Der Alstom Coradia Polyvalent ist eine Typenfamilie von Gliedertriebzügen, die der Hersteller Alstom entwickelte und innerhalb seiner Coradia-Familie vermarktete. Die SNCF schloss im Oktober 2009 mit Alstom einen Rahmenvertrag über 1000 Züge unter dem Namen Régiolis für den Einsatz im Regionalverkehr der französischen Regionen (TER) ab.

Seit 2022 werden diese Züge, die bislang hauptsächlich auf dem französischen Markt verkauft wurden, von CAF France angeboten, denn im Herbst 2021 wurde die Coradia Polyvalent-Typenfamilie an CAF veräußert. Die Übernahme durch den spanischen Hersteller wurde zum 1. August 2022 abgeschlossen.

Auslöser der Transaktion war die Anfang 2020 angekündigte Fusion von Alstom mit Bombardier Transportation, die der SNCF den Regionalzug Bombardier Régio2N liefert. Mit der Fusion der seitherigen Konkurrenten wäre der Wettbewerb für Regionalzüge auf dem französischen Markt erheblich reduziert worden. Bereits bei der Antragstellung an die Wettbewerbsbehörde der Europäischen Kommission für die Genehmigung der Fusion, wurde ein Verkauf der Régiolis-Plattform als Lösung genannt und danach als Auflage der Fusion festgeschrieben.

Geschichte Erste Bestellungen Aus dem im Oktober 2009 zwischen Alstom und der SNCF geschlossenen Rahmenvertrag über 1000 Züge wurden bis Februar 2011 bereits 164 Züge bestellt, die von den Regionen Elsass, Aquitanien, Basse-Normandie, Franche-Comté, Haute-Normandie, Lothringen, Midi-Pyrénées, Pays de la Loire, Picardie, Auvergne, Poitou-Charentes und Provence-Alpes-Côte d’Azur bezahlt wurden. Bis Mai 2020 waren aus dem Rahmenvertrag 387 Züge bestellt und 300 Züge produziert worden.Alstom delivers the 300th Coradia Polyvalent train, produced in Reichshoffen, Pressemitteilung Alstom, 19. Mai 2020 (englisch)Alstom soll 39 weitere Coradia Polyvalent-Züge für die Region Grand Est liefern Pressemitteilung Alstom, 22. Oktober 2019 (deutsch) Darin enthalten sind 67 Züge, die der französische Staat für den nationalen Fernverkehr bestellte, und von Alstom als Coradia Liner bezeichnet werden. Daneben erhielt Alstom Bestellungen über 13 vier- und sechsteilige Coradia Liner für den CDG Express sowie Exportaufträge: 17 Coradia Polyvalent wurden von der SNTF (Algerien) und 15 von APIX (Senegal) bestellt.

Produktion und Zulassung Die Triebzüge werden in Werken von Alstom und CAF in Frankreich hergestellt. Entwicklung und Endmontage finden in dem CAF-France-Werk in Reichshoffen stattCAF: Erstmals Aufträge für Coradia Polyvalent-Plattform. Eurailpress, 6. April 2023, abgerufen am 12. April 2024., die Drehgestelle werden in Le Creusot gefertigt, die Fahrmotoren in Ornans, die Achsantriebe in Tarbes und die Leittechnik in Villeurbanne. Die Dieselmotoren werden von MAN Truck & Bus zugeliefert. Presseveröffentlichung der MAN SE.

Der erste Zug wurde im Juni 2011 der Öffentlichkeit vorgestellt. Im Dezember wurde der erste Zug für die Region Alsace in Strasbourg der Öffentlichkeit vorgestellt. Testfahrten fanden von November 2011 bis Januar 2013 statt, unter anderem auf der Bahnstrecke Vendenheim–Wissembourg im Abschnitt Hoffen–Wissembourg, im Centre d'essais ferroviaires in Valenciennes, im Abschnitt Nançois-Tronville–Ernécourt-Loxéville der Bahnstrecke Paris–Strasbourg und auf später im Regelbetrieb befahrenen RFF-Strecken.

Im Jahr 2012 bestellten die Regionen Alsace zwei und Midi-Pyrénées fünf Züge zusätzlich. 14. September 2012 Ende März 2013 bestellte die Region Franche-Comté sieben Züge.(fr) Sept rames « Régiolis » pour les TER de Franche-Comté

Die ersten Fahrzeuge beendeten nach 200 000 km im September 2013 die dynamischen Tests. Den Regionen Elsass, Aquitaine, Basse-Normandie, Lothringen und Picardie wurden die ersten Fahrzeuge ausgeliefert. Der Fahrgasteinsatz begann am 22. April 2014 mit einer Fahrt von Bordeaux nach Agen.fr Société Nationale des Chemins de fer Français SNCF (2014): Für die im Vergleich zu Vorgängerbaureihen breiteren Wagen waren nach Medienberichten Anpassungsarbeiten an 1200 Bahnhöfen notwendig.Französische Bahn: Pfusch "vollkommen nützlich und unerlässlich" in heise.de vom 22. Mai 2014 Seit Dezember 2019 verkehren dreisystemfähige Régiolis, die mit Fahrzeuggeräten der Zugbeeinflussung ETCS Baseline 3 ausgestattet sind, grenzüberschreitend in die Schweiz.Alstom liefert 17 Coradia Polyvalent-Züge und stellt die digitale Bordsignallösung für den französisch-schweizerischen Léman Express Bahnverkehr bereit 12. Dezember 2019, abgerufen am 27. August 2024.

