Die Jüdischnationale Partei oder Jüdische Nationale Partei war eine politische Partei in Österreich in den letzten Jahrzehnten Österreich-Ungarns und der Ersten Republik.

Die Partei war Teil der zionistischen Bewegung und wurde 1892 in Lemberg, der Hauptstadt Galiziens, gegründet. Ziel war eine Repräsentanz von Juden im Reichsrat und im Landtag von Galizien, die ihrem Bevölkerungsanteil angemessen war.Carsten Goehrke, Bianka Pietrow-Ennker (Hrsg.): Städte im östlichen Europa. Zur Problematik von Modernisierung und Raum vom Spätmittelalter bis zum 20. Jahrhundert. Chronos, Zürich 2006, ISBN 3-0340-0718-3, S. 206. Wichtigste Ziele waren die Gleichberechtigung der Juden und ihre Anerkennung als Nation sowie die Schaffung eines Judenstaates in Palästina.

Bei der Reichsratswahl 1907, den ersten Wahlen mit allgemeinem Wahlrecht, konnten vier Mandatare ins Abgeordnetenhaus entsandt werden: Benno Straucher, Adolf Stand, Arthur Mahler und Heinrich Gabel. Weitere Mandate wurden in Galizien durch national-polnischen Druck verhindert.Simon Dubnow: Weltgeschichte des jüdischen Volkes. Von seinen Uranfängen bis zur Gegenwart. Band 10: Die neueste Geschichte des jüdischen Volkes. Das Zeitalter der zweiten Reaktion (1880–1914). Verlag Hozaah Ivrith, 1937, S. 419.

Bei den Wahlen zur Konstituierenden Nationalversammlung am 16. Februar 1919 erzielte Robert Stricker, Journalist und Vorstandsmitglied der Wiener Kultusgemeinde, mit 7760 Stimmen, 0,3 % für die Partei ein Mandat.Wahl zur Konstituierenden Nationalversammlung vom 16. Februar 1919 vorläufiges Ergebnis. Bundesministerium für Inneres (PDF, 6 MB). In der Nationalratswahl in Österreich 1920 gelang ihm der Wiedereinzug aber nicht.Parlamentskorrespondenz Nr. 609 vom 17. September 2001 Für die Nationalratswahl in Österreich 1923 bildete die zionistische Partei mit liberalen Gruppierungen die Jüdische Wahlgemeinschaft und erhielt 24.970, 0,8 % der Stimmen, aber aufgrund eines geänderten Wahlrechts kein Mandat.Albert Lichtblau: Partizipation und Isolation. Juden in Österreich in den „langen“ 1920er-Jahren. In: Archiv für Sozialgeschichte 57, 1997, S. 231–253, hier S. 243.Nationalratswahl vom 21. Oktober 1923. Bundesministerium für Inneres (PDF, 611 kB).

Wichtigstes politisches Instrument der Partei war bis zu ihrem Zusammenbruch die Wiener Morgenzeitung, die damals einzige deutschsprachige jüdische Tageszeitung.Frank Stern, Barbara Eichinger (Hrsg.): Wien und die jüdische Erfahrung 1900–1938. Akkulturation, Antisemitismus, Zionismus. Böhlau, Wien 2009, ISBN 3-20578-317-4, S. 110 f. 1927 wurde die Partei in Jüdische Partei und 1930 in Jüdische Liste umbenannt, schaffte aber nicht mehr den Einzug ins Parlament. Daraufhin wurde die Partei zunächst in Jüdischer Volksverein und 1932 in Jüdische Volkspartei umbenannt. Nachdem die Vaterländische Front (VF) faktisch zur Einheitspartei des Bundesstaats Österreich geworden war, wandelte sich die Jüdische Volkspartei durch eine Änderung der Statuten am 13. Mai 1934 in den Jüdischen Volksbund Österreichs um.

Literatur Dieter J. Hecht (Hrsg.): Die Jüdischnationale Partei 1906–1938. In: Chilufim. Zeitschrift für Jüdische Kulturgeschichte 7 (2009), S. 109–136.

Einzelnachweise

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