Der Große Werkmeister ist ein Rennsportwagen, den der Konstrukteur Georg Werkmeister, Mitinhaber der Reparaturwerkstatt Heinrich Werkmeister und des Karosseriebauunternehmens Werkmeister & Lerch, 1952 in Dingelstädt (Thüringen) als Einzelstück baute. Gestalter der Karosserie war Georg Hufnagel, ehemaliger Aerodynamiker der Auto Union AG, in Zusammenarbeit mit Arno Dietzel, der im Wesentlichen den Rahmen entwarf, und Stephan Dudys. Der Wagen fuhr in der Sportwagenklasse E bis zwei Liter Hubraum und ab 1953 auch in der Formel 2.dls automobile, Dokumentation der Restaurierung, Details auf 61 Bildern in der Galerie, aufgerufen am 30. September 2011, verifiziert 6. Oktober 2020. Ende 1953 – nachdem Georg Werkmeister in den Westen übergesiedelt war – beschlagnahmte die Volkspolizei den Wagen, der jedoch weiter an Rennen teilnahm.Website oldtimer-tv. Aufgerufen am 30. September 2011.

Motor Wie Veritas, AFM und EMW setzte Georg Werkmeister den Motor des BMW 328 ein, einen Reihensechszylinder mit Leichtmetallzylinderkopf und halbkugelförmigen Brennräumen. Die V-förmig hängenden Ventile werden von einer untenliegenden Nockenwelle über Stoßstangen und Kipphebel betätigt, bei den Auslassventilen mit zusätzlichen waagrechten Stoßstangen über dem Zylinderkopf und einem zweiten Satz Kipphebel.Edler/Roediger: Die deutschen Rennfahrzeuge. Fachbuchverlag Leipzig, Leipzig 1990, ISBN 3-343-00435-9, S. 151, 152 und 182. Im Großen Werkmeister leistete der hinter der Vorderachse eingebaute Motor nach der Weiterentwicklung durch Erich Koch und Robert Jäger zunächst etwa 115 PS (85 kW), später 135 PS (99 kW)Angabe auf dem Typenschild des Wagens. bei 5800/min. Die Kraft wird über ein teilsynchronisiertes Vierganggetriebe, Kardanwelle und Differenzial auf die Hinterräder übertragen.

Karosserie und Fahrwerk Die sehr flache und strömungsgünstige Karosserie des zweitürigen offenen Zweisitzers trägt ein Gitterrohrrahmen, der mit einem Hauptrahmen verschweißt ist. Um das Gewicht des Wagens niedrig zu halten, sind die Rohre des Hauptrahmens durchbohrt. Der Unterboden ist völlig glatt. Zur Verringerung des Luftwiderstandes waren in Rennen die Radausschnitte abgedeckt.Karl-Heinz Cramer: Motorsport Ost. In: Motorsport-Historie. BMW Veteranenclub Deutschland, Clubnachrichten 3/2002.

Die Vorderräder sind an einer oben liegenden Querblattfeder und unteren Dreieckslenkern aufgehängt. Hinten ist es eine Starrachse mit längsliegenden Blattfedern. An allen vier Rädern hatte der Wagen zunächst Hebelstoßdämpfer, später Teleskopstoßdämpfer. 1959 wurde die ursprüngliche Aluminiumkarosserie durch eine in der Form ähnliche aus Stahlblech mit höherer Windschutzscheibe ersetzt, die der Wagen etwa 50 Jahre behielt.Wolfgang Melenk: Meister des Sports – Der Automobilrennsport in der DDR. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 3-613-02441-1, S. 168.

