mini|hochkant=1.4|Der Halbliterklassen-Prototyp von 1957: die MV Agusta 500 Sei mit der bis zum Ende dieser SaisonDiese Form der Verkleidung war nach 1957 verboten. Siehe: Rückzug italienischer Hersteller aus der Motorrad-Weltmeisterschaft 1957 oft eingesetzten Stromlinienverkleidung mini|hochkant=1.4|Die MV Agusta 350 Sei von 1968, hier gut zu erkennen: die charakteristischen sechs Endrohre Die MV Agusta Corse Sechszylinder (MV Agusta Corse Sei Cilindrica) oder auch MV Agusta Sei (italienisch für Sechs) waren eine Gruppe von Rennmotorrädern des italienischen Herstellers MV Agusta, die zwischen 1957 und 1971 für die Klassen 350 cm³ und 500 cm³ der FIM-Motorrad-Weltmeisterschaft entwickelt und gebaut, aber nie im Rennen eingesetzt wurden.
Hintergrund Obwohl MV Agusta bei der Motorrad-Weltmeisterschaft 1956 die Titel in den Klassen 500, 250 und 125 cm³ gewonnen hatte, zeichnete sich für die kommende Saison (besonders in der 500er-Königsklasse) ein harter Konkurrenzkampf ab, nachdem Moto Guzzi in Imola mit der Moto Guzzi V8 einen V8-Motor im Rennen einsetzte, und auch die Gilera 500 4C großes Potenzial gezeigt hatte. Vor diesem Hintergrund beauftragte Conte Domenico Agusta 1956 seinen Sportdirektor Arturo Magni, zusammen mit seiner Rennabteilung „Reparto Corse“, einen Sechszylindermotor zu entwickeln, der höhere Drehzahlen erreichen und dadurch mehr Leistung abgeben könnte als der bewährte Vierzylinder.
Die Modelle Prototyp 350 cm³ Sei (1957) 1957 wurde der erste Prototyp der Sechszylinder mit 350 cm³ von MV Agusta fertiggestellt. Der Motor mit zwei obenliegenden Nockenwellen (die Stirnräder des Nockenwellenantriebs saßen zwischen Zylinder 3 und 4) hatte zwei Ventile je Zylinder. Die Bohrung betrug 44 mm, der Hub 38,25 mm (daraus ergab sich für die einzelnen Zylinder ein Hubraum von je von 58,13 cm³). Sechs Dell’Orto-Vergaser versorgten die Zylinder mit Gemisch, gezündet wurde mit einer Lucas-Magnetzündung. Nachdem sich Moto Guzzi, Gilera und F.B Mondial Ende 1957 vom Rennsport zurückzogen, wurde das Projekt 350 Sei eingestellt.Grand Prix Motorcycle Engine Development von 1949 bis 2008, von David Piggott & Derek Taulbut (englisch) abgerufen am 4. April 2024.
Die 350 Sei wurde nur ein einziges Mal eingesetzt, und zwar 1957 im Training zum Großen Preis der Nationen in Monza durch Nello Pagani.
Prototyp 500 cm³ Sei (1958) Ende 1957 testeten John Hartle und John Surtees eine Sei mit 500 cm³ Hubraum.Spahn: MV Agusta. 1986, S. 261 ff. Nach wenigen Runden beim ersten Einsatz während des Rennens in Monza (1958) fiel die 500er von John Hartle mit Motorschaden aus.https://www.mvagustaoldtimers.nl/?avada_portfolio=500cc-seicilindrico Danach wurde dieses Motorrad nicht wieder eingesetzt, da die Vierzylinder von MV standfester waren. Der Motor hatte einen Hubraum von 499,2 cm³, eine Bohrung von 48 mm und einen Hub von 46 mm. Von sechs 26-mm-Dell’Orto-Vergasern mit Gemisch versorgt soll die Maschine eine Leistung von 75 PS bei einer Drehzahl von 15.000 min−1 erreicht haben. (abgerufen am 30. September 2011) Das einzig erhaltene Modell steht heute im MV-Agusta-Werksmuseum in Samarate.Siegfried Rauch, S. 160
Die MV Agusta Corse 350 cm³ Sei (1968–1971) Obwohl die FIM die Zylinderzahl für die verschiedenen Hubraumklassen für die Zukunft beschränkt hatte, entwickelte MV Agusta auf der Basis der alten 350er von 1957 eine neue Sechszylinder, mit vier Ventilen je Zylinder. Vorbild dieser Weiterentwicklung war das Erfolgsmodell von Honda, die RC166. Eine 350-cm³-Sechszylinder setzte Mike Hailwood 1968 erstmals im Training von Monza ein und unterbot auf Anhieb den bestehenden Rundenrekord. Teaminterne Auseinandersetzungen um die Fahrerposition veranlassten Hailwood, die Maschine dann doch nicht im Rennen einzusetzen. Erst 1969 testete Agostini die 350er Sei in Modena erneut. Ein letzter Test im Training – der Motor hatte nun die Bohrung 46 mm und einen Hub von 35 mm – fand 1971 statt. (abgerufen am 9. Oktober 2011; PDF; 651 kB) Mike Hailwood fuhr eine 350er Sei im Training von Monza (1968), Giacomo Agostini testete die Maschine zuletzt beim Training in Modena (1971). Einen Renneinsatz hatte dieses Motorrad jedoch nie.Spahn: MV Agusta. 1986, S. 264
