Wiedersehen mit einem Fremden ist ein deutscher Fernsehfilm aus dem Jahr 2010. Das Nachkriegsdrama, das Mitte der 1950er-Jahre in Baden-Württemberg spielt, handelt von einem Kriegsheimkehrer, der die Identität eines anderen annimmt und doch von der Vergangenheit eingeholt wird. Regie führte Niki Stein, der gemeinsam mit Thomas Kirchner auch das Drehbuch verfasste.
Handlung Liesbeth Steiner lebt mit ihrem kleinen Sohn in einem Dorf im Hochschwarzwald. Den Vater des Jungen, Max Steiner, hatte sie 1945 in Berlin kennengelernt und war wenige Tage später in einer Kriegsheirat seine Frau geworden, da sein Fronturlaub tags darauf endete. Im Schwarzwald, wo Max den Bauernhof seiner Eltern übernommen hatte, kam Liesbeth damals bei dessen Familie unter.
Doch die junge Frau und der gemeinsame Sohn werden auf dem Hof der Familie bloß geduldet, besonders Steiners Schwester Margarete hält dessen Braut für eine Erbschleicherin. Max Steiner geriet am Ende des Zweiten Weltkriegs in sowjetische Kriegsgefangenschaft und galt als verschollen. Liesbeth, der von ihrer Ehe außer ihrem Sohn nur ein Hochzeitsfoto geblieben ist, wartete bei jedem Transport neuer Kriegsheimkehrer vergebens am Bahnhof auf seine Rückkehr. Solange der erbberechtigte Bruder sich nicht um den Hof kümmern kann, wird der landwirtschaftliche Betrieb stellvertretend von Margarete geführt. Doch je länger Steiners Abwesenheit andauert, desto mehr schwindet auch Liesbeths Status als dessen Ehefrau. Als Großvater Steiner, der seinem Enkel und der Schwiegertochter recht zugetan war, stirbt, fordert Margarete das Wohnhaus ganz für sich und ihren Mann Georg und die Mutter. Liesbeth bleibt nichts anderes übrig, als, zur Magd degradiert, mit ihrem Sohn in die Kammer über dem Stall zu ziehen.
Als Max Steiner 1955 nach der von Bundeskanzler Konrad Adenauer in Moskau ausgehandelten „Heimkehr der Zehntausend“, der Rückkehr der letzten deutschen Kriegsgefangenen, in seinem Heimatdorf ankommt, ist Liesbeth überglücklich. Doch sie trifft auf einen von Krieg und Gefangenschaft völlig veränderten Mann. Vorsichtig nähern sich die beiden nach der langen Trennung wieder an. Der großspurige, als schnell aufbrausend bekannte, ehemals überzeugte Nazi zeigt sich nun geläutert und von einer ruhigen, fast sanftmütigen Seite und irritiert damit manchen in der Dorfgemeinschaft. Arglos begegnet ihm nach anfänglicher Scheu nur der kleine Josef, um den sich der Heimkehrer rührend kümmert. Alte Bekannte scheint er nur schwer wiederzuerkennen, an Einzelheiten aus der Familiengeschichte kann Max sich jedoch gut erinnern. Die Mutter, die all seine Briefe aus Kriegstagen sorgsam aufbewahrt hat, ist von der Rückkehr des geliebten Sohnes überzeugt, die Schwester hingegen hegt Zweifel an dessen Identität, etwa als sie sich in einer Auseinandersetzung mit dem Bruder über die künftige Bewirtschaftung des Hofes im Ton vergreift und ihm, perplex über seine Reaktion, offen ins Gesicht sagt, der Max von früher hätte sie jetzt vom Hof gejagt.
Liesbeth ahnt, dass ihr vermeintlicher Mann vielleicht ein anderer ist, als er vorgibt zu sein, doch zu sehr hat sie all die Jahre seine Rückkehr herbeigesehnt. Auch Regine, die früher als Magd auf dem Steinerschen Hof beschäftigt war, kommen Zweifel, als ihr der Mann, der ihr einst Gewalt angetan hat, plötzlich freundlich begegnet. Einmal nimmt sie all ihren Mut zusammen, um Gewissheit zu erlangen, und erkennt aufgrund fehlender körperlicher Merkmale, dass ein Fremder vor ihr steht. Schließlich gibt der Mann ihr gegenüber zu, dass er ein Kamerad von Max Steiner ist und dieser die Kriegsgefangenschaft nicht überlebt hat. Regine ist darüber so erleichtert, dass sie die Wahrheit nicht nur für sich behält, sondern öffentlich für ihn und Liesbeth und gegen Margarete Partei ergreift. Gerade als selbst Skeptiker anfangen, mit dem vermeintlichen Max ihren Frieden zu schließen, taucht eines Tages mit Heinrich ein alter Kriegskamerad von ihm im Dorf auf. Er erkennt den Betrug und versucht ihn zu erpressen. Als der falsche Max auf Heinrichs Forderungen nicht eingeht, macht der sein Wissen öffentlich. Margarete glaubt, in Heinrich einen Verbündeten gefunden zu haben. Nach dem Tod der Mutter greift sie zu einem letzten Trumpf: In Briefen an die Mutter hatte Steiner einst seine Beteiligung an deutschen Kriegsverbrechen in Griechenland geschildert. Während Liesbeth weiter fest zu ihrem angeblichen Mann steht, soll dem Spätheimkehrer nun der Prozess gemacht werden. Unversehens sieht sich der Lehrer Gottfried Reincke aus Siebenbürgen, der sich in den Jahren in sowjetischer Gefangenschaft in das Leben seines Mitgefangenen Max hineingeträumt und – durch den Krieg und die Beschlüsse der Potsdamer Konferenz jeder Zukunftsperspektive in seiner Heimat beraubt – nach Steiners Tod dessen Identität angenommen hat, mit einer Anklage als Kriegsverbrecher konfrontiert.
Hintergrund Autor Thomas Kirchner greift hier Motive der Geschichte um den Kriegsheimkehrer Martin Guerre auf, die sich im 16. Jahrhundert in Frankreich zutrug, verlegt die Handlung aber in den Hochschwarzwald der Adenauer-Jahre. Der Stoff wurde bereits 1982 mit Gérard Depardieu und Nathalie Baye in Die Wiederkehr des Martin Guerre verfilmt. 1993 entstand mit Richard Gere und Jodie Foster in den Hauptrollen das Hollywood-Remake Sommersby, das die Handlung in die Zeit nach dem amerikanischen Bürgerkrieg verlagert.Verena Friederike Hasel: Heimkehr mit Hindernissen, Der Tagesspiegel vom 5. Mai 2010
Die Erstausstrahlung des Films erfolgte am 5. Mai 2010 im Programm des Ersten. Wiedersehen mit einem Fremden erreichte mit 6,57 Millionen Zuschauern als Tagessieger einen Marktanteil von 21,3 Prozent.«Dresden» und Sat.1 ohne Chance, Quotenmeter.de vom 6. Mai 2010 Die beiden Hauptdarstellerinnen Silke Bodenbender und Nina Kunzendorf standen unter der Regie von Niki Stein im selben Jahr auch für den Film Bis nichts mehr bleibt vor der Kamera.
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Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 2010 Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Filmdrama Kategorie:Fernsehfilm (Das Erste) Kategorie:Zweiter Weltkrieg im Film Kategorie:Kriegsfilm