Die ENRW Energieversorgung Rottweil GmbH & Co. KG (ENRW) ist ein Querverbundunternehmen mit den Sparten Strom, Gas, Wasser, Wärme, Energiedienstleistungen und Bäder und hat ihren Sitz in Rottweil. Gesellschafter sind die Stadt Rottweil über den ENRW Eigenbetrieb mit 80 Prozent und die EnBW Kommunale Beteiligungen GmbH mit 20 Prozent.
Geschichte Vorgeschichte
Gas 1884 errichtete der Fabrikant Max von Duttenhofer ein Gaswerk in der Katzensteigmühle. 1905 übernahm die Stadt Rottweil das Gaswerk von der Familie Duttenhofer,Rottweil seit 1894 unter Strom. In: Schwarzwälder Bote. 17. November 2017, S. 40. und 1912 war bereits die Hälfte aller Haushalte in Rottweil an das Gasnetz angeschlossen.
Ende 1965 wurde die Eigenerzeugung von Gas zugunsten des Ferngasbezugs eingestellt. Ab 1970 wurde die Umstellung von Stadtgas auf Erdgas vollzogen, das im Vergleich einen höheren Heizwert aufweist.Der Absatz ging steil nach oben. In: Südkurier. 7. Juli 2004.
1979 übernahmen die Stadtwerke Rottweil die Erdgasversorgung der Stadt SpaichingenENRW versorgt Stadt mit Gas und Wasser. In: Schwäbische Zeitung. 29. April 2016, S. 17. und bauten 1983 die Erdgasversorgung in Trossingen auf sowie eine Hochdruck-Erdgasleitung zur Versorgung mehrerer Heuberg-Gemeinden.
Strom 1893 baute der Kunstmühlenbesitzer Andreas Lang die Vögelinsmühle zu einem Elektrizitätswerk aus und begann, die Stadt Rottweil mit Strom zu versorgen. Hierfür ersetzte er die beiden Wasserräder der Mühle durch eine Turbine und installierte eine Batterie sowie zwei Generatoren mit je 25 PS. Für die Versorgung der Stadt wurde ein Freileitungs-Dreileiternetz mit einer Gleichspannung von zweimal 110 Volt errichtet.
Bis zur Jahrhundertwende konnten durch das Elektrizitätswerk aufgrund hoher Preise nur etwa 80 Haushalte mit Strom versorgt werden. Nachdem die Preise zurückgingen stieg der Strombedarf weiter an und die Wasserkraft reichte nicht aus, um die verlangte Versorgung zu gewährleisten, weshalb eine Dampfmaschine mit 50 PS und eine Saug-Gasmotorenanlage mit 60 PS hinzugezogen wurden.
Das Elektrizitätswerk brannte 1906 komplett nieder und die Söhne von Andreas Lang, Adolf und Julius Lang, errichteten ein neues Maschinenhaus für die Elektrizitätsanlage. 1908 wollte die Stadt Rottweil das Elektrizitätswerk erstmalig übernehmen, jedoch scheiterte die Übernahme an den unterschiedlichen Preisvorstellungen. Der Strombedarf stieg weiter an, sodass die Eigenproduktion nicht mehr ausreichte, was 1913 zum Bau einer Hochspannungsleitung führte, um die Stadt und umliegende Gemeinden wie Hausen, Horgen, Flözlingen, Stetten und Lackendorf anzubinden.
Zum 1. Juli 1921 übernahm die Stadt Rottweil das Elektrizitätswerk, das 1893 von Andreas Lang aus der Vögelinsmühle ausgebaut worden war.Rottweil steht schon früh unter Strom. In: Schwarzwälder Bote. 25. Juli 2016, S. 13. Nach der Übernahme setzte die Stadt mehrere Erweiterungs- und Sanierungsmaßnahmen in ihren Werken um, unter anderem wurden in den ersten Jahren nach der Übernahme die Schaltanlagen verstärkt, Turbinenanlagen verbessert und Trafostationen errichtet. Aufgrund der steigenden Nachfrage nach Strom wurde ab 1923 zusätzlicher Strom vom Überlandwerk Tuttlingen bezogen. Der vorherige Stromliefervertrag mit dem Kraftwerk Laufenburg lief aus.
Bis 1930 wurde das Stromnetz vollständig von Gleichstrom auf Wechselstrom umgestellt.
In den 1940er- und 1950er-Jahren wurde die Stromversorgung auf weitere umliegende Gebiete ausgeweitet und die Versorgung von Neubaugebieten sowie Industrie- und Gewerbeeinrichtungen wurde ausgebaut.
Trinkwasserversorgung 1884 wurde im Brunnentäle eine Pumpstation für Wasser mit einem Fassungsvermögen von 500 m³ gebaut. 1915 wurde die alte Pumpstation im Brunnentäle abgerissen, um Platz für ein Kraftwerk zu schaffen. Als Ersatz wurde ein neues Pumpwerk im Eschachtal errichtet. 1958 wurde der Anschluss an die Bodensee-Wasserversorgung fertiggestellt. 1974 folgte die Einweihung des neuen Wasserturms auf der Charlottenhöhe. 1979 übernahmen die Stadtwerke Rottweil die Betriebsführung der Trinkwasserversorgung der Stadt Spaichingen.