Technische Daten mini|hochkant=1.2|Großer Werkmeister, Baujahr 1952, auf der Solitude mini|hochkant=1.2|Großer Werkmeister am Nürburgring mini|hochkant=1.2|… beim AvD-Oldtimer-Grand-Prix mini|hochkant=1.2|Cockpit des Großen Werkmeisters mini|hochkant=1.2|Motorraum Großer Werkmeistermit Plaketten der Rennteilnahmen Kenngrößen Großer Werkmeister Motor: Sechszylinder-Viertakt-Reihenmotor,hinter der Vorderachse eingebaut Kühlung: Wasser Hubraum: 1971 cm³ Bohrung × Hub:  66 × 96 mm Ventilsteuerung: untenliegende Nockenwelle, V-förmig hängende Ventile Verdichtung: 10,5 : 1 Vergaser:& 3 Fallstromvergaser Leistung: 135 PS (99 kW) bei 5800/min Maximales Drehmoment: 185 Nm bei 4500/min Kraftübertragung: 4-Gang mit H-Schaltung, 3. und 4. Gang synchronisiert,Kardanwelle und Differenzial Rahmen: Gitterrohr-, mit Hauptrahmen verschweißt Lenkung: Zahnstange Radaufhängung vorn: Dreiecklenker unten, obliegende Querblattfeder,Teleskopstoßdämpfer Radaufhängung hinten: Starrachse mit Längsblattfedern,Teleskopstoßdämpfer Bremsen: hydraulisch betätigte Trommelbremsen, Ø 280 mm Spurweite vorn und hinten: 1375 mm Radstand: 2600 mm Reifengröße vorn/hinten: 5.50–16/6.00–16 Länge × Breite × Höhe: 4100 × 1750 × 1030 mm Leergewicht: 770 kg Zulässiges Gesamtgewicht:  950 kg Höchstgeschwindigkeit: 220 km/h

Der Große Werkmeister im Motorsport Nach ersten Testfahrten auf der Landstraße zwischen Heiligenstadt und Leinefelde mit Geschwindigkeiten bis zu 220 km/h startete der Große Werkmeister am 3. September 1952 auf dem Sachsenring zu seinem ersten Rennen. Fahrer war Hans Althoff, der den Wagen als „zu giftig“ empfand und nicht den erwarteten Erfolg erzielte.

In der Saison 1953 fuhr Karl Weber aus Heiligenstadt für Werkmeister. Weber, der bereits über vier Jahre Rennerfahrung verfügte, belegte bei seinem ersten Einsatz mit dem Großen Werkmeister am 3. Mai 1953 auf der Autobahn Chemnitz den zweiten Platz hinter Rudolf Krause. Am 7. Juni 1953 in Dessau wurde er Vierter in einem Feld von 13 Wagen. Weber bestritt in diesem Jahr noch drei weitere Rennen, unter anderem am 30. August auf dem Sachsenring, und wurde Dritter in der DDR-Meisterschaft 1953. Das Auto war inzwischen Eigentum des Treuhandbetriebes Werkmeister, nachdem Georg Werkmeister im März 1953 die DDR verlassen hatte und in der Bundesrepublik Deutschland lebte.

Auch 1954 startete der Große Werkmeister noch einige Male. Das letzte Rennen auf der AVUS im September konnte er jedoch nicht mehr aufnehmen, weil es nicht gelang, einen Lagerschaden rechtzeitig zu beheben.

Verbleib nach 1954 Nachdem die Zeit der Teilnahme an Rennen vorüber war, blieb der Wagen einige Jahre ungenutzt, bevor er 1959 umgebaut und mit Stahlblechkarosserie, Stoßstangen und einem Motor aus dem EMW 340 für den Straßenverkehr zugelassen wurde. In der Folgezeit wechselte er mehrmals den Besitzer, wurde 2004 teilrestauriert und ab November 2006 auf Veranlassung der damaligen Eigentümer weitestgehend in den Originalzustand zurückversetzt, mit Aluminiumkarosserie und einem EMW-328-Motor, der dem ursprünglichen BMW-Motor entspricht.Auskunft der Eigentümergemeinschaft

Literatur Karl-Heinz Edler, Wolfgang Roediger: Die deutschen Renn-Fahrzeuge : technische Entwicklung der letzten 20 Jahre. Fachbuchverlag, Leipzig, 1990, ISBN 978-3-343-00435-5. Horst Ihling: Autorennsport in der DDR. Delius Klasing Vlg GmbH, 2006, ISBN 978-3-7688-5788-8. Wolfgang Melenk: Meister des Sports : der Automobilrennsport in der DDR. Motorbuch-Verlag, Stuttgart, 2004, ISBN 978-3-613-02441-0.

Einzelnachweise

Kategorie:Historischer Rennwagen Kategorie:Roadster Kategorie:Motorsport (DDR) Kategorie:Dingelstädt