mini|Haus der Bayerischen Geschichte, 2023 mini|Museumsbau mit Donaulände mini|Blick von Westen auf das Domfenster mini|Blick von Norden mit Donaulände und Eiserner Brücke Das Haus der Bayerischen Geschichte: Museum, auch: Museum der Bayerischen Geschichte, in der Altstadt von Regensburg am südlichen Ufer der Donau ist ein Museum zur neuen und neuesten bayerischen Geschichte. Gründungsdirektor ist Historiker und Museumsfachmann Richard Loibl. Das Museum wurde nach achtjähriger Planungs- und Bauphase am 5. Juni 2019 eröffnet.
Die Dauerausstellung des Museums umfasst auf einer Fläche von 2500 m² die Zeit von der Gründung des Königreichs Bayern 1806 bis zur Gegenwart.https://www.museum.bayern/ausstellungen/dauerausstellung.html Das Museum ist die erste ortsgebundene Einrichtung des Hauses der Bayerischen Geschichte, das die Bayerischen Landesausstellungen ausrichtet, die jedes Jahr in einer anderen Region Bayerns zu einem spezifischen Thema der bayerischen Geschichte stattfinden.
Die Erfahrung des Hauses und seiner Mitarbeiter mit Museumsgründungen und großen Ausstellungsprojekten konnte von Anfang an in das Projekt einfließen. Daraus resultierte die hohe Gewichtung von Sonderaktivitäten. Beispielsweise steht ein 1000 Quadratmeter umfassender stützenloser Raum für Wechselausstellungen und Veranstaltungen zur Verfügung. Durch die effektive Planung sind sowohl Präsentationen in Größenordnungen von Landesausstellungen als auch kulturelle Veranstaltungen mit bis zu 1000 Gästen durchführbar. Dabei wurde das Museum als Passivhaus konzipiert. Die Energiekosten, die ansonsten die Museumsetats zu großen Teilen aufsaugen, belasten das HdBG nur in niedriger sechsstelliger Größenordnung.
Vorentwicklungen und Ziele Das Museum sollte ursprünglich zum 100-jährigen Jubiläum des Freistaats Bayern im Jahr 2018 eröffnen. Wegen eines Brandes in einem Nebengebäude im Juli 2017 verzögerte sich die Eröffnung aber um ein Jahr. Standort des Museums ist der ehemalige sog. Donaumarkt an der Donaulände unmittelbar südlich der Eisernen Brücke über die Donau. Die Architektur des Neubaus berücksichtigt zwar den Verlauf ehemaliger Gassen auf dem Gelände, jedoch wird besonders die Gestaltung der Fassade vor Ort kontrovers diskutiert. Bau und Ausstattung des Museums kosteten rund 95 Millionen Euro.
Der damalige bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer kündigte in seiner Regierungserklärung am 10. Dezember 2008 an, ein bayerisches Landesmuseum für Geschichte verwirklichen zu wollen.art-magazin.de, Um einen Standort zu finden, wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben.
Der bayerische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst Wolfgang Heubisch stellte am 17. Mai 2011 seinen Kabinettskollegen den vom Haus der Bayerischen Geschichte erarbeiteten Kriterienkatalog für einen geeigneten Museumsstandort vor. Gefordert wurde eine Innenfläche von mindestens 11.000 m² für Depots, Ausstellungsräume, Gastronomie und Verwaltung. Eine weitere Voraussetzung war eine „Symbolträchtigkeit“ des Ortes für die bayerische Geschichte. Der Ort sollte die Demokratiegeschichte und den Strukturwandel des Freistaates Bayern widerspiegeln.augsburger-allgemeine.de, Augsburg kämpft um zweites Landesmuseum
Am 7. Dezember 2011 wurde bekanntgegeben, dass das Projekt am Donaumarkt in Regensburg realisiert werden solle. Kritik erhielt Seehofer, weil die Stadt Regensburg bereits im Vorfeld der offiziellen Bekanntgabe als Favorit dargestellt wurde. Auch wurde das Verfahren von Medien und politischen Parteien als angeblich undurchschaubar kritisiert.Freie Wähler mäkeln an Museum für Regensburg rum! In: www.wochenblatt.de, 24. November 2011. (abgerufen am 4. Dezember 2011) Alternative Bewerbungen von Kommunen mini|Vorgeschlagener Alternativstandort: Alte Weberei in Kempten an der Iller Zahlreiche Städte bewarben sich, darunter in Oberfranken Kulmbach, in Mittelfranken Nürnberg, in Unterfranken Bad Kissingen und Würzburg,mainpost.de, Martin Seidel schlägt