Homeland ist eine von 2011 bis 2020 ausgestrahlte US-amerikanische Fernsehserie, die Elemente des Psycho- sowie Agententhrillers enthält und aus acht zwölfteiligen Staffeln besteht. Zu ihren Schöpfern gehören Howard Gordon und Alex Gansa, die dafür die israelische Serie Hatufim – In der Hand des Feindes adaptierten. Davor waren sie maßgeblich an der thematisch ähnlichen Thrillerserie 24 beteiligt. Der Serientitel spielt auf das 2001/2002 geschaffene Department of Homeland Security an.
Protagonistin der Serie ist die mit einer bipolaren Störung lebende Geheimagentin Carrie Mathison, die anfangs für den Auslandsgeheimdienst CIA tätig ist und sich in weltweiten Missionen für die Abwehr von Terrorismus einsetzt. Zu den Themen der Serie gehören islamistischer Terrorismus, Schläferzellen, Drohnenangriffe und Informationskriege. Kritiker haben die Auseinandersetzung der Hauptfigur mit dem internationalen Terror gleichnishaft für die Situation der US-Gesellschaft nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 beschrieben.
Die Kritiken für die ersten beiden Staffeln waren überwiegend positiv, oft begeistert. Alex Gansa als Showrunner wurde zugutegehalten, mit der sechsten Staffel auf Negativkritik reagiert zu haben, der zufolge vorherige Staffeln von Islamfeindlichkeit und Rassismus geprägt seien. Während die Serie in den USA zu den erfolgreichsten ihres Senders, dem Bezahlfernsehsender Showtime, gehört, wurde sie bei der deutschen Sendergruppe ProSiebenSat.1 Media zunehmend zu einem Misserfolg. Die Serie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter Primetime Emmy Awards und Golden Globe Awards, unter anderem in der Kategorie Beste Dramaserie. Die Episoden der fünften Staffel wurden in Berlin und Umgebung gedreht. Homeland ist damit die erste Serie in der Geschichte des US-Fernsehens, für die eine ganze Staffel in Deutschland gedreht wurde.
Vorspann Der etwa anderthalbminütige Vorspann ist eine Collage aus Jump Cuts, Archivmaterial und sich überlagernden Bildern, Einstellungen und Tönen. Es sind markante Bild- und Tonsequenzen aus der Realität, aber auch aus den Episoden enthalten. Zu den Sequenzen im Vorspann der ersten drei Staffeln gehören Terrorwarnungen aus den Medien und von hochrangigen US-Politikern, angefangen bei Ronald Reagan über Bill Clinton bis hin zu Barack Obama, sowie Bilder vom Einsturz des World Trade Centers durch die Terroranschläge vom 11. September 2001. Der Vorspann erzählt die Hintergrundgeschichte der Hauptfigur Carrie Mathison als eine Art von schnellem Traum und macht dabei mit einem Zitat von ihr deutlich, dass sie zwar darin gescheitert sei, jene Terroranschläge zu verhindern, dass sich aber etwas Derartiges nicht wiederholen dürfe:Eric Gould: Main Titles Up Close: Showtime’s “Homeland”. in: Peter B. Orlik: Media Criticism in a Digital Age. Professional and Consumer Considerations. Routledge, New York 2016, ISBN 978-1-138-91318-9, S. 160 f.Steven Shapiro: Homeland’s Crisis of Middle-Class Transformation. In: Negra und Lagerwey 2015, S. 152–158, hier: S. 153
Nach der dritten Staffel wird der Vorspann staffelweise variiert, jeweils angepasst an die – der Realität entlehnten – Themen der betreffenden Staffel. Zum Beispiel sind das in der vierten Staffel der Einsatz von US-Drohnen über Pakistan oder Afghanistan und in der fünften Staffel die vom Islamischen Staat ausgehende Gefahr.
