Wörth am Main (amtlich: Wörth a.Main) ist eine Stadt im unterfränkischen Landkreis Miltenberg.

Geografie Lage Wörth liegt im Nordwesten Bayerns südlich von Aschaffenburg und liegt im Maintal, eingebettet zwischen den Hügeln von Odenwald und Spessart. Die Stadt befindet sich im Bereich des Mainvierecks am linken Mainufer, direkt gegenüber der Stadt Erlenbach am Main. Weitere Nachbargemeinden sind im Norden Obernburg am Main und im Süden Klingenberg am Main und im Westen die hessische Odenwaldgemeinde Lützelbach (Gemeindeteil Seckmauern).

Die Fläche der Gemarkung von 15,89 km² gliedert sich in Wald (9,20 km²), Landwirtschaftsfläche (4,50 km²), Siedlungs- und Verkehrsfläche (1,80 km²), sowie Wasserfläche (0,29 km²).Internetseite der Stadt Wörth am Main: , abgerufen am 2. Juni 2011 Der Baumbestand des Stadtwaldes enthält einen relativ hohen Anteil an Kieferngewächsen wie Kiefern (44 %), Lärchen (8 %), Fichten (6 %) und Douglasien (4 %). Als Laubbäume sind etwa 28 % Buchen, 7 % Eichen, sowie 2 % Edellaubhölzer und sonstige Laubbäume enthalten.Internetseite der Stadt Wörth am Main: , abgerufen am 2. Juni 2011

Der topographisch höchste Punkt der Stadtgemarkung befindet sich mit am Nordhang des Schabelsberges, südwestlich von Wörth, der niedrigste liegt im Main auf .

Gemeindegliederung Außer dem Hauptort gibt es keine weiteren Gemeindeteile.

Es gibt auf dem Gemeindegebiet nur die Gemarkung Wörth a.Main. Sie hat eine Fläche von 15,868 km² und ist in 3886 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 4083,41 m² haben.

Geologie Wörth am Main gehört geologisch zum Südwestdeutschen Stufenland. Vor etwa 240 bis 250 Millionen Jahren (Trias) lag der Bereich des heutigen Unterfrankens nur einige Breitengrade nördlich des Äquators. Das Gebiet befand sich in einem flachen, teilweise überfluteten Becken in dem sich Sande und Tone ablagerten, die von mächtigen Flüssen aus den umliegenden Gebirgen herantransportiert wurden. Daraus bildete sich im Laufe der Jahrmillionen der für diese Gegend typische Buntsandstein. Das eher aride Klima der damaligen Zeit führte zu insgesamt lebensfeindlichen Bedingungen, so dass sich im Buntsandstein nur wenige Fossilien befinden. Im Laufe der folgenden Jahrmillionen bildeten sich mächtige Schichten aus Muschelkalk und Keuper über dem Buntsandstein.

Erst seit dem mittleren Jura (vor etwa 170 Millionen Jahren) wurde Unterfranken Festland. Im Zusammenhang mit der Auffaltung der Alpen im Tertiär (bis vor etwa 40 Mio. Jahren) stellten sich die Erdschichten schräg. Der Buntsandstein wurde angehoben und die darüber angeordneten Deckschichten zum großen Teil durch Erosion abgetragen. Die Oberfläche der heutigen Landschaft bildete sich während der letzten Eiszeit durch Solifluktion (Bodenfließen), Frost (Frostschuttdecken), An- und Abschwemmungen von Flüssen und Bächen und Lössaufwehungen.

Klima mini|Mittelwerte der Niederschlagsmenge von 1961 bis 1990 (Station Obernburg) Das Klima ist warm und trocken. Mit relativ kurzen Wintern und feuchtkühlen Sommern herrscht eine subatlantische Klimatönung vor. Die mittlere Jahresniederschlagsmenge lag zwischen 1961 und 1990 mit 810 mm knapp unter dem Bayerischen Durchschnitt von 850 mm. Insbesondere ist die Niederschlagsmenge geringer als in den angrenzenden Mittelgebirgen Odenwald und Spessart. Mit 210 bis 220 Tagen ist die Vegetationsperiode recht lang.

Name Etymologie Ursprünglich hatte Wörth den Namen Erlebach. Zur Unterscheidung vom auf der anderen Mainseite liegenden, heutigen Erlenbach am Main wurde ein Namenszusatz hinzugefügt, so dass der Ort zeitweise den Namen Erlebach auf’m Wörth trug. Dem späteren Namen liegt das althochdeutsche uuerid (für Flussinsel; verwandt mit Werder) zugrunde. Der heutige Zusatz am Main unterscheidet es von weiteren gleichnamigen Orten.

Die gleiche Namenswurzel steckt im Ortsnamen Wertheim.

