In der Liste der Kulturdenkmäler in Frankfurt-Innenstadt sind alle Kulturdenkmäler im Sinne des Hessischen Denkmalschutzgesetzes in Frankfurt-Innenstadt, einem Stadtteil von Frankfurt am Main aufgelistet.

Grundlage ist die Denkmaltopographie aus dem Jahre 1994, die zuletzt 2000 durch einen Nachtragsband ergänzt wurde. Zusätzlich wird auf die 2008 erschienene Ausgabe des Handbuchs der Deutschen Kunstdenkmäler für den Regierungsbezirk Darmstadt sowie das 1979 erschienene Werk Fachwerk in Frankfurt am Main zurückgegriffen, sofern dort aktuellere oder zusätzliche Informationen vorhanden sind. In der Denkmaltopographie überwiegend abgekürzte Namen von Architekten, Baumeistern und Künstlern sind, soweit möglich, nach der unter dem Abschnitt Werke zu Architekten und Künstlern genannten Literatur aufgelöst.

Einleitung Vorstadt des staufischen Frankfurt Das unter den staufischen Herrschern zur Stadt herangewachsene Frankfurt am Main – in etwa mit dem heutigen Stadtteil Frankfurt-Altstadt deckungsgleich – wurde mit der heute noch teilweise erhaltenen Staufenmauer mit vorgelagerten, trockenen Graben spätestens Ende des 12. Jahrhunderts zum ersten Mal befestigt. Eine Reihe von Stadttoren, von denen die bedeutendsten die Bornheimer Pforte am Ende der Fahrgasse und die Katharinenpforte am Ausgang der heute noch gleichnamigen Straße waren, führten zu ebenfalls in ihrer Namensgebung kaum veränderten Landstraßen in das übrige Reichsgebiet.Ort 1991, S. 23–27.

Ab dem 13. Jahrhundert wuchs die Stadt im Zuge ihres wirtschaftlichen Erfolgs und der zunehmenden politischen Unabhängigkeit stark an, der Baugrund innerhalb der älteren Mauern war spätestens Mitte des 14. Jahrhunderts vollständig genutzt, wie etwa die Topographie des Baldemar von Petterweil zeigt.Nathusius-Neinstedt 1896. 1333 erteilte Kaiser Ludwig IV. ein Privileg zur offiziellen Gründung einer Neustadt, die das bisherige Stadtgebiet nahezu verdreifachen und bis an die innere Begrenzungslinie der heutigen Wallanlagen rücken sollte. Der Bau der Befestigungsanlage für den neuen Stadtteil zog sich fast 150 Jahre bis an das Ende des 15. Jahrhunderts hin. Weit länger dauerte die Nachverdichtung des geschaffenen Siedlungsraums.Boehmer, Lau 1905, S. 352 u. 353, Urkunde Nr. 467.Zimmermann 1963, S. 24 u. 25.Bund 1991, S. 113.

mini|Frankfurt 1552 – etwas mehr als 200 Jahre nach der Begründung der Neustadt ist sie auf dieser ältesten topographischen Darstellung des Stadtgebietes durch die halbsichelförmige Staufenmauer noch klar von der Altstadt abgegrenzt und sichtbar dünn sowie meist zweigeschossig bebaut Die urkundliche Überlieferung zur Neustadt ist im Gegensatz zu der der Altstadt im 14. Jahrhundert noch sehr spärlich und gewinnt erst im 15. Jahrhundert langsam an Breite. Entsprechend schlicht und unbedeutend dürfte sich die älteste Schicht der Bebauung dargestellt haben.Battonn 1869.Battonn 1871. Ein erstes Bild lässt sich mit den Stadtansichten des 16. und frühen 17. Jahrhunderts gewinnen. Sie zeigen eine entlang von fünf Hauptstraßen, ihrerseits auf die Tore zu den Landstraßen, entwickelte Bebauung, die von platzartigen Ausstülpungen am Ende der heutigen Zeil ausstrahlen, wo die schon erwähnten älteren Stadttore der staufischen Stadt lagen.

Auch anhand des abweichenden Grundrisses ist anzunehmen, dass die Neustadt im Gegensatz zu großen Teilen der Altstadt nicht planmäßig erschlossen wurde, sondern ihre offizielle Gründung und Befestigung eher den Charakter des Anschlusses und militärischen Schutzes einer bereits existierenden Vorstadt hatte. Neue, anfangs nicht vorhandene Quergassen entstanden im Folgenden mehr aus örtlichen Bedürfnissen oder Gelegenheiten. Früh belegt ist dagegen der zwischen den beiden Haupttoren der Stauferstadt abgehaltener Viehmarkt – die spätere Zeil – und ein in Abgrenzung dazu westlich gelegener Pferdemarkt, der heutige Roßmarkt.Zimmermann 1963, S. 25–29.