Kamera für Bayerisches Landesmuseum vor in der Oberpfalz Sulzbach-Rosenberg, in Oberbayern Burghausen, Freising, Ingolstadt,Stadt Ingolstadt, Bewerbung für das Bayerische Landesmuseum - OB-Video-Statement vom 8. August 2011 Marktl am Inn, Neuburg an der Donau und Scheyern, in Niederbayern Bogen, Eggenfelden, Kelheim, Landshut und Passaulokalnews.de, sowie Straubing und Viechtach, in Schwaben Kempten,augsburger-allgemeine.de, Landesmuseum in Kempten? Brückenschlag zwischen gestern und heute Augsburg, Babenhausen, Bad Grönenbach, Buxheim und Höchstädt.augsburger-allgemeine.de, Landesmuseum für Höchstädt? Schloss soll mit ins Rennen gehen Einige dieser Städte machten konkrete Standortvorschläge. Die Stadt Kempten wollte das Geschichtsmuseum in der alten Mechanischen Baumwollspinnerei und Weberei unterbringen. Die im Jahr 1902 erbaute und denkmalgeschützte Sheddachhalle aus Backstein hat eine innere Nutzfläche von 15.000 m² und liegt direkt am Fluss Iller. Am Gelände befinden sich noch weitere freie Flächen. In der Nähe befinden sich drei historische Brücken, die Oberen Illerbrücken. Das Gebäude steht seit 1993 leer. Würzburg wollte das Museum auf dem Areal der ehemaligen Mozartschule gegenüber der Würzburger Residenz unterbringen.
Den Zuschlag erhielt die Stadt Regensburg durch den bayerischen Ministerrat auf einstimmige Empfehlung des Fachgremiums zur Standortwahl, weil die Stadt ein Grundstück in zentraler und attraktiver Lage an der Donau zur Verfügung stellte, auf dem alle geplanten Museumsfunktionen untergebracht werden konnten.Vgl. Richard Loibl (Hrsg.): Wie alles begann. Kurze Geschichte des Museums, HdBG Magazin Nr. 3, Augsburg 2019, S. 18f. Zusätzlich renovierte die Stadt Regensburg im Osten des Geländes einen denkmalgeschützten früheren Salzstadel für Depotzwecke. Für Ausstellungen, Veranstaltungen und Museumspädagogik konnte ein Neubau errichtet werden, bei dem die Vorgaben hinsichtlich Konzeption und Nachhaltigkeit keinen Einschränkungen ausgesetzt waren.
Der Museumsbau Der Donaumarkt als Bauplatz und seine Geschichte Der Museumsbau liegt am südlichen Ufer der Donau auf einem erhöhten hochwassersicheren Areal südöstlich der Eisernen Brücke und östlich des St. Georgen-Platzes und der nach Süden verlaufenden Kolpingstraße.Die Kolpingstraße hat ihren Namen nach dem 1954 entstandenen monströsen Neubau des Kolpinghauses, das wie ein Riegel den St. Georgen-Platz, das Ufer der Donau mit der Eisernen Brücke und heute auch den Museumsbau von der Altstadt trennt. Um den Riegelbau des Kolpinghauses beidseitig umfahren zu können, waren erhebliche Eingriffe in den Altbaubestand erforderlich. In den folgenden Jahren wurden östlich und südlich des Kolpinghauses die Häuser am Hunnenplatz und an der von dort nach Süden verlaufenden Kallmünzergasse abgerissen. Westlich des Kolpinghauses wurde durch Hausabbrüche eine Unterführung des Kolpingshauses für die neue Kolpingstraße geschaffen, die dann 10 Jahre später, 1964 in der Regierungszeit von Oberbürgermeister Rudolf Schlichtinger, noch verbreitert wurde, als es Pläne gab, die Eiserne Brücke durch eine vierspurige Brücke (sogenannte Bayerwaldbrücke) zu ersetzen, die Teil einer autobahnähnlichen Nord-Süd-Verkehrsachse werden sollte. Einschließlich der Außenanlagen hat das Museumsareal Ausmaße von 300 m in West-Ost-Richtung entlang der Donau. Im Osten wird das Areal begrenzt von der nach 2010 neu entstandenen Wohnbebauung und vom Österreicher Stadel, der dem Museum als Depot dient. In Süd-Nord-Richtung misst das Museumsareal ca. 150 m von der südlich verlaufenden Ostengasse bis hin zur Uferstraße (Donaulände), wo sich Anlegeplätze für Donauschiffe befinden. Im Süden zur Stadt hin umfasst das Areal den ehemaligen Hunnenplatz, dessen Bebauung bis auf ein einziges Haus bereits nach 1954 abgerissen worden war, um die Umfahrung des damals gerade neu errichteten Kolpinghauses zu ermöglichen. Das letzte Haus am ursprünglichen Hunnenplatz wurde erst kurz vor Beginn der Baumaßnahmen abgerissen.
