mini|Goebel als Zeuge bei den Nürnberger Prozessen. Johannes Paul Edmund Goebel (* 29. Oktober 1891 in Berlin; † 11. August 1952 in BremenLydia Sliwinski: Der bedeutungsvolle Andere in der Biographie des KZ-Arztes Prof. Dr. med. Carl Clauberg – eine biographische Rekonstruktion. Dissertation, Philosophischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, 2017, S. 380; uni-kiel.de (PDF; 264 MB).) war ein deutscher Chemiker.

Leben und Wirken Johannes Paul (in der Literatur auch als Walter Paul Edmund) Goebel war seit den 1930er Jahren für die Schering AG im Labor als Pharmazeut und Chemiker tätig. Er stieg dort zum Chefchemiker auf. 1933 trat er der NSDAP (Mitgliedsnummer 3.003.519) und der Allgemeinen SS (SS-Nummer 182.700) bei. Im April 1942 wurde er von der Schering AG nach Auschwitz abgeordnet, um dort in der Medizinischen Abteilung als Assistent von Carl Wilhelm Clauberg bei Menschenversuchen tätig zu werden. Schwerpunkt seiner Tätigkeit war die Massensterilisierung von Jüdinnen. Obwohl kein Mediziner injizierte er selbst. Die Schätzungen zur Zahl der Opfer gehen weiter auseinander. Wolfgang Benz geht von 150 bis 400 aus,Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band 5: Hinzert, Auschwitz, Neuengamme. C.H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-52965-8, S. 126. Robert Jay Lifton von zwischen 700 und einigen Tausend.Robert Jay Lifton: Nazi doctors. Medical killing and the psychology of genocide. New York 2000, S. 277. Zu den Nebenwirkungen der Versuche gehörten Bauchfellentzündungen oder Sepsis. Eine nicht bekannte Zahl der Opfer starb durch die Versuche. Goebel war auch beteiligt an der Erprobung von Kontrastmitteln für Röntgenzwecke an Häftlingen. Für seine Aktivitäten wurde er mit dem Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse mit Schwertern ausgezeichnet.

Mit dem Vorrücken der Roten Armee flüchteten Goebel und Clauberg Anfang 1945 über das KZ Groß-Rosen ins KZ Ravensbrück. Dort führten sie ihre Experimente fort. Mit dem Ende des Nationalsozialismus wurde Goebel zeitweise inhaftiert. Die Schering AG entließ ihn Ende März 1945, stellte ihn dann später aber wieder ein. Goebel wurde im Rahmen der Nürnberger Prozesse als Zeuge vernommen, aber nicht angeklagt.Alle Angaben, soweit nicht anders angegeben siehe: Robert Jay Lifton: Nazi doctors. Medical killing and the psychology of genocide. New York 2000, S. 272, 277. Gert J. Wlasich: Die Schering AG in der Zeit des Nationalsozialismus: Beiträge zur Unternehmenskultur in einem Berliner Konzern. Berlin 2011, S. 167 f., 170 f. Regionales Personenlexikon, akteureundtaeterimnsinsiegenundwittgenstein.blogsport.de

Schriften Beitrag zur Kenntnis der binären Blei-Legierungen. Dissertation, 1918.

Literatur Auschwitz, 1940–1945. Die Häftlinge. Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau, 1999.

Hans-Joachim Lang: Die Frauen von Block 10. Medizinische Versuche in Auschwitz. 2011.

Weblinks

Einzelnachweise

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