt 1299 wird es als zu einem der Höfe gehörig erwähnt.Helm, Kirchen- und Kapellen im Markgräflerland, S. 299, unter Bezugnahme auf Adolf Futterer. 1150 fiel Liel an das Kloster Beinwil, das unter dem Patrozinium von St. Vinzenz stand. Vermutlich im Zusammenhang damit wechselte auch St. Johannes das Patronat zu St. Vinzenz.Mühleisen, St. Vinzenz, Liel, S. 22.

miniatur|Wappen des Hans Balthasar von Baden Der älteste Teil des Lieler Kirche aus spätromanischer Zeit ist der unterste Teil des Glockenturms.Hermann Gombert: Der Landkreis Müllheim im Markgräflerland, 1971, S. 52. Darüber gehört er zur frühen Gotik, also in die Zeit des Klosters Beinwil. Die Turmhalle sowie ihr Kreuzrippengewölbe gehen auf das 14. Jahrhundert zurück. Ursprünglich stellte sie den Chor oder einen Teil davon dar,Mühleisen, St. Vinzenz, Liel, S. 24 und S. 31. sodass es sich um eine Chorturmkirche handelte.

1469 kauften die Freiherren von Baden das Dorf Liel, über das sie schon seit 1410 die Lehensherrschaft innehatten. Sie bauten in der Spätgotik im Osten an den Turm eine Begräbniskapelle für ihre Familie an. Über der Tür an der Südseite und an einem Eckstein des Turms ist das Baujahr 1464 zu lesen.Mühleisen, St. Vinzenz, Liel, S. 24. Die später eingebaute Tür in der Südwand des Turms trägt die Jahreszahl 1590 und die Initialen „HB VB“ für Hans Balthasar von Baden. Kapellenanbau und Turmuntergeschoss wurden im 15. und 16. Jahrhundert mehrfach ausgemalt. Da sich die Bemalung in der Kapelle an vielen Stellen löste, wurde sie 1684 vollständig übertüncht.

miniatur|Deckenfresko von Josef Mariano Kitschker (1922) 1718 wurde westlich des Turmes ein Neubau von Langhaus und Chor in barocken Formen errichtet. Schon 1822 bezeichnete die Gemeinde Liel den baulichen Zustand als ruinös und mahnte eine Renovierung an. Aufgrund von Streitigkeiten über die Baupflicht wurden die dringend benötigten Arbeiten aber nicht ausgeführt. Es kam lediglich 1832 zu kleineren Ausbesserungsarbeiten, an denen auch der Stuckateur Jodok Friedrich Wilhelm beteiligt war.Julius Wilhelm: Der Stukkator Jodok Friedrich Wilhelm (1797–1843). Eine Skizze seiner Tätigkeit. In: Freiburger Diözesanarchiv 35 (N.F. 8), 1907, S. 264 (Digitalisat). Erst zwischen 1850 und 1855 erfolgte eine „eher oberflächliche Renovierung“ > der Kirche und der Begräbniskapelle.Mühleisen, St. Vinzenz, Liel, S. 25.