Wärme Der Beginn der Wärmeversorgung wurde mit dem ersten Blockheizkraftwerk beim damaligen Hallenbad geschaffen. Die erste Blockheizkraftwerk-Anlage wurde mit dem Ziel errichtet, eine möglichst effiziente und wirtschaftliche Energieversorgung zu gewährleisten. Die Anlage, die mit Gasmotoren betrieben wurde, lieferte Strom sowohl für das Frei- und Hallenbad als auch für ein Neubaugebiet. Im Laufe der Zeit wurde die Wärmeversorgung auf weitere Stadtgebiete Rottweils ausgedehnt. In den späten 1980er-Jahren planten die Stadtwerke, im Ortsteil Hausen eine Holzvergasungsanlage zu errichten und über ein Blockheizkraftwerk Strom und Wärme zu erzeugen. Dieses Vorhaben wurde aufgrund technischer Probleme nicht realisiert und das Blockheizkraftwerk wurde stattdessen mit Erdgas betrieben. Das Werk wurde 1992 in Betrieb genommen.
Zusammenschluss der Werke 1927 erfolgte die Neuorganisation der städtischen Werke für Strom, Gas und Wasser zu den Städtischen Betriebswerke (Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerk) Rottweil a. N. Die Betriebswerke erhielten 1940 eine neue Satzung und firmierten zu Stadtwerke Rottweil a.N. um.
1986 wurde das städtische Hallenbad zum Sole- und Freizeitbad Aquasol umgebaut und den Stadtwerken Rottweil zugeordnet.Aquasol soll ganz neu gebaut werden. In: Schwarzwälder Bote. 3. September 2021, S. 37.
ENRW Energieversorgung Rottweil Durch die Einbringung der Stromnetze der EnBW wurden die Stadtwerke Rottweil 1999 in die ENRW Energieversorgung Rottweil GmbH & Co. KG umgewandelt. 2003 folgte die Beteiligung an der Südweststrom GmbH, und 2007 ging das Biogasheizkraftwerk in Rottweil-Hausen in Betrieb.ENRW präsentiert sich modern und zeitgemäß. In: Schwarzwälder Bote. 17. Dezember 2015, S. 43. Die Stadt erhöhte 2011 ihren Gesellschaftsanteil auf 80 Prozent und die ENRW stieg im selben Jahr durch Beteiligung an der Baltic Windpark Beteiligungen GmbH & Co. KG in die Windkrafterzeugung ein.Ralf Köpke: Stadtwerke beteiligen sich an Baltic 1. In: Energie & Management. 19. Mai 2010. In den Jahren 2012 und 2013 wurde ein zweites Umspannwerk in Zimmern ob Rottweil fertiggestellt und das Erdgasnetz in der Region ausgebaut. So erfolgte 2013 der Anschluss der Gemeinde Bubsheim an die Hochdruck-Erdgasleitung auf den Heuberg.Bubsheimer Erdgasnetz wächst weiter. In: Schwäbische Zeitung. 18. Juni 2015, S. 16. 2014 beteiligte sich die ENRW an der Kooperation Erneuerbarer Energien im Landkreis Rottweil, und 2015 wurde das Erdgasnetz um die Gemeinde Reichenbach erweitert.
Der 1974 errichtete Wasserturm wurde 2017 an einen IT-Dienstleister verkauft.
2020 wurde Neukirch an das Erdgasnetz der ENRW angeschlossen. 2023 begann der Bau eines neuen Unternehmenssitzes in Neufra. 2024 wurde der Solarpark Frankenreute, an welchem die ENRW beteiligt ist, nach einer Bauzeit von sechs Monaten in Betrieb genommen.Strom aus Zimmern Solarpark nahe der A81 versorgt jetzt 3500 Haushalte. In: Schwarzwälder Bote. 6. Juni 2024. Im selben Jahr begann der Bau des Solarpark Wildenstein. Dieses Projekt zum Bau einer Freiflächen-PV-Anlage wird von der ENRW, der Vento Ludens GmbH, der Volksbank Rottweil und der KlimaRegionRottweil durchgeführt.
Unternehmensstruktur Die ENRW Energieversorgung Rottweil GmbH & Co. KG mit Sitz in Rottweil gehört zum ENRW Unternehmensverbund. Die Gesellschafter sind die Stadt Rottweil, vertreten durch den Eigenbetrieb ENRW, mit einem Anteil von 80 Prozent und die EnBW Kommunale Beteiligungen GmbH mit 20 Prozent. Die Stadt Rottweil betreibt zudem den ENRW Eigenbetrieb Stadtentwässerung.