Auch nach der Übernahme der Plattform durch CAF wurden noch weitere Fahrzeuge abgerufen. So bestellte die Region Bourgogne-Franche-Comté 2025 neun vierteilige Zweikraftzüge mit 228 Sitzen und fünf sechsteilige Elektrotriebzüge für den Intercités-Dienst und 355 Sitzplätzen. Im Dezember des gleichen Jahres rief die SNCF 22 sechsteilige Régiolis für die Région Sud (Provence-Alpes-Côte d'Azur) ab. Im Januar 2026 bestellte die SNCF für die Region Nouvelle-Aquitaine zehn vierteilige Zweikraftzüge für rund 80 Millionen Euro.

Einsatz im deutsch-französischen Grenzverkehr links|mini|Régiolis TFA im Bahnhof Offenburg auf der Linie nach Strasbourg Régiolis-Züge werden auch im deutsch-französisch-grenzüberschreitenden Nahverkehr eingesetzt.

Dafür wurden 2019 durch die Region Grand Est 30 Züge bestellt, mit Finanzierungszusagen aus den deutschen Bundesländern Saarland, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg und EU-Fördergeldern. Grand Est/Rheinland-Pfalz/Saarland/Baden-Württemberg: SPNV-Vergabeverfahren kann starten Eurailpress, 22. Dezember 2021, abgerufen am 8. Februar 2022. Die als Coradia Polyvalent TFA (TFA: transfrontalier France-Allemagne, für „grenzüberschreitend Frankreich-Deutschland“) bezeichneten Zügen sind vierteilig, mit Zweikraftantrieb (Elektrisch-Diesel) ausgerüstet, und werden für die Strom- und Zugbeeinflussungssysteme beidseits der deutsch-französischen Grenze ausgestattet. Der erste Vorserienzug wurde 2021 ausgeliefert und in Wissembourg, Neustadt (Juli 2021) und Trier (September 2023) öffentlich präsentiert. Rolph – Mobilität für Rheinland Pfalz, 21. Juli 2021, abgerufen am 27. August 2024. Zudem wurde mit Homologationsfahrten in Frankreich und Deutschland begonnen. Im Frühjahr 2023 waren drei Prototypen unterwegs, um die deutsche Zulassung zu erhalten.Drei Prototypen Régiolis auf Erprobungstour Lok-Report, 16. April 2023, abgerufen am 27. August 2024.

Mit der Auslieferung der Züge wurde 2024 begonnen. Die Zulassung der Züge für den Betrieb in Frankreich erfolgte am 4. Oktober 2024, im November 2024 begann der Einsatz mit Fahrgästen in Frankreich. Weil die Zulassung der Fahrzeuge für Deutschland fehlte, wurde der Start der grenzüberschreitenden Verbindungen mehrfach verschoben.Regionalzüge starten später über die Grenze Stuttgarter Zeitung, 27. August 2024, abgerufen am 27. August 2024. Gründe dafür waren unter anderem unterschiedliche Regelungen zur Verwendung der Magnetschienenbremse in Frankreich und Deutschland. Im November 2025 wurde ein Abschluss der Bremsentests für Ende 2025 erwartet. Die Zulassung für Deutschland erfolgte schließlich am 26. Januar 2026. Am 4. Mai 2026 kamen die Züge zum ersten Mal im grenzüberschreitenden Verkehr zwischen Straßburg und Offenburg zum Einsatz.

Um neue Fahrgäste für das zukünftige Zugangebot zu gewinnen, sollen attraktive Tarife geschaffen werden.

Für den grenzüberschreitenden Regionalverkehr wurde gemeinsam von der Région Grand Est auf französischer Seite sowie auf der deutschen Seite von den beiden rheinland-pfälzischen Zweckverbänden SPNV Nord und ZSPNV Süd, dem Saarland und dem Land Baden-Württemberg ein Verkehrsvertrag ausgeschrieben. In einer Vorabinformation von November 2020 war eine Betriebsaufnahme im Dezember 2024 vorgesehen.Deutschland/Frankreich: Grenzüberschreitender SPNV ab 2024 deutlich ausgeweitet. Eurailpress, 24. November 2020 Beim Beginn der Ausschreibung im Dezember 2021 wurde eine schrittweise Aufnahme des Betriebs zwischen Ende 2024 und 2027 vorgesehen. Der Teilnahmewettbewerb, bei dem Unternehmen ihr Interesse an dem Verfahren bekunden konnten und die Aufgabenträger über die Zulassung zum Verfahren zu entscheiden hatten, war Anfang 2023 abgeschlossen. Die Ausschreibungsunterlagen der Leistungen wurde den interessierten Unternehmen im April 2023 übergeben. Damals wurde als Zeitpunkt für den Betriebsbeginn Ende 2026 genannt. Im Herbst 2024 wurde mit einem Abschluss des Vergabeverfahrens für die Betriebsleistungen Ende 2024/Anfang 2025 gerechnet und die Betriebsaufnahme durch das in diesem Vergabeverfahren ausgewählte Verkehrsunternehmen ab Dezember 2027 vorgesehen. Der ZÖPNV Süd rechnete Anfang 2026 mit einem Abschluss des Vergabeverfahrens im Verlauf desselben Jahres und einer Aufnahme des Betriebs im Rahmen des Verkehrsvertrags im Dezember 2028.

Als Übergangslösung wurde erwogen, die Züge bereits im Rahmen der laufenden Verträge einzusetzen. Im Dezember 2025 wurde angekündigt, dass die Züge ab Frühjahr 2026 auf grenzüberschreitenden Linien zum Einsatz kommen sollen.

Das Vergabenetz umfasst sieben grenzüberschreitenden Verbindungen in zwei Losen mit insgesamt 525 km Länge. Vorgesehen sind ca. 6,4 Mio. Zugkilometer pro Jahr, davon 4,3 Mio. km in Frankreich und 2,1 Mio. km in Deutschland. Die ausgeschriebenen Linien sind: Linienweg Genutzte Bahnstrecken (nur kurz mitbenutzte Streckenabschnitte werden nicht erwähnt) Teillos Metz – Perl – Trier Metz – Luxembourg (Metz – Thionville), Obermoselstrecke Los 2 Metz – Forbach – Saarbrücken Metz – Saarbrücken Los 2 Strasbourg – Sarreguemines – Saarbrücken Strasbourg – Sarreguemines, Sarreguemines – Saarbrücken Los 2 Strasbourg – Wissembourg – Neustadt (Weinstraße) Strasbourg – Wissembourg, Wissembourg – Winden – Neustadt Los 1 Strasbourg – Lauterbourg – Wörth (Rhein) – Karlsruhe Strasbourg – Wörth, Winden – Karlsruhe (Wörth – Karlsruhe) Los 1 Strasbourg – Offenburg Strasbourg – Appenweier (– Offenburg) Los 1 Mulhouse – Müllheim (Baden) Mulhouse – Neuenburg – Müllheim Los 1

Exportaufträge Alstom lieferte im Rahmen der Ausrüstung der Bahnstrecke Sighișoara–Simeria mit ETCS einen zweikraftfähigen Coradia Polyvalent als Testfahrzeug an die CFR.en Alstom (2014): Alstom to supply Romania with Atlas 200, its ERTMS Level 2 solution. Abgerufen am 31. Juli 2015. Die vierteilige Einheit wurde Ende Juli 2016 nach Rumänien überführt.en Railway PRO LP (2016): Alstom’s Coradia Polyvalent arrived in Romania. Abgerufen am 15. August 2016.

Der Hersteller gab im Juli 2015 den Auftrag zur Lieferung von 17 Zweikrafteinheiten an die algerische SNTF bekannt. Die Auslieferung der sechsteiligen Fahrzeuge mit 265 Sitzplätzen soll im Januar 2018 beginnen.en Alstom (2015): . Abgerufen am 31. Juli 2015.

Die Investitionsbehörde des Senegals (APIX) beschafft im Auftrag des Infrastrukturministeriums 15 Zweikrafttriebzüge. Die vierteiligen Einheiten mit einer Kapazität von 400 Fahrgästen dienen der Anbindung Dakars an Diamniadio sowie den zu eröffnenden Flughafen Dakar-Blaise Diagne und werden ab 2017 gebaut.en Alstom (2016a): Alstom to supply 15 Coradia Polyvalent trains to Senegal. Abgerufen am 15. Dezember 2016. Weitere sieben Züge für den Senegal wurden 2023 bei CAF France bestellt.

Antrieb mit erneuerbaren Energien Die SNCF will bis 2035 alle Dieselantriebe ersetzen.Innovationen für den Zug von morgen sncf.com, abgerufen am 29. Juni 2022 Folgende Maßnahmen betreffen Régiolis-Züge: Im Jahr 2021 fuhren 32 der dieselelektrischen Züge testweise mit Biodiesel aus Rapsöl. Ein hybrider Zug mit kleinem Lithium-Ionen-Akkumulator zur Rekuperation von Bremsenergie wird seit Juli 2021 getestet und soll ab 2023 im Regelbetrieb verkehren. Größere Akkumulatoren mit 80 km Reichweite sollen den Dieselantrieb ganz ersetzen, erste Exemplare ab 2024 im Regelbetrieb verkehren.