miniatur|Nordflügel vom Königsberger Schloss: Oberlandesgericht und Blutgericht (ganz links unten), 1920 Das Oberlandesgericht Königsberg war ein Oberes Gericht in Ostpreußen. Der Sitz war Königsberg (Preußen). Das Oberlandesgericht stand seit Inkrafttreten der Reichsjustizgesetze in der Tradition des 1657 gegründeten früheren Oberappellationsgerichts Königsberg.Auch Königsberger Tribunal, ab 1808 bereits auch als Oberlandesgericht bezeichnet.

Unterstellte Gerichte mini|Siegelmarke bis 1918|hochkant mini|Siegelmarke 1921–1933|hochkant Zum Oberlandesgerichtsbezirk Königsberg gehörten am 1. Oktober 1879 zunächst sechs Landgerichte mit 70 Amtsgerichten; schon 1882 kam ein weiteres Amtsgericht in Wischwill hinzu und durch Teilung des Landgerichtsbezirks Tilsit entstand 1885 der neue Landgerichtsbezirk Memel; seither blieb die Anzahl der Gerichte – bis zum Verlust von Preußisch Litauen und Soldau – unverändert: Landgericht Allenstein (10) – Allenstein, Gilgenburg, Hohenstein, Neidenburg, Ortelsburg, Osterode, Passenheim, Soldau (1920 an Polen abgetreten), Wartenburg und Willenberg Landgericht Bartenstein (17) – Barten (Kreis Rastenburg), Bartenstein, Bischofsburg, Bischofstein, Domnau, Friedland, Gerdauen, Guttstadt, Heilsberg, Kreuzburg, Landsberg, Nordenburg, Preußisch Eylau, Rastenburg, Rößel, Schippenbeil und Seeburg Landgericht Braunsberg (10) – Braunsberg, Heiligenbeil, Liebstadt, Mehlsack, Mohrungen, Mühlhausen, Preußisch Holland, Saalfeld (Ostpreußen), Wormditt und Zinten Landgericht Insterburg (6) – Darkehmen, Goldap, Gumbinnen, Insterburg, Pillkallen und Stallupönen Landgericht Königsberg (8) – Allenburg, Fischhausen, Königsberg, Labiau, Mehlauken, Pillau, Tapiau und Wehlau Landgericht Lyck (10) – Angerburg, Arys, Bialla, Johannisburg, Lötzen, Lyck, Marggrabowa, Nikolaiken, Rhein und Sensburg Landgericht Tilsit (6) – Heinrichswalde, Kaukehmen, Ragnit, Skaisgirren, Tilsit und Wischwill Landgericht Memel (4) – Heydekrug, Memel, Prökuls, Ruß.

Der Gerichtsbezirk hatte eine Fläche von insgesamt rund 36.990 km2 mit einer Einwohnerzahl im Jahr 1890 von 1.958.663. Das Landgericht Zichenau wurde während der deutschen Besetzung Polens 1939 mit Erlass vom 26. November 1940 als neuntes Landgericht im Bezirk des Oberlandesgerichtes Königsberg gebildet.Erlaß über die Gerichtsgliederung in den eingegliederten Ostgebieten vom 26. November 1940, RGBl. I 1940, S. 1538, Digitalisat Im Zuge des am 22. Juni 1941 begonnenen deutschen Angriffs auf die Sowjetunion wurde Białystok von der Wehrmacht besetzt und dort später das Landgericht Bialystock als 10. Landgericht im Oberlandesgerichtsbezirk geschaffen. In der Endphase des Zweiten Weltkriegs wurden evakuierte Teile des Gerichtspersonals in Rostock und ab 24. Februar 1945 in Schwerin zu einer „Auffangstelle für die Justiz aus dem Freimachungsgebiet Königsberg“ verlegt.Peter Lindemann: territorial.dePommersche Gerichtsbarkeit.

Persönlichkeiten Behördenleiter Wilhelm Schimmelpfennig, Richter (Ernst Bischoff-Culm, 1910)|mini|hochkant Präsidenten 1819: Carl von Wegnern 1832–1868: Friedrich von Zander 1879–1885: Karl Gustav von Goßler 1886: unbesetzt 1887–1899: Ernst von Holleben 1900–1911: Karl Ludwig von Plehwe 1913–1921: von der Trenck 1922–1925: Karl EichnerActa Borussica (PDF; 1,92 MB) 1926–1927: Max Witte 1928: Bruno Krüger 1929–1931: Hugo Holthöfer 1932–1933: Walter Moehrs, Präsident des OLG Frankfurt am Main (1946–1948)Blog 1933–1934: Otto MindeLothar Gruchmann: Justiz im Dritten Reich 1934–1937: Otto Hardt 1937–1944: Max Draeger 1945: Max Engel

Oberstaatsanwälte/Generalstaatsanwälte miniatur|Siegelmarke des Oberstaatsanwalts bis 1918|hochkant 1880–1888: Otto Saro 1889: unbesetzt 1890–: Dahlke 1892–1899: Karl Ludwig von Plehwe 1901–1911: E. P. F. Voswinckel 1913–1920: Preuß 1922–1929: Max Krause 1930: nach Namensänderung Max Krause-Harder 1930–1933: Hans Danckwortt 1934–: Franz Hagemann 1937–: Günther VollmerGünther Vollmer in der englischsprachigen Wikipedia 1939–: Curt Capeller 1943–: Fritz SzelinskiSzelinski erhängte sich in der Gestapohaft; siehe Max Draeger 1945: Heinz Büttner

Weitere Richter Hugo Hoerner (1895–1906) Alfred Funk (ab 1939 Senatspräsident)

Bedeutende Verfahren Im Jahre 1842 wurde Johann Jacoby wegen Majestätsbeleidigung und „frechen, unehrerbietigen Tadels der Landesgesetze“ zu zweieinhalb Jahren Festungshaft verurteilt.Blog Im Jahre 1904 fand am Landgericht Königsberg der Königsberger Geheimbundprozess gegen Otto Braun und andere statt.Kurt Eisner: Der Geheimbund des Zaren. Berlin 1904 (Neuausgabe Berlin 1988). Nach Ernst-A. Seils: Hugo Haase (2016), S. 212–225

Siehe auch Ostpreußische Regierung (Justizbehörde)

Literatur Georg Conrad: Geschichte der Königsberger Obergerichte. Duncker & Humblot, Leipzig 1907. Gothaisches Jahrbuch für Diplomatie, Verwaltung und Wirtschaft. 163. Jg., Gotha 1926. Wilhelm Keil: Neumanns Orts-Lexikon des Deutschen Reichs. Ein geographisch-statistisches Nachschlagebuch für deutsche Landeskunde, 3. Auflage. Leipzig 1894. Christian Tilitzki: Alltag in Ostpreußen 1940–1945. Die geheimen Lageberichte der Königsberger Justiz. Sonderausgabe. Flechsig, Würzburg 2003, ISBN 3-88189-481-0.

Einzelnachweise

Konigsberg Kategorie:Organisation (Königsberg) Konigsberg Kategorie:Gerichtsgründung 1879 Kategorie:Aufgelöst 1945