Im Norden umfasst das Museumsareal bis hin zur Donaulände einen Platz, der von den Bewohnern Regensburgs seit Ende des Zweiten Weltkrieges Donaumarkt genannt wurde. Der Donaumarkt hat in der Baugeschichte von Regensburg nach dem Zweiten Weltkrieg und für die nach 1960 beginnende sehr konfliktreiche Verkehrsplanung in Regensburg eine besondere Bedeutung. Erst der Beschluss zum Bau des Museums hat die Auseinandersetzungen endgültig beendet.Peter Morsbach: 50 Jahre Vereinigung Freunde der Altstadt Regensburg e. V. Wir wollen Wächter sein. Jahr: 2016, Hrsg. Freunde der Altstadt Regensburg e. V. mit Unterstützung der Stadt Regensburg, Redaktion: Peter Morsbach, Anne Lambert S. 24, 25.
Der Donaumarkt ist also kein historischer Platz, sondern entstand nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Entstehung des Donaumarktes begann, als gegen Ende des Krieges das westlich vom Österreicher Stadel 1890 erbaute große städtische Getreidelagerhaus von Bomben getroffen und völlig zerstört wurde. Die westlich vom zerstörten Lagerhaus bis hin zum St.-Georgen-Platz vorhandene kleinteilige Gewerbe- und Wohnbebauung bildete weiterhin ein bewohntes Hafenviertel und hatte mit der Hafenbahn, deren Gleise, bis hin zur Eisernen Brücke verliefen, sogar einen Anschluss an die großen Hafenanlagen östlich der Nibelungenbrücke.
20 Jahre nach Kriegsende wurde das bis dahin unbebaut gebliebene Freigelände des zerstörten Getreidelagerhauses – der Donaumarkt – erheblich vergrößert, als 1964 die gesamte Bebauung des weitgehend unzerstört verbliebenen zugehörigen Hafenviertels abgerissen wurde. Der von Oberbürgermeister Rudolf Schlichtinger geführte Stadtrat hatte sich entschlossen, das durch die Abbrüche entstandene Areal für ein gigantisches Verkehrsprojekt zu nutzen. Hier sollten sich zwei vierspurige Straßen, eine Ost-West- und eine Süd-Nord-Stadt-Autostraße kreuzen. Eine passend große und hohe Brücke über die Donau – die sog. Bayerwaldbrücke – sollte die Süd-Nord-Straße nach Norden hin verlängern und unter Zerstörung des Stadtamhofer Salzstadels mitten durch den Stadtteil Stadtamhof in das Flusstal des Regens führen. Damit sollte die Stadt Regensburg für die südlichen und nördlichen Gemeinden erschlossen werden.Die Planung der innerstädtischen Süd-Nord-Stadt-Autostraße stand in engem Zusammenhang mit der Planung der Süd-Nord-Autobahn A93, deren ursprünglich geplanter Verlauf die Altstadt von Regensburg genau auf dieser innerstädtischen Süd-Nord-Trasse durchschnitten hätte Zusätzlich sollte eine innerstädtische Ost-West-Straße als sog. Donauparallele die nach dem Krieg im Westen der Stadt neu entstandenen Wohngebiete mit den Industriegebieten im Osten der Stadt verbinden.Die geplanten Verläufe der beiden vierspurigen innerstädtischen Autostraßen sind noch heute (2019) an bereits fertig gestellten Teilabschnitten in verschiedenen Stadtteilen nachvollziehbar: nördlich der Donau in Reinhausen: südliche Bayerwaldstraße südlich der Donau im Stadtosten: Adolf Schmetzer-Straße südlich der Donau im Stadtwesten: Clermont Ferrand-Allee
Nach heftigen Auseinandersetzungen waren die Straßenbaupläne endgültig nach den Kommunalwahlen 1978 gescheitert. Das gesamte Donaumarktgelände blieb unbebaut und wurde weiterhin als Autoparkplatz und Wochenmarkt genutzt. Mehrmals wurde eine geplante Bebauung des Geländes mit Großprojekten (Kongresszentrum) nach Bürgerentscheiden der Stadtbevölkerung abgelehnt. Erst der Bau des Museums stieß auf die Zustimmung der Einwohner von Regensburg. Daraufhin begannen 2012 die archäologischen Untersuchungen und die Dokumentierung der noch vorhandenen Fundamente der ehemaligen Bebauung des Donaumarktes. Die Grabungen umfassten rund 15 000 m² und waren ein Glücksfall, denn hier konnte mitten in einer existierenden Stadt gegraben werden.