mini|hochkant=1.3|Im Mittelalter wichtige Städte und Siedlungen im heutigen Albanien Albanien im Mittelalter trennt eine Epoche der Geschichte Albaniens heraus, die etwa in die Zeit zwischen dem 6. und dem 15. Jahrhundert eingeordnet wird. Dabei sind die Kontinuitätslinien, bedingt durch die Zugehörigkeit zum Byzantinischen Reich mit seinen römischen Traditionen und seiner ausgeprägten Staatlichkeit, stärker als in weiten Teilen Westeuropas. Das Ende der Epoche bezeichnet die Übermacht des Osmanischen Reiches ab dem späteren 15. Jahrhundert, wobei die albanischen Versuche der Abwehr in den Mittelpunkt rücken.

Überblick In der Spätantike gehörte Albanien, wie der gesamte Mittelmeerraum, zum Römischen Reich. Mit der Reichsteilung des Jahres 395 kam das Gebiet an das Ostreich, womit es stärker östlich-griechischem Einfluss unterlag als westlich-lateinischem. Sprachlich entwickelten sich der Norden und der Süden verschieden, denn im Norden dominierte die lateinische Sprache, im Süden die griechische. Auch erreichten in Westeuropa entwickelte Strukturen, wie das Lehnswesen, den Balkanraum erheblich später. Im 4. und 5. Jahrhundert folgte der Romanisierung die weitgehende Christianisierung. mini|Die komplexe politische Landkarte gegen Ende des 9. Jahrhunderts Nachdem zunächst Germanen und Slawen das Land zeitweise erobert hatten, und sich die byzantinischen Machtkerne nur in den größeren Städten vor allem an der Küste hielten, kam es in den frühen 840er Jahren zum ersten Bulgarischen Reich. 864 kam es zu einer Grenzregelung, die bulgarischen Herrscher setzten Ende des 9. Jahrhunderts zu einer erneuten Missionierung der inzwischen wieder heidnischen Albaner an, deren Mittelpunkt Devol wurde. Dabei erfolgte der Unterricht in altslawischer Sprache. Danach fiel Albanien aber an Byzanz zurück, das sich weiterhin als Nachfolger des Römerreiches sah. Im Binnenland dominierten inzwischen heidnische Slawen, eine Reihe von Bistümern verschwand, während Byzanz den Küstensaum verteidigen konnte, zusammengefasst zur Provinz Dyrrhachion. Das Gebiet um den Skutarisee löste sich aus dem byzantinischen Gebiet und gehörte zu Dioclea, dessen Fürstenresidenz auf der Westseite des Sees lag. Über die ethnische Gruppe der Albaner, die im Hinterland lebten, gibt es vor dem 11. Jahrhundert keinerlei Quellen. mini|Die byzantinischen Themen auf dem Balkan im Jahr 1045 Mit der Eroberung der Bulgarenhauptstadt Ohrid im Jahr 1018 begann für Albanien eine weitere byzantinische Epoche, die bis in die Zeit um 1200 reichte, spätestens jedoch mit dem Vierten Kreuzzug und der Eroberung Konstantinopels im Jahr 1204 endete. Bereits Ende des 12. Jahrhunderts wurde der Norden Albaniens Teil des Königreichs Serbien, dem im 14. Jahrhundert das serbische Zarenreich folgte, das ganz Albanien eroberte. Der Süden fiel zunächst an den Despotat Epirus, einen der byzantinischen Nachfolgestaaten. Dort siedelten Stämme der albanischen Wanderhirten im 13. Jahrhundert. Nach dem Zerfall des Serbenreiches nach 1355 reichte die Siedlungstätigkeit der Albaner bereits bis in den Süden Griechenlands und über den Kosovo hinaus.

Während des Spätmittelalters, wenn auch Byzanz bis Mitte des 14. Jahrhunderts ebenso weiterhin eine Rolle spielte wie die Mächte Süditaliens, entstanden für einige Zeit unabhängige Fürstentümer. Diese vereinigten sich 1444 in der Liga von Lezha. Diese Liga wurde vor allem vom Königreich Neapel, den Päpsten und der Republik Venedig unterstützt. Mit dem Fall von Shkodra, der letzten Festung der Liga, zerfiel das Bündnis 1479 und in der Folge besetzten die Osmanen das Land für mehr als vier Jahrhunderte.

Kulturell hatte diese Epoche zur Folge, dass sich im Kerngebiet der Albaner deren eigene Sprache hielt, während die Albaner im Süden die griechische Sprache adaptierten. Die mundartliche Teilung des Landes in Gegen und Tosken im Norden und Süden des Landes geht auch auf den entsprechenden starken venezianisch-neapolitanischen Einfluss im Norden und den stärkeren byzantinischen im Süden zurück. Dabei war das nördliche und mittlere Albanien überwiegend katholisch, der Süden orthodox. Bis 1600 trat ein großer Teil der Albaner, insbesondere in Süd- und Mittelalbanien, zum Islam über. Der Siedlung in anderen Reichsgebieten, aber auch dem gesellschaftlichen Aufstieg, stellten die Osmanen nur wenige Hindernisse in den Weg, wenn auch die Konversion zum Islam die Bedingung für den Zugang zu den höheren Ämtern war.