Von den Dimensionen her war die Bebauung den frühen grafischen Ansichten nach auch zwei bis drei Jahrhunderten nach der offiziellen Stadterweiterung noch überwiegend klein dimensioniert und neben kleinen Fachwerkhäusern von Gärten, landwirtschaftlichen Betrieben mit Wirtschaftshöfen, Scheunen und Gartenhäusern dominiert. Mit den Häusern Alte Gasse 24, Große Bockenheimer Straße 31, Kleine Bockenheimer Straße 10/12 und Rosenbergerstraße 4 sind heute nur fünf Bürgerhäuser verschiedener Stilrichtungen erhalten, welche den baulichen Charakter erahnen lassen, der den neuen Stadtteil über Jahrhunderte prägte.

Neben einer ähnlich wie in Sachsenhausen überwiegend in der Landwirtschaft tätigen, kleinbürgerlichen Bevölkerung verlegten vereinzelt auch reiche Patrizier und Kaufleute ihre Wohnsitze in die Neustadt. Sie errichteten dort für die wachsende Tuchproduktion mehrere Rahmhöfe, die prinzipbedingt große Flächen einnahmen.Bund 1991, S. 116 u. 117. Daneben kamen gegen Ende des Mittelalters im Zuge der Kommerzialisierung des Beherbergungswesen und der weiter wachsenden Bedeutung Frankfurts als Handels- und Messestadt vor allem an den Haupteinfallsstraßen großzügiger dimensionierte Gasthöfe und Hotels auf.Klötzer 1990, S. 12–17. Einziges überliefertes Beispiel dieser Art ist das Haus Große Friedberger Straße 32, das allerdings nur noch den Überrest einer in der Tiefe weit ausgedehnteren Hofanlage darstellt.

Eigenständige Sakralbauten besaß die Neustadt bis auf ein knappes halbes Dutzend Kapellen bis in das frühe 15. Jahrhundert keine, erst damals ging die Peterskirche aus einer solchen als Filialkirche des Doms hervor.Bund 1991, S. 122 u. 123. Spät entstand 1678–81 direkt an der Grenze von Alt- und Neustadt mit der Katharinenkirche das erste als solches geplante protestantische Gotteshaus der Stadt. Von der mittelalterlichen Befestigung ist kein Mauerrest, als Beispiel für eines der repräsentativsten Befestigungsbauwerke der Stadt überhaupt jedoch der spätgotische Eschenheimer Turm in nahezu bauzeitlichem Zustand erhalten.

Wandel in der frühen Neuzeit Nach der europaweiten Verbreitung der Reformation strömten vor allem niederländische Glaubensflüchtlinge in die protestantische und als tolerant geltende freie Reichsstadt. Dies zog neben erheblichen kulturellen und wirtschaftlichen Veränderungen auch ein deutliches Bevölkerungswachstum nach sich. Da in der Altstadt schon seit Jahrhunderten kaum noch Raum für Neubauvorhaben existierte respektive dort die Preise für solchen im Zuge des Bevölkerungsanstiegs explodierten, kam es vor allem zu einer Nachverdichtung der Neustadt.

mini|links|Frankfurt am Main auf der um 1770 entstandenen letzten Auflage von Matthäus Merians erstmals 1628 erschienenen Stadtansicht zeigt trotz einiger Ungenauigkeiten in zahlreichen Nachträgen vor allem um die Zeil die gewachsene Bedeutung der Neustadt Im Zuge der weitgehenden Aufgabe der alten staufischen Stadtmauer und der Verfüllung ihres Grabens wurde Ende des 16. Jahrhunderts die Zeil auch südseitig bebaut. Östlich und westlich entstanden die noch heute teilweise vorhandenen Grabenstraßen, als bekanntester wohl der Große Hirschgraben, wo im 18. Jahrhundert durch einen Umbau aus zwei Häusern dieser Zeit das Goethe-Haus entstehen sollte. Seine beiden Keller stammen noch aus der Zeit der Anlage der Straße.

Damit endete auch die über fast 300 Jahre aufrechterhaltene Trennung zwischen Alt- und Neustadt, hatte man doch die inneren Stadttore bis dahin analog den äußeren jeden Abend verschlossen. Im 17. Jahrhundert blieb dennoch die Altstadt zwischen Dom und Römer das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum der Stadt. Baulich brachte diese Zeit der Neustadt im Zuge des Dreißigjährigen Krieges vor allem die Erweiterung der mittelalterlichen Stadtmauer zu einer – militärisch nie genutzten – bastionären Sternschanzenfestung, die nicht weniger als das größte Bauunternehmen dieser Epoche darstellte.Bund 1991, S. 118.Schindling 1991, S. 205–212.