Der Vorspann bezieht sich auch auf den griechischen Mythos vom Minotaurus im Labyrinth, das hier als Irrgarten erscheint, in dem sich Carrie und – in den ersten drei Staffeln – ihr Ziel Nicholas Brody befinden. Carrie wird in diesem Irrgarten auch als Kind gezeigt, das die Maske des Minotaurus trägt. In der Literatur gibt es unterschiedliche Interpretationen zur Bedeutung dieses Bezugs. Zum Beispiel lässt sich das Labyrinth als Repräsentation von Carries aufgeregtem Geist verstehen, das ihr wegen ihrer bipolaren Störung teils schmerzhafte Streiche spielt. Von einer anderen Rezensentin wurde die Maske als Symbol für Carries Doppelgesichtigkeit gedeutet, die vordergründig eine furchtlose Erwachsene ist, in der sich offensichtlich aber ein verletzliches Kind verbirgt. Carrie wurde von der Mutter verlassen und von einem Vater aufgezogen, der wie sie an einer bipolaren Störung litt.Susan Williams: The Unbearable Weight of Truth: Carrie in Homeland, in: Jung Journal, Culture & Psyche Nr. 3/2017 (11. Jg.), S. 26–42, hier: S. 31 f.
Inhalt Überblick Überwiegend aus der Sicht der anfänglichen CIA-Agentin Carrie Mathison und anderer US-amerikanischer Protagonisten erzählt, handelt die Serie von den Bemühungen um den Schutz der Vereinigten Staaten vor terroristischen Angriffen und vor politischer Einflussnahme ausländischer Mächte. Zentrale wiederkehrende Elemente der Handlung sind die Ermittlungen zum Aufdecken von Verschwörungen gegen die USA und zum Enttarnen und Stoppen von feindlichen Agenten. Auch gehört dazu das eigene Einschleusen von Agenten in feindliche Organisationen, verbunden mit entsprechenden verdeckten Ermittlungen und Überwachungsaktionen auch in privaten Lebensbereichen. Es geht um Konflikte zwischen der CIA und Nachrichtendiensten anderer Staaten, darunter dem israelischen Mossad, dem deutschen BND, dem pakistanischen ISI und den russischen Diensten SWR und GRU. Als Feinde erweisen sich Personen teilweise aus diesen Diensten, teilweise aus US-amerikanischen Organisationen, teils aber auch aus islamistischen Vereinigungen wie der al-Qaida, den Taliban oder dem Islamischen Staat.
Figuren Carrie Mathison, zu Beginn der Serie etwa zwischen 30 und 40 Jahre alt, ist in den ersten vier Staffeln, mit Unterbrechungen, als Agentin für die CIA tätig. In der ersten Staffel wird deutlich, dass die hohen Ansprüche, die sie an sich und ihre Arbeit hat, und ihre Wut darüber, die Terroranschläge vom 11. September 2001 nicht vorhergesehen oder verhindert zu haben, dafür verantwortlich sind, dass sie sich von ihren Kollegen, Freunden und Familienangehörigen entfremdet hat.John V. Karavitis: Die Selbstzerstörungsoption, in: Arp 2016 (dt. Ausgabe), S. 60 ff., hier: S. 67 Am Ende der vierten Staffel wendet sie sich von der CIA ab und arbeitet fortan für verschiedene, darunter auch gemeinnützige Organisationen und tritt verstärkt als Privatperson auf, wenngleich sie teils auch CIA-Interessen verfolgt. Seit ihrem 22. Lebensjahr weiß sie, dass sie eine bipolare Störung hat. Um die Symptome dieser Krankheit einzudämmen bzw. zu unterdrücken, nimmt sie Medikamente ein, zu denen bis zur siebten Staffel vor allem Clozapin gehört. Sie verbirgt ihre Krankheit vor ihren Vorgesetzten, nur enge Vertraute wissen bzw. erfahren davon. Die Medikamente lässt sie sich von ihrer Schwester Maggie, einer Ärztin, verschreiben. Manchmal kommt es vor, dass berufliche Gegenspieler von ihrer Krankheit erfahren und ihr wichtige Medikamente vorenthalten, um ihr zu schaden. Carrie leidet dann wechselnd an manischen und depressiven Episoden, die sie bei ihrer Arbeit stark behindern.