Spätantike mini|hochkant=1.3|Die Teilung des Römischen Reiches im Jahr 395 Nachdem die Region 168 v. Chr. endgültig an das Römerreich gefallen war, wurde sie im 3. Jahrhundert n. Chr. Teil der Provinz Epirus nova, die wiederum zu Macedonia gehörte.

Die Provinzen wurden nach der Reichsteilung Teile des Oströmischen Reiches, später als Byzanz bezeichnet. Dort wurden später Themen gegründet. Dieses Verwaltungssystem der Themen trug möglicherweise zum Aufstieg des Feudalismus bei, als von ihren Kriegsherren entlassene Bauernsoldaten Besitzer von Grund und Boden wurden.

Mit der Rückeroberung von Teilen des Weströmischen Reiches unter Kaiser Justinian I., also insbesondere des Vandalenreichs in Nordafrika (bis 535) und des Ostgotenreichs in Italien, wurde zugleich der Balkan auf Anweisung Kaiser Justinians stark befestigt. So ließ der Kaiser etwa 600 Festungen bauen, wohingegen im asiatischen Teil des Reiches nur ein Achtel dieser enormen Menge entstand.Florin Curta: The Making of the Slavs. History and Archaeology of the Lower Danube Region, c. 500–700, Cambridge University Press, 2001, S. 88 und 150 f. Eine albanische Inschrift aus Ballshi bei Byllis belegt, dass Victorinus, der Architekt Justinians, die Festungen in den Provinzen Moesia, Scythia Minor, Illyricum und Thracia errichten ließ. In Albanien ließen sich allerdings nur drei Forts aus dem 6./7. Jahrhundert identifizieren. Diese waren Drisht-Shkoder, Shurdhah und Kruja.Florin Curta: The Making of the Slavs. History and Archaeology of the Lower Danube Region, c. 500–700, Cambridge University Press, 2001, S. 167.

Albaner Die Geschichte Albaniens wurde lange Zeit mit derjenigen der Albaner gleichgesetzt, daher wurde sie meistens teleologisch aufgefasst, nämlich mit dem Ziel der Befreiung von Fremdherrschaft. Daher waren die „anderen“ entweder „Barbaren“, „Unterdrücker“ oder „Fremdherrscher“.

Man nimmt inzwischen an, dass es bereits im 7. Jahrhundert v. Chr. eine eigenständige Sprache gab, die als Vorgängersprache des Albanischen gilt.Oliver Jens Schmitt, Eva Anne Frantz (Hrsg.): Albanische Geschichte. Stand und Perspektiven der Forschung, München 2009, S. 39. Jedoch ist die Quellenlage äußerst ungünstig, wenn auch albanische Forscher lange Zeit eine illyrische Herkunft in Anspruch nahmen. Anzeichen dafür schien ihnen die Komani-Kruja-Kultur zu sein, für die sie die Bezeichnung „proto-albanische Kultur“ bevorzugten, die sich von Nordalbanien bis Thessalien erstreckte und die etwa Artefakte der awarischen, aber auch der römischen und der byzantinischen Kultur aufweist. Diese könnten aber genauso gut von angesiedelten Soldaten der spätantiken römischen Armee stammen.Zur mitunter schillernden Deutung archäologischer Funde, besetzt von erkenntnisleitenden Interessen vgl. William Bowden: The Construction of Identities in Post-Roman Albania, in: Luke Lavan, William Bowden (Hrsg.): Theory and Practice in Late Antique Archaeology, Brill, Leiden 2003, S. 57–78. Spätestens seit Milan Šufflay, dem eigentlichen Begründer der mittelalterlichen Geschichte der Albaner, wird diskutiert, ob die ethnische Entwicklung der späteren Albaner aus einer ethnisch-kulturellen Mischzone hervorging, oder, wie es vielfach albanische Historiker sahen, ob es schon sehr früh einen ethnischen Kern gab, der in origineller Weise kulturelle Impulse von außen aufnahm und verarbeitete. Die äußersten Grenzen bilden bei dieser Debatte das 6. und 7. Jahrhundert mit der slawischen Zuwanderung und das 14. Jahrhundert mit der osmanischen Eroberung und der für die Zeitgenossen spürbaren Südwanderung der Albaner.

