Der Langhaarcollie (en. Collie Rough oder Rough Collie) ist eine von der FCI anerkannte britische Hunderasse (FCI-Gruppe 1, Sektion 1, Standard Nr. 156).

Beschreibung Der Langhaarcollie wird heute in zwei Varianten gezüchtet: im britischen und im amerikanischen Typ. Beide werden in Arbeits- und Showlinien gezüchtet, die sich nicht nur äußerlich, sondern auch in ihrem Verhalten unterscheiden.Fernanda Ruiz Fadel, Patricia Driscoll u. a.: Differences in Trait Impulsivity Indicate Diversification of Dog Breeds into Working and Show Lines. In: Scientific Reports. 6, 2016, S. 22162, .

Farbschläge Den Collie gibt es weltweit in drei Farbschlägen: zobel-weiß (sable-white), tricolor (überwiegend schwarz-weiß mit tan) und blue-merle.

Die sable-Variante variiert zwischen einem hellen Goldton und einem tiefdunklen Mahagoni, deshalb spricht man auch vom dark-sable. Eine Sonderform ist der weiße Collie, der bisher nur im amerikanischen Standard anerkannt wird.

Der Blue-Merle ist ein graumelierter Collie, also ein Tricolor-Collie mit einer Aufhellung, die durch das Merle-Gen bewirkt wird. Das Merle-Allel darf nur von einem Elterntier vererbt werden, da es sonst zu Schädigungen an Augen und im Innenohr kommt (Taubheit und Blindheit). Da das Merle-Gen in zobelfarbenen Collies im erwachsenen Zustand häufig nicht mehr erkennbar ist, besteht bei Sable-Merle-Collies immer die Gefahr, dass versehentlich zwei Elterntiere mit Merle-Gen verpaart werden. Deshalb ist die Sable-Merle-Farbe im Club für Britische Hütehunde (VDH) verboten.

Der schwarze Collie, der über fast keine Abzeichen verfügte, bei dem jedoch ein schmaler weißer Kragen, weiße Beine und eine weiße Rutenspitze erwünscht waren, ist heute in keinem Standard mehr beschrieben und wird seit Jahrzehnten nicht mehr gezüchtet oder ausgestellt. Ursprünglich war er aber beim amerikanischen Standard erlaubt. Der weiße Collie hat den typisch gezeichneten Colliekopf mit sable, tricolor, blue-merle oder sable-merle Kopf und wird erst hinter der typischen Halskrause überwiegend weiß. Flecken sind dabei durchaus möglich, idealerweise beträgt der Weißanteil 80 %. Neuere Studien lassen vermuten, dass weiße Collies mit sehr ausgiebigen Abzeichen und heterozygoten Merle-Faktor auch ein höheres Risiko zu gesundheitlicher Beeinträchtigung haben.Merle-Faktor, schön aber gesundheitsgefährdend, auf feragen.at

Die züchterischen Problemzonen des Collies liegen in einer ungenügenden Größe, einem zu engen Kiefer und in einer X-Beinigen Stellung der Hinterbeine.

Britischer Typ Der Langhaarcollie vom britischen Typ ist ein eleganter bis 61 cm großer Begleithund und hat ein etwas durchmischtes Ober- bzw. Unterfell, wodurch das Fell mehr aufplüscht. Sein eleganter Gang wirkt adlig. Der Hund hat dichtes Fell mit seidig weicher Unterwolle.

Amerikanische Variante Mit der Verbreitung vom Collie in den USA wurde dort ein eigener Collieclub gegründet, der neben anderen Abweichungen auch den weißen Collie anerkannte. Der Collie nach AKC-Standard ist 24 bis 26 Zoll (61–66 cm) groß und wird bis zu 65 Pfund (34 kg) schwer. Er hat eine etwas andere Gesichtsform mit kräftigerem Kopf und größeren Augen, der ganze Körperbau ist substanzvoller.Rassenstandard nach AKC Man kann das glatte Deckhaar und die Unterwolle deutlich unterscheiden, auch ist die Unterwolle weniger üppig und neigt daher nicht so sehr zur Verfilzung. Der amerikanische Standard erlaubt weitere Farbschläge, die im britischen KC Standard nicht erlaubt sind. Auch in anderen Punkten unterscheidet sich der AKC-Standard von den Standards der KC und damit des FCI.