Wenn es die Situation zu erfordern scheint, lässt Carrie zum Ausspionieren, zum Überwachen oder zum Vertrauensgewinn von Zielpersonen es auch zu, dass diese intime Beziehungen zu ihr aufbauen, oder sie forciert solche Beziehungen selbst. Beispiele dafür sind Carries Beziehungen zu einem pakistanischen Studenten in der vierten Staffel und zu einem mutmaßlichen russischen Agenten in der siebten Staffel. Ein anderes Beispiel ist ihr Verhältnis mit Nicholas Brody in den ersten drei Staffeln, aus dem die Tochter Franny hervorgeht, welche in der Pause zwischen der dritten und vierten Staffel geboren wird. Carrie hat in der Folge anhaltende Schwierigkeiten, ihren Beruf und ihre Krankheit mit der Fürsorge für ihre Tochter zu vereinbaren. Aus diesem Grund lässt sie das Kind oft bei Maggie.
Saul Berenson ist zu Serienbeginn der Leiter der CIA-Abteilung für den Mittleren Osten. Er ist Mentor, Freund und anfangs Vorgesetzter von Carrie, die er für die CIA angeworben hatte, als sie noch Studentin war. Zu Beginn der dritten Staffel leitet er die CIA, gegen Staffelende verlässt er sie und tritt in der vierten Staffel als privater Berater der US-Regierung in nahöstlichen Angelegenheiten auf. Mit Beginn der fünften Staffel ist er wieder für die CIA tätig, nunmehr als Leiter der Abteilung für europäische Angelegenheiten. In den letzten beiden Staffeln übt er das Amt des Nationalen Sicherheitsberaters der Vereinigten Staaten aus. Auch sein Privatleben leidet unter seiner Arbeit, sodass seine Ehe zerbricht. Er und Carrie sind die einzigen Figuren, die in allen Episoden auftreten.
Nicholas Brody ist ein US-Marine-Sergeant, der acht Jahre vor Serienbeginn von irakischen Streitkräften gefangen genommen und danach an den al-Qaida-Kommandanten Abu Nazir verkauft wurde. In dessen Haft wurde er jahrelang gefoltert und psychisch im Sinne Nazirs beeinflusst. Durch einen von US-Seite befohlenen Drohnenangriff, durch den während seiner Gefangenschaft ein befreundeter Junge und Dutzende weiterer Menschen starben, erlitt er ein Trauma. Es ist verantwortlich für seine innere Wandlung hin zu einem Attentäter, der sich an den USA mit einem Anschlag für die erlittenen Schmerzen rächen möchte. Mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung kehrt er dorthin und zu seiner Familie zurück, zu der neben seiner Ehefrau Jessica die jugendlichen Kinder Dana und Chris gehören. In der dritten Staffel stirbt er. Aus seiner außerehelichen Beziehung mit Carrie geht seine Tochter Franny hervor, die erst nach seinem Tod geboren wird.
Dar Adal ist ebenfalls ein hochrangiger, schon lange mit Saul Berenson bekannter CIA-Mitarbeiter, der beruflich nicht selten andere Strategien verfolgt als Saul und Carrie. Während er in den frühen Staffeln auf verdeckte Operationen spezialisiert ist und sich auch persönlich stets im Hintergrund hält, steigt er im späteren Verlauf der Serie immer höher in der CIA-Hierarchie auf.
Peter Quinn ist ein CIA-Geheimagent und professioneller Killer, der von der zweiten bis sechsten Staffel zur Handlung gehört und Carrie oft beschützt. Als Waisenkind in einer Pflegefamilie aufgewachsen, wurde er schon als Jugendlicher durch die CIA rekrutiert und – angeleitet von Dar Adal – als SAD-Soldat ausgebildet. Auch wegen dieser Erfahrungen hat er Schwierigkeiten, zwischen persönlichem Glauben und seinen Berufspflichten zu unterscheiden.Ben Travers: ‘Homeland’: An Ode to Rupert Friend’s Quinn After a Divisive Finale, in: IndieWire vom 10. April 2017, abgerufen am 30. Juli 2019 In der fünften Staffel durch Giftgas schwer verletzt, fällt er in ein Koma. Als Folge davon ist er in der sechsten Staffel physisch und psychisch angeschlagen. Selbstlos rettet er am Staffelende die designierte US-Präsidentin vor dem Tod, wird dabei aber selbst erschossen.
Handlung Staffel 1