Das Ahaggar (auch der Hoggar, , tamazight ⵉⴷⵓⵔⴰⵔ ⵏ ⴰⵀⴰⴳⴳⴰⵔ Idurar n Ahaggar) ist ein Gebirge vulkanischen Ursprungs im Süden Algeriens. Zum größten Teil liegt das Ahaggar in Algerien, umfasst aber auch Teile des Niger im Süden.
Natur und Kultur Sein höchster Berg () ist der Tahat im Atakor-Vulkanfeld. Das Ahaggar ist bekannt für seine bizarren Felslandschaften, wobei es sich bezüglich seiner markanten Erhebungen um erodierte Vulkanschlote handelt. Das Ahaggar liegt auf Höhe des nördlichen Wendekreises, etwa 1500 km südlich der algerischen Hauptstadt Algier. Seine Fläche umfasst mit 543.900 km² etwa die Größe Frankreichs.Birgit Agada, Adolf Schuster: Algerien: Kultur und Natur zwischen Mittelmeer und Sahara, Der AhaggarR. W. McColl: Encyclopedia of World Geography, Band 1, Ahaggar Mountains Das Gebiet wird überwiegend von Tuareg bewohnt. Die größte Oase der Ahaggarregion ist Tamanrasset. Weitere bewohnte Oasen sind Ideles, Hirhafok, In Ekker und Tit.
mini|Iharen, Phonolith bei Tamanrasset mini|Einsiedelei des Charles Foucauld, 1911 erbaut auf dem Assekrem (2780 m) Der Gipfel des Berges Assekrem ist ein besonders häufig besuchter Ort, da dort Charles de Foucauld 1911 eine Einsiedelei errichtet hat.Anthony Ham Sattin, Anthony Nana Luckham, Algeria (Lonely Planet. Seite 188, 2007) ISBN 1741790999
In den 1960er Jahren war In Ekker Kernwaffentest-Gelände des französischen Atomwaffenprogramms in Algerien. Radioaktiver Fallout kontaminierte das Gelände und weite Landstriche.
Klima und Vegetation mini|Savannenartige Wüste bei Tamanrasset Das Ahaggar-Gebirge liegt in der Ökozone der Tropisch/subtropischen Trockengebiete und ist zudem aufgrund des großen Abstandes zur Küste kontinental. Dies führt zu einem extrem trockenen vollariden Wüstenklima mit heißen Sommern und kalten Wintern, das durch die Höhenlage noch verstärkt wird. Dennoch führt selbst hier der negative atmosphärische Temperaturgradient höhenwärts pro 100 Meter zu 0,5 bis 0,8 °C kälteren Temperaturen und damit zur Kondensation aufsteigender Luftmassen. Während es auf 1400 Metern an rund 39 Tagen unter 0 °C kalt wird, sind es auf 2700 Meter bereits 114 Tage im Jahr. In der Gipfelregion kommen Temperaturen bis unter −5 °C vor. Die Unterschiede der Niederschlagsmengen sind im Vergleich zur Ebene nur geringfügig, da die Luft meistens fast kein Wasser enthält. So fällt Regen allenfalls sporadisch und stellt eine Seltenheit dar.Roger G. Barry: Mountain Weather and Climate, 2nd edition, Routledge 2013, ISBN 0-415-07112-7, S. 187–188. Gleichwohl hat sich eine Biodiversität ausgebildet, die es vermochte, eine kaum erhalten gebliebene Artenvielfalt zu fördern.
Aus der Literatur lässt sich folgende Höhenzonierung zusammenstellen:Georg Grabherr: Farbatlas Ökosysteme der Erde. Ulmer, Stuttgart 1997, ISBN 3-8001-3489-6. S. 165–166.Sharon E. Nicholson: Dryland Climatology, Cambridge University Press, Cambridge 2011, ISBN 978-0-521-51649-5, S. 94, 329.Neil Burgess et al.: Terrestrial Ecoregions of Africa and Madagascar. A Conservation Assessment, im Auftrag des WWF USA, Island Press, Washington/Covelo/London 2004, S. 389.Georg Grabherr u. Bruno Messerli: An Overview of the World’s Mountain Environments, in UNESCO, Austrian MAB Committee (Hrsg.): Biosphere Reserves in the Mountains of the World, Online PDF-Version, Wien 2011, ISBN 978-3-7001-6968-0, S. 11.Juan Cuesta et al.: Northward bursts of the West African monsoon leading to rainfall over the Hoggar Massif, Algeria., In: meteo.mcgill.ca, 16. Dezember 2008, abgerufen am 30. August 2020.
Höhenstufe von bis Jahresniederschlag Vegetation alpin 2700 m ~3000 m 150–200 mm kalte Gebirgswüste hoch saharo-montan 2100/2300 m 2700 m 125–150 mm Gebirgssteppen-Wüste mit xeromorphen Sträuchern und Bäumen an günstigen Standorten tief saharo-montan 1700 m 2100/2300 m 100–125 mm Gebirgssteppen-Wüste saharo-mediterran 500/1000 m 1700 m 25–100 mm „Savannen“-Wüste mit vereinzelten Gehölzen saharo-tropisch 120 m 500/1000 m 10–25 mm Heiße Vollwüste
Fauna Etwas nördlich des Ahaggar in den Teffedest-Bergen überlebte bis in das 20. Jahrhundert der in diversen Felsgravuren auftretende afrikanische Wildhund. Er scheint allerdings mittlerweile in dieser Region ausgerottet zu sein.C. Michael Hogan, PhD Äußerst selten sind noch Geparden anzutreffen., Algeria (März 2005) (PDF; 557 kB). Abgerufen am 6. April 2024.
Kulturelle Bedeutung mini|hochkant|Felszeichnung des Ahaggar, einen Mann darstellend
Aus dem Ahaggar sind zahlreiche Felsbilder bekannt. Archäologische Fundstellen belegen die Besiedlung seit dem Paläolithikum. Es sind Felsmalereien und -gravuren erhalten, die darauf hindeuten, dass prähistorische Ansiedlungen bereits um 6000 v. Chr. vorhanden waren.Peter Haggett, Encyclopedia of World Geography (s. Lit.) Das Ahaggar-Massiv ist insbesondere der Lebensraum der Kel Ahaggar. Das Grab von Tin Hinan, einer Vorfahrin der Tuareg am Abalessa liegt in der Nähe von Tamanrasset. Sie war die mythische Ahnin und die erste Königin der Ahaggar-Tuareg und gründete in der Region die Gemeinschaft der Kel Ahaggar.herausgegeben von Christian Elfie Reder, Institut Semotan für Medienkunst, Wien, Kunst- und Wissenstransfer Sahara: Text- und Bildessays, S. 343
Umfeld Das Ahaggargebirge besteht vornehmlich aus Bergen vulkanischen Ursprungs. Auch in den Höhenlagen der Ahaggar-Region sind nur Trockentäler zu finden. Eines von ihnen ist dem Wadi Igharghar zuzuordnen. Heute bildet die Region einen Nationalpark in Algerien.
Siehe auch Felsbilder der Sahara
Literatur Abalessa. In: Hellmut Brunner, Klaus Flessel, Friedrich Hiller (Hrsg.): Lexikon Alte Kulturen. Bd. 1. Meyers Lexikonverlag, Mannheim 1990, ISBN 3-411-07301-2, S. 10.
Einzelnachweise
Weblinks
Thomas Schlüter: Geological Atlas of Africa: With Notes on Stratigraphy, Tectonics, Economic Geology, Geohazards, Geosites and Geoscientific Education of each Country, Algeria
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