Schottischer Schäferhund im Ostblock Europa jenseits des Eisernen Vorhangs war für Tiere eine Art genetische Refugium. Ein Austausch mit westlichen Züchtern fand kaum statt, dafür um so intensiver zwischen Polen, der ehemaligen CSSR, Ungarn und dem ehemaligem Jugoslawien. Man legte mehr Wert auf Nützlichkeit. Wie beim deutschen Schäferhund war auch der Collie des Ostens ganz anders. Zwar waren alle Ostblockländer Mitglieder der FCI, züchteten aber auf dem Stand von 1945 isoliert den Nachkriegstyp weiter. Der Collie wurde hier als Schottischer Schäferhund geführt und ab den 1980er Jahren den Dienst- und Gebrauchshunden zugeordnet, d. h. er musste nun die Schutzhundeprüfung ablegen. Legendär wurde Andy vom Königshof, der alle Schäferhunde schlug und von 1985 bis 1988 DDR-Champion der Schutzhunde war. Er wurde 1990 als PRD/CEA und HD frei bestätigt.Andy vom Königshof, auf de.working-dog.com Der Ostblock-Collie entstammte der Arbeitslinie, war etwas größer als der britische Typ, hatte das Haarkleid des Amerikaners und den Kopf des Briten, zugelassen waren nur die britischen Farbschläge zobel-weiß, tricolor und blue-merle.Collie Revue von Günter Blume: Andy vom Königshof Besonders groß wurden Hunde in Russland wo Crossings mit deutschen Schäferhunden und mongolischen Bankhars (ähnlich einem altdeutschen Schäferhund) zu einem beeindruckend großen und kräftigen Collie führten. Anders als in Europa sah der russische Standart keinerlei Größenbegrenzung vor, sodaß russische Collies oft deutlich robuster und jenseits der 65cm groß wurden. Belegt ist deren Einsatz auch in der Armee. Nachdem jedoch um 1990 eine Schwemme von Importhunden aus Westeuropa auch diese Zuchtbasis ruinierten, gibt es inzwischen wieder Züchter in Belarus und Russland die versuchen den alten Sowjet-Collietyp zu retten. Sollte es ihnen gelingen wäre dies eine wertvolle Genreserve für die Zukunft.Quelle: vk.rus, russische Facebook-Alternative

Genetische Erkenntnisse Genetisch zeigen sich die Vorfahren des Langhaar-Collie als alte Vertreter der britischen Hütehunde, wobei ihm das schwere Gelände der westlichen und zentralen Highlands wohl vor äußeren Einflüssen geschützt hat. Langhaarige Collies bilden den äußersten Punkt der (Collie-Klade), was sie zu den am längsten gezüchteten Collies macht.Domestic dog lineages reveal genetic drivers of behavioral diversification, Emily V. Dutrow at al 2022, doi:10.1016/j.cell.2022.11.003 Ihre Vorfahren könnten kontinentale Hütehunde sein, die während der Bronzezeit auf die britische Insel gelangten. Dies legt eine 2020 veröffentlichte Studie von Bergström nahe, die durch archäologische Funde bestätigt wurde.Bergström et al.2020, Science 370, 557–564 (2020), doi:10.1126/science.aba9572 Die ältesten Beschreibungen lassen ursprünglich auch lohfarbene und schwarze Hochland Collies zu.Cynographia britannica: consisting of coloured engravings of the various breeds of dogs existing in Great Britain; von Sydenham Edwards (1769?-1819), publiziert 1800 in London Inzwischen werden eine ganze Reihe Hunderassen genetisch zur sogenannten Collie-Klade gezähltHeidi G. Parker, Dayna L. Dreger, Maud Rimbault, Brian W. Davis, Alexandra B. Mullen, Gretchen Carpintero-Ramirez, Elaine A. Ostrander (2017). Genomic analyses reveal the influence of geographic origin, migration, and hybridization on modern dog breed development. Cell Rep. 19, 697–708., doi:10.1016/j.celrep.2017.03.079 PDF, sein engster Verwandter ist der Sheltie, in dem eventuell norwegische Wikingerhunde eingekreuzt wurden, was die Existenz eines Collieartigen Hundes bis ins 9. Jahrhundert datieren könnte. Eng verwandt ist neben dem Border Collie auch der häufig rutenlose Old English Sheepdog, auch Bobtail genannt, der historisch als Drover Dog oder normannisch Cur bezeichnet wurde und für die Metzger/Händler das Vieh von den Farmen und Märkten abholte. Beliebt war bei den Viehtreibern die Einkreuzung des Scottish Sheepdog (Highland Collie), was Youatt in seinem Buch The DogsThe Dog by Youatt, William, 1776-1847, auf de.scribd.com berichtet. Der Bearded Collie dürfte ebenfalls eher von Metzgerhunden abstammen, die jedoch mit dem Border Collie veredelt wurden und eher auf dem schottischen Tryst in Falkirk heimisch waren. Tryst ist eine Marktmesse, vor allem eine wiederkehrende, die auf einem Zeitplan gehalten wurde, wo der Verkauf von Nutztieren stattfand. Explizit wird auch ein english sheepdog erwähnt, der wohl dem Welsh Collie am nächsten kommt und vermutlich mehr Weiß in die Collieklade brachte.