2023 begann die ENRW mit den Bauarbeiten für ihren neuen Unternehmenssitz am Standort Rottweil-Neufra. Das Gebäude wurde im Frühjahr 2025 bezogen und vereint langfristig alle zentralen Unternehmensfunktionen an einem Standort. Für den Neubau erhielt die ENRW eine Auszeichnung im Verfahren „Beispielhaftes Bauen Rottweil 2016 – 2025“.
Im Geschäftsjahr 2025 erzielte die ENRW einen Umsatz von über 108,4 Millionen Euro und beschäftigte durchschnittlich 188 Mitarbeitende. Im selben Jahr investierte das Unternehmen 26 Millionen Euro in die öffentlichen Versorgungstätigkeit. Von 2019 bis 2023 wurden zudem rund 2,4 Millionen Euro in die Erneuerung des Nieder- und Mittelspannungsnetzes, für neue Umspannstationen und für die Erschließung von Wohnbau- und Gewerbegebieten investiert.Klaus Weisser: Energiemix sorgt für ordentlich Watt. In: Schwarzwälder Bote. 18. September 2024.
Geschäftsfelder Elektrizität Das Stromnetzgebiet der Gesellschaft erstreckt sich neben der Stadt Rottweil mit allen Ortsteilen auf die folgenden Städte und Gemeinden in den Landkreisen Rottweil und Schwarzwald-Baar: Deißlingen und Lauffen ob Rottweil, Dietingen, Dunningen Ortsteil Lackendorf, Eschbronn Ortsteil Locherhof, Königsfeld im Schwarzwald Ortsteil Weiler, Niedereschach Ortsteil Fischbach und Zimmern ob Rottweil mit den Ortsteilen Horgen, Flözlingen und Stetten. In den aufgeführten Städten und Gemeinden ist die ENRW Grundversorger für Strom.Energiewende mitgestalten als Versorgungsheld. In: Schwarzwälder Bote. 10. Februar 2024, S. 50.
Seit der Liberalisierung des Strommarkts bietet die ENRW auch außerhalb ihres Netzgebietes Stromprodukte an. Das Unternehmen erzeugt Energie ausschließlich regenerativ und durch Kraft-Wärme-Kopplung.ENRW Energieversorgung Rottweil GmbH & Co. KG, Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2022 zum 31.12.2022, veröffentlicht im Unternehmensregister am 15. November 2023, abgerufen am 3. November 2024.Die ENRW. In: Schwarzwälder Bote. 13. Dezember 2022, S. 15.
Die Stromkreislängen setzen sich aus verschiedenen Freileitungs- und Kabelleitungen zusammen. Stand 2023 entfallen bei den Freileitungen 52 km auf die Mittelspannung, 155 km auf die Niederspannung ohne Hausanschlüsse und 6 km auf Hausanschlussleitungen, was in der Niederspannung insgesamt 161 km ergibt. Die Kabelleitungen umfassen 10 km in der Hochspannung, 243 km in der Mittelspannung sowie 372 km in der Niederspannung ohne Hausanschlüsse und 248 km an Hausanschlussleitungen, sodass die Niederspannung insgesamt 620 km beträgt.
Erneuerbare Energien Ende 2014 wurde die Kooperation Erneuerbare Energien Landkreis Rottweil GmbH (KEER) zur Förderung des Ausbaus regenerativer Energien in der Region gegründet. Zur Kooperation gehören neben der ENRW auch die Stadtwerke Schramberg, die EnBW Kommunale Beteiligungen GmbH und Stromversorgung Sulz.
Photovoltaik mini|PV-Anlage auf der Rottweiler Stadthalle Die Photovoltaikanlagen haben eine Leistung von 400 kW und erzeugen jährlich rund 400.000 kWh Strom. Die ENRW betreibt in Rottweil an folgenden Standorten Photovoltaikanlagen: Sole- und Freizeitbad Aquasol Stadthalle Rottweil ENRW-Gebäude In der Au ENRW Kläranlage Albertus-Magnus-Gymnasium Leibniz-Gymnasium Kletterhalle K5 Freibad Rottweil Wasserhochbehälter Zimmern
Windenergie mini|Windpark Auf den Langen, Beteiligung an Windpool Gmb Das Netzgebiet der ENRW gilt als windarme Gegend. Im Juli 2011 beteiligte sich die ENRW deshalb neben 18 weiteren Stadtwerken an dem Offshore-Windpark Baltic 1 in der Ostsee mit einem Anteil von 500 kW. Insgesamt produziert der gesamte Windpark mit 21 Windkraftanlagen etwa 185 Millionen kWh Strom. Im Januar 2013 beteiligte sich die ENRW an der Windpool GmbH mit einer Leistung von einem Megawatt.
Durch die Beteiligung in Höhe von rund 2 % an der Offshore-Windkraftanlage entfallen auf das Unternehmen etwa 500 kW Leistung und 2 Millionen kWh Strom pro Jahr. Durch die Beteiligung in Höhe von 1 % an der Onshore-Windkraftanlage entfallen auf das Unternehmen etwa 1.000 kW Leistung und ebenfalls 2 Millionen kWh Strom jährlich.
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