miniatur|Johann Heinrich (links) und Christoph Julius Gravenhorst

Braunschweiger Salmiak war ein Produkt der Chemischen Fabrik Gebrüder Gravenhorst, die im Jahr 1759 von den Gebrüdern Johann Heinrich und Christoph Julius Gravenhorst in Braunschweig gegründet wurde und 1762 mit der Herstellung von Salmiak (Ammoniumchlorid, chemische Formel: NH4Cl) in Braunschweig begann.Rolf Walter (Hrsg.): Innovationsgeschichte: Erträge der 21. Arbeitstagung der Gesellschaft für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, 30. März bis 2. April 2005 in Regensburg. F. Steiner, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-515-08928-9, S. 189.

Hintergrund Verwendung fand Ammoniumchlorid damals in der Färberei und Gerberei sowie beim Verzinnen, Verzinken und Löten. Bis zur Errichtung der ersten Salmiakfabriken in England und Frankreich wurde Ammoniumchlorid hauptsächlich aus Ägypten eingeführt, wo es in natürlichen Lagerstätten vorkommt.

Herstellungsverfahren Ammoniumchlorid wurde in der Gravenhorstschen Fabrik aus tierischem und menschlichem Urin hergestellt. Durch Fäulnisprozesse wurde der darin enthaltene Harnstoff zersetzt und in einem mehrstufigen Herstellungsverfahren mit Gips (Calciumsulfat; CaSO4 · 2 H2O) und Kochsalz (Natriumchlorid; NaCl) umgesetzt. Beim Eindampfen der Lösung wurde zunächst Glaubersalz (Natriumsulfat; Na2SO4 · 10 H2O) abgeschieden, danach Ammoniumchlorid.Karl Gottlieb Heinrich Erdmann: Lehrbuch der Chemie und Pharmakologie für Aerzte, Thieraerzte und Pharmaceuten. Band 1, von Veit, Berlin 1841, S. 444–445.

Das als Nebenprodukt der Salmiakherstellung produzierte Glaubersalz wurde unter den Handelsnamen „Gravenhorst’sches Salz“Ernst Horn: Handbuch der praktischen Arzneimittellehre für Aerzte und Wundärzte. 2. Auflage, Oehmigke der Jüngere, Berlin 1805, S. 646. und „Braunschweig’sches Salz“Johannes Leunis: Schul-Naturgeschichte – Dritter Theil. 4. Auflage, Hahn’sche Hofbuchhandlung, Hannover 1870, S. 189. für pharmazeutische Zwecke, z. B. als Abführmittel, an Apotheken vertrieben.Christoph Schümann: Der Anteil deutscher Apotheker an der Entwicklung der technischen Chemie zwischen 1750 und 1850. Peter Lang, Frankfurt am Main 1997, S. 117, ISBN 3-631-48212-4

Zur Reinigung des Ammoniumchlorids wurde das Rohprodukt sorgfältig umkristallisiert. Zur Kristallisation wurde eine hochkonzentrierte Ammoniumchlorid-Lösung in perforierte Keramikformen gefüllt. Nach Auskristallisation erhielt man das Ammoniumchlorid in einem kegelförmigen Block, ähnlich einem Zuckerhut.

Salmiak in Zuckerhutform wurde auch noch nach der Stilllegung des Braunschweiger Unternehmens, im frühen 19. Jahrhundert, als „Braunschweiger Salmiak“ bezeichnet.Justus von Liebig: Handbuch der Pharmacie. Band 1, 5. Auflage, C. F. Winter, Heidelberg 1843, S. 245.

Meinungen von Zeitgenossen Das Gelände der Chemischen Fabrik der Gebrüder Gravenhorst in der Braunschweiger Innenstadt.

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Ammoniumverbindung Salmiak Kategorie:Geschichte der Chemie