1907 hielt das Erzbischöfliche Bauamt fest, die Kirche befinde sich in „erbärmlichem, schlechtem Zustand“. Die Idee eines „gotischen Neubaus“ wurde wegen der geringen Einwohnerzahl des Ortes jedoch als zu teuer angesehen. In den anschließenden Jahren, verzögert durch den Ersten Weltkrieg, erfolgten deshalb nur eine Renovierung und ein Umbau.Insgesamt dargestellt bei Helm, Kirchen- und Kapellen im Markgräflerland, S. 297; Mühleisen, St. Vinzenz, Liel, S. 25–27. Der Dachstuhl des Langhauses wurde verbreitert und ein neuer Fußboden verlegt. 1908 baute man an der Südwand des Glockenturms eine Sakristei an. Die Begräbniskapelle wurde 1910 bis 1912 instand gesetzt, wobei die vermauerten Fenster wieder geöffnet und mit Maßwerk versehen wurden. In die Verglasung wurden Wappen der Freiherren von Baden und anderer bedeutender Adelshäuser eingefügt, die in Liel und am Oberrhein gewirkt hatten. Die übertünchten Malereien wurden unter denkmalpflegerischer Überwachung durch Joseph Sauer wieder freigelegtJoseph Sauer: Kirchliche Denkmalskunde und Denkmalspflege in der Erzdiözese Freiburg 1908/09. In: Freiburger Diözesan-Archiv 37 (N.F. 10), 1909, S. 283 f. online und von den Kunstmalern Gebrüder Mezger renoviert. Die Renovierung im Chor konnte erst 1920 angeschlossen werden, die des Langhauses 1922 mit einem durch Spenden finanzierten Deckengemälde des Karlsruher Künstlers Josef Mariano Kitschker.Dagmar Zimdars u. a. (Bearb.): Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Baden-Württemberg II. München, Deutscher Kunstverlag 1997, ISBN 3-422-03030-1, S. 421. Insgesamt hatten sich die Kosten der ausgeführten Arbeiten gegenüber der ursprünglichen Planung etwa verzehnfacht.

1933 wurde die Kirche außen renoviert und nach einem teilweisen Einsturz der Chorraumdecke das dortige Bild durch den Kirchenmaler Max Stertz aus Endingen erneuert.Mühleisen, St. Vinzenz, Liel, S. 27.

Die Liturgiereform machte eine umfangreiche Umgestaltung des Chorraums in den Jahren 1965 bis 1968 erforderlich. Dabei wurden auch die Verbindungen zwischen Chor und Turmhalle sowie das südliche Seitenportal geschlossen. Nach Abschluss der Arbeiten wurde die Kirche am 6. Oktober 1968 durch Weihbischof Karl Gnädinger erneut geweiht.Mühleisen, St. Vinzenz, Liel, S. 27; Helm, Kirchen- und Kapellen im Markgräflerland, S. 297.

2013–2014 wurde die gesamte Raumschale im Inneren der Kirche restauriert, einschließlich einer Erneuerung der Elektroleitungen, der Heizung und der Bestuhlung, Errichtung eines Windfangs im Eingangsbereich und Wärmedämmung der Kirchenschiffdecke.St. Vinzenz auf der Internetseite der Seelsorgeeinheit

Kirchenbau Die Kirche St. Vinzenz steht am nordöstlichen Rand des Dorfes Liel. An ihrer Nordseite befindet sich ein Friedhofsgelände. Das langgestreckte Ensemble besteht aus dem barocken Langhaus, das in einen schmaleren Chor mit eingezogenen Seitenwänden überleitet, an den sich im Osten der Turm anschließt und daran die gotische Begräbniskapelle. An die Südseite des Turms ist die doppelstöckige Sakristei angebaut.

Das rechteckige Langhaus ist mit einem Satteldach gedeckt. Die Seitenwände sind durch je drei rechteckige Fenster sowie am Westende durch ein Oculum durchbrochen. An der Westwand, die durch ein kleines Fenster und zwei weitere Oculi gegliedert ist, sind über dem Portal die Wappen derer von Baden und derer von Kageneck zu sehen. Die Jahreszahl 1718 und die Buchstabengruppen „ICFFVB : MIFVB : GFVK“ erinnern an die Erbauer: Johann Conrad Friedrich Freiherr von Baden und seine Frau Maria Johanna Freifrau von Baden, geb. Freiin von Kageneck. Ein Seitenportal befindet sich in der Südwand. Der Chor wird auf jeder Seite durch zwei Fenster belichtet. Alle Fenster sind durch Segmentbögen abgeschlossen.