Als Smithfield Collies, benannt nach dem Londoner Smithfield Market, tauchten bunt gemischte britische Hütehunde im frühen 19. Jhd. zunehmend auch in den englischen Kolonien auf.How the Smithfield dog breed went from London meat markets to working dog in Tasmania, auf abc.net.au

Hierzu sei erwähnt, das im England des 18. Jhd. zur Eindämmung der Wilderei eine Steuer auf Jagdhunde erhoben wurde, nur Hütehunde waren davon befreit. Dieses Gesetz definierte sie als Hunde mit Stummelrute (engl. Stumpy Tail) bzw. ohne Rute (bob-tailed), was dazu führte, dass sich dieses Gen unter den Hütehunden stark verbreitete und auch in andere Rassen eingekreuzt wurde, um Steuern zu sparen; einfach war auch das kupieren. Eine genetische Nähe zum schottischen Gordon Setter bzw. Irish Setter ist ebenfalls durch gPRA-Studien nachgewiesen. In Schottland nannte man diese Jagdhund-Hütehund-Kreuzungen gelegentlich MacNap. Gemeint war damit ein vielseitiger Hund, der sowohl Fische (Lachs), Vögel (Moorhuhn, Fasan) als auch Hasen jagen konnte und die Obrigkeit als Hütehund neppte, um keine Steuern zu zahlen.Macnab Herausforderung in Schottland, auf diana-jagdreisen.de

Merle Collies tauchen zuerst bei den romantischen Malern auf und wurden dann durch züchterische Förderung üblich. Es ist zu vermuten, dass ursprünglich ein importierter weißer Hund unter den Vorfahren war, der eine sprunghafte Insertation des Merle-Basenpaars in Chromosom 10 auslöste. Der erste durch Foto belegte Merle Collie war 1878 Tweed von James Thomson, der einen Hütehund-Wettbewerb gewann. Problematisch ist eine Paarung zweier Merle-Träger, die als Qualzucht gilt, da Nachkommen vielfach unter Blindheit und/oder Taubheit leiden. Auch das Harlekin-Merle hat bereits das Potential dafür. Problematisch ist auch ein hoher Weißanteil am Kopf. Hundeclubs gestatten keine Paarung von Merle-Collies. Unter anderen Rassen der Collieklade kann auch ein Zobel-Merle vorkommen. Für weiße Rough Collies, wie sie der amerikanische Standard erlaubt, gibt es dagegen keinen Beleg in England oder Schottland; obwohl gelegentlich behauptet wird, dass Old Cockie einen Weißfaktor gehabt haben soll.

Zudem gilt der Collie als Urvererber des MDR1-Gendefekts, der bei mehr als 30 Rassen auftaucht und von engagierten Züchtern bekämpft wird.

Verschiedene Colliezuchtvereine in Deutschland schreiben in ihrer Zuchtordnungen inzwischen die Vermeidung dieser und anderer Erbkrankheiten vor. Für den VDH gibt es allerdings bisher weder im Club für britische Hütehunde (CfbrH) oder im Deutschen Collie Club (DCC) entsprechende Zuchtauflagen. Auch werden auf den Homepages keine Informationen zu den verschiedenen beim Collie auftauchenden Erbkrankheiten vorgehalten, ebenso existieren keine frei zugänglichen Datenbanken, in der sich Käufer z. B. über Gesundheitswerte informieren können.

Eine erhöhte Empfindlichkeit gegen Fremdstoffe, die besonders bei der Medikation z. B. mit bestimmten Zeckenmitteln aber auch bei der Krebsbehandlung deutlich wird, weisen auch britische Windhundrassen auf, weshalb eine Verwandtschaft mit Collies vermutet wird. Für den Silken Windsprite ist eine Verwandtschaft mit dem Sheltie nachgewiesen.

Die frühe Form der gPRA ist bei zahlreichen Hunderassen verbreitet und wurde 1909 erstmals bei einem Gordon Setter aus Norwegen entdeckt. Neben der gesamten Collie-Klade (Wolf et al. 1978, Petersen-Jones et al. 1999) sind weitere Rassen davon betroffen, u. a. der Irish Setter (Aguirre 1978), Norwegischer Elchhund (Acland und Aguirre 1987), der Zwergschnauzer (Zhang et al. 1999) und Rauhaar-Teckel (Ropstad et al. 2007), der Sloughi (Dekomien et al. 2000) und der Pit Bull Terrier (Kijas et al. 2004).