Technische Daten mini|Heckansicht der MV Agusta 500 Sei von 1958 mini|Die MV Agusta 350 Sei von 1968 mini|Blick auf die offenen Ansaugtrichter der sechs Dell’Orto SS19 Rennvergaser MV Agusta 350 „Sei“ mini|Trotz des quer eingebauten 6-Zylinder-Reihenmotor hat die 350er eine schmale Silhouette mini|Das enorme Drehzahlband der MV 350 Sei
Anmerkung: Bei abweichenden Informationen im Internet wurden die Daten aus der vorliegenden Literatur eingesetzt. MV Agusta 500 „Sei“ (1958)MV Agusta 350 „Sei“ (1968–1971)Motor Bauart6-Zylinder-Viertaktmotor; luftgekühlt Hubraum499,2 cm³ = 83,2 cm³/Zyl. 348,8 cm³ = 58,3 cm³/Zyl. Bohrung und Hub48 × 46 mm 43,3 × 39,5 mm / in der letzten Version: 46 × 35 mm Verdichtung10,8 : 1 11 : 1 Zylinderkopfk. A. Leichtmetall Zylinderk. A. LeichtmetallVentile – Anordnunggeneigt, hängend (Vier pro Kopf)Ventile – Steuerung2 obenliegende Nockenwellen DOHC Vergaser6 Stück Dell’Orto SSI 26 A 6 Stück Dell’Orto SS19Schmierungk. A.ÖlsumpfAntrieb KupplungÖlbadlamellenkupplung trockene Lamellenkupplung Getriebeangeblockt, 6 Gänge angeblockt, 7 Gänge (Rechtsschaltung) Antrieb primär / sekundärZahnräder / Kette Zahnräder / KetteElektrik ZündungLucas Magnetzündung Schwungradmagnetzündung Spannungk. A. k. A. Lichtmaschinek. A. k. A.Leistung Leistung75 PS bei 15.000/min 72 PS (53 kW) bei 16.000/min Höchstgeschwindigkeit240 km/h 250 km/h (1969)Rahmen und Maße RahmenRohr, geschlossene Doppelschleife Rohr; geschlossene, demontierbare Doppelschleife, Motor mittragend Radstand1350 mm 1360 mm Länge1950 mm 1990 mm Breite530 mm 530 mm Tankinhalt22 l 18 Liter Inhalt Ölbehälterk. A. 3,3 Liter Gewicht145 kg 125 kg (trocken)Federung, Reifen und Bremsen Radaufhängung vornehydraulische Teleskopgabel Ceriani-Teleskopgabel Radaufhängung hintenhydraulische Stoßdämpfer Schwinge, Ölstoßdämpfer Räder (vorne / hinten)Leichtmetall, Speichen 2,75×18″ / 3,25×18″ Leichtmetall, Speichen 2,75 × 18″ Reifen (vorne / hinten)vorne 3,00 × 18″ / hinten 3,50 × 18″ vorne 3,00 × 18″ / hinten 3,25 × 18″ Bremsen (vorne / hinten)4-Nocken-Trommel 260 mm / 2-Nocken-Trommel 190 mm Doppelduplex-Trommelbremse 240 mm (4 Nocken) / 230-mm-Trommelbremse (2 Nocken) Quelle:mvagustaoldtimers.nl: MV Agusta corse 350 sei
Literatur Mario Colombo, Roberto Patrignani: MV Agusta. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 3-613-01416-5, . Siegfried Rauch: Berühmte Rennmotorräder. 2. Auflage. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1980, ISBN 3-87943-590-1 Christian Spahn: MV Agusta. Technik und Geschichte der Rennmotorräder. 1. Auflage. Serag-Verlag, 1986,
Weblinks
speedweek.com Die 6-Zylinder-MV Agusta und ihr Seltenheitswert. Kurzer Artikel mit einigen Infos. (deutsch) mcnews.com.au The six-cylinder MV Agusta 500 Grand Prix racer of 1957. Schöne Bilderstrecke mit zahlreichen Detailaufnahmen. (englisch) MV Agusta 6 cylinder at Surtees Day Brands Hatch Amateuraufnahmen des „nie angetretenen Motorrades“. Auf YouTube. Abgerufen am 17. Juli 2021 MV Agusta 350 6 cylinder Warm-up Auf YouTube MV Agusta 500 Six on Classic GP Assen 2022. Aufnahmen (Warm-Up) des einzigen existierenden Exemplars. Auf YouTube
Einzelnachweise
Kategorie:Rennmotorradmodell #:::350 Sechszylinder