Erst im 18. Jahrhundert setzte eine allmähliche Verschiebung des städtischen Lebens in Richtung Neustadt ein. Gekennzeichnet war dies durch eine Häufung von palastartigen Gasthöfen und Hotels, aber auch Residenzbauten wie des Darmstädter Hofs (1741–57) der Grafen von Hessen-Darmstadt vor allem an der Zeil oder im Falle des Palais Thurn und Taxis (1731–39) an der Großen Eschenheimer Straße. An Beginn und Ausgang der neustädtischen Hauptverkehrsachse entstanden Wachengebäude, die den Namen der dortigen Plätze bis heute prägen – die Hauptwache (1729/30) und die Konstablerwache (1753, 1886 abgebrochen). 1784 war der Wandel der Zeil mit dem offiziellen Ende der Viehmärkte auch rechtlich abgeschlossen.Zimmermann 1963, S. 74–78.Duchhardt 1991, S. 297 u. 298.

Ab den 1790er Jahren später entstand östlich der Altstadt mit dem Fischerfeldviertel nicht nur die erste Stadterweiterung seit 1333, sondern auch das erste akademisch, nach Idealen des französischen Klassizismus auf dem Reißbrett geplante, explizit nur für Wohnzwecke gedachte Stadtquartier.Zimmermann 1963, S. 102–109. Überdauert hat von diesem Viertel mit Schützenstraße 1 nur ein Wohnhaus sowie die Alte Stadtbibliothek als öffentliches Gebäude, der Rest ging im Zweiten Weltkrieg und der Folgezeit zu Grunde. Allerdings beinhalten noch einige Gebäude des Viertels Teile der Vorgängerbauten in ihren Keller- und Erdgeschossen.

Aufbruch in die Moderne Im 19. Jahrhundert folgte auf die Entfestigung die Begründung der Wallanlagen und die beidseitige Bebauung der flankierenden Wallstraßen, also des einstigen nur verbreiterten Zwingers. Dort fand sich bis 1944 abseits des Fischerfeldviertels das bedeutendste Ensemble klassizistischer Architektur in Frankfurt am Main. Bereits im Vorgriff auf das künftige qualitative West-Ost-Gefälle der Bebauung entstand entlang der Neuen Mainzer Straße im Westen nach den Plänen der renommiertesten Architekten ihrer Zeit eine Reihe von großzügigen Villen für die wohlhabendste Schicht, während sich im weiteren Verlaufe nach Osten zunehmend Mehrfamilien-Mietshäuser fanden.Mohr 1992, S. 24–33.

mini|Die Zeil im Biedermeier (1845)... Ebenso wie diese fast vollständig verschwunden – allerdings vielfach bereits durch die nachfolgende Bautätigkeit des Historismus – sind die öffentlichen Bauten dieser Epoche wie zahlreiche Schulen, der erste Bau des Städel an der Neuen Mainzer Straße oder das Waisenhaus in der Seilerstraße. Noch vorhanden ist, wenn auch stark verändert, das Hospital zum Heiligen Geist an der Langen Straße und das einstige Bethmann’sche Museum in der Friedberger Anlage, heute besser bekannt als Odeon.Lübbecke 1939, S. 249–266.

Ab Mitte des Jahrhunderts setzte das Zeitalter der großen Straßendurchbrüche ein, die der Neustadt strukturell überwiegend die heutige Gestalt geben sollten. Den Beginn machte 1855 der Durchbruch der Liebfrauenstraße; gefolgt 1860/61 von Junghof- und Alter Rothofstraße; 1872/73 das Großprojekt des „Sterns“ von Bethmann-, Friedens-, Kaiser- und Kirchnerstraße zum Anschluss des damals neuen Bahnhofsviertels an die Innenstadt; 1875–1890 die Börsen-, Rahmhof- und Schillerstraße; 1881 die Verlängerung der Zeil als „Neue Zeil“ bis zum Friedberger Tor; 1893 die Klinger- und Stoltzestraße als Stichstraßen der bereits ab 1887 angelegten Battonnstraße sowie die Goethestraße und 1898 die westseitige Verbreiterung der Stiftstraße.Zimmermann 1963, S. 168–178.

mini|links|Übersichtsplan über Straßendurchbrüche und Verbreiterungen 1855–1910