Erstmals taucht der Ausdruck ‚Albanien‘ im Geschichtswerk (Alexiade) der Kaisertochter Anna Komnena auf, also in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Jedoch ist die Bezeichnung des Raumes Albanien unklar, denn in der griechischen Form Arbanon bezeichnete es Mittelalbanien, das Bergland um das Matital. Der byzantinische Historiker Michael Attaleiates erwähnt in seinem Werk Historia (1079 bis 1080) Albanoi als Beteiligte an einer Revolte gegen Konstantinopel im Jahr 1043 und Arbanitai als Bürger des Themas Dyrrachion. Es ist umstritten, ob er sich dabei auf die Albaner im ethnischen Sinne bezog. Ansonsten wäre dies die erste gesicherte Erwähnung des albanischen Volks.Omeljan Pritsak: Albanians, in: Oxford Dictionary of Byzantium, Bd. 1, Oxford University Press, New York / Oxford 1991, S. 52 f. Allerdings finden die Albaner als „Arbanasi“ Erwähnung in einem bulgarischen Text, der wohl zwischen 1000 und 1018 entstanden ist, und der in einer serbischen Kopie von 1628 erhalten ist.Robert Elsie: Early Albania, S. 3.

Italienische Quellen verweisen um 1400 darauf, dass der Raum zwischen Kotor im Norden und Naupaktos im Süden als Albanien bezeichnet wurde.Oliver Jens Schmitt: „Die Monade des Balkans“ – die Albaner im Mittelalter, in: Ders., Eva Anne Frantz (Hrsg.): Albanische Geschichte. Stand und Perspektiven der Forschung, München 2009, S. 61–80. Ab dem 13. Jahrhundert findet sich in einigen Quellen die Bezeichnung „Albanenses“ oder „Arbanenses“, wie es im Lexikon zur Geschichte Südosteuropas heißt.Konrad Clewing, Holm Sundhaussen: Lexikon zur Geschichte Südosteuropas, 2. Auflage, Böhlau, 2016, S. 54.

Völkerwanderung mini|Silbergefäß, byzantinische Arbeit aus dem 6. Jahrhundert. Es handelt sich um ein Stück aus dem Vrap-Schatz aus dem 7. Jahrhundert, der 1901 in Ostalbanien entdeckt wurde. Der eigentliche Fundort Erseka am Oberlauf des Osumi. Der Schatz geht nach Ansicht des New Yorker Metropolitan Museum of Art auf Awaren zurück, doch ist unklar, warum die Stücke vergraben wurden. Das Gefäß ist 18,5 cm hoch und wurde dem Metropolitan Museum of Art 1917 von J. Pierpont Morgan geschenkt.The Avar Treasure, Heilbrunn Timeline of Art History des Metropolitan Museum of Art. Nach den Untersuchungen von Joachim Werner: Der Schatzfund von Vrap in Albanien, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 1986, könnte der Schatz auch frühbulgarischen Ursprungs sein.

mini|Ruinen in der 586 von Slawen zerstörten Stadt Byllis In den ersten Jahrzehnten unter oströmischer Herrschaft (bis 461) litt Epirus nova an Einfällen von Visigoten, Hunnen und Ostgoten. Hinzu kamen später die Slawen, die zunächst nur Raubzüge und Plünderungen unternahmen, sich aber dann auf der gesamten Balkanhalbinsel ansiedelten (siehe Landnahme der Slawen auf dem Balkan).

Goten und Hunnen drangen im späteren 4. Jahrhundert und 5. Jahrhundert ins Römische Reich ein, einige Gruppen siedelten sich dort an. Mit den Awaren erschienen ab 570 neue Gruppen in den Quellen, in deren Schatten fielen im frühen 7. Jahrhundert slawische Gruppen ein, die sich am Ende von ihren Oberherren freimachten.

In den Jahren 600 und 616 zogen große Verbände von Awaren und Slawen Richtung Konstantinopel, erneut 626, um gemeinsam mit den Awaren die byzantinische Hauptstadt zu belagern. 618 erreichten Slawen den Peloponnes, 623 gar Kreta. Ob sie auf Beute aus waren oder ob sie sich dort ansiedeln wollten, ist unklar.Michael Wilhelm Weithmann: Slaven auf der griechischen Halbinse, Tofenik 1978, S. 27 und S. 147 bezieht sich auf die Chronik des Thomas Presbyter von Emesa aus dem 7. Jahrhundert (Ernest Walter Brooks, Jean-Baptiste Chabot (Hrsg.): Corpus Scriptorum Christianorum Orientalium, Löwen 1907, 115). Hingegen sprechen ihnen Klaus Gallas, Klaus Wessel, Manolis Borboudakis: Byzantinisches Kreta, Hirmer 1983, S. 16 jede Siedlungsintention ab, sondern halten sie für Plünderer.

Bulgarische Herrschaft (Mitte 9. Jahrhundert bis 1018)