Der dreistöckige Glockenturm weist im zweiten und dritten Geschoss eine Eckquaderung auf. Im obersten Geschoss hat er zu allen Seiten zweigeteilte, romanische Klangarkaden. Er ist durch ein parallel zum Langhaus verlaufendes Satteldach abgeschlossen. An den Giebelseiten befinden sich Zifferblätter der Turmuhr. Beide Giebel tragen an der Spitze ein Kreuz.

Auch die Begräbniskapelle ist mit einem Satteldach gedeckt. Sie weist einen Fünfachtelschluss auf. Ihre fünf spitzbogigen Fenster sind unterschiedlich breit.

Langhaus und Chor miniatur|Langhaus mit Blick Richtung Chor, noch ohne die Seitenfiguren neben dem Missionskreuz Das Langhaus hat eine flache Decke. Das zentrale Deckenbild von Josef Mariano Kitschker „in guter neobarocker Manier“Mühleisen, St. Vinzenz, Liel, S. 29 zeigt unter der Dreieinigkeit Maria als Beschützerin des Ortes: „O milde / O gütige / O süsseste / Jungfrau Maria! / Bitte für Liel!“. Ein Engel mit einem Körbchen, das vor Trauben überquillt, erinnert an die reiche Weinernte 1922, die Anlass für ebenso reiche Spenden der Bürger für die Innendekoration der Kirche war. Zum Chor hin befinden sich an den Ecken in stark geschwungenen, gemalten Kartuschen Grisaillen, die das Opfer des Melchisedek und die Eucharistie darstellen, also die Opfer von Altem und Neuem Testament. Der Chor ist durch einen Triumphbogen abgetrennt, über dem zwei Wappen, bekrönt von Tiara und Mitra, auf die damals regierenden Kirchenfürsten verweisen, Papst Pius XI. in Rom und Erzbischof Carl Fritz in Freiburg, mit seinem Wahlspruch „in honorem Die pro populo“ (zur Ehre Gottes für das Volk).

Beidseitig vom Triumphbogen stehen kunstvoll eingefasste barocke Seitenaltäre. Der linke zeigt die Mondsichelmadonna und im Oberbild den heiligen Josef von Nazaret. Am unteren Bildrand sind links Markus und rechts ein Prophet des Alten Testaments zu sehen, vermutlich Jesaja. Der rechte stellt die heilige Barbara von Nikomedien mit ihren Attributen dar, dem Kelch und dem Schwert. Das Oberbild zeigt den heiligen StephanusHelm, Kirchen- und Kapellen im Markgräflerland, S. 297. oder den heiligen Sebastian.Mühleisen, St. Vinzenz, Liel, S. 30. Der Künstler ist nicht bekannt. Es wird für denkbar gehalten, dass die beiden Hauptbilder im 19. Jahrhundert stilistisch überarbeitet worden sind.Mühleisen, St. Vinzenz, Liel, S. 30.

1720 soll von Lieler Bergleuten eine barocke Skulptur der heiligen Barbara aus Rom geholt worden sein. Ebenso wie eine Skulptur des heiligen Fridolin mit seinem Begleiter Ursus soll sie ursprünglich auf Konsolen am Triumphbogen gestanden haben.Helm, Kirchen- und Kapellen im Markgräflerland, S. 297, unter Bezugnahme auf Samuel Pletscher: Bad Liel und seine Umgebung, 1886. Heute finden sich beide an der Nordwand. Eine Skulptur des heiligen Nepomuk an der Südwand könnte bald nach seiner Heiligsprechung 1729 entstanden sein. Daneben hängt ein Pietà-Bild: Die „beeindruckende Arbeit noch des 17. Jh.s wurde in ihrer Qualität erst mit der Abnahme von Übermalungen bei einer gründliche[n] Renovierung 2013 wieder erkennbar.“ In diesem Zuge wurden auch die Öldrucke einer Münchner Manufaktur auf Pappe renoviert, die den Kreuzweg zeigen.Mühleisen, St. Vinzenz, Liel, S. 27 f. und S. 30. An der Nordwand des Langhauses ist eine Kanzel mit Schalldeckel angebracht.