Die Werra-Gäuplatten, auch Werra-Gäuflächen oder Meininger Kalkplatten (s. u.) genannt, sind eine naturräumliche Haupteinheit im Süden Thüringens und im Norden Bayerns. Sie stellen die nördlichste Landschaft der Haupteinheitengruppe Mainfränkische Platten sowie der übergeordneten Großlandschaft (Großregion 2. Ordnung) Südwestdeutsches Stufenland dar.

Wie in allen als Gäue bezeichneten Landschaften steht in erster Linie Muschelkalk an.

Lage Die Werra-Gäuplatten erstrecken sich auf einer Fläche von etwa 700 km²Der referenzierte Steckbrief (676 km²) umfasst ein etwas kleineres Gebiet als die Haupteinheit, da in ihm die Werraaue zwischen Meiningen und Walldorf nicht mitgerechnet ist! beiderseits des Flusses Werra von der Region um die Stadt Meiningen (Landkreis Schmalkalden-Meiningen, TH) im Norden über Hildburghausen (Landkreis Hildburghausen, TH) bis zu den Langen Bergen nördlich von Coburg (Landkreis Coburg, Oberfranken, BY) sowie nach Südwesten bis zum Mellrichstädter Gäu bei Mellrichstadt und Ostheim vor der Rhön im nördlichen Landkreis Rhön-Grabfeld (Unterfranken, BY). Ihre Südgrenze zum Keuper-Hügelland Grabfeld fällt weitgehend mit der südlichen Wasserscheide der Werra zu Fränkischer Saale und Itz zusammen, auf der auch der Kleine Gleichberg liegt. Jedoch entwässert der Mellrichstädter Gäu überwiegend zur Streu und damit zur Fränkischen Saale.

Geographie und Geologie Die Werra-Gäuplatten sind ein Muschelkalkgebiet, deren Hochebenen und leicht gewellte Berge eine Höhe zwischen 460 und 520 m über NN erreichen. Die Landschaft ist von zahlreichen tief eingeschnittenen Tälern bis zu 180 m Tiefe durchzogen. Höchste Erhebung ist der solitär stehende erloschene Vulkan Dolmar mit einer Höhe von 739,6 m über NN am nordöstlichen Rand des Naturraums. Ähnlich singulär überragen die Gleichberge (641 und 679 m) an der Südgrenze ihr Umland, werden jedoch bereits zur Haupteinheit Grabfeld gerechnet.

Ein bedeutendes Naturdenkmal ist die vor rund 20.000 Jahren entstandene touristisch erschlossene Kluft- und Spaltenhöhle Goetz-Höhle.

Gliederung Naturräumliche Gliederung Im Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands wurden die Werra-Gäuplatten ursprünglich mit dem geologisch andersartigen (Keuper) Grabfeld zu Haupteinheit 138 zusammengefasst.E. Meynen und J. Schmithüsen (Hrsg.): Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands. Band 2 – Bundesanstalt für Landeskunde, zweite Lieferung Remagen 1955, aktualisierte Karte 1:1.000.000 mit Haupteinheiten 1960 Dieses war vor allem der Tatsache geschuldet, dass das dekadische System nur zehn Haupteinheiten (dreistellig) pro Gruppe (zweistellig) zuließ.

In den Arbeiten zu den Einzelblättern 1:200.000 wurde davon jedoch wieder Abstand genommen und per tiefergestellter Nachziffer wurde das Grabfeld zu Haupteinheit 1381, die Gäuplatten zu 1382.

Keine naturräumliche Feingliederung erfolgte nördlich des Breitengrades 50°30'. Dieses hängt zum einen damit zusammen, dass der Kartenausschnitt von Blatt 1266 Fulda (Werner Röll 1969) die westlichsten Platten (Leite, Westrand der Dreißigackerer Platte) zwar knapp enthält, dort jedoch keine Grenzen zur Rhön eingezeichnet sind und auch im Textteil die Einheit nicht erwähnt wird. Insbesondere aber hatte man, aufgrund des inzwischen erfolgten Mauerbaus, nach einigen Jahren Bedenkzeit in den Jahren bis 1968/9 beschlossen, auf die Erstellung von Kartenblättern auf dem Gebiet der damaligen DDR, insbesondere auf Blatt Gotha, zu verzichten.

Folgende Unter-Naturräume sind auf Blatt 141 Coburg (Heinz Späth 1987) ausgewiesen: (zu 13 Mainfränkische Platten): 1382.0 Westliche Werra-Gäuplatten 1382.00 Mellrichstädter Gäu 1382.01 Bibraer Sattel 1382.02 St. Bernharder Plateau 1382.1 Östliche Werra-Gäuplatten 1382.10 Hildburghäuser Muschelkalkberge 1382.11 Lange Berge Der Bibraer Sattel war in der ursprünglichen Kartierung des Handbuchs der naturräumlichen Gliederung Deutschlands als Teil der Einheit Rhön angesehen worden.