Frühere Schreibweisen Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden: 1248 Erlebach 1257 Werde 1341 Werde an dem Moene 1420 Werde 1455 Werd 1483 Werdt am Meyne 1489 Werth 1594 Wertha 1820 Wörth 1877 Wörth a.Main

Ortsnecknamen In den 1840er Jahren herrschte eine Hungersnot in Wörth und Umgebung. Die Bettelei nahm zu und der Diebstahl häufte sich, denn viele Väter konnten ihre Familien nicht mehr ernähren. 1847 hat die Stadt eine „Suppenanstalt“ für die Bedürftigen eingerichtet. In den Nachbarorten erhielten die Wörther Burschen dann den Spitznamen „Bettelsuppenfresser“.

Die Wörther werden in ihrem Ortsnecknamen auch noch „Schlackschisser“ genannt. In der Vergangenheit hatten die Wörther immer mit dem Mainhochwasser zu kämpfen. Immer wieder wurde die Altstadt überflutet, die Straßen und Abtritte standen unter Wasser, da muss ein arglistiger Erlenbacher einen Wörther beobachtet haben, wie er seine Notdurft durch das Fenster (schlack) verrichtete.Werner Trost Stampes, Worzelköpp und Staffelbrunzer Lkr. Miltenberg 2003

Geschichte mini|Wörth („Stat Wertha“) in der Spessartkarte von Paul Pfinzing von 1594 (Norden ist rechts)

Bis zur Gemeindegründung Römische Soldaten haben vermutlich schon in der Zeit Kaiser Domitians (81 – 96 n. Chr.) ein einfaches Holz-Erde-Kastell und später ein massives Steinkastell in Wörth errichtet.

Zur römischen Vergangenheit → Kastell Wörth.

In fränkischer Zeit, seit dem 6. Jahrhundert, war Wörth ein Zentrum königlicher Herrschaft und mit der Kapelle St. Martin im heutigen Friedhof Ausgangspunkt christlicher Missionierung für das Odenwaldhinterland. Die Stadt wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts von den Herren von Breuberg unter der Oberherrschaft der Erzbischöfe von Mainz am heutigen Standort neu gegründet. Im Jahr 1291 wird sie erstmals urkundlich als Stadt Werde erwähnt. 700px|mini|zentriert|Auszug eines Gemäldes aus dem alten Rathaus von Wörth am Main: links (südlich) die Burg (das alte Schloss) mit vorgelagertem Schlossgarten, rechts (nördlich, Main abwärts) das mittelalterliche Wörth am Main

Nachdem im Jahre 1803 die Herrschaft der Mainzer Erzbischöfe zu Ende gegangen war, wurde Wörth in der Rheinbundakte vom 12. Juli 1806 zusammen mit einigen umliegenden Orten links des Mains dem Großherzogtum Baden zugeteilt. Nach Abschluss des Vertrages stellte sich jedoch heraus, dass die territorialen Veränderungen nicht überall sinnvoll waren, und Wörth wurde in einem Tauschvertrag schon am 6. Oktober 1806 dem Großherzogtum Hessen zugeordnet. Eine bedeutende politische Veränderung war der Übergang der Stadt an das Königreich Bayern im Jahr 1816. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

Zeit des Nationalsozialismus Zu Beginn der NS-Zeit hatte Wörth etwa 20 jüdische Einwohner. Zwischen 1934 und 1938 verließen etliche den Ort und emigrierten oder zogen in größere deutsche Städte. Beim Novemberpogrom 1938 wurden die Häuser der verbliebenen jüdischen Bürger demoliert und das Innere der Synagoge zerstört. Bereits am Vortag hatte der Lehrer August Laudenbacher seine Schüler veranlasst, die Fenster der Synagoge einzuwerfen und die Tür einzutreten. 1939 wurde die Synagoge auf Kosten der jüdischen Gemeinde abgebrochen und sechs der letzten acht jüdischen Bewohner verließen Wörth.

2017 wurde am alten Rathaus eine Erinnerungstafel angebracht. An vier Standorten in der Altstadt wurden im gleichen Jahr vom Künstler Gunter Demnig insgesamt 16 Stolpersteine verlegt.

Verwaltungsgeschichte Im Jahr 1862 wurde das Bezirksamt Obernburg gebildet, auf dessen Verwaltungsgebiet Wörth lag. Wie überall im Deutschen Reich wurde 1939 die Bezeichnung Landkreis eingeführt. Wörth war nun eine Gemeinde im Landkreis Obernburg am Main. Mit der Auflösung des Landkreises Obernburg kam Wörth am 1. Juli 1972 in den neu gebildeten Landkreis Miltenberg.

Schifffahrt, Holzhandel und Schiffbau mini|Holzumschlag am Wörther Mainufer (um 1900) Die ältesten Aufzeichnungen im Stadtarchiv, welche die Ausübung des Schifferberufes in Wörth nachweisen, reichen auf das Jahr 1513 zurück.Internetseite der Stadt Wörth am Main: , abgerufen am 2. Juni 2011 Wörth entwickelte sich immer mehr zu einem regional bedeutenden Zwischenhandelsplatz speziell für den Holzumschlag. Dieses ist sicherlich mit eine Konsequenz der strategischen Lage der Stadt am Rande des Odenwalds. Viele Schiffer waren zu dieser Zeit zugleich Holzhändler.

Auch für den Bau von Holzschiffen war eine günstige Ausgangssituation geschaffen, denn Baumaterial und Handel lagen vor Ort. Der Schiffbau ist seit 1652 auf verschiedenen Plätzen urkundlich nachgewiesen, teilweise wird von drei Werften berichtet. Gebaut wurden hölzerne Mainschiffe, Schelchen und kleinere Nachen. Diese Tradition fand erst im Jahr 1918 ein Ende, nachdem die letzte verbliebene Schiffswerft aus Platzgründen auf die gegenüberliegende Mainseite nach Erlenbach am Main wechselte.

Veränderungen der Stadt durch das Hochwasser mini|Wörth am Main, Postkarte (um 1900) mini|„Neu-Wörth“ mit ehemaligem Marktplatz, heute Verkehrskreisel mini|Hochwasserschutzwand als Teil der alten Stadtmauer mit vorgelagerter Mainanlage Das ursprüngliche Stadtgebiet von Wörth wurde direkt am Main, einer der Hauptachsen des mittelalterlichen Fernverkehrs, gebaut. Der Fluss brachte Arbeit und Geld, Macht und Steuergelder, Trinkwasser und Nahrung. Wörth war durch sein leicht erhöhte Lage am Flussrand durch die Stadtmauer und die Gräben zwar leicht gegen Überfälle und Plünderungen zu schützen, dadurch aber immer wieder dem Hochwasser ausgesetzt.

Am 29. Februar 1784 stieg der Main auf die höchste nachweisbare Marke von 8,6 Meter über normal. Die Stadt wurde überflutet, und die Anzahl der Bewohner reduzierte sich im Folgejahr um 112 Einwohner. Sie waren an Seuchen gestorben, geflohen oder weggezogen. In der Chronik heißt es: „Die Häuser wurden so vom Eis, das in der stadt herumflos, beschädigt, und die Burger durch diesen überlas des wassers so verdrüssig, dass man beschlos, unser stadt zu verlasen und ein neues Ort auser der Landstrasen […] zu bauen.“ Von Emanuel Herigoyen entworfene Pläne für eine neue Stadt wurden aber von den Mainzer Erzbischöfen abgelehnt. Das Wasser sank, und die 929 restlichen Bürger verblieben in ihren Häusern.Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg, Stadt Wörth am Main: Lebensqualität durch Hochwasserschutz, Alt-Wörth – Stadtteil mit Zukunft

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts gab es drei weitere große Hochwasser zwischen 7 und 8 Metern über Normal. Die schlimmste Katastrophe war jedoch das ungewöhnlich frühe Winterhochwasser im November und Dezember 1882. Das Wasser gefror in den Wänden, und die Wohnungen blieben den gesamten Winter über nass und kalt. Der Magistrat schrieb einen erneuten Bittbrief nach Würzburg. Der damalige Regierungspräsident Unterfrankens Friedrich von Luxburg forderte die Beseitigung aller Anwesen im Hochwassergebiet und die Erbauung eines neuen Wörths auf vor Hochwasser sicherem Gelände oberhalb der Stadtmauern.

Die bayerische Regierung sicherte finanzielle Unterstützung zu, und das königliche Bauamt Aschaffenburg plante die neue Stadt mit rechtwinkligen Straßen und einem kreisrunden Marktplatz in der Mitte. Der gesamte neue Stadtteil „Neu-Wörth“ wurde aus vier verschiedenen Häusertypen aus rotem Buntsandstein in nur zwei Jahren erbaut. Von Bürgern der Altstadt beteiligten sich aber nur 119 Personen am Umzug. Von den 215 Häusern der Altstadt wurden nach der Umsiedlung so nur 116 abgerissen. Es entstand Platz für Gärten und Handwerksbetriebe. Ein Verbot regelte, dass keine neuen Häuser in der Altstadt gebaut werden dürften. Im Jahr 1885 wurde die Schule in den neuen Stadtteil verlegt, und drei Jahre später wurde auch die neue Kirche St. Nikolaus in „Neu-Wörth“ fertiggestellt.