Zerschneidung durch Trennsenken Die Gäuplatten durch folgende Talungen zerteilt: Themar–Walldorfer Werratal Talungen links der Werra, flussabwärts: Pass Birkenfeld–Eishausen (404 m) Zeilbach (Mündung bei Reurieth), verlängert zu einem Pass auf etwa 405 m südöstlich Zeilfelds Jüchse, Mündung bei Obermaßfeld, teilt sich in: Jüchse, verlängert um einen Pass (auf etwa 377 m) an der Straße Exdorf–Haina Bibra, Mündung oberhalb von Ritschenhausen Bauerbach, Mündung kurz vor der Jüchsemündung Sülze (Werra), Mündung unterhalb von Untermaßfeld, teilt sich in: obere Sülze Haselbach, Mündung südlich von Haselbach – trennt an der Wasserscheide zur Herpf nur halbseitig eine Platte ab, die jedoch durch eine tiefe Scharte (auf 438 m) abgetrennt ist Talungen rechts der Werra, flussabwärts: Helba, Mündung unterhalb von Helba im Norden Meiningens – platteninternes Gewässer; zertalt, aber schneidet keine komplette Platte ab Hasel, Mündung bei Einhausen, teilt sich in: Hasel Schwarza, Mündung in Kloster Rohr obere Hasel Spring – keine tiefe Eintalung Tachbach, Mündung unterhalb von Themar Weißbach, Mündung bei Themar – rahmt, zusammen mit der Werra oberhalb, die Platten von Osten

Gliederung in Platten In Ergänzung zu den Einheiten auf Blatt Coburg zerfallen die Gäuplatten durch die o. g. Trennsenken in die folgenden Platten und Höhenzüge (im Uhrzeigersinn, begonnen im Südosten): Lange Berge (Buchberg südwestlich von Rottenbach: 527,2 m) ↓ Pass Birkenfeld–Eishausen (404 m) Hildburghäuser Muschelkalkberge (benannt nach Hildburghausen nordöstlich gegenüber; Häselriether Berg westlich der Stadt: 526,2 m) ↓ Zeilbach, verlängert zu einem Pass auf etwa 405 m südöstlich Zeilfelds St. Bernharder Plateau (benannt nach St. Bernhard; Dingslebener Kuppe südlich Dingslebens, im äußersten Süden: 528,9 m) – südliche Hauptplatte ↓ Jüchsener Jüchse-Senke – Jüchsetal, verlängert um die Straße Exdorf–Haina mit Scharte auf 377 m östlicher Bibraer Sattel (Dietrichsberg: 536,4 m) ↓ Bibraer Bibratal westlicher Bibraer Sattel, teilt sich an einer gratartigen Scharte auf 459 m in: Ransberg (514,0 m), Südosten Hausberg (Katzenlöcher: 515,8 m), Nordwesten ↓ Bauerbacher Bauerbach-Senke – entlang der Straße Henneberg–Bauerbach–Ritschenhausen; am Bauerbach (ohne Unterlauf), dann über eine Scharte auf 366 m südwestliche Platte, geteilt durch den Haselbach-Mündungslauf sowie durch eine Scharte auf 391 m: Zehnerberg (465,7 m) Fritzenberg-Kamm (Fritzenberg: 534,2 m) Stillberg (493,3 m) ↓ Sülzfeld-Stedtlinger Becken (an der Sülze) Dreißigackerer Plateau um Dreißigacker (Buchenberg im äußersten Südwesten: 523,1 m) – westliche Hauptplatte ↓ Haselbach, verlängert entlang der Kreisstraße bis zu einer Scharte nordwestlich von Gleimershausen auf 438 m Leite (540,3 m) – westlichste Platte überhaupt, hat nur zum Dreißigackerer Plateau Anschluss ↓ Themar–Walldorfer Werratal Meiningen-Kühndorfer Platte – nördliche Hauptplatte, zerfällt in etwa in fünf Naturräume: Metzelser Plattenrand (Drosselleite: 563,7 m) – Nordwesten, bewaldet Kühndorfer Dolmarvorland – Norden; Ackerland Dolmar (739,6 m) – Singularität im äußersten Norden Helbatal mit Helba um Westen, nach Norden Berlesgrund – rahmt das Meininger Plateau im westlichen Norden Meininger Plateau (Hohe Maas: 497,9 m) ↓ Unteres Haseltal Hasel, verlängert um Schwarza Dillstädter Sporn (Kirchberg: 439,3 m) – kleine Halbinsel im Norden ↓ Unteres Haseltal, Hasel oberhalb der Schwarzamündung Marisfelder Platte – nördliche Hauptplatte, zerfällt in: Hölschberg-Plateau (Hölschberg: 502,8 m) Marisfelder Spring-Hügelland ↓ Tachbacher Tachbachtal Feldsteinmassiv (bis 552,3 m)

Nicht alle gelisteten Platten gehören zwingend zu den Werra-Gäuen, unzweifelhaft aber die vier Hauptplatten, die Hildburghäuser Berge und die Langen Berge.

Der Bibraer Sattel mit seinen Schichtfolgen aus Buntsandstein und Muschelkalk ist eher Teil des Östlichen Rhönvorlands, was auch der Zuordnung im Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands (Karte von 1954) entspricht. Heinz Späth hat auf Blatt Coburg ausgerechnet die Muschelkalkberge des Westflügels noch dem Rhönvorland zugeschlagen, den Buntsandsteinsaum und den noch etwas höheren Ostflügel, welcher noch deutlicher von den Gäuen abgesetzt ist, höhere Höhen erreicht und ein im Vergleich zu den eigentlichen Plattenrändern weicheres Relief aufweist, nicht. Von der zerfallenen Südwestplatte sind Stillberg und Zehnerberg typische Randplatten, der zentrale Fritzenbergkamm verlängert jedoch die Kammlinie von Wolfsberg (505,2 m) und Henneberg (527 m) im Rhönvorland und ist der einzige ausgeprägte Kamm der Platten. Späth hat laut Kartierung entsprechend den Heiligen Berg (530,0 m), den südwestlichsten Teil des Fritzenberg-Kamms, dem Rhönvorland zugerechnet und damit mindestens den hinter einer Scharte auf 482 m knapp höheren Fritzenberg, nördlich seines Kartenausschnitts, ebenfalls. Eine mögliche Abgrenzung, die nicht den kompletten Kamm zum Rhönvorland zählen würde (und die Rahmung des Werratals den Gäuen überließe), wäre die Scharte auf 432 m zum Spielberg (478,1 m).

Die Kartierung von 1954 zählt auch die Leite zur Rhön-Einheit; geomorphologisch ist sie eine typische Randplatte bzw. ein Zeugenberg der Gäue. Andererseits formt sie mit den 639 m hohen Rhönkegeln Neu- und Hutsberg bzw. mit deren Muschelkalksockel eine Randbucht der Herpf gegenüber der Geba. Den Feldstein wiederum zählt die Handbuchkartierung von 1960, anders als die von 1954, tendenziell zum Vorland des Thüringer Waldes – allerdings ist deren Maßstab sehr grob und die eingezeichnete Haupteinheitengruppengrenze so dick, dass die Zuordnung nicht zwingend so gemeint ist; im Textteil (2. Lieferung 1955) werden keine feineren Teillandschaften beschrieben.

Einordnung nach TLUG Im rein innerthüringischen System Die Naturräume Thüringens der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) werden die Werra-Gäuplatten – bzw. ihr thüringischer Anteil – in fast unveränderten Grenzen als Meininger Kalkplatten ausgewiesen. Einzige Abweichung ist der östlich der Bibra befindliche Südostteil des Bibraer Sattels, der insofern das Östliche Rhönvorland fortsetzt, als auf ihm in nicht geringen Anteilen Buntsandstein ansteht.Geologische Karte Thüringens 1942/1969, und – JPG, 5 + 4 MB Dieser wurde der Einheit Lengsfeld-Zillbach-Bauerbacher Buntsandstein-Waldland zugerechnet.

Benachbarte Naturräume Die Werra-Gäuplatten stoßen nach Norden an die Haupteinheit Salzunger Werrabergland (359), nach Nordosten und Osten an das Südliche Vorland des Thüringer Waldes (390), nach Süden ans Grabfeld (1381), nach Südwesten an die Südrhön (140) und nach Nordwesten an die Kuppenrhön (353).

Berge Folgende Berge oder Gipfel der Werra-Gäuplatten sind erwähnenswert (in Klammern Höhen über NHN, Dominanz und Prominenz; Scharten, von Einzelfällen abgesehen, aus Höhenlinien und damit nur auf einige Meter genau; höchste Höhen innerhalb einer Platte fett): Dolmar (739,6 m; 11,5 km zum Schwarzen Kopf, THW; 281 m); nordnordwestlich von Kühndorf – Singularität am Nordrand der Meiningen-Kühndorfer Platte Drosselleite (563,7 m; 1,0 km zu Dolmar-Nordwestfuß; 30 m); ostsüdöstlich von Metzels – Meiningen-Kühndorfer Platte (Nordrand) Feldstein (552,3 m; 3,3 km bis zum Südhang des Schneebergs, THW-Vorland; 61,3 m); nordwestlich von Lengfeld; Scharte zum THW-Vorland unmittelbar nördlich auf 491,0 m – Feldsteinmassiv Dürrenberg (548,5 m, nach Höhenlinien über 550 m; 0,8 km zu Drosselleite-Vorgipfel; 39 m); südlich von Metzels – Meiningen-Kühndorfer Platte (Nordrand) Leite (540,3 m; 2,8 km zum Roten Bühl, einem nordwestlichen Randgrat des Neubergs; 113 m); nördlich von Stedtlingen; Scharte zum Neuberg auf 527 m an der Landesstraße Bettenhausen (Rhönblick)–Stedtlingen Dietrichsberg (536,4 m; 11,5 km zur Hohen Schule, Östliches Rhönvorland; 169 m); südlich von Neubrunn; Scharte zum Kleinen Gleichberg auf 377 m an der Straße Exdorf–Haina – östlicher Bibraer Sattel